Die Geschichte der Öst. Evang. Kirche im 3. Reich         S. 5

 

 

Gehaltsordnung für die Kandidatinnen der Theologie

 

Ein wichtiger Teilschritt in Richtung zur Ordination von Pfarrerinnen ist eine provisorische Verfügung des Oberkirchenrates mit einhelliger Zustimmung des Synodalausschusses A. B. und H. B. zum Beschluss einer Gehaltsordnung, betreffend die Kandidatinnen der Theologie. Bisher waren Theologinnen nur als geistliche Hilfskräfte zugelassen.

 

 

 

 

 

Besondere Notsituation

bewirkt Predigterlaubnis für Theologinnen

 

 

Daran anknüpfend erfolgt am 5. Juni 1942 ein Erlass des Oberkirchenrates an die Superintendenten. Sie dürfen die Kandidatinnen der Landeskirche im Falle besonderer Notstände die Predigterlaubnis für Gottesdienste in schlichter Form erteilen. Dies geschah wohl im Hinblick auf den Pfarrermangel, der durch die Einberufung vieler Geistlicher zur Wehrmacht eingetreten war.

 

 

 

 

 

Wieder aufgehoben

 

Allerdings wurde dieser Erlass vom OKR mit Zustimmung der Synodalausschüsse A. B. und H. B. am 2. Februar 1946 wieder aufgehoben...

 

 

 

 

 

Ein bemerkenswerter Bericht

 

 

 

In einem bemerkenswerten Bericht, verfasst von SI Dr. Johannes Heinzelmann an die 20. Superintendentialversammlung der Wiener Superintendenz, blickt dieser auf mehr als 11 Jahre Kirchengeschehen seit der letzten Superintendentialversammlung zurück. Er beschreibt kurz die Situation in Ständestaat und den Zusammenbruch der Systemregierung, den Anschluss an das "Dritte Reich" und den seit drei Jahren herrschenden Weltkrieg, "in dem unser Volk, mächtig erstarkt, um die eigene Zukunft und um die Gestaltung Europas ringt!"

 

 

 

 

 

Gefallenengedenken

 

Zunächst gedenkt er der Gefallenen aus den Reihen kirchlicher Amtsträger und denen sich auf diesen Dienst vorbereitenden Studierenden. Danach kommt er auf die Notwendigkeit der Neudefinierung und Neugründung einiger Superintendenzen und deren Grenzen zu sprechen. Danach betrachtet er etwas ausführlicher die Ereignisse des Jahres 1938 und dessen Folgen für die Kirche.

Einige wichtige Zitate daraus seien hier wieder gegeben:

 

 

 

 

 

Der Anschluss und seine Folgen für die Kirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Man kann von einem förmlichen Bruch reden, den wir da erlebt haben. Nicht nur politisch, auch kirchlich haben sich die Bedingungen von Grund auf geändert, und im Hinblick auf das kirchliche Leben nicht zu unseren Gunsten ... vergleichen wir das Jahr 1931 mit dem Jahr 1941 ... erfüllt uns mit besonderer Freude das Anschwellen der Geburten ... ein Zeichen der Gesundung unseres Volkslebens ... das sich mit dem Aufhören der lähmenden Arbeitslosigkeit angebahnt hat ... die Spanne zwischen Geborenen und Getauften war nie sehr groß ... jetzt ist sie größer geworden, aber keineswegs noch so groß, dass man von einem Schwinden der Taufsitten sprechen kann ...

Anders steht es mit den Konfirmationen ... noch nicht einmal die Hälfte der Getauften werden auch konfirmiert ... 1938: 3.206; 1939: 2.469; 1940: 2.002; ... während früher 2/3 der Getauften auch konfirmiert wurden ...

Ein noch rapideres Absinken zeigen die Trauungsziffern ... nach der Einführung der standesamtlichen Eheschließung [Zivilehe] ... 1939: 1.781; 1940: 1.060; 1941: 978; ... von seelsorgerlicher Seite ist es aber zu begrüßen, wenn die kirchliche Trauung nur von solchen begehrt wird, die das Bedürfnis empfinden, ihre Ehe im Namen Gottes segnen zu lassen ...

Seinen sichtbarsten Ausdruck findet das kirchliche Leben im Besuch der Gottesdienste und die Beteiligung am Hl. Abendmahl ... Übereinstimmend wird berichtet .. dass hier vieles zu wünschen übrig bleibt ... hatten wir in der Systemzeit gefüllte Kirchen ... begannen sie sich ab 1938 zu leeren ... Fingen schon die Erwachsenen an, sich abzuwenden ... wurde der Jugend der Gottesdienstbesuch gerade von jenen, die sich als maßgebend erachteten, der Besuch des Gotteshauses lächerlich oder verächtlich gemacht ... dies kann nur mit Sorge erfüllen ...

Der Geist der Zeit ... ist der Kirche nicht hold ... dazu der Weltkrieg ...nimmt unsere ganze Kraft in Anspruch ... während 40 unserer Pfarrer, Vikare und Theologiestudierenden zur Front eingerückt sind ... und dort als Wehrmachtspfarrer, Kriegspfarrer, Sanitäter oder als Soldaten mit der Waffe dienen ... wird die Möglichkeit immer geringer, unsere Gemeinden ausreichend zu versorgen ... Überalterte Amtsträger müssen länger im Dienst bleiben ... weibliche und Laienkräfte ... herangezogen ... und Lesegottesdienste eingerichtet werden ...

Eine neue Verfassung für unsere Kirche war ausgearbeitet worden ... Bevor sie die staatliche Anerkennung erhalten konnte ... musste sie durch ein neues ... der Gegenwart Rechnung tragendes Abkommen ersetzt werden ...

Der Oberkirchenrat mit Dr. Capesius an der Spitze ... war eine staatliche Behörde ... seine Stellung zwischen zwei Aufgabengebieten ... war sehr schwierig ... es schien ... notwendig, ... ein freies Amt zu schaffen ...

Mein Amt brachte mich ... mit einer erheblichen Anzahl der leitenden Männer des damaligen Österreichs in unmittelbare Berührung ... um in den Gemeinden gehört zu werden ... bediente ich mich des Hirtenbriefes ... um den Gemeinden die Gewissheit zu geben, dass einer da sei, der unabhängig ... für ihre Rechte eintrat ...

Das Amt des Vertrauensmannes der Superintendenten ... war durch den Anschluss an Reich und Reichskirche gegenstandslos geworden ... in meinem damaligen Hirtenbrief ... habe ich offen auf die Gefahr hingewiesen ... man wünschte zwar im nationalsozialistischen Deutschland "Gottgläubigkeit", stehe aber Christus aus Gründen des Blutes ablehnend gegenüber ...

Ich wurde deshalb von vielen aus den eigenen Reihen beschimpft ... der Gang der Entwicklung gab mir aber recht ...  Nationalsozialismus und Christentum ...sind  nur schwer wenn überhaupt zu vereinbarende Größen ... "

 

 

 

 

 

Die Folgen der

Schulauflösungen für die evang. Kirche

 

Im weiteren berichtet er über die Folgen der Auflösung evangelisch geführter Schulen und deren Auswirkung auf die Kirche. Weiters erinnert er an Probleme bei Ein- und Austritten, schwere Probleme bei der Inneren Mission durch den Verlust von Gebäuden und Anstalten. Weiters spricht er auch das Publikationsverbot von vielen Gemeindeblättern und der kirchlichen Zeitschrift "Der Sämann" an. Zuletzt thematisiert er in seinem Bericht noch die Zukunftsfrage der evang.-theologischen Fakultät. Er schreibt dort unter anderem:

"Mit Wehmut gedenken wir ... der Opfer dieses Krieges aus unserer Fakultät ... ein Professor ... und eine Reihe hoffnungsvoller junger Männer ... die entschlossen genug waren, sich dem Dienst unserer Kirche zu widmen ... wer wird in diese Lücken eintreten? ... wer wird den Mut und die Entsagung aufbringen, sich einem Amt zu verschreiben, das beinahe ein verachtetes geworden ist, jedenfalls - wie man es weithin meint - ein Amt ohne Zukunft..."

 

 

 

 

 

Die Kriegszeit und das NS-Regime erzeugen...

 

Wie solche Situationen (Krieg, Nationalsozialismus, Bombenangriffe etc.) auf Menschen wirken, wird an einem Rundschreiben sichtbar, das in diesen Tagen zirkulieren.

 

 

 

 

 

...Endzeitstimmung in der Pfarrerschaft

 

Am 20. November 1942 wird von SI Pfr. Wilhelm Mensing Braun in der OÖ Superintendentur ein Rundschreiben versendet, aus dem hier einige Sätze zitiert werden:

"...Der Entscheidungskampf rückt immer näher. Nicht nur in Russland, sondern in der ganzen Welt rüsten die Mächte der Finsternis zu der großen Auseinandersetzung mit der Kirche Christi ... Seit den Tagen der Urgemeinde hat es kaum eine Zeit gegeben, die mit so unstillbarer Unruhe einen Weg gesucht hat zu Christus ... das Reich Gottes kommt ... lasst uns umdenken und uns gründlich anders einstellen. Wir haben uns heute restlos und ohne Vorbehalte der Kirche zur Verfügung zu stellen ...  lasst uns darum ... eine betende Kirche werden, die darum fleht: ,Dein Reich komme!´ ... "

 

 

 

 

 

Bischof Dr. Hans Eder

nimmt Amtsgeschäfte

wieder auf

 

 

Der von längerer Krankheit wieder genesene, aber noch sehr geschwächte Bischof Dr. Hans Eder nimmt am 6. November 1942 wieder die Amtsgeschäfte auf. In einem Rundschreiben bedankt er sich für die vielen Genesungswünsche und informiert über die Situation der Kirche. Am Beginn schreibt er nach einleitenden Grüßen u. a.:

"... Wie viele von Ihnen mögen in der großen Schar derer sich befinden, die im letzten Jahre nächste Angehörige verloren haben. Es wird wohl auch kaum einer unter Ihnen sein, der am Neujahrsmorgen nicht mit Sorgen an liebe Menschen an den Fronten im Lebenskampf unseres Volkes hätte denken müssen. Das Sterben der Gefallenen, das Kämpfen der Lebenden, die Schmerzen der Verwundeten und das ungewisse Schicksal der Gefangenen und Vermissten stehen unter dem unfassbaren Wort: ´Für uns!´ ...

Und nun ... einiges aus der Situation der Kirche: ... Wir werden bis zum Schluss des Rechnungsjahres ... nicht bloß den gesamten Betrag an Kirchenbeiträgen hereinbekommen ... es wird dieser Betrag voraussichtlich überschritten werden ... das ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kirchenbeitragsstelle zum erstenmal in der Lage war, die Rückstände der letzten Jahre einzunehmen ... Die Sorge um ein beträchtliches Ansteigen der Austrittsziffer ... war nicht am Platze ...

Immer schwieriger wird durch die Einberufung der Geistlichen zum Wehrdienst die seelsorgerliche Betreuung der Heimatgemeinden. In einer Reihe von Gemeinden mußten wir schon mit der Einrichtung von Lesegottesdiensten vorgehen ...  wir begrüßen es ...daß sich überall Presbyter zu diesem Dienst bereit erklärt haben ... darin tritt die schönste Seite dieses Amtes ... in Erscheinung..."

 

 

 

 

 

 

Bis zur ersten Pfarrerin   noch ein weiter Weg

 

Deutsche Soldaten

in Paris...

 

...und im Schützengraben

 

Bischof Dr. Hans Eder

 

SI Dr. Heinzelmann

 

Endzeitstimmung in

der Kirche

 

Das alte Kriegerdenkmal

bei der röm.-kath. Stadtpfarrkirche Spittal

 

Kriegsgefangenen-Lager

 

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Exkurs zur Entjudaisierung

Exkurs zu Deutschen Christen