Die Geschichte der Evang. Kirche im 3. Reich             S. 6

 

 

Fremdarbeiter und fremdvölkische Arbeiter

 

Einige Erlässe des evang. OKR A. und H. B. haben den kirchlichen Umgang mit "Fremdarbeitern" und "fremdvölkischen Arbeitskräften" zum Thema:

 

 

 

 

 

Kein Kirchenbeitrag

 

 

 

Am 2. Juni 1943 ergeht folgender Erlass des evang. OKR A. und H. B. an die Gemeinden:

"Über Weisung des Reichstatthalters in Wien macht der Oberkirchenrat darauf aufmerksam, daß die auf Kriegsdauer im Deutschen Reich in Arbeit stehenden ausländischen und fremdvölkischen Arbeitskräfte in der Landeskirche nicht kirchenbeitragspflichtig sind"

 

 

     

Ein geheimer

Runderlass

  Mit dem Datum vom 19. Oktober 1943 ergeht ein (nicht zur Veröffentlichung bestimmter) Runderlass des evang. OKR an die Superintendenturen, Senioratsämter und Pfarrämter, aus dem einige Stellen zitiert werden:  

 

 

 

 

Zurückhaltung wird angeordnet

 

... Die ... kirchlichen Stellen ... werden  darauf hingewiesen, daß von den deutschen Geistlichen - wie von jedem Deutschen - den ausländischen Arbeitern gegenüber die gebotene Zurückhaltung zu wahren ist...

 

       
Teilnahme an Gottesdiensten beschränkt möglich   "1. ... Die ausländischen Arbeiter - mit Ausnahme der Polen und der Ostarbeiter - können an kirchlichen Veranstaltungen und Gottesdiensten für Deutsche teilnehmen. In diesem Rahmen dürfen daher auch Taufen, Trauungen, kirchliche Beerdigungen usw. durch deutsche Geistliche vorgenommen werden.

Es ist den deutschen Geistlichen und kirchlichen Stellen jedoch verboten, Sondergottesdienstandachten usw. für ausländische Arbeiter abzuhalten und über die rein kirchliche Betätigung hinaus auf dem Gebiet der allgemeinen, insbesondere sozialen Betreuung hinaus tätig zu werden. ... Die ... kirchlichen Stellen ... werden  darauf hingewiesen, daß von den deutschen Geistlichen - wie von jedem Deutschen - den ausländischen Arbeitern gegenüber die gebotene Zurückhaltung zu wahren ist...

 

 

 

 

 

Geistliche aus Staaten mit  besonderen

Vereinbarungen dürfen einreisen...

 

2. Aus Staaten, mit denen besondere Vereinbarungen ... bestehen (z. B. Italien, Kroatien, Slowakei, Ungarn) kommen vereinzelt Geistliche zur kirchlichen Betreuung der eigenen Nation ins Reich ... und dürfen dabei weder ausländische Arbeiter anderer Nationalitäten, noch deutsche Volksgenossen in ihre kirchliche Betreuungstätigkeit einbeziehen ... die kirchlichen Veranstaltungen sollen grundsätzlich in Kirchen ... abgehalten werden ... in Lagern ... kann die Abhaltung nur dann zugelassen werden, wenn eine Kirche nicht in nächster Nähe ist ... und das Lager nur mit einer Nation ... belegt ist...

 

 

 

 

 

...aus anderen Ländern nicht

 

3. Ausländische Geistliche ... aus Staaten und Gebieten, mit denen kein ... Abkommen besteht, dürfen  grundsätzlich nicht einreisen und hier ...tätig werden.

 

 

 

 

 

Geistliche als Arbeiter?

 

Sollten Geistliche ... als Arbeiter ins Reich vermittelt sein, haben sie sich jeder geistlichen oder kirchlichen Arbeit zu enthalten.

 

 

 

 

 

Gesandtschaften haben Sonderstatus

 

6. Die von den Botschaften und Gesandtschaften fremder Staaten eingerichteten und durch ausländische Geistliche betreuten Kirchengemeinden fallen nicht unter diese Anordnungen."

Der Erlass ist nicht zur allgemeinen Verlautbarung bestimmt.

 

 

 

 

 

Gedenkfeiern für Gefallene nur an Sonntagen aus Rücksicht auf den Totalen Krieg

 

Am 19. Oktober 1943 ergeht seitens des evang. OKR A. und H. B. ein Runderlass, der die Gedenkeiern für Gefallene zum Thema hat. Der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten hatte zuvor mit einem Erlass mitgeteilt:

"Es ist bei mir zur Sprache gebraucht worden, dass von kirchlicher Seite ... Gedenkfeiern für Gefallene ... zumeist an Werktagen ... zwischen 9 bis 11 Uhr ... abgehalten werden. Daran nehmen nicht nur die nächsten Angehörigen, sondern neben Ortsansässigen auch Volksgenossen ... aus der näheren und weiteren Umgebung teil.

Aus Gründen des ... notwendigen restlosen Einsatzes aller verfügbaren Arbeitskraft ... für den Totalen Krieg erscheint ... dies nicht zweckmäßig. Aus Rücksicht auf ... Kriegeserfordernisse und des Arbeitseinsatzes ... sind diese Feiern auf die Sonntage zu verlegen".

 

 

 

 

 

"UK-Stellung" von Geistlichen

 

Der OKR macht in einem Runderlass vom 23. November 1943 den kirchlichen Instanzen darüber Mitteilung, dass "das Oberkommando der Wehrmacht amtierende Geistliche in Zukunft nicht mehr (zur Wehrmacht) einzuberufen gedenkt".

 

 

 

 

 

Nicht im Amtsblatt veröffentlichter Hirtenbrief

 

Am Neujahrstag 1944 ergeht ein Hirtenbrief des evang. OKR A. und H. B., unterzeichnet von Dr. Heinrich Liptak, "für den Bischof Dr. Hans Eder: Dr. Erich Stöckl", mit unterzeichnet von mehreren Superintendenten. Dieser Hirtenbrief wurde nicht im Amtsblatt veröffentlicht...

 

 

 

 

 

 

 

Daraus einige Passagen:

"... Vor uns liegt ein unbekanntes Jahr. Wir wissen nicht, was uns auch nur der nächste Tag bringen, nehmen oder lassen wird. Nur das Eine wissen wir: Kein Aufgebot und Einsatz auch der höchsten Kraft unserer Wehrmacht, wird den Krieg auch nur einen Tag früher beenden - und alles Bemühen feindlicher Mächte, die Gottes Schöpfungswerk und Ebenbild zu zerstören am Werke sind, werden den Sieg auch nur um eine Stunde länger aufhalten, als es Gottes Allmacht gefallen wird, dem gegenwärtigen Geschehen Ziel zu setzen.

... Wir wissen nicht, wie große Opfer im Laufe des Jahres von uns gefordert werden. Das aber wissen wir, daß die Bereitschaft auch zum äußersten Verzicht umso größer sein wird ... Wir wissen nicht, was der Kirche in den kommenden Zeiten zugemutet, von ihr gefordert sein wird als Bewährungsprobe ... sie darf ... kein loses Nebeneinander von Einzelnen sein, die sich nach Christus nennen ... sondern sich als Bruderschaft Christi immer mehr besinnen auf ihren Auftrag ... als die ,Gemeinde der Heiligen´, der Christuseigenen, als ein Kraftfeld, darin der auferstandene Christus der lebendige Mittelpunkt ... zu bestehen vor denen, die vor uns Christus die Treue gehalten haben ... So wagen wir den Schritt ins unbekannte Land hinein, in ein Jahr des Herrn ... trotz allem ein Jahr des Heiles, wenn es durchlebt wird in der Erfahrung des Glaubens ...Der Herr ist treu, der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen´."

 

 

 

 

 

Berichterstattung über Schäden an Kirchen

 

Am 6. Juni 1944 ergeht ein Erlass des evang. OKR A. u. H. B., der eine schriftlichen Berichterstattung über Beschädigungen an kirchlichen Gebäuden durch alliierte Liftangriffe einfordert.

 

 

 

 

 

Seelenstandsbericht 1943

 

Der am 24. Juni 1944 veröffentlichte Seelenstandsbericht von 1943 weist 1.693 Eintritte, 2.965 Austritte, und eine Gesamtzahl an Gemeindegliedern in der evang. Kirche A. B. von 320.461 Personen, in der evang. Kirche H. B. eine Gesamtanzahl von 15.925 Personen auf.

 

 

 

 

 

Erster Hirtenbrief von

Bischof Gerald May

 

Am 20. Juli 1944 ergeht eine Mitteilung des evang. OKR A. und H. B., dass Pfr. Dr. h. c. Gerhard May aus Cilli zum ordentlichen OKR A. B. und Bischof mit Wirkung vom 1. 9. 1944 berufen wurde.

Der neue Bischof, OKR Dr. Gerhard May, veröffentlicht am 11. September 1944 seinen ersten Hirtenbrief. Daraus seien einige interessante Passagen zitiert:

"...denn auch für unsere Kirche steht die Zeit der ernsten Prüfung und Bewährung noch bevor ... wir werden sie nur bestehen, wenn und soweit wir Kirche sind ... und zu einer kirchlichen Einheit zusammenwachsen ... alles kann fehlen, nur eines nicht: Christus ... es erwächst uns die Aufgabe, Zeugen Christi zu sein ... für uns als Kirche und als Christen [bedeutet das] dass wir unserem Volke DEN Dienst schulden, dem ihm sonst niemand erweist: den priesterlichen Dienst der Bitte und Fürbitte, der Stellvertretung vor Gott, den Zeugendienst von Jesus Christus ... ebenso sind wir alle ... gefordert, durch Wort, Wandel und Handel Jesus Christus als den Herrn unseres Lebens zu bezeugen ... Christen sind Menschen, die um Christi Willen für einander da sind ...

So möchte ich mein Bischofsamt führen: Ihr sollt es wissen und merken, daß ich für Euch da bin und für Euch eintrete vor Gott und den Menschen. Und von Euch erbitte ich, daß Ihr in dieser für die Kirche so prüfungsreichen Zeit unserer Kirche, unserer Pfarrer und aller Amtsträger und auch meiner vor Gott gedenket ..."

Er schließt mit dem Zitat Röm 8, 38+39

 

 

 

 

 

Wichtiges Kanzelwort

 

 

 

Am 16. November 1944 ergeht ein Kanzelwort, unterzeichnet von G. May, D. Stökl und D. Zwernemann an die Gemeinden zur Verlesung am Totensonntag 1944. Daraus einige wichtige Passagen:

"Ernst und Schrecken des Krieges sind nun auch über unsere engere Heimat hereingebrochen. Der Volkssturm ist aufgeboten. Alte Männer, Frauen und Kinder stehen am Wallbau. Endlose Flüchtlingszüge aus dem Südosten durchziehen unsere Gemeinden: Stadt und Land leiden zunehmend unter dem Feindterror.

Viele haben Haus und Hof, Hab und Gut verloren und aus der Heimat flüchten müssen. Immer mehr Opfer fordert dieser erbarmungslose Krieg, draußen an der Front und daheim. Täglich sind wir alle, auch unsere Frauen und Kinder, vom Tode bedroht ... In solcher Not lasst uns immer wieder Herz und Hände zu Gott erheben ...

Wir müssen sehen, daß für viele solche äußere Not zur inneren Anfechtung wird. Kleinglaube und Verzagtheit greifen um sich ... die Mächte des Bösen scheinen zu triumphieren ... warum schweigt Gott? ... Warum macht er der Not nicht ein Ende?

In tiefem Ernst lasset uns erkennen und bekennen, daß Gott in den Schrecknissen dieser Zeit ein Strafgericht ergehen lässt über eine Welt, die Gott nicht die Ehre gibt, seinen Willen mißachtet und sein Heil ausschlägt. Wir stehen mit unserem Volk in unlösbarer Schicksals- und Schuldgemeinschaft ...

Keine Not soll unsere Treue brechen. Die wachsende Bedrängnis führe uns immer tiefer ins Gebet und in die Gemeinschaft mit Gott. Lasset uns anhalten an den Gottesdiensten der Gemeinde, solang es möglich ist. Wir wollen uns trösten lassen in gemeinsamer Anbetung, durch Wort und Sakrament ..."

 

 

 

 

 

 

Zwangsarbeiter

in der Munitionsfabrik Hirtenberg

 

Ostarbeiterabzeichen

 

Ostarbeiter

vor ihrer Unterkunft

 

Zwangsarbeiter-

aufnäher zu tragen

von den  polnischen Gefangenen

 

Der evangelische Wehrmachts-

pfarrer A. Lindquist

 

Bischof Dr. h. c.

Gerhard May an seinem

60. Geburtstag

 

Männer des Volkssturms beim Stellungsbau

 

Das "letzte Aufgebot" -

Kinder als Verteidiger

 

Ermunterung

zum Sterben...

 

...während der

mächtige "Führer"

 im Bunker hockt

 

 

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