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Zitate aus den beschriebenen Artikeln 3 |
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"Gustav-Adolf- Vereinsbote"
"Monatsschrift für die Evangelische Kirche Österreichs"
Ausgabeort Bielitz in k. k. Schlesien
Ausgabe vom 28. Januar 1910 |
"Gruppenbau der evang. Filialgemeinde Spittal a. d. Drau in Kärnten
Die Filialgemeinde Spittal ist auch ein Kind der evangelischen Bewegung. Es ist allerdings nicht gerade so, daß in Spittal die sogenannte "Los von Rom-Bewegung" wie überhaupt in Kärnten besonders kräftig eingesetzt hätte. Ein Vergleich mit Böhmen und Steiermark ist in dieser Hinsicht natürlich nicht zu ziehen. Aber die alten evang. Gemeinden Kärntens übten eine gewisse neuerwachte Anziehungskraft aus, als man in Österreich seine Aufmerksamkeit wieder auf das Evangelium und seine mehr stillwirkenden Kreise richtete. So entstanden die jetzt blühenden Gemeinden in Villach, die neuen Mittelpunkte in St. Veit, Hermagor und Spittal. Wanderten die dort ansäßigen Evangelischen aus der Stadt hinaus aufs Land und in die Berge zu alten Gemeinden mit ihren ehrwürdigen Toleranzbethäusern, so entstand jetzt der Wunsch, sich in den Städten eigene Heime zu schaffen.
Hatte sich dieser Wunsch erst einmal ans Tageslicht gewagt; waren erste Gottesdienste in regelmäßigen Abständen eingeführt; da merkte man auch, wie viele Evangelische aus den alten Gebirgsgemeinden in den Märkten und Städten der Täler zerstreut wohnten.
In Spittal waren 1890 die ersten evangelischen Gottesdienste, 1901 wurde ein Vikar bestellt, 1904 wurde die Filialgemeinde gegründet, 1907 wurden einige Teile von drei Nachbargemeinden der neuen Filialgemeinde zugeteilt, so daß am Orte ungefähr 350 Evangelische wohnten, weiter zerstreut noch 150.
Die gottesdienstlichen Räume, Schießhalle, Gasthausraum, Schulzimmer, waren für die durchschnittliche Besucherzahl von 150 Andächtigen völlig unzureichend. Es mußte gebaut werden. Die Gemeinde hat die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete des Bauens kleiner Kirchen und des Gruppenbaus benützt, um sich ein ebenso nützliches wie ansprechendes Heim zu schaffen. Die Herren C. M. Kattner und G. Knell, Architekten in Wien - sie waren Sieger in einem auf einige Architekten beschränkten Wettstreit - , haben der Gemeinde nach ihrem Wunsche das hingestellt. Kirche und Pfarrhaus sind zusammengebaut. Der Turm steht in der Achse der Straße die gerade auf den Bau zuführt, der auf dem Stirnstück einer Querkreuzung erbaut ist. Links erhebt sich das steile Kirchendach, in das die Decke des Innenraumes hineingezogen ist. Die Kirche bietet zu ebener Erde etwas über 200 Plätze, auf 2 Emporen seitlich noch 100 Plätze. Hinter dem Turm, rechts von der Kirche, ist ein Gemeindezimmer, das gegen die Kirche abgeschlossen werden kann, das aber auch zur Vergrößerung der Kirche dient und 70 bis 90 Plätze bietet. Hinter diesem Zimmer liegt die Sakristei, die zu gleicher Zeit das Arbeitszimmer des Geistlichen ist. Durch Gemeinde- und Arbeitszimmer ist die Verbindung von Kirche und Pfarrhause hergestellt. das Pfarrhaus ist gegen die Kirche also zurückgerückt, daß ein überaus reizvoller Winkel zwischen Kirche und Pfarrhaus gebildet ist. Es bietet keine große, aber doch eine ausreichende Wohnung; im Erdgeschoß zwei Zimmer, Küche und Magdzimmer, im ersten Stock drei Zimmer, Bad und Kammer.
So hat die Gemeinde durch diesen Gruppenbau einen wirklichen Mittelpunkt ihres Gemeindelebens erhalten, den sie durch eine Kirche allein nicht erhalten hätte. Der ganze Bau macht einen lieblichen Eindruck. Zunächst erhebt sich ein verschieden hoher Steinsockel, dann wechselt grauer und rauher Verputz ab, von dem dann das rote Kirchendach wirkungsvoll absticht. Durch reichlichen Blumenschmuck im Vorgarten soll nach und nach das Ganze noch gehoben werden. Auch im Inneren der Kirche sind im Schiff und Apsis Blumenbalkons angebracht, um den Bau, der sonst ganz einfach gehalten ist, einen recht lebendigen und abwechselnd herrlichen Schmuck aus Wald, Feld, Wiesen und Gärten zu geben.
Kanzel, Abendmahlstisch und Gestühl ist aus gutem Lärchenholz. Die Fenster aus einfachem Glas haben Bleiverglasung. Die Kirche ist überaus hell und freundlich. Wenn des Morgens die Sonne durch die Apsisfenster und durch das Gemeindezimmer scheint, so liegt ein feiner bläulicher Schimmer im ganzen Bau. Wenn des Abends die letzten Strahlen der Sonne durch die drei großen Scheiben fällt, so ist der ganze Bau in Gold getränkt. Während des Gottesdienstes sieht man den Himmel grüßen und die Wolken ziehen. Wie herrlich ist diese klare Gotteswelt gegen alles mystische Dunkel, Halbdunkel und Geheimnisvolle!
Diese Helligkeit unseres Kirchleins stimmt so recht zum klaren, reinen Gotteswort. Eine Orgel ist noch nicht vorhanden. Glocken in f, as und c gestimmt und die Uhr sind geschenkt. Die Schweizer und die Gustav-Adolf-Vereine in Deutschland haben besonders geholfen, dies liebe Kirchlein mit Pfarrhaus zu bauen.
Vor der Kirche ist ein kleiner schmucker Gartenplatz, hinter der Kirche ein schöner, grüner Wiesenplatz mit Obstbäumen und einem Gemüsegarten. Dann steigt das Gelände bis zu einer anderen Straße, auf ihr sind schon vor einigen Jahren Nadelgehölze angepflanzt worden. Der Garten ist allerdings erst im Entstehen.
Wenn auch die Abrechnung noch nicht geschlossen ist, so kann man ungefähr angeben, daß der Bau ohne Baugrund, Gartenanlage, Orgel, Glocken und Uhr rund 70.000 Kronen kosten wird. Bisher hat sich der Bau bewährt. Am ersten Oktober 1909 war der erste Gottesdienst in der neuen Kirche. Wenige Tage vorher hatte auch die Wohnung bezogen werden können. Martin Modl, Pfarrer in Bielitz" |
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"Freie Stimmen"
"Deutsche Kärntner Landeszeitung"
(in der Selbstbezeichnung als national-deutsch deklariert)
Erscheinungsort und verlegt in Klagenfurt, Gutenberghaus, Bernhardtgasse
Ausgabe vom 6. November 1909 |
"Konfessionelle Freundlichkeit
Zur selben Zeit, da in der neuerbauten evangelischen Kirche der erste feierliche Gottesdienst gefeiert wurde und eine große Zahl von Katholiken Gäste der evangelischen Gemeinde war und auf die Verkündigung der frohen Botschaft von der Liebe Gottes nach evangelischem Verständnisse horchte und gewiss im Innersten nicht unerbaut das Gotteshaus wieder verlassen konnte, wurde von andere Seite in konfessioneller Liebenswürdigkeit ein Schriftchen verteilt: Lutherspiegel von P. Franz Schmid, herausgegeben vom Verein Volksaufklärung, Gesellschaft zur Verbreitung guter Schriften. Es ist gewiß das gute Recht für den öffentlichen, amtlichen Vertreter einer Konfession, die seinige zu verteidigen, aber es ist eine Bedrohung des konfessionellen Friedens, eine derartige Schmähschrift zu vertreiben. Das kann man nur einen "unerhörten öffentlichen Skandal" nennen.
In die Besprechung von Einzelheiten einzugehen, würde zu weit führen. Nur sei hier die Beurteilung der Schrift durch die streng römisch-katholische "Kölnische Volkszeitung" angeführt (abgedruckt in der "Wartburg" Nr. 8 vom 19. 2. 1909:)
"Die Broschüre ist mit einer unglaublichen Leichtfertigkeit geschrieben, die leidenschaftliche, teilweise rohe Deklamation eines unkundigen Dilettanten. Man weiß schon einigermaßen Bescheid, wenn man im Vorwort das kuriose Verzeichnis der ,Quellen und Hilfsschriften´ liest. Eine eigentliche Quelle enthält es überhaupt nicht und von den quellenmäßigen Arbeiten zur Geschichte Luthers nur ein einziges, nämlich den grundgelehrten, leider bekanntlich durch Maßlosigkeiten entstellten ersten Band von Denifles ,Luther und Luthertum´. Dann werden allerhand gute und minder gute Bücher durcheinander angeführt wie Kraut und Rüben. Die wissenschaftliche Luther-Literatur fehlt (mit Ausnahme Denifles) vollständig, beispielsweise werden Döllinger und Janssen nicht genannt. Zum Ersatz werden wir auf Seite 67 - es ist die einzige Zitatenanmerkung der ganzen Schrift - bei Luthers Tod auf Deckerts schlechte Abhandlung über Luthers Selbstmord verwiesen; Dieses Märchen preiszugeben kann Schmid sich noch immer nicht entschließen, wenn er es auch nicht akzeptiert; mit Berücksichtigung so kompetenter Gegner der Fabel wie R. Paulus hat er sich nicht geplagt. Bei vielen seiner Textzitaten, bei den persönlichen Angriffen auf Luther usw. kommt man aus dem Erstaunen gar nicht heraus."
Darauf wird vor dem Gebrauch dieses Lutherspiegels gewarnt, wenn auch dem Verfasser mildernde Umstände zugebilligt werden.
Die Warnung des führenden römisch-katholischen Blattes scheint vom Deutschen Reiche bis Österreich noch nicht gedrungen zu sein, wenigstens in das noch immer etwas abgelegene Alpenland Kärnten. Hier hält man man es offenbar mit dem Grundsatze: ,Hilf, was helfen kann´ oder ,der Zweck heiligt die Mittel´" |