Die Geschichte der Evang. Kirche in Ständestaat 5

 

 

Kirchenkampf in Deutschland

 

 

 

 

 

 

 

Verhinderung in Österreich

 

Ein stiller Held

 

 

 

Versuch, seine Einstellung zu beeinflussen

 

 

 

Ein Rundschreiben erklärt seinen Gewissensentscheid

 

 

 

 

Deutliche Worte gegen Kritiker

 

 

 

 

Ein Beispiel für den christlichen Umgang mit jüdischen Mitbürgern

 

Umdenkprozess und Hirtenbrief

 

 

 

Heftige Reaktionen

 

 

 

 

 

 

Rücktritt als Vertrauensmann

 

 

 

Eine kirchliche "Empfehlung zur Empfehlung..."

 

 

 

 

 

 

 

 

Heftige Reaktionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Namhafte Protestanten wehren sich

 

 

 

 

Rücktrittsaufforderung an den Oberkirchenrat

 


 

 

 

12. Januar

 

12. Februar

 

 

 

15. Februar

 

24. Februar

 

9. März

 

11. März

 

 

 

12. März

 

 

13. März

 

 

17. März

 

 

 

 

In Deutschland hatte sich 1933 nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Situation zugespitzt. Es kam zu einem Kirchenkampf zwischen den "Deutschen Christen" und der "Bekennenden Kirche". Die "Deutschen Christen" suchten nach einer Versöhnung zwischen Nationalsozialismus und evangelischer Kirche und wollten eine "artgerechte Kirche" erreichen. Immerhin wurde in der evangelischen Kirche Deutschlands schon 1933 der Arierparagraph eingeführt. Die "Bekennende Kirche" rund um den reformierten Theologen Karl Barth (er wird am 26.11.1934 wegen seiner führenden Rolle bei der Gründung der "Bekennenden Kirche" suspendiert) und um lutherische Theologen wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller hat 1934 die so genannte "Barmer theologische Erklärung" verfasst, in der sie betonte: "Einen anderen Herrn als Jesus Christus kann es für die Kirche nicht geben!"

 

In Österreich wurde versucht, einen solchen Kirchenkampf zu verhindern, allerdings ist wohl anzunehmen, dass die meisten Evangelischen in Österreich auf Seiten der "Deutschen Christen" standen.

 

Aber es gab auch andere, einer davon war der Villacher Pfarrer und Superintendent Dr. Johannes Heinzelmann. Als gebürtiger Reichsdeutscher kam er aus der "Los-von-Rom"-Bewegung. Er konnte natürlich mit dem Ständestaat nicht harmonisieren und erregte Aufsehen als er 1934 zu Versöhnung und Zurückhaltung im Strafverfahren gegen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten im Jahr 1934 aufrief.

 

Weiters hatte er bis zuletzt Probleme damit, den evangelischen Geistlichen einen Beitritt zur "Vaterländischen Front" zu empfehlen, da deren Ausrichtung nicht wirklich "christlich" im Sinne von alle christlichen Bekenntnisse umfassend, sondern eindeutig "römisch-katholisch" war. Trotz zahlreicher Interventionen seitens des Evangelischen Oberkirchenrates durch dessen Präsidenten Capesius und des Generalsekretärs der Vaterländischen Front Guido Zernatto konnten diese bei SI Heinzelmann nicht alle Bedenken ausräumen.

 

Schlussendlich kam es dann 23. 10. 1937 zu einem Rundschreiben Heinzelmanns, in dem er bekannt gab, dass er eine schriftliche Zusage des Staatssekretärs bekommen habe, seine wichtigsten Einwände würden berücksichtigt. Deshalb habe er sich entschlossen, schließlich der Pfarrerschaft doch zu empfehlen, der "Vaterländischen Front" beizutreten.  Die Anmeldung hätte noch vor dem 1. November d. J. bei der zuständigen Ortsgruppe zu erfolgen. Aber: "Dem Unterzeichneten wird nach den mancherlei unliebsamen Erfahrungen, die er hat machen müssen, die Rücksicht auf seine persönliche Ehre den Beitritt zur "Vaterländischen Front" nicht ermöglichen..."

 

Dazu reicht er später eine Erklärung nach, in der er deutlich macht, warum er sich nach den weit reichenden Zugeständnissen der Regierung nicht zu einem Beitritt entschlossen habe. "Das Verhalten zweier Mitglieder der "Vaterländischen Front", eines Hrn. Lenhof aus Villach und eines Mitgliedes unseres eigenen Standes, des Hrn. Pfarrers Reinprecht aus Scharten, sowie die Stellungnahme der "Vaterländischen Front" selber mich genötigt haben, mich so zu entschei-den, wie ich es getan habe"

 

Was für ein charaktervoller Mann das war, lässt sich auch an folgender Begebenheit ablesen: Als eine jüdische Familie in Villach aus ihrer Wohnung geworfen und ihrer Möbel und alles übrigen Besitzes beraubt wurde, machte er bei dieser Familie einen demonstrativen seelsorgerlichen Besuch - mitten im "braunen" Villach eine sehr mutige Tat.

 

Er stand - damals noch Notbischof und Vertrauensmann der evangelischen Kirche - anfangs der nationalsozialistischen Idee nicht ablehnend gegenüber. Aber nach einem längeren genauen Beobachtungsprozess verfasste er noch vor dem so genannten "Anschluss"  im Jahre 1938 einen sehr mutigen Hirtenbrief, in dem er vor den Gefahren warnte, die der Nationalsozialismus darstellte. Das hatte breite Abneigung nationaler Kreise außerhalb und innerhalb der evangelischen Kirche zur Folge, die damals alle schon sehnsüchtig auf die Machtübernahme Hitlers warteten.

 

Superintendent Heinzelmanns Hirtenbrief führte also wie beschrieben zu heftigen Reaktionen in der Kirche. In einem am 25. Januar 1938 verfassten Nachwort nimmt er zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen u. a. wie folgt Stellung: "Man hat mir vorgeworfen, mein Hirtenbrief sei eine politische Kundgebung. Ich hätte Stellung genommen gegen das Dritte Reich, ich hätte Partei ergriffen für die Bekenntniskirche, ich hätte einem Bündnis mit Rom das Wort geredet. Man hat mich deshalb einen Verräter am deutschen Volk, einen Bekenntnispfaffen, einen Rompilger genannt, dieser Tadel berührt mich nicht!"

 

Am Ende des Nachwortes zu seinem Hirtenbrief gibt er seinen Rücktritt als Vertrauensmann der Kirche bekannt. Er schreibt dort u. a.: "Ich bin mir nicht untreu geworden. Ich habe gesagt, was ich für recht hielt. Wenn ich geirrt haben sollte, so hat mich doch immer eines geleitet von Anfang bis zuletzt: Die Liebe zu meinem Volk und die Liebe zu meiner Kirche".

 

Im Vorfeld des "Anschlusses" kommt es seitens des Oberkirchenrates zu einem Erlass zur geplanten Volksabstimmung, die "für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich! Für Friede und Arbeit und die Gleichberechtigung aller, die sich zu Volk und Vaterland bekennen" wirbt, in der die Teilnahme aller "Vaterlandstreuen Evangelischen" vorbehaltlos bejaht wird und  mit dem Aufruf endet, dass "Presbyterien und Pfarrämter die evangelische Bevölkerung auffordern sollten, sich möglichst vollzählig an der Abstimmung zu beteiligen!"

 

Dies bleibt nicht unwidersprochen, da es allein mit den Stimmen der drei ordentlichen Mitglieder des Oberkirchenrates (OKR), ohne die Zustimmung der beiden außerordentlichen Mitglieder des OKR erfolgt sei. In einer Pressemitteilung vom 11. März 1938 wird von den beiden außerordentlichen Oberkirchenräten betont, dass eine solche Einmischung kirchlicher Stellen in die Tagespolitik unzulässig sei. Es sei katholisch, aber nicht evangelisch, wenn eine Kirchenbehörde das unerhörte Ansinnen stellt, ihren Einfluss auf das Kirchenvolk in einem bestimmten Sinne geltend zu machen. Damit werde die Kirche zu einem politischen Agitationsapparat herabgewürdigt. Zahlreiche Vertretungskörper der Evangelischen Kirche würden sich dieser Erklärung in besonderen Entschließungen anschließen.

 

Tatsächlich kommt es zu zahlreichen Protesten, darunter auch so namhafte Persönlichkeiten wie Johann Wetjen, Superintendent H. B. Dr. Gustav Zwernemann, Univ.-Prof. Dr. Gustav Entz, Pfr. Gottfried Meyer, Marianne Freifrau von Rinaldini, Pfr. Othmar Muhr, Univ.-Prof. Dr. Richard Hoffmann, Univ.-Prof. Dr. Franz Hamburger.

 

Sie sehen die ordentlichen Mitglieder des OKR nicht mehr als geeignet, die Interessen der Kirche gegenüber dem Staat zu vertreten und fordern diesen zum Rücktritt auf.

 


 

Die Ereignisse des so genannten "Anschlusses" in der Übersicht:

 

Schuschnigg weigert sich, aus Völkerbund auszutreten

 

Weitere Begegnung Hitler - Schuschnigg auf dem Obersalzberg. Unter Druck unterzeichnet Schuschnigg das deutsch-österreichische Verständigungsabkommen ("Berchtesgadener Abkommen") in welchem die Übergabe des Innen- und Sicherheitsressorts an Seyß-Inquart, sowie die Enthaftung aller Nationalsozialisten etc. vereinbart wird)

 

Nationalsozialist Arthur Seyß-Inquart wird in Regierung aufgenommen

 

Schuschniggs Antwortrede auf Hitler vor dem Bundesrat (»Bis in den Tod: Rot-weiß-rot«); in den folgenden Tagen nationalsozialistische Unruhen, insbesondere in Graz, das sich später stolz "Stadt der Volkserhebung" nennen wird.

 

Bekanntgabe der geplanten Volksabstimmung am 13. März löst Vorbereitung militärischer Annexion aus. Hitler zwingt Schuschnigg, die Abstimmung auszusetzen. Schuschnigg gibt dem Druck nach

 

Rücktritt Schuschniggs im Radio bekannt gegeben "Gott schütze Österreich". Bundespräsident Miklas bestimmt Seyß-Inquart zum neuen Bundeskanzler

 

Einmarsch deutscher Truppen, Hitler überschreitet bei Braunau die österreichische Grenze, "Führerrede" in Linz

 

Bundeskanzler Seyß-Inquart unterschreibt Gesetz über "Wiedervereinigung mit dem Deutschen Reich"

 


 

Österreich hat aufgehört zu existieren

 

Karl Barth

 

Martin Niemöller

 

Dietrich Bonhoeffer

 

Denkmal zur "Barmer Erklärung" der

"Bekennenden Kirche"

Superintendent Dr.

 Johannes Heinzelmann

 

Schuschnigg unter Bild

von Dollfuß

 

Seyss-Inquart als

erster NS-Minister,

späterer Bundeskanzler

 

Hitler wird in Wien

auf dem Heldenplatz empfangen