Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte Obervellachs

   und die Entstehung einer Predigtstation

 

 

Erste urkundliche Erwähnung   Die erste urkundliche Erwähnung Obervellachs findet sich in einem Vertrag. Durch einen Tausch zwischen dem "Edlen Kleriker Ruodhari zu Velah", wie dieser Ort aus dem Slawischen abgeleitet genannt wurde, und dem Bischof Abraham (957 - 933) kam dieser Ort zum Bistum Freising, das in dieser Zeit einer der mächtigsten Grundherren in Kärnten wurde. Man feierte daher 1963 in Obervellach das tausendjährige Bestehen.  
       
"Vehla" wird habsburgisch   Unter Bischof Heinrich I. von Tengling (1098 - 1137) kamen die Güter um Velah und im Mallnitztal an die Grafen von Görz.  
       
Falkenstein und Unterfalkenstein   Diese errichteten die Burg Falkenstein. Während die eigentliche, höher gelegene Burg Falkenstein – heute eine Ruine – ein wichtiger Machtschwerpunkt des Tiroler Grafengeschlechts im unteren Mölltal war, ist die heutige Burg Unterfalkenstein ursprünglich nur ein Vorwerk dieser Burg gewesen.

Seit dem 14. Jahrhundert wurden beide Burgen getrennt verliehen. Unterfalkenstein war im 19. Jahrhundert eine völlige Ruine, bis sie um 1906 in idealisierten Formen der deutschen Ritterromantik wieder aufgebaut wurde und seitdem bewohnt ist. 1973 ist sie sogar Briefmarkenmotiv geworden.

 
       
Groppenstein - eine weitere Görzer Burg  

Eine weitere Burg der Grafen von Görz war Groppenstein. 1254 als "turris Croppensteine" nahe der Einmündung des Mallnitzbaches in die Möll erstmals urkundlich genannt, wurde die Burg von Görzer Ministerialen (Dienstleuten) im 15 Jh. zur spätmittelalterlichen Wehranlage ausgebaut. Durch die nach 1872 vom Wiener Architekten Adolf Stipperger vorgenommene Gesamtrestaurierung erhielt Groppenstein sein heutiges am Baustil des Historismus orientiertes Aussehen.


Zugbrücke und Torturm schützen den Eingang zum Burghof, der durch eine zinnenbewehrte Mauer und den Palas (Bergfried) gebildet wird. An der Talseite erhebt sich der mächtige, in der ersten Hälfte des 19. Jhdts. wieder instand gesetzte Bergfried, der mit dem Wohntrakt durch eine Holzbrücke in der Höhe des zweiten Obergeschosses verbunden ist.

Im Rittersaal befindet sich ein Glasgemälde aus dem 16 Jhdt. Weitere Fenster stammen von Prof. Franz Chvostek, dem Besitzer der Burg in den Jahren 1936 bis 1944. Unterhalb der Wehranlage liegt die Katharinenkapelle mit gotischem Langhaus und halbrunder romanischer Apsis.

Diese Görzer Besitzungen fielen 1460 an Kaiser Friedrich III. Damit wurde auch der Ort Vellach habsburgischer Besitz

 
Höhepunkt im Bergbau   Durch die wachsende Bedeutung des Bergbaus ab dem 13. und 14. Jhdt. erlangte der Ort schließlich seinen geschichtlichen Höhepunkt. In allen Seitentälern des Mölltales wurde nach edlen Metallen wie Silber und Gold geschürft, unter Bedingungen, die selbst für die damalige Zeit als extrem schwierig galten. Durch die enormen Einnahmen aus dem Bergbau vor Ort konnte Kaiser Maximilian I. (1493- 1519) die verlorengegangenen Rechte der Reichsgewalt wieder zurück kaufen. Von Obervellach aus wurde der habsburgische Edelmetallbergbau im Rahmen der kaiserlichen Bergverwaltung geleitet. Daher wurde Vellach im Jahre 1509 Sitz des Oberbergmeisteramtes der innerösterreichischen Lande.  
       
Vellach wird Obervellach   Zur Unterscheidung von mehreren gleich lautenden Ortsnamen erhielt der Ort schließlich den Namen "Obervellach".  
       
Erster reformatorischer Prediger   Die Reformation fasste unter den Bergknappen wie überall im Habsburger Reich rasch Fuß. In der Zeit der Bauernkriege wird zum ersten mal von einem evangelischen Prediger  in Obervellach berichtet. 1524 wurde dem Kardinal und Erzbischof von Salzburg Matthäus Lang mitgeteilt, dass in "Vellach" lutherisch gepredigt werde.

Der Erzbischof wäre am liebsten sofort massiv eingeschritten, aber die zahlreichen Kriegshandlungen in seinem Regierungsbereich verhinderten dies. Es handelte sich bei dem Prediger um einem Laien, dem Hieronymus Hoffmann, der predigend an verschiedenen Orten im Umland von Obervellach auftritt und sich dort auch länger aufgehalten hat.

 
       
Erste katholische Pfarrkirche   Die am 15. Juni 1516 eingeweihte spätgotische kath. Pfarrkirche St. Martin war in der Zeit der wirtschaftlichen Blüte errichtet worden. Das Langhaus errichtete lt. Inschrift und entsprechender Meisterzeichen Lorenz Rieder, der auch Kirchen in Stallhofen, Pusarnitz, Greifenburg, Baldramsdorf und Mörtschach baute.

Der Chor der Pfarrkirche ist etwas älter und stammt von Andreas Bühler aus Gmünd, der allerdings mehr in der Schweiz (in Graubünden und in der Umgebung von Basel) bekannt wurde.

 
       
Bildersturm in Obervellach   Diese Kirche wurde im Zuge der sich ausbreitenden Reformation sehr bald protestantisch. Es kam zu vereinzelten Zerstörungen sakraler Kunstwerke, vieles aus der Pfarrkirche wurde aber versteckt aufbewahrt und konnte später wieder aufgefunden werden. So auch die wertvollen 3 Bildtafeln des Niederländers Jan van Scorel (1495 - 1562), einem bedeutenden Maler der Renaissance, der auf seinem Weg nach Italien wohl in Obervellach Station machte.

Diese 3 Tafeln waren sichtlich Bestandteile anderer Altäre, ehe man sie 1692, neu zusammengesetzt, der (längst wieder katholischen) Pfarrkirche stiftete.

 
       
Persönlichkeiten aus dem Bergbau prägen den Ort  

Einige Bergbauunternehmer spielten in der protestantischen Geschichte Obervellachs eine große Rolle. So weiß man von Wolfgang Hildebrand und Hans Putz, einem Abkömmling einer bekannten Augsburger Kaufmannsfamilie. Da sich wie bereits geschildert in Obervellach das Oberbergmeisteramt der Habsburger befand, hatten die meisten Bergbauunternehmer auch ein Haus in Obervellach errichtet.

 

Die Fam. Putz war es auch, die in Großkirchheim eine lutherische Kirche erbauen ließ und dafür die Mittel bereitstellte. Diese wurde jedoch im Zuge der Gegenreformation durch die kaiserlichen und bischöflichen Truppen zerstört. Bis 1600 waren in Obervellach lutherische Pfarrer tätig.

 
       
Niedergang des Bergbaus   Die letzten Jahre des 16. Jhdts. waren aber von einem Abnehmen der förderbaren Goldmenge und dem Niedergang des Bergbaus gezeichnet. Die wirtschaftliche Situation war mit einem Schlag sehr bedrückend, als der Goldbergbau eingestellt wurde. Die Edelmetallgewinnung verlagerte sich nach Steinfeld/Drau und in umliegende Ortschaften, die Obervellach auch bald den Rang abliefen.

Während der später unter Maria Theresia verordneten Zentralisierung aller Bergbauämter wurde daher auch die Bergbaustelle mit ihrer Amtsstube nach Klagenfurt verlegt.

 
       
Nach Spittal befohlen   Auch die Obervellacher Bürger evangelischen Glaubens wurden nach Spittal befohlen, um der neuen Lehre abzuschwören (siehe den Bericht auf der Seite "Von der Gegenreformation zur freien Kirche" auf dieser Homepage).  
       
   

Mehr zur Situation der Evangelischen in Obervellach finden Sie auf den folgenden Unterseiten.

 
       

Erneuter Aufschwung

  Zu einem erneuten Aufschwung kam es schleißlich, als der steirische Gewerke Hans Adam Stampfer, der ein Kupferbergwerk in der Walchen bei Öblarn in der Steiermark besaß, den Kupferabbau in der Fragant in Angriff nahm. Viele Knappen aus anderen Gebieten fanden wieder Arbeit, und es entwickelte sich bald wieder ein reges Leben.

Dadurch konnte die Pfarrkirche, die im Zuge der Gegenreformation wieder katholisch geworden war, ihr unansehnlich und schadhaft gewordenes Inventar im barocken Stil erneuern. Während der wirtschaftlichen Notzeit fehlte einfach das Geld für Instandsetzungsarbeiten.

 
       
Familie Stampfer   Die Familie der Stampfer blieben bis zu ihrem Aussterben am Anfang des 19. Jhdts. die größten Gönner und Sponsoren für Kirche und Markt. Ab 1731 in den Adelsstand erhoben, haben sie sich durch wichtige Beiträge zur Schaffung einer Infrastruktur um Obervellach verdient gemacht.  
       
Neuerliche wirtschaftliche Krise  

Im 19. und 20. Jhdt. kam es zu einer neuerlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, was verständlicherweise auch dazu führte, dass man wichtige religiöse und profane Bauten vernachlässigte.

 

Der Bergbau in der Fragant kam in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts und endgültig nach dem 1. Weltkrieg gänzlich zum Erliegen. Die Knappen wanderten vielfach ab, und man setzte wieder verstärkt auf die Landwirtschaft, was im gebirgigen Oberland nicht immer einfach war, da der Talboden etwas beengt ist, aber wenigstens das Überleben sicherte.

 
       
Leichter Auf-schwung durch Tauernbahn   Anfang des 20. Jhdts. kam durch den Bau der Tauernbahn etwas Aufschwung in die Gemeinde. Allerdings war die Position des Bahnhofes oberhalb des eigentlichen Ortskernes ein Problem, das schließlich durch den Bau einer Seilbahn zwischen Ortskern und Bahnhof gelöst werden musste  
       
Umfassende Renovierung von Kunstdenkmälern   Erst nach dem 2. Weltkrieg erlebte Obervellach eine wirkliche wirtschaftliche Belebung, die sich schließlich in der Restaurierung der Kunstdenkmäler auswirkte.

So bekam die Pfarrkirche nach einer umfassenden Innenrenovierung  1939 - 1941 eine Neueindeckung mit Schindeln (1947 - 1951), was durch große Opferbereitschaft unter der Bevölkerung und öffentliche Subventionen möglich wurde. Anfangs der 70er-Jahre wurde dem Holzwurm der Garaus gemacht und etliche Figuren neu gefasst.

 
       
Verkehrsmäßige Erschließung   Der Ort selber erlebte nach dem Krieg neben dem wirtschaftlichen Neubeginn auch die verkehrsmäßige Erschließung des Mölltales und eine damit verbundene Belebung des Fremdenverkehrs, nicht zuletzt durch die Schroth-Kuranstalt, die weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist..  
       
Statistische Details   Obervellach hat heute eine Bevölkerungszahl von 2.538 Personen. Nur mehr zu einem kleineren Teil leben die Menschen von der Landwirtschaft. Im Ort selbst gibt es heute 120 Gewerbe-, Dienstleistungs- und Fremdenverkehrsbetriebe. Diese stellen hauptsächlich die Wirtschaftskraft nicht nur für Obervellach, sondern auch für den Bereich des mittleren Mölltales dar.

Neben dem Tourismus im Sommer bemüht sich Obervellach sehr um den Winterfremdenverkehr - der Sportregion Mölltal mit den Schigebieten Mölltaler Gletscher und Ankogel. Seit 2005 ist Obervellach mit dem an Naturschätzen einzigartigen Kaponigtal Mitglied im Nationalpark Hohe Tauern und somit Nationalparkgemeinde.

 
       
Gewachsener Ortskern   Der in sich sehr schön geschlossene Ortskern von Obervellach liegt auf einer Seehöhe von 686 m und stellt heute ein historisch gewachsenes Ortsbild aus der Bergbauzeit dar.  

 

Burg

Unterfalkenstein

Burg Groppenstein

 

Kaiser Friedrich III.

Erzbischof und Kardinal

Matthäus Lang

aus Salzburg

Die röm.-kath.

Pfarrkirche St. Martin

Das Innere

Der Tafelbildaltar des

Jan Scorel (1495-1562)

Denkmal für Jan Scorel

in Utrecht

Der Marktplatz

Der gewachsene

Ortskern heute

 

 

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