Die Geschichte der Öst. Evang. Kirche im 3. Reich        S. 3

 

 

Situation des Religionsunterrichtes

 

Der Evang. Oberkirchenrat, unterfertigt von OKR Dr. Liptak, beschreibt in einem geheimen Brief an die Superintendenturen A. und H. B. und die Senioratsämter A. und H. B. das Trümmerfeld des Religionsunterrichtes an Volks-, Haupt- und Mittelschulen. Die jüngsten Verfügungen des Ministeriums für innere und kulturelle Angelegenheiten (dazu gehören die Verlegung des Religionsunterrichtes auf die letzte Unterrichtsstunde des Tages, die Erteilung des Religionsunterrichtes an oberen Mittelschulen durch Volksschullehrer etc.) werden als bekannt vorausgesetzt.

Er bedauert, dass der Religionsunterricht immer mehr der Kirche entzogen werde. Die Lehrpläne sollen jetzt von den (staatlichen) Schulbehörden ohne Mitwirkungsmöglichkeit der Kirche erstellt werden, die Ausbildung und Prüfung von Religionslehrern und deren Beaufsichtigung sei ausschließlich Sache des Staates. Es komme dabei ein Religionsunterricht zustande, an dem die Kirche kein Interesse mehr haben könne. Es sei unter diesen Umständen besser, keinen Unterricht in den Schulen zu verlangen als einen, durch den evang. Kindern das Christentum verleidet werde oder nicht mehr Christus im Mittelpunkt stehe.

Der Religionsunterricht solle besser in gemeinde- und kircheneigenen Räumlichkeiten erteilt werden. In den Fällen, wo keine entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung stünden, solle danach getrachtet werden, geeignete Räumlichkeiten von den Schulen zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Ehe der OKR hier entscheide, seien allerdings die Superintendenturen und Senioratsämter um Stellungnahme gebeten.

 

 

 

 

 

Öffentliche Äußerungen kirchlicher Stellen zu tagespolitischen Fragen sind unerwünscht

 

Der evang. OKR teilt mit, dass der Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten am 30. August 1939 folgendes angeordnet habe:

Die Veranstaltungen von Kirchen und kirchlichen Vereinen, in denen zur gegenwärtigen Lage Stellung genommen werde, seien in jeder Hinsicht unerwünscht. Von solchen Veranstaltungen in weltlichen Räumen sei abzusehen.

In kirchlichen Räumlichkeiten habe jede Äußerung zu innen- und außenpolitischen Fragen sowieso zu unterbleiben.

 

 

 

 

 

Kirchenbeitragsfragen

 

Die neue Kirchenbeitragsordnung für die Evang. Kirche A. und H. B. in Österreich wird in einem Schreiben des evang. OKR mit dem Datum vom 8. September 1939 erläutert. Die Berechtigung zur Einhebung liegt jetzt bei der Landeskirche, nicht mehr bei den einzelnen Pfarrgemeinden.

Weiters wird in einem Schreiben vom 21. September 1939 durch den OKR bekannt gegeben, dass staatliche Zuschüsse nicht mehr an die Kirche, sondern nur mehr an einzelne Geistliche, und zwar nur an derzeit Tätige, nicht aber an deren Nachfolger, vergeben werden. Der OKR rät daher allen Geistlichen, derzeit ihre Stellungen nicht zu wechseln.

Das neue Gesetz über die Gehälter und Ruhestandsbezüge für geistliche Amtsträger in der evang. Kirche A. und H. B. regelt ab sofort die Besoldungsordnung. Der OKR erläutert in einem Schreiben vom 27. September 1939 die Konsequenzen aus der Einhebung durch die Landeskirche. Die finanzielle Situation habe sich extrem verschlechtert.

 

 

 

 

 

Glückwunschtelegramm

 

Am 16. April 1940 sendet der evang. OKR A. und H. B. ein Telegramm an den "Führer des Deutschen Reiches":

"Gott segne Führer und Volk und die von ihm geschaffene ruhmgekrönte Armee!"

 

 

 

 

 

Kampf der Vereinzelung von Pfarrern

 

Zu Pfingsten 1940 tritt Superintendent Dr. Johannes Heinzelmann mit einem Schreiben an "alle Brüder im Amt" heran. Besondere Erfahrungen veranlassten ihn zur Erörterung der Frage von persönlichen Beziehungen untereinander. Nicht wenige vermissten "die Pflege einer wahrhaft brüderlichen Gemeinschaft".

Er spricht die außerordentliche Arbeitsbelastung speziell bei jüngeren Amtsbrüdern an und deren durch Überlastung verursachte innere Vereinsamung. Er bedauert auch beim Zusammenwirken von älteren mit jüngeren Amtsträgern in einem dienstlichen Verhältnis die Beschränkung auf das rein Dienstliche und den Rückzug der Älteren in ihren familiären Kreis. Jüngere Amtsbrüder bedürften der Anregung und Aussprache, denen der Ältere bereitwillig entgegen kommen sollte.

Die Jüngeren sollten spüren, dass sie nicht Beamte sondern "jüngere Brüder" sind und Anspruch darauf haben, liebevoll geleitet und mit Verständnis beraten zu werden, selbstverständlich immer vorausgesetzt sie wollen das. Der schon länger im Amt tätige Geistliche habe - besonders in Fällen, wo Korrektur oder Tadel angebracht sei - eine wertvolle Gelegenheit, sich als brüderlicher "Wieder Zurechthelfender" zu erweisen.

 

 

 

 

 

Probleme bei der Einhebung von Kirchenbeiträgen

 

 

In einem Schreiben vom 4. Juni 1940 an die Presbyterien der evang. Gemeinden A. und H. B. betont OKR Dr. Hans Eder, dass es dem OKR sehr wohl bewusst sei, in welch schwierige Situation die Gemeinden seit der Einhebung der Kirchenbeiträge durch die Kirchenleitung geraten sei. Man sei von der Zentralisierung des ganzen Kirchenwesens selber überrascht worden und habe dies weder gewünscht noch angestrebt. Der Einzelgemeinde sei das Steuerrecht entzogen und der OKR mit der Aufgabe der Durchführung beauftragt worden. Man könne seitens des OKR noch nicht sagen, wie hoch das Kirchenbeitragsaufkommen sein werde, das dann unter den Gemeinden verteilt werden könne.

Bei außerordentlichen finanziellen Schwierigkeiten von Gemeinden sei man seitens des OKR natürlich gern bereit zu helfen, wenn es irgendwie möglich sei. Er bittet aber zugleich auch um Verständnis für die Situation des OKR.

Seine Lage sei mit dem Satz zusammen zu fassen: "Wir tragen die Verantwortung für den finanziellen Bestand der Kirche, ohne im ersten Jahr der Neuregelung auch  nur mit annähernder Sicherheit die Höhe der Kirchensteuereingänge sagen zu können."

 

 

 

 

 

Richtlinien zur Erteilung des evang. Religionsunterrichtes

 

 

 

In einem Schreiben des OKR von 21. Oktober 1940 an alle Superintendenturen, Senioratsämter, Pfarrämter, Vikariate und Presbyterien werden die Richtlinien für die Gestaltung und Durchführung des Religionsunterrichtes dargestellt:

Wo innerhalb der Schule der RU (Religionsunterricht) in der Schule möglich sei, solle man bemüht sein, dies aufrecht zu erhalten.

Wo umständliche Voraussetzungen (amtsärztliche Untersuchung, Arischer Nachweis usw.) erfüllt werden müssten, ehe geistliche Amtsträger zum RU zugelassen werden (dies könne manchmal mehrere Monate dauern) solle man sofort mit dem RU in kircheneigenen oder privaten Räumlichkeiten beginnen.

Auch in Gebieten, in denen der RU für Volks- und Hauptschulen staatlicherseits sichergestellt sei, seien die Entfernungen für den Besuch oft sehr groß. Auch da sollte man kirchlicherseits den RU in kircheneigenen oder privaten Räumlichkeiten sicherstellen.

Wo der RU in der Schule wegen der unter 20 Schülern bleibenden Anmeldungen zum RU nicht zugelassen wird, ist für die betreffenden Schüler der RU sicher zu stellen.

Wo der RU von Lehrern erteilt wird, die nicht der Kirche angehören, sei im Einvernehmen mit dem Presbyterium ein Unterricht einzurichten und die Eltern auf dem üblichen Weg von der Einrichtung dieser Glaubensunterweisung zu verständigen. Das gelte auch für Fälle, wo der RU in den Schulen nicht den kirchlichen oder familiären Erwartungen entspreche. Hier solle man ähnlich vorgehen.

Dem Ausbau des Kindergottesdienstes solle verstärkt Aufmerksamkeit zugewendet werden.

Je mehr der RU in Schulen zurückgehe, solle man den Konfirmandenunterricht (KU) verstärkt ausbauen. Seine Ausdehnung auf 2 Jahre werde in einigen Gemeinden bereits praktiziert. Der einjährige KU sei auf 8 Monate (von Anfang Oktober bis Ende Mai) auszudehnen. Einheitliche Richtlinien für den KU werden noch dieses Jahr ausgearbeitet.

In Höheren Schulen ist der RU nur dann staatlich sichergestellt, wenn sich mindestens 20 Schüler zum RU angemeldet haben. Bei einer Schülerzahl unter 20 ist seitens der Pfarrgemeinde eine evang. Glaubensunterweisung einzurichten.

Schüler der oberen Klassen von Höheren Schulen, für die während der Kriegsdauer der RU entfallt, sind zur evang. Glaubensunterweisung (KU, Christenlehre) einzuladen.

 

 

 

 

 

Anweisungen zum Fliegeralarm

 

Der evang. Oberkirchenrat informiert mittels Rundschreiben an Superintendenturen, Senioratsämter, Pfarrämter, Presbyterien der selbständigen Pfarrgemeinden und Ausschüsse der selbständigen Predigtstationen von einer Anordnung des Reichsministers für kirchliche Angelegenheiten.

Der Führer habe angeordnet, dass nach nächtlichen Fliegeralarmen mit Rücksicht auf die arbeitende Bevölkerung und Schüler die Glocken vor 13 Uhr des folgenden Tages nicht geläutet werden dürften. Kirchliche Veranstaltungen dürften nicht vor 10 Uhr des folgenden Tages abgehalten werden.

 

 

 

 

 

 

OKR Dr. Liptak

 

Alle 10jährigen in NS-Jugend-Verbände

 

Hitlers Verständnis von "Jugendarbeit"

 

SI Dr. Johannes Heinzelmann

 

 OKR Dr. Hans Eder

 

Ein typischer

"Arischer Nachweis"

 

Luftschutzkeller

 

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Exkurs zur Entjudaisierung

Exkurs zu Deutschen Christen