Reformation und Gegenreformation in Kärnten          Teil 2

 

 

Das "Augsburgische Bekenntnis"   Führende Mitglieder des Adels waren evangelisch geworden und forderten, "der Fürst solle die Predigt des reinen und unverfälschten Wortes freigeben". Einige Jahre später wird sich diese Forderung auch auf das "Augsburger Bekenntnis" ausweiten, das sie 1530 Kaiser Karl V. überreicht hatten.

Sie verknüpften die Freigabe des "Augsburgischen Bekenntnisses" mit ihrer Zustimmung zur Steuerbewilligung angesichts der drohenden Türkengefahr. An den Höfen der Habsburger ätzte man:

"Der Türke ist der Lutherischen Glück".

 
       
Der "Augsburger Religionsfrieden"   1555 versprach der "Augsburger Religionsfrieden" dem Landesherrn die Bestimmung der Konfession seiner Untertanen und entzog damit den unter habsburgischer Herrschaft lebenden Evangelischen den Boden. Diese verlangten aber selbstbewusst von Kaiser Ferdinand I., "sie ihrer Religion zu versichern".

Dieser wies dieses Ansinnen zurück und betonte, die "Brucker Pazifikation" sei seinem Vater zu Unrecht abgetrutzt worden und nur für die Person seines Vaters abgegeben worden.

Er selber berief sich auf die Bestimmung des "Augsburger Religionsfriedens" von 1555, wonach der Landesfürst die Religion seiner Untertanen bestimmen konnte (Cuigus regio, eus et religio).

Die moralische Berechtigung eines solchen Vorgehen wird sogar von katholischen Kirchenhistorikern angezweifelt. Aber es stammt eben aus einer Zeit, in der niemand an Duldung oder Tolerierung anderer Bekenntnisse dachte.

 
       
Zweite Reformation   Ab 1550 ging eine zweite Welle der reformatorischen Bewegung durch das Land. Es wurde gefordert, Kommunion unter beiderlei Gestalt und die Austeilung von Brot und Wein an Alle sei einzuführen.

An vielen Orten kam es jetzt zur öffentlichen Religionsänderung. Die "altgläubigen" Riten wurden abgeschafft, an ihre Stelle trat der Predigtgottesdienst und die gesonderte Abendmahlsfeier.

Dadurch ging eine reformatorische Bewegung erst in die eigentliche Reformation über, weil erst jetzt die städtischen Magistrate, evangelische Patronatsherren und zum Evangelium bekehrte Priester das Kirchen- und Schulwesen im Land neu zu ordnen begannen.

 
       
Bildersturm   Zu einem Bildersturm (Zerstörung altgläubiger Kunstwerke) kam es in Kärnten nur vereinzelt, solche Vorfälle sind bekannt aus Völkermarkt (wo man eine Madonnenstatue köpfte) und aus Obervellach, wo man Bilder und Altarteile entfernte und auf den Misthaufen warf. Katholiken brachten Bilder und Altarteile in eine Abstellkammer, um sie vor weiteren Übergriffen zu schützen).

Wie weit die Reformation in Kärnten gegriffen hatte, zeigte sich  im Jahre 1566, als etwa dreißig Prediger ihr evangelisches Bekenntnis vor dem Landschaftsrat ablegten.

 
       
Slowenische Übersetzungen   Nach dem Sturz des steirischen Landeshauptmanns Hans Ungnad von Sonnegg wegen seines lutherischen Bekenntnisses wanderte dieser nach Wittenberg aus, wo er in der südslawischen Bibelanstalt mit Primosz Truber eng zusammen arbeitete. Hier wurden viele slowenischsprachige reformatorische Schriften verlegt, so z. B. der bekannte "Slowenische Katechismus", finanziell unterstützt von den Kärntner Ständen.

Die in Wittenberg gedruckte slowenische Bibelübersetzung Georg Dalmatins wurde von dort als Schmuggelgut über Villach nach Krain gebracht.

In Agoritschach bei Arnoldstein bildete sich eine kleine slowenische Gemeinde und überstand sogar die Gegenreformation.

 
       
Kaiser Ferdinand als verhinderter Vermittler   Ferdinand I. versuchte sich der neuen Welle der Reformation entgegenzustellen und verbot 1554 die "Kommunion unter beiderlei Gestalt", konnte sich aber damit bei den Landständen überhaupt nicht durchsetzen.

Gegen Ende seiner Regierung beschritt er den Weg der Vermittlung und trat schließlich auf dem Konzil von Trient für den Laienkelch und die Priesterehe ein. Er erreichte aber lediglich eine halbherzige Zusage zum Laienkelch.

Die Landstände waren inzwischen allerdings gar nicht mehr an Einzelerlaubnissen interessiert, sondern drängten vehement auf eine umfassende Anerkennung des "Augsburgischen Bekenntnisses".

 
       
Kaiser und Landstände ringen um Einigkeit  

Nach dem Tod von Kaiser Ferdinand I. 1564 wurde eine Erbteilung des Habsburger Reiches durchgeführt. Innerösterreich - zu dem auch Kärnten zählte - ging an Erzherzog Karl, der gleich nach der Erbhuldigung betonte, es stünde ihm zu, "die Religion im Lande zu handhaben, er strebe aber Einigung und Vergleich an". Die Landstände gingen darauf nicht ein und antworteten, der Erzherzog solle sie einfach bei ihrem Bekenntnis aus dem Jahre 1530 belassen.

Wieder waren es die Stände, diesmal die steirischen, die auf einer "Versicherung" bestanden, die ihnen schließlich auch gewährt wurde. Wohl auch, weil Kaiser Maximilan II. 1568 für Nieder- und Oberösterreich dem Adel freie Religionswahl gewährt hatte.

Auf dem Landtag in Graz erklärten die Stände ihre Bereitschaft, die enormen Kriegskosten zu übernehmen, als der Erzherzog zugesagt hatte, ihnen die Rechte zu gewähren, für die sie lange gestritten hatten.

Was der Erzherzog für die Steiermark zugesagt hatte, nahmen ganz selbstverständlich auch alle anderen Stände für sich in Anspruch

 
       

Die ständische Politik hat Erfolg

  1578 versuchten die Stände beim Landtag in Bruck die Grazer Zugeständnisse auf die Bürger der Städte auszuweiten. Der Erzherzog hatte keine andere Möglichkeit, als dem zuzustimmen. Um den drohenden Türkeneinbrüchen begegnen zu können, benötigte er Geld für seine Soldaten. Den Kriegssteuern mussten die Stände nämlich zustimmen,

So blieb ihm nichts anderes übrig, nicht nur den Herren und Rittern freie Religionswahl zuzustehen, sondern auch Märkte und Städte "in Gewissensdingen ungetrübt" zu lassen.

 
       
Die Grazer und Brucker "Pazifikation"   Mit der "Grazer" und "Brucker Pazifikation" hatte der Protestantismus in Innerösterreich seine größte Bedeutung erreicht.  
       
Ein evangelisches Kirchenwesen wird eingeführt   Bereits auf dem Brucker Landtag gingen die Stände daran, ein einheitliches Kirchenwesen zu schaffen. Sie folgten dabei im wesentlichen dem Konzept des Rostocker Theologen David Chyträus (eigentlich David Kochafe).

Diese Kirchenordnung fixierte die Lehre, regelte das gottesdienstliche Leben und umfasste auch Anweisungen an das Kirchenministerium, das die Landeskirche leiten sollte. Da sich diese Ordnung wesentlich am Augsburgischen Bekenntnis orientierte, kann man sie als klar lutherisch bewerten.

 
       
Kirchenministerium in Klagenfurt   Das Kärntner Kirchenministerium wurde in Klagenfurt eingerichtet. Ihm gehörten der Hauptpastor der Stadt, Bernhard Steiner, der Rektor der ständischen Schule und verschiedene Abgeordnete zum  Landtag (der so genannten "Landschaft") an. Die wichtigste Entscheidungen fielen aber trotzdem in den ständischen Versammlungen,  
       

St. Egyd, Bürgerspital,

Heiliggeistkirche,  Dreifaltigkeitskirche sind

evangelisch

 

  Klagenfurt hatte unter den Städten Innerösterreichs mit freier Religionsausübung aber eine besondere Stellung, da sie nach einem Brand im Jahre 1514 durch eine Schenkung Maximilians I. ab 1518 den Ständen gehörte. Die Stände konnten hier ein Kirchwesen ohne Einmischung des Landesfürsten gestalten.

St. Egyd, die heutige röm.-kath. Stadtpfarrkirche, blieb vorerst die Hauptkirche. Deren Prediger wurden von den Ständen besoldet.

In der Heiligengeistkirche wurde slowenisch gepredigt.

Bald danach (1591) wurde ein neues Bürgerspital und die Dreifaltigkeitskirche (die heutige Domkirche) eingeweiht, wo ebenfalls slowenischsprachige Gottesdienste abgehalten wurden.

 
       
Die Landschaftsschule als Zentrum evangelischer Bildung   Gleichzeitig mit dem Bau von Landhaus und Bürgerspital wurde ein Neubau der Landschaftsschule (die heutige "Burg") errichtet. Hier sollten zunächst die Adeligen und später auch die bürgerlichen Jugendlichen auf ihre Aufgaben im Lande vorbereitet werden.

Die vorerst einklassige Lateinschule sollte später einmal in die erste protestantische Universität im südosteuropäischen Raum unfunktioniert werden. 1572 wurde die Schule bereits mehrklassig ausgebaut.

Der Astronom Johannes Kepler wirkte hier als Lehrer, ehe er wegen seines protestantischen Bekenntnisses ausgewiesen wurde.

 
       

Bildung als Mittel zur Religionsvertiefung

 

 

Auch in den anderen Städten und Märkten werden die Schulen ausgebaut. Lesen und Schreiben wird auch deshalb intensiv unterrichtet, um sich mit den Glaubensschriften selbständig befassen zu können. Selbst in den Dörfern stellten Bauerngemeinschaften Lehrer an, um ihrem Nachwuchs den evangelischen Glauben zu vermitteln.

 
       
Evangelische Kultur   Das Schulwesen war ebenso auch die Grundlage für die Entwicklung einer evangelischen Kultur, die auch in der bildenden Kunst ihren Niederschlag fand. Adel und Bürgertum statteten Kirchen und Friedhöfe mit programmatischen Reliefs und Fresken aus.

Inhaltlich waren es meist Themen wie "Gesetz und Gnade", mit dem der zentrale Glaubenssatz der Reformation "Allein aus Gnade, nicht aus den Werken sind wir gerechtfertigt" (Ranten/Stmk.) oder "Schuld und Sühne" (Außenfresken von Lind/Drautal) illustriert wurden.

 
       

 

Kaiser Karl V.

 

Hans Ungnad

von Sonnegg

 

 

Primosz Truber

 

Konzil von Trient

 

David Chyträus

 

Stadthauptpfarr-

kirche St. Egyd

in Klagenfurt

 

Dreifaltigkeitskirche

(heute Domkirche)

in Klagenfurt

 

Heiliggeistkirche

in Klagenfurt

 

Außenfresken an der

heutigen röm.-kath.

Kirche Lind/Drau

 

 

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