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Die Geschichte der Evang. Kirche in Ständestaat und Naziregime (Grundsätzliche Probleme der Forschung) |
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In mehrerer Hinsicht war die Situation der Evang. Kirche Österreichs durch ideologische, politische und geistige Bewegungen des 20. Jhdts. mitbestimmt. Das persönliche Agieren vieler namhafter Persönlichkeiten evangelischen Lebens in diesen Regimes verursachte wohl den eher mangelhaften und sehr zögerlichen Aufarbeitungsprozess. Vereinzelte Aufrufe durch die beiden Generalsynoden (A. und H. B.) waren so ziemlich das einzige, was hier durch lange Zeit geschah. Erst sehr viel später kam es - teils durch Anstöße von außen, aber auch einem inneren Bedürfnis entsprechend - zu einer innerkirchlichen Erforschung dieser Vorgänge.
Erschwert wurden diese Forschungen durch merkwürdige Vorgänge in bestimmten innerkirchlichen Archiven. So verschwand z. B. bei der Übersiedlung des Archivs des Evangelischen Oberkirchenrates in Wien von der Schellingstraße in die Severin-Schreiber-Gasse wertvolles Aktenmaterial spurlos, von denen die damalige Archivleiterin aber noch wusste, dass diese Bestände ganz bestimmt mitgenommen worden waren. Es scheint Vorsicht oder Angst, vielleicht auch manch persönliche Betroffenheit dazu geführt zu haben, dass es zur Beseitigung von Aktenmaterial gekommen ist. Vielleicht wurden diese Akten aber auch bewusst versteckt oder irrtümlich falsch eingereiht und tauchen irgendwann doch wieder auf...
Weiters ist eine Erforschung dieser Zeit nicht ganz einfach, was das eigentliche Gemeindeleben betrifft. Viele Aktivitäten und Ereignisse in Pfarrgemeinden werden in den meisten Jahresberichten von Pfarrgemeinden nicht einmal angedeutet.
Es scheint beinahe so, als ob das, was eigentlich eine Pfarrgemeinde ausmacht, so selbst-verständlich hingenommen wird, dass es nicht einmal einer Erwähnung wert erscheint. Oder wollte man sich auf diese Weise vor allzu großer staatlicher Neugier abschotten?
Sehr oft wird im Zusammenhang mit dem Mangel an schriftlichen Aufzeichnungen auf den eklatanten Papiermangel dieser Zeit hingewiesen. Tatsächlich finden sich viele kleinformatige, auf stark holzhältigem Papier niedergeschriebene Belege. Einiges an Dokumenten wird sicher durch raschen Zerfall zerstört oder so stark beschädigt worden sein, dass man sie einer Aufbewahrung nicht mehr für wert hielt. Allerdings finden sich aus der selben Zeit durchaus großformatige und recht umfangreiche Dokumente, zumeist sind das aber Mitteilungen oder Rundschreiben offizieller staatlicher Stellen.
Eines wurde jedenfalls anhand der vorliegenden Dokumente deutlich: Es gab zu diesen Regimes sehr unterschiedliche Meinungen quer durch alle Stufen der Amtsträger in jenen Zeitspannen. Von klarer eindeutiger Ablehnung über vorsichtige Distanz bis zu jubelnder Begeisterung ist alles zu finden. Eine positive Einstellung ist nicht nur bei hochrangigen Vertretern der evang. Kirche zu finden, sie betrifft eigentlich alle Ebenen des Kirchenvolkes, am häufigsten ist sie allerdings bei den (vom Staat, nicht von der Kirche eingesetzten) Mitgliedern des Oberkirchenrates anzutreffen. Von der Basis kommen oft vorsichtige Töne, die zur Zurückhaltung mahnen.
Auch der Versuch, anhand von Predigten oder öffentlich zugänglichen Publikationen ein einheitliches Bild über die Position des Protestantismus in Österreich zu diesen Regimes zu bekommen, ist sehr schwierig. Es zeigt sich nämlich, dass die erhaltenen und publizierten Predigten wenig an deutlichen Stellungnahmen zu politischen oder staatlichen Fragen hergeben. Und weiters war ja wohl auch nicht wirklich zu erwarten, dass Pfarrer Publikationen zu solchen Themen herausgaben.
Das selbe gilt auch für Überlegungen zu wirtschaftlichen Fragen. Durch die dezentrale Finanzverwaltung der evang. Kirche, in der jede Gemeinde ihre eigene Finanzverwaltung hatte (jedenfalls bis 1938) - sind entsprechende Unterlagen sehr zersplittert. Eine genaue Untersuchung scheitert noch daran, dass längst nicht alle Archive von Gemeinden durchforstet sind, teilweise leider auch im Krieg verloren gingen. |
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