Zitate aus den beschriebenen Artikeln 5

 

 

 

"Oberkärtner

Mitteilungen"

 

Allgemeiner

Anzeiger für das

Kärntner Oberland

 

Ausgabeort Spittal

herausgegeben von

J. Karre in Spittal

 

Ausgabe vom

21. Oktober 1909

"Spittal (Evangelische Gemeinde): Erstes Läuten der Glocken

 

Sonntag, den 17. Oktober [1909] fand das erste Läuten der Glocken statt. Nach dem letzten Gottesdienste im Turnsaal des Gebäudes der Volksschule strömte eine stattliche Menge hinaus zur neuerbauten evangelischen Kirche. Nachdem 10 Jahre hindurch die Gottesdienste in doch gewiss unzulänglichen und nicht ganz würdigen Räumen gefeiert werden mussten,  kann die Gemeinde bald in die eigenen Räume einziehen. Beim ersten Läuten der Glocken gab´s eine Vorfreude. Nach Verlesung einiger Werke aus der heiligen Schrift und nach einem kurzen Gebet, erschollen die Glocken. Nach ungefähr 300 Jahren wieder evangelische Glockenklänge im Drautale. Die Glocken sind auf die Töne f, as und c gestimmt und in der Glockengießerei von C. Schwabe-Biala gegossen worden. Das Moll-Geläut hat einen vollen schönen Klang. Jede Glocke wurde zuerst allein geläutet, dann erklangen die drei Glocken zusammen, still und ruhig; ergriffen von dem schönen Klang der Glocken, horchte die versammelte Schar der Evangelischen mit ihren Freunden. Sonnenschein und blauer Himmel, Freude und Friede. Das ergriff die Herzen, und auch manchem Kernigen Mann lief eine verstohlene Freudenträne in den Bart.

 

Sonntag, den 31. Oktober kommt erst die volle Freude, da wird die Gemeinde den ersten festlichen Gottesdienst feiern. Glaubensgenossen und Freunde werden kommen und sich mitfreuen an diesem Baue, der der Gemeinde das bietet, was sie zur Erstarkung nach außen und innen braucht. Zunächst einen schlichten und doch feierlichen gottesdienstlichen Raum; dann einen Raum, der zur Vergrößerung des kirchlichen Raumes und doch auch für sich als Versammlungs-, Unterrichts- und Lesezimmer benützt werden kann; ferner die Wohnung für den in den Dienst der Gemeinde berufenen Geistlichen in bescheidener, aber ausreichender Größe.

 

Der ganze Bau bietet fast von allen Seiten ein liebliches Bild. Die Architekten C. Kattner und G. Knell aus Wien, haben der Gemeinde nicht nur einen praktischen Mittelpunkt geschaffen, sondern auch dem ganze Orte Spittal einen schönen Schmuck beschert. Allen Leuten kann mans halt nicht recht machen, der Giebel der Kirche sei zu hoch, das Mauerwerk des Turmes zu niedrig. Der Turm ist unten gedrungen und fest, darüber erhebt sich das spitze Ziegeldach des Turmes, oben mit dem sich recht frei in die Lüfte bis zu einer Höhe von 35 Metern erhebendem goldenen Kreuz. Der ganze Bau bildet einen schönen Abschluß der Straße, gleich in die Augen fallend und doch ruhig und still gelegen, denn der Verkehr wird sich kaum von der alten Bahn in diese neue Straße ablenken lassen. Wenn nun einer noch nach dem Stile des Baues fragt, so kann dem nur geantwortet werden, daß die ganze Anlage des Baues nach unbedingten Erfordernissen entworfen ist und daß sich danach alles gerichtet hat. Trotzdem wird man nicht behaupten, daß der Bau keinen harmonischen Eindruck macht. Der kleinen evangelischen Gemeinde ist mit der Vollendung des Baues ein Herzensanliegen erfüllt. Gering ist die Zahl derer, die sich mit ihr freuen, gewiss nicht."

 


 

bzw.

6. November 1909

"Das Fest der evangelischen Pfarrgemeinde Spittal a. d. Drau

 

Auf der Kleinen Glocke des Geläutes der neuerbauten evangelischen Kirche in Spittal steht das kurze Bibelwort: "Als die traurigen, aber allzeit fröhlich". So waren wohl viele von den Festteilnehmern an dieser Freudenfeier traurig, ob des regnerischen Wetters und wohl alle darum, da die Vielen, die in der kleinen Kirche, obwohl gewiss 600 in ihr waren, keinen Platz gefunden hatten, die Predigt des Evangeliums an diesem Sonntag und bei dieser Feier wohl entbehren mußten. Es war vorgesorgt, daß im Freien auf dem Gelände hinter der Kirche ein Gottesdienst hätte stattfinden können, aber der Himmel bezog sich mehr und mehr und der Regen strömte. Desto geborgener fühlten sich die, die im Kirchlein Platz gefunden hatten.

 

Fröhlich luden die Glocken ein, ins freundliche Gotteshaus einzutreten. Fröhlich wanderten die lieben Gäste und Freunde hinein. Eine festliche Stimmung verbreitete die ernste und doch freudige Ansprache des Herrn Superintendenten K. Lichtenstettiner aus Schladming (Steiermark). Der Festprediger Pfarrer B. Gantenbein aus Chur (Schweiz) fand an der Festversammlung aufmerksame Zuhörerschaft für seine vom tiefen christlichem Ernste getragenen Ausführungen. Es bewahrheitete sich das Wort, das auf der zweiten Glocke steht: "Als die armen, aber doch so viele reich machen". So freudig und wuchtig klangen die Lieder der Gemeinde als Antwort auf die frommen Weisen des Männerchores unter Leitung des Herrn Fachlehrers M. Payer und die Ausführungen der Verkünder des göttlichen Wortes. Es bewahrheitete sich der Spruch auf der dritten Glocke: "Als die nichts inne, und doch alles haben". So schlicht ist die kleine Kirche, so die Versammlung, so schlicht die Diener der Gemeinde Gottes in ihrem Auftreten, und doch überall hervortretend das Licht der Welt, immer und immer wieder der Hinweis auf den gütigen Gott und Vater im Himmel, der nur seine Majestät und Huld in Herrn Christo zeigt. Bei größter Einfachheit der tiefste Inhalt. Nicht Formeln, sondern Leben. Nicht Priester und Herde, sondern eine Gemeinde Gottes, die mit allen ihren Gliedern gleich bestrebt ist, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Der Pfarrer der Gesamtgemeinde Unterhaus, zu der die Filialgemeinde Spittal gehört, sprach das Schlußgebet. Darauf sang die Gemeinde "Nun danket alle Gott". Festgeläute geleitete die Gemeinde aus dem Gotteshause.

 

Viele waren von weit hergekommen. Fast alle evangelischen Gemeinden Kärntens waren vertreten. Erschienen sind die Herren k. k. Regierungsrat Alexander Ritter von Pawlowski, k. k. Bezirkskommissär von Skarpatetti, k. k. Landesgerichtsrat A. Fischer, Ing. und Oberkommissär Bierbaumer, Oberrevident Biber, Offizial Wurmböck, Altbügermeister Grebmer, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Pichler, kaiserlicher Rat Bernhardt, k. k. Richter Perschka, k. k. Steuerverwalter Eder, Bauingenieur Gunzer, k. k. Notar Dr. Klaus, Direktor Pirker, Schulleiterin von Socher, Landtagsabgeordneter Hofer, die Senioren Bünker und Schwarz, und eine Reihe von evangelischen Geistlichen. Auch die Herren Architekten C. M. Kattner und G. Knell, wie die Herren Baumeister Lerchbaumer, die Meister und Gesellen waren erschienen.

 

Nachher versammelten sich ungefähr achtzig Festteilnehmer zu einem einfachen Mittagessen im Gasthofe "Zur Alten Post", bei dem der Herr Superintendent ein Hoch auf Se. Majestät ausbrachte. Am Abend zuvor war ein gemütliches Beisammensein in Makorus Gasthaus. Hier begrüßte Herr Kurator Bruckmann die Gäste, verbreitete sich Herr Dr. Kukutsch über die kulturelle Bedeutung des Protestantismus, und über die Wichtigkeit der kirchlichen Organisationen, bot Vikar Schacht eine kurze Geschichte der Filialgemeinde, überbrachte der Schweizer Gast die Grüße und Gabe der fernen Glaubensgenossen, Pfarrer Buchacher die Segenswünsche der Muttergemeinde Unterhaus. Das Schlußwort hatte Herr Senior Schwarz (Waiern).

 

Aeußerlich hat nun die evangelische Gemeinde ihr Ziel erreicht. die Kirche samt Pfarrhaus steht. Nun hat sie innerlich noch zu erstarken, damit sie noch selbständige Pfarrgemeinde werde und dadurch ein achtbares Glied der erstarkenden evangelischen Kirche Kärntens, Österreichs und ein Hort evangelischen Glaubens, ungeteilter Gewissensfreiheit, Förderer jeglicher fortschrittlichen Bewegung, ein Mittelpunkt echt deutschen, tiefen Gemüts- und Geisteslebens, eine Mahnerin zum Frieden im sozialen Fortschritt der Gesamtbevölkerung und eine Dienerin der Liebe ohne Ansehen des Alters, des Standes und der Konfession."

 

 

Die Pfarrgemeinde in den Medien der Zeit

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