|
"Ein" deutsches Reich |
|
Der österreichische Wunsch nach dem "Anschluss" an das Deutsche Reich
hatte aber nicht nur mit Hitler und den Nationalsozialisten zu tun. Nach
dem Ersten Weltkrieg war es eine logisch erscheinende Überlegung, alle
deutschsprachigen Gebiete (Österreich und Deutschland) zu
einem Staat zu vereinigen.
Viele ÖsterreicherInnen aus den verschiedensten
Parteien sahen darin den Ausweg aus der schweren Notlage der
Nachkriegszeit.
|
|
|
|
|
|
|
|
Wunsch nach Anschluss wird
laut |
|
Die
österreichische Regierung erkannte wohl den Wunsch vieler ÖsterreicherInnen
nach dem Zusammenschluss mit Deutschland. Der wirtschaftliche
Aufschwung war sehr verlockend und viele ÖsterreicherInnen hätten
auch für die NSDAP gestimmt, wenn es Wahlen gegeben hätte. (Das lässt sich
aus einem internen Papier, das unter den Ministern zirkulierte, ersehen).
Die österreichische Regierung versuchte deshalb, Hitlers System
ein wenig zu kopieren und Österreich mit ähnlichen
Methoden zu regieren. |
|
|
|
|
|
|
|
Interessierte Beobachter aus
dem Nachbarstaat |
|
In Deutschland betrachteten die
Nationalsozialisten interessiert die eigenartige Politik
Österreichs. 1937 schrieb Hermann Göring, dass Österreich „... in der
eigenen Staatsstruktur genau alles dem deutschen Nationalsozialismus
nachmacht, das heißt die gleichen Formen findet, die gleichen
Organisationen, die gleichen Ausdrücke, die gleichen Satzungen, die
gleichen Methoden, nur mit umgekehrten Vorzeichen (...) man brauche in
Österreich nur statt des Kruckenkreuzes das Hakenkreuz zu
setzen und statt des Wortes "vaterländisch" "nationalsozialistisch", so
wäre in Österreich das lebendige Spiegelbild von Deutschland
vorhanden.“ (zitiert nach Ernst Hanisch: Der lange Schatten des
Staates. 1994, S.314) |
|
|
|
|
|
|
|
Pfarrer in der NSDAP |
|
Sowohl
unter den Laien als auch den Theologiestudenten und den geistlichen Amtsträgern der evangelischen
Kirche herrschte eine große Sympathie für den Nationalsozialismus
und dessen "Anschlusspläne" vor.
Von 126 Pfarrern waren ab 1933 - dem Jahr, in dem die
NSDAP in Österreich verboten wurde -
73 Pfarrer
Mitglieder der NSDAP, also mehr als die Hälfte. An der
Evangelisch-Theologischen Fakultät Wien waren 2/3 der Studenten Mitglieder
in illegalen nationalsozialistischen Gemeinschaften.
Theologisch
orientierte man sich an den antisemitischen Aussagen und
Schriften Luthers, so weit sie in die neue Blut-und-Boden-Ideologie
passten. |
|
|
|
|
|
|
|
Luther und seine
"Reformation für seine lieben Deutschen" |
|
Äußerungen Luthers,
in denen er von "seinen lieben Deutschen" redet, waren
natürlich Wasser auf die Mühlen der NSDAP-Propaganda. Auch die Äußerung,
dass er "nicht für die Welt die Reformation mache, sondern
für seine lieben Deutschen", hat man gern und oft zitiert,
ohne den heilsgeschichtlichen Hintergrund der Reformation zu erwähnen.
Von Luther gibt es in seinen
späteren Jahren weiters auch die bekannten und berüchtigten antijüdischen Äußerungen und
Schriften, die teilweise sehr massiv ausfielen.
|
|
|
|
|
|
|
|
Ein Kind seiner Zeit |
|
Es bleibt die Frage,
wie Luther zu solchen Ansichten kam. Zum einen ist er
natürlich ein Kind seiner Zeit. Die vorherrschende Meinung,
die Juden hätten für die Türken Spionage betrieben, war
damals weit verbreitet und gern geglaubt (das erinnert an die immer wieder
behauptete "Jüdische Weltverschwörung" von heute...)
Als zweites
spielt für den Theologen Luther sicher auch die scheinbare "Verstocktheit"
der Juden
eine gewisse Rolle. Seine Erwartung, durch das Lesen der Bibel müsse
sich jeder Christus zuwenden, wurde von den Juden nicht erfüllt. |
|
|
|
|
|
|
|
Antijüdisches Klima in
Österreich |
|
Der Antisemitismus schwelte
in Österreich allerdings schon lange völlig ungebremst. Selbst der allseits
anerkannte und beliebte Wiener Chirurg Theodor Billroth
versuchte 1875, die Zulassung jüdischer Studenten zum Medizinstudium aus
Rassengründen zu
verhindern.
Und immer schon hatten Politiker mit
antijüdischen Aussagen den Applaus breiter
Bevölkerungskreise auf ihrer Seite. Selbst heute finden solche
Aussagen ihr Publikum. Das wusste der ehemalige Wiener Bürgermeister
Dr. Karl Lueger zu nutzen, und auch mancher Politiker von heute... |
|
|
|
|
|
|
|
Evangelische Kirche
profitiert vom antijüdischen Klima in Österreich
Flugblatt von 1899 |
|
Antisemitische Aussagen und
Meinungen waren nicht nur gutes Material für die
Politik, sondern entsprachen auch dem antijüdischen Klima in
Österreich.
Diese antijüdische Haltung wirkte sich als durchaus förderlich
für das neue "Deutsche" Image der evangelischen Kirche in Österreich
aus - und
besonders in Wien. Sah man doch seit altersher in den Germanen die
Träger des Christentums.
So liest man z. B. in einer
Flugschrift aus dem Jahr 1899 unter
anderem: "In der Tat lag weniger im Kreuze Christi der Sieg der neuen
Lehre als im Kreuzgriff der Germanenschwerter. Aber nicht der Judenbibel,
sondern dem Deutschen Luthergeist verdankt der Protestantismus seine
Erfolge und völkischen Vorteile". |
|
|
|
|
|
|
|
Gegen die kath. Kirche |
|
Aber auch die
röm.-kath. Kirche wurde von den Deutschnationalen vehement bekämpft.
Dazu ein Zitat aus einer Flugschrift "Die Nationalkirche" die kurz nach dem Ende des Bürgerkrieges in
Österreich in Wien kursierte: "...Verlasst die blutbefleckte römische
Kirche, denn sie ist der eigentliche Regent in Österreich. Sie ist zuletzt
verantwortlich für alles Leid, das uns bedrängt. Verlasset sie und tretet
in die evangelische Kirche ein! Meldet euch beim nächsten Evangelischen
Pfarramt, dort sagt man euch schon, was weiter nötig ist..." |
|
|
|
|
|
|
|
Offensichtliches Elend
auf den Straßen |
|
Auf den Straßen Wiens wird das
Elend und die existenzielle Not der Menschen dieser Zeit
besonders deutlich sichtbar.
Und ein weiteres Merkmal dieser Zeit sind die ständigen
militärischen Aufmärsche aller möglicher Gruppen, hier ist
besonders die Heimwehr präsent. |
|
|
|
|
|
|
|
Radikalisierung des
politischen Klimas |
|
Die Demonstrationen der
Nationalsozialisten radikalisieren das politische Klima in Wien
besonders schwer. So verprügeln sie bei der so genannten "Schlacht
auf dem Exelberg" 90 Anhänger des sozialdemokratisch geführten
"Republikanischen Schutzbundes". |
|
|
|
|
|
|
|
Unverblümter Antisemitismus |
|
Ab 1925 zeigen die Nationalsozialisten
unverblümt ihren Antisemitismus. Dafür ernten sie im
traditionell antisemitischen Wien viel Beifall und Zustimmung,
machte doch die zumeist antisemitisch eingestellte Presse vor allem das
"jüdische Großkapital" für die Weltwirtschaftskrise
verantwortlich. |
|
|
|
|
|
|
|
Avantgarde im Zielfeuer |
|
Besonders gern greifen die
Nationalsozialisten im kulturellen Bereich alles an, was sie irgendwie für
"Avantgarde" und "undeutsch" halten, obwohl diese Werke sich großer
Beliebtheit erfreuten wie z. B. die Oper des in Brünn geborenen
Erich Wolfgang Korngold "Die tote Stadt"
oder Ernst Kreneks Oper "Johnny spielt
auf". Die späteren Bücherverbrennungen und die Beschlagnahmungen
"entarteter Kunst" werden diese Ablehnung noch deutlicher zeigen lassen
Zwei Plakate von vielen
ähnlichen gegen als "entartet" eingestufte Künstler und deren
Werke:

|
|
|
|
|
|
|
|
Ablehnung des Katholizismus
und "seines" Staates |
|
Die Ablehnung des
Katholizismus und "seines" Staates" und der "Deutsch-Protestantische
Geist
der Zukunft" (Dr. Walter Pfrimer) machten sich
in einer Eintrittswelle in die evangelische Kirche bemerkbar.
|
|
|
|
|
|
|
|
Zwei Eintrittswellen aus
verschiedenen politischen Richtungen
|
|
Eigentlich waren es
zwei Eintrittswellen aus verschiedenen politischen
Richtungen, die sich in der evangelischen Kirche bemerkbar
machten. Zum ersten durch Deutschnationale und illegale
Nationalsozialisten, denen die neue deutsch-germanische
Ausrichtung der evang. Kirche sehr angenehm war, und zum zweiten nach 1934 auch
seitens der kommunistischen und sozialistischen
Partei. Diese bevorzugten aber eher die Reformierte Kirche. |
|
|
|
|
|
|
|
Großer Zulauf zu kirchlichen
Vereinen |
|
Durch den Protest gegen
diesen Staat fanden kirchliche Vereine wie
Jugendverbände, konfessionell geführte evang. Schulen oder Frauenvereine
großen Zulauf. Man spricht in dieser Zeit innerkirchlich von einem deutlichen Aufwind, aber nicht aus
religiösen Gründen, sondern eher aus einer Protesthaltung gegen das
diktatorisch zu nennende politische System des Ständestaates. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Zu dem oben angedeuteten
Themenkreis können Sie mehr auf den folgenden Seiten über "Die
Situation der Evang. Kirche im Ständestaat" nachlesen |
|
|
|
|
|
|