|
Heftige innerkirchliche
Kämpfe
|
|
Innerkirchlich gab es
heftige Auseinandersetzungen zwischen Calvinisten und
Lutheranern, aber
auch mit der Lehre des Matthias Flacius.
Dieser wollte die reine Lehre Luthers bewahren und verschärfte manche
Aussagen Luthers extrem. Anhänger hatte diese Lehre in Villach, aber auch
die Bergknappen von Bleiberg, einige Bauerngemeinden rund um
Spittal
bis Millstatt und bis ins Liesertal hingen dieser Lehre an. Selbst im Adel
gab es einige Sympathisanten. Ab 1575 wiesen die Kärntner Stände alle
flacianisch gesinnten Prediger aus Kärnten aus. |
|
|
|
|
|
|
|
Eine Konkordienformel wird
verlangt |
|
Nicht zuletzt wegen der
Konflikte mit Flacius wurde in Deutschland der Ruf, gegen
die lehrhafte Zersplitterung im Luthertum mittels einer Konkordienformel
vorzugehen, immer lauter. Diese gemeinsame Basis des Glaubens und der
Gottesdienste im Luthertum unterschrieben bis 1582 fast alle Kärntner
Lehrer und Prediger.
Dass so viele unterschrieben
haben, konnte ein Hinweis darauf sein, dass das Land durch und durch
evangelisch geworden sei, da man bereits in der 2. Generation als
Evangelische in diesem Land lebte und sich schon sicher fühlte. Aber die Geschichte wird bald zeigen,
wie trügerisch diese Meinung war. |
|
|
|
|
|
|
|
Aufgeschrecktes katholisches
Lager |
|
Das katholische Lager wurde
durch die weitgehenden Zugeständnisse des Grazer Hofes von 1587 massiv
aufgeschreckt. Das Land Bayern und der Papst wirkten auf den Erzherzog
von Innerösterreich, Erzherzog Karl II. ein und legten zusammen einen Entwurf für die
katholische
Restauration in seinen Ländern fest. Schrittweise sollte die
Gegenreformation vonstatten gehen, begleitet von unterstützenden
Maßnahmen der innerkatholischen Reform. |
|
|
|
|
|
|
|
Deutliche Grenzen für
Protestanten |
|
Als erste bekamen es die
erzherzoglichen Städte und Dörfer zu spüren. Erzherzog Karl II.
setzte zunächst der Ausübung des "Augsburgischen Bekenntnisses" durch die
Bürger deutliche Grenzen. Vorerst wurden nur vereinzelt evangelische
Prediger ausgewiesen und Lehrer aus ihren Diensten entlassen. Doch die
Zahl nahm nach einer kurzen Anlaufzeit stark zu. Trotzdem verlief das
evangelische Leben an der Oberfläche - im Vergleich zu den Zuständen in
der Steiermark - eher ruhig weiter. Noch relativ ungestört konnten die
Stände am
Beginn der 90er-Jahre ihre großen Bauvorhaben in Klagenfurt
fertig stellen. |
|
|
|
|
|
|
|
Wachsende Unruhe im Land |
|
Aber es gab bereits Signale, die
ziemliche Unruhe ins Land
brachten. So wurde der bambergische Landeshauptmann Hans Friedrich
Hoffmann, der mächtige Schutzherr der Protestanten in der
Steiermark und in Kärnten, von Erzherzog Karl II. abgesetzt und
gegen den
Katholiken Hans von Ortenburg ausgewechselt. |
|
|
|
|
|
|
|
Ein Ortenburger als
Landeshauptmann |
|
Dieser Hans von
Ortenburg war von da an gezwungen, die Befehle seines Landesherrn
gegen die Protestanten auszuführen und an der Gegenreformation des
Jahres 1600 teilzunehmen. |
|
|
|
|
|
|
|
Die Khevenhüller |
|
Doch als Schwiegersohn des Grafen Georg von Khevenhüller,
der als Landeshauptmann in Villach und Klagenfurt im Sinne der Reformation
wirkte, kann man vermuten, dass er sich der Reformation gegenüber im
allgemeinen tolerant verhalten hat. |
|
|
|
|
|
|
|
Wohlwollende Stiftungen |
|
Daneben versuchte Hans von Ortenburg
aber durch wohlwollende Handlungen der katholischen Kirche wieder auf die
Beine zu helfen.
So gründete er z. B. das heutige Servitenkloster
Maria Schnee in Maria Luggau, wohin er 1591 Franziskaner berief. In
Spittal ließ er die röm.-kath. Pfarrkirche erweitern, gemeinsam mit
seinem Onkel Ernfried und seinem Bruder Bernhard. |
|
|
|
|
|
|
|
Aufruhr in Villach |
|
Im November 1594 traf in
Villach der Patriarch und Erzbischof von Aquileja - Francesco Barbaro
-
ein,
mit der angekündigten Absicht, die Hauptpfarrkirche mitten in einer
durch und durch evangelisch gewordenen Stadt dem "allein heiligen katholischen
Messopfer"
- wenn nötig mit Gewalt - zurück zu geben..
Sofort traf sich eine Handvoll
beherzter Bürger, die sich in der Stadtpfarrkirche St. Jakob versammelten und dort
verbarrikadierten. Seine Exzellenz vergatterte eine Hundertschaft Soldaten
und zwang den bambergischen Vizedom, die fest
verrammelte und versperrte Eingangstür mit Gewalt aufzubrechen. Die
Widerstand leistenden Bürger ließ er kurzerhand festnehmen und einkerkern.
Mit diesem großes Aufsehen erregenden Akt war die Gegenreformation im
eigentlichen Sinn eingeleitet. |
|
|
|
|
|
|
|
Rekatholisierung
setzt ein
|
|
Unter Berufung auf sein
Recht, die Religion in seinem Herrschaftsbereich bestimmen zu können,
begann darauf Erzherzog Ferdinand II. systematisch eine
Rekatholisierung,
wenn nötig auch mit Gewalt.
Bei dem von ihm angeordneten
Missionierungsfeldzug unter dem jesuitischen Bischof Martin Brenner (1599-1600) wurden
Prediger vertrieben, neu gebaute evangelische Kirchen und Friedhöfe
zerstört und Unmengen an Büchern und Schriften verbrannt
(dieser Feldzug
ist auf der Seite
"Dokumente der
Verfolgung" auf dieser Homepage genauer geschildert).
Die Bewohner
der Orte, die der Seckauer Bischof unter militärischem Schutz durchreiste,
mussten den "secktischen Lehren" abschwören und wurden auf den
katholischen Glauben vereidigt. Wer nicht katholisch werden wollte, bekam
eine Frist zur Auswanderung.. Er musste all seinen Besitz verkaufen und
ein Zehntel des Verkaufserlöses abliefern.
|
|
|
|
|
|
|
|
Exulanten |
|
Von jetzt ab verließen
zahlreiche Auswanderer das Land, so genannte "Exulanten", die das "beneficium
flebile emigrationis", die "tränenreiche Wohltat der Auswanderung",
wie es zynisch von katholischer Seite genannt wurde, der Zwangskonversion
vorzogen.
Noch blieben die Adeligen
auf ihren Herrenhäusern, Gutshöfen, Burgen und Schlössern
verschont, doch das sollte sich bald ändern. |
|
|
|
|
|
|