|
Regionalkanoniker |
|
Zur Erneuerung der Kirche
nach dem Investiturstreit und dem Wormser Konkordat setzte Erzbischof
Konrad von Salzburg Regionalkanoniker ein, das waren
Weltgeistliche, die in Seelsorge und Pfarrleben tätig waren und eine
mönchsartige Lebensform praktizierten.
Man unterscheidet weltliche
Chorherren und Regularkanoniker, die entweder an der strengen Ordensregel
des Augustinus festhielten (Augustiner-Chorherren) oder
solche
des Norbert von Xanten (Prämonstratenser).
Es erfolgte die
Gründung von Kollegiatstiften in Eberndorf, Gurk, Maria Wörth,
Völkermarkt, Friesach, St. Andrä/L. und Griffen. In Oberkärnten bestand vermutlich
auch ein Kollegiatstift in
Paternion, spätere Gründungen solcher
Stifte gab es in
Strassburg, Völkermarkt und Kraig. |
|
|
|
|
|
|
Prediger- und Bettel-orden
werden gerufen |
|
Durch die Ansiedlung von
Predigerorden - wie z. B. dem Dominikanerorden in Friesach, um gegen die dort
aufgetretenen
Waldenser zu predigen, die als Ketzer galten
- und etlicher
Bettelorden als Gegenpol zum Reichtum von Kirchen und Klöstern
versprach man sich
zusätzliche Impulse. |
|
|
|
|
|
|
Verunsicherung wächst |
|
Allerdings sorgte
die zweifelhafte politische Lage nach dem Ende der Herrschaft der
Sponheimer für große Verunsicherung unter der Bevölkerung.
Nach
der vernichtenden Niederlage Ottokars gegen Rudolf von Habsburg
wurde Meinhard von Tirol Herzog von Kärnten. Das Land ging
danach 1353 an die Habsburger. |
|
|
|
|
|
|
Erdbeben und Pest
verwüsten das Land
|
|
Kurz nach Übernahme
deren Herrschaft erschütterte am 25. Januar 1348 ein
schweres Erdbeben das Herzogtum, dessen Epizentrum direkt in Villach lag
und in seinen Auswirkungen dem Erdbeben von Friaul im Jahre 1976 vergleichbar ist. Als
Folge davon stürzte ein Teil der Südwand des Dobratsch ab. Und
wenige Jahre später forderte - von Venedig eingeschleppt - der
"Schwarze Tod" (die Pest) massive Opfer unter der Bevölkerung. |
|
|
|
|
|
|
Geißler treten auf
Und wieder einmal sind die
Juden die Schuldigen
|
|
Da man
keine naturwissenschaftliche Erklärung für diese Ereignisse fand, musste
es sich um eine Strafe Gottes handeln. Einerseits suchte man die Schuld
bei sich, und die Geißlerbewegung fand daher in Kärnten leidenschaftliche
Anhänger für ekstatische Bußübungen und Selbstgeißelungen.
Andererseits fand man sehr schnell einen anderen Sündenbock in den in den
Städten ansässigen Juden.
Wohl weniger wegen ihrer religiösen Praktiken, sondern eher wegen ihres Engagements in
Geldgeschäften als Kreditgeber und Pfandleiher waren sie gehasst.
Es
wurden die unsinnigsten Beschuldigungen erhoben. Man sprach von rituellen
Morden an Christenknaben, man verdächtigte sie, Brunnen vergiftet und
damit die Pest ausgelöst oder Frevel am Sakrament
begangen zu haben.
Als Folge davon wurden die
Juden verfolgt, viele aus dem Land gejagt, aber nicht nur von den
religiösen Führern, sondern auch von der weltlichen Macht, da beide
Gruppen hohe Schulden bei den Juden hatten. So ist z. B. überliefert, dass
Bischof Paul von Gurk sogar seinen Bischofsstab bei einem
Juden versetzt hatte.
Für die Geldknappheit beim Klerus waren allerdings
nicht nur ein sehr luxuriöser Lebensstil, sondern nicht
zuletzt auch die hohen Abgaben an die Kurie in Rom verantwortlich. Außerdem
spielten auch ständige Kriegshandlungen unter den Bewerbern um viel versprechende Pfründe eine Rolle
bei der wachsenden Verunsicherung der Bevölkerung. |
|
|
|
|
|
|
Beginn der Türkeneinfälle |
|
Die Türkeneinfälle
1473, 1476, 1478, 1480 und 1483 trugen ein übriges dazu bei und richteten großen Schaden an. Am meisten litten die
Bauern. Der Adel saß sicher auf seinen Burgen, die Städte waren durch
Wehranlagen gesichert, die Bevölkerung des Landes hingegen konnte sich nur in
Gotteshäusern, die damals häufig zu Wehrkirchen
ausgebaut wurden, und in deren Friedhöfen verschanzen (Maria Saal, Eberndorf, Hochfeistritz
und Diex sind dafür
gute bauliche Beispiele). |
|
|
|
|
|
|
Ungarneinfälle unter
Friedrich III.
|
|
Gleichzeitig mit den
Türkeneinfällen wurde Kärnten in die Auseinandersetzungen Kaiser
Friedrichs III. mit dem Ungarkönig Mathias Corvinus
hinein gezogen. Vom Salzburger Erzbischof zu Hilfe gerufen, besetzten die
Ungarn 1480-1490 das Land, das gleichzeitig von kaiserlichen Soldaten
bedrängt und immer wieder geplündert wurde.
Der gescheiterte Bauernaufstand von 1478 und der
gleichzeitige Türkeneinfall wurde von Jakob Unrest
(*um 1430 Bayern oder
Kärnten, † um 1500 in St. Martin/Techelsberg)
als gerechte Strafe Gottes
gesehen. (Unrest war zwischen 1466 und 1500 Pfarrer in St. Martin/T. und
Verfasser von Chroniken über Österreich und Ungarn in deutscher Sprache). |
|
|
|
|
|
|
Das abendländische Schisma |
|
Das Spätmittelalter ist aber
besonders belastet durch die Zeit der Gegenpäpste in
Avignon.
Zwei, kurze
Zeit sogar drei Päpste regierten gleichzeitig und hatten jeweils ihre Anhängerschaft. Die Päpste in Avignon hatten keinen Zugriff auf Einnahmen
und Vermögen Roms, aber ungeheuren Finanzbedarf.
Das bedeutete für
die Bevölkerung extreme Belastungen. Vielfach wurden die selben Pfründe
von beiden Päpsten vergeben und es gab als Folge vor Ort kriegerische
Auseinandersetzungen zwischen den Kadidaten, die aber nur an den
Einkünften und nicht an Seelsorge und
Kult interessiert waren.
Wenn aber
einer der Kandidaten die Seelsorge ausübte und die Sakramente spendete,
blieb immer die Unsicherheit bei der Bevölkerung, ob diese Handlungen
kirchenrechtlich auch gültig seien, da man nie
genau wusste, wer der rechtmäßige Inhaber war und man sich als
Anhänger des unrechtmäßigen Eigentümers womöglich den Kirchenbann zuzog. |
|
|
|
|
|
|
Schlecht ausgebildete
Priester |
|
Häufig bekam die Bevölkerung
den Inhaber einer Pfarre oder eines Kanonikates nie zu Gesicht.
Gut
dotierte Pfründe wurden an Günstlinge vergeben, die nur an den Einkünften
interessiert waren. Deren Inhaber ließen sich vor Ort von schlecht
ausgebildeten Priestern vertreten.
Wenig oder schlecht motiviert verfügten
diese Kleriker kaum über theologische Kenntnisse. Priesterausbildung in
Seminaren oder an Universitäten war erst nach dem Konzil von Trient
eingeführt worden. Im Spätmittelalter war universitäre Bildung
eine seltene Ausnahme.
Landpfarrer erlernten ihren "Beruf" in der Art eines
Handwerks. Sie gingen
- oft schon als Ministranten - ein paar Jahre bei einem Kleriker in die Lehre und konnten kaum Latein. |
|
|
|
|
|
|
Der Lebenswandel der
Priester vielfach kein Vorbild |
|
Auch der Lebenswandel des
Klerus ließ zu wünschen übrig. Dabei ist nicht die Verletzung des Zölibats
gemeint - verheiratete Geistliche oder eheähnliche Gemeinschaften der Kleriker waren
weitestgehend akzeptiert. Aber Trunksucht und häufige Raufhändel, nicht priesterliche
Kleidung und unwürdiges Benehmen wurde mehr und mehr kritisiert.
Dazu kam
noch der oft betrügerische Umgang mit "Seelstiftungen" - das
waren Leistungen, die
einem Verstorbenen zugute kommen sollten wie Gebete, Seelenmessen, Opfer etc. -
die vernachlässigt oder gar nicht ausgeführt wurden. |
|
|
|
|
|
|
Der Ablasshandel - eine willkommene
Einnahmequelle |
|
Nach damaliger kirchlicher
Auffassung war es möglich, die zeitlichen Sündenstrafen im
Fegefeuer
zu verkürzen oder
aufzuheben, indem man an bestimmten Gottesdiensten unter Beichte
und Sakramentsempfang teilnahm oder sich an Prozessionen und Wallfahrten
beteiligte. Nach und
nach kamen dann materielle Leistungen hinzu: Almosen für Arme, Beiträge
zum Bau oder Unterhalt von Kirchen oder die Finanzierung von
kirchenpolitischen Vorhaben. |
|
|
|
|
|
|
Materielle Aspekte
wecken Ärger |
|
Anfänglich wurde der Ablass
von der Bevölkerung gern in Anspruch genommen. Kritik und Erregung kamen
erst auf, als der materielle Aspekt immer mehr in den Vordergrund gerückt
wurde. tätige Reue kaum mehr eine Rolle spielte und der Ablass regelrecht
erkauft werden konnte. Zudem kam der Erlös auch kaum lokalen Projekten
zugute, sondern etwa dem Bau des Petersdomes in Rom. |
|
|
|
|
|
|
Reliquien, Wallfahrten und
Gnadenbilder |
|
Die Verehrung berühmter
Reliquien und deren angebliche Wirkung boomte zu dieser Zeit, wie auch der
Handel mit ihnen.
Wirkungsstätten und Gräber von besonderen Heiligen (z. B. das Grab der
Hemma in Gurk, des Modestus in Maria Saal,
des
Domitian in Millstatt) waren begehrt und oft besucht,
allerdings auch von Legenden umgeben, die einer genaueren historischen
Untersuchung nicht standhalten..
Von Heiligenblut
wird z. B. berichtet, dass Briccius (von Geburt ein Däne)
nach seinen Diensten als Feldherr am Kaiserhof in Konstantinopel bei
seinem Abschied ein Fläschchen Blut geschenkt bekam, das aus
einem Bild des leidendenden Christus herausfloss, als Juden (das soll um 910
n Chr. geschehen sein) mit einem Schwert hineinstachen, um das Bild zu
zerstören. Er schnitt der Legende nach seine Wade auf und versteckte das
Fläschchen in der Wunde, um es sicher heimzubringen. (Allerdings ist
dieser Briccius in Wahrheit 443 als Bischof von Tours
gestorben). Siehe dazu auch
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/kaernten/franz_pehr/heiligenblut.html
Gnadenbilder und
die mit ihnen verknüpften Wunderberichte (z. B. Maria Saal, Maria
Waitschach, Maria Luggau, Maria Rojach) zogen jedenfalls Scharen von
Wallfahrern an.
Eine für Kärnten typische Wallfahrt, die aber heidnische
Wurzeln hat - der Vier-Berge-Lauf - ist am Ende des
Mittelalters erstmals belegt. Am so genannten "Dreinagelfreitag" (dem 2.
Freitag nach Ostern) ist um Mitternacht Messe auf dem Magdalensberg.
Dann geht es den Berg hinunter, den Hut mit Wacholder geschmückt.
Zum "Betläuten" ist man in Pörtschach am Berg. Seit die verfallene Kirche
am Ulrichsberg wieder teilrestauriert ist, feiert man dort
den 2. Gottesdienst. Der Hut wird nun mit Efeu besteckt. Über Zweikirchen
geht es dann ins Glantal. Beim Aufstieg auf den Veitsberg
kommt Immergrün dazu. Im Bergkirchlein ist dann eine Andacht, ehe man sich
über Gradenegg und Sörg, wo Buxbaum als letzter Schmuck dazukommt, auf dem
Lorenziberg zum Abschlusssegen trifft.
Der Brauch scheint - wie
viele katholische Bräuche - auf einen vorchristlichen Frühlingskult zurück
zu gehen, der für das beginnende Erntejahr Fruchtbarkeit bewirken sollte |
|
|
|
|
|
|
Das Reisetagebuch des Paolo
Santonino |
|
Es mutet seltsam an,
wenn man die berühmten Reisetagebücher des Paolo Santonino liest. Er
war Sekretär des Patriarchen von Aquileja und begleitete dessen
Weihbischof Pietro von Caorle auf seinen Visitationsreisen durch Kärnten.
Durch die verheerenden Türkeneinfälle musste dieser nicht nur viele zerstörte
und entweihte Kirchen, Kapellen, Chöre, Friedhöfe und Altäre weihen,
sondern auch zahlreichen älteren Menschen die Firmung spenden.
Santoninos durchaus positiver Bericht über die beeindruckende
Frömmigkeit, besonders der Villacher Bürger, singt erstaunlicherweise ein Loblied
darüber, wie bruchlos die fromme Bedürftigkeit der Bevölkerung und das
kirchliche Angebot einander zu entsprechen schienen. (Noch bekannter ist
allerdings seine Beschreibung der kulinarischen Besonderheiten des Landes, das er als
Begleiter des Bischofs durchreiste... :-) |
|
|
|
|
|
|
Schönfärberei,
Gefälligkeitsbericht oder
Blindheit?
|
|
Hat er auf seinen Reisen
durch Kärnten keine Mängel am kirchlichen Leben wahrgenommen? Wenn man ein
wenig genauer in seinen Aufzeichnungen nachblättert, findet man zwischen den
Zeilen durchaus Andeutungen über Zustände und Verhältnisse, die landauf landab Kritik
am religiösen Leben und Handeln registrierten und schließlich den Ruf nach Reform und
Erneuerung immer lauter werden ließen. |
|
|
|
|
|
|
Gewaltiger Umbruch |
|
Und tatsächlich: knapp 25 Jahre
später setzt jene Bewegung, die sich auf die Bibel stützt und die
überkommene religiöse Praxis in Frage stellt, einen gewaltigen Umbruch
in
Gang.
Bedenkt man deren rasche Ausbreitung, muss man in breiten Kreisen der Bevölkerung eine große
Unzufriedenheit mit der religiösen Praxis und dem von der Kirche
vorgegeben Heilsweg annehmen, auch wenn der Herr Secretarius
diese Unzufriedenheit nur eher marginal erwähnt und andeutet... |
|
| |
|
|
|