Reformation und Gegenreformation in Kärnten           Teil 1

 

 

Zahlreiche Stimmen rufen nach Erneuerung

Es war entgegen einer bis heute weit verbreiteten Meinung nicht Martin Luther, der die Reformation "verursachte". Es gab schon vor dem Augustiner-Eremiten-Mönch Martin Luther zahlreiche Stimmen innerhalb und außerhalb der Kirche, die davon sprachen, dass die Kirche einer "Erneuerung an Haupt und Gliedern" bedürfe.

Die schlimmen Zustände von Ämterhandel, kriegerischen Auseinandersetzungen um gut dotierte Pfründe, wachsende Vernachlässigung von Seelsorge und Kult bedingten ein zunehmendes Unbehagen in der Bevölkerung am bisher gewiesenen Heilsweg und drängte auf Veränderung.

 
 

 
Die Reformation und Gutenberg

Den Wandel angestoßen hat nicht einmal Luther selbst. Seine berühmten 95 Thesen, angeschlagen an der Schlosskirchentür in Wittenberg - wenn man die Überlieferung dieses Ereignisses als historisch richtig dargestellt annimmt - waren ja in Lateinisch verfasst und eigentlich als Diskussionsgrundlage für Theologen gedacht. Das ist auch an der Reaktion des zuständigen Erzbischofs und Kardinals erkennbar, der die ersten theologischen Auseinandersetzungen über einige von Luthers Thesen als "lästiges Mönchsgezänk" abtat

Es waren wohl Luthers Anhänger, die seine Schrift abnahmen, ins Deutsche übersetzten und mittels der neuen Erfindung des Johannes Gutenberg - der beweglichen Letter und eines neuen Typs von Druckmaschine nämlich, nicht des Druckes an sich (der war schon längst erfunden) - seine Aussagen wie ein Lauffeuer in alle Windrichtungen verbreiteten. (Siehe dazu mehr am Fuß der Seite).

Die Gründe, warum sich manche Menschen der "neuen" Lehre öffnete - im Grunde war es ja die schon immer vorhandene, an der Heiligen Schrift ausgerichtete christliche Botschaft - mögen sehr verschieden gewesen sein. Die Voraussetzung für die Breitenwirkung der reformatorischen Bewegung war die Erfindung J. Gutenbergs, welche die Botschaft der Reformation massenweise verbreitete. Diese Erfindung machte aus der Reformation das erste Kommunikationsereignis im modernen Sinne.

Zur Lebensgeschichte Luthers und zur Reformation in Deutschland finden Sie unter diesem Link genauere Informationen

 

 
Erste evangelische Adelige in Kärnten

Die ersten spärlichen Informationen über die Anfänge der Reformation in Kärnten betreffen zunächst Siegmund von Dietrichstein, der wohl als der prominenteste evangelische Adelige seiner Zeit zu bezeichnen ist. Als Landeshauptmann der Steiermark hat er sich jedenfalls wie es scheint schon sehr früh mit reformatorischen Gedanken auseinander gesetzt. Jedenfalls fordert er bereits 1526 die evangelische Predigt in seinen eigenen Herrschaften.

Als Herr von Finkenstein nutzte er 1527 sein Patronatsrecht über die Pfarre Maria Gail, um den aus Wittenberg stammenden Studenten und Prediger Jörg Krainer als Pfarrer der Wallfahrtskirche zu berufen und "zur  lautern Predigt des reinen Gottesworts" in  die Pflicht zu nehmen.

 
 

Erste protestantische

Prediger

Mit ähnlicher Vorgangsweise setzt er den wohl ebenso evangelisch gesinnten Vikar Hans Königsberger in der Pfarre Feistritz im Drautal ein, was ihm als Inhaber des Patronats zukam.

In Villach/St. Jakob nahm er ebenfalls Einfluss. Er verzichtet dort 1526 auf sein Patronatsrecht zugunsten von Richter und Rat der Stadt, verbunden aber mit der Auflage, dass wie bisher das Wort Gottes "lauter, klar und ohn´ all menschliche Zutuen" gepredigt werden sollte.

Die Kärntner Ritter- und Herrenstände schlossen sich bis 1550 zum Großteil der reformatorischen Bewegung an. Die Grafen von Khevenhüller förderten nachhaltig die neue Lehre. Auch sie benutzen ihr Patronat, um evangelische Prediger einzusetzen. Die neue Kirche entwickelte sich also nicht außerhalb, sondern innerhalb der alten Kirche.

 
       

Rasche Verbreitung der

"neuen Lehren" durch die Knappen

 

 

In der sozial besonders mobilen Schicht der Bergknappen fasste die evangelische Bewegung sehr rasch Fuß und verbreitete sich durch deren wechselnde Arbeitsorte sehr rasch. 1527 ist sogar von einem "lutherisch Mönchlein" in Bleiberg bei Villach die Rede, der zuerst vom Vizedom vertrieben, im Jahr darauf wieder als Prädikant eingesetzt wird. Kurz zuvor ist in Obervellach  von einem Laien die Rede, dem Hieronymus Hoffmann, der predigend auftritt und sich länger dort aufgehalten hat (Obervellach war damals das Verwaltungszentrum des habsburgischen Bergbaues).

 
       
Beginn der Bauernaufstände  

Informationen über die Dichte der Verbreitung des Protestantismus findet man erst ab der Mitte des 16. Jhdts. in größerer Anzahl. Die Volksbewegung der "Bauernaufstände" 1525 hatte allem Anschein nach - trotz der erbitterten Härte, mit der dieser Konflikt ausgetragen wurde - in Kärnten selbst kein Zentrum. Wohl schwappte aber vom Pongau her der Salzburger Knappschafts- und Bauernaufstand auf Lieser- und Mölltal über und warb auch hier mit religiösen Motiven. Diese Kämpfe wurden besonders von Obervellach aus unterstützt.

 
       
Vielfältiges evangelisches Leben  

Als Erzherzog Ferdinand 1528 das Kirchenwesen visitierte, traten bereits unglaublich vielgestaltige reformatorische Strömungen zutage. Die meisten (katholischen) Gotteshäuser waren zu evangelischen Kirchen geworden, die Messe durch den evangelischen Predigtgottesdienst ersetzt. In den meisten Gemeinden herrschte zwar der Einfluss Martin Luthers vor, aber auf die unteren Bevölkerungsschichten übte die Täuferbewegung mit ihrem Zentrum in Amlach bei Spittal durch ihre Radikalität in der alltäglichen Umsetzung des Wortes Gottes eine starke Anziehungskraft aus.

 
       
Die Täuferbewegung  

Kärnten scheint nach 1530 ein Zentrum dieser radikalen Christen gewesen zu sein. Ihre Forderung, der Taufe müsse eine Glaubensentscheidung vorangehen und sei daher erst an Erwachsenen gültig zu vollziehen, brachte sie in harte Gegnerschaft zu Alt- und Neugläubigen. Es kommt zu Verbrüderungen zwischen Landesfürst und lutherischem Adel mit dem Ziel, die Täufer unerbittlich zu verfolgen. In St. Veit und Wolfsberg kommt es sogar zu Hinrichtungen. Trotz dieser strengen Verfolgung sind ihre Spuren und Sympathien für sie bis ins 16. Jahrhundert nachzuweisen.

 
       

Existenz von alt- und neukirchlichen Riten

nebeneinander

 

Trotz der weiten Verbreitung reformatorischer Lehren existierten jahrzehntelang neben den neuen Gottesdienstformen viele altkirchliche Bräuche weiter, wie Palmprozession, Kreuzweg, Entblößung der Altäre am Karfreitag usw.

In einigen Klöstern - z. B. in St. Georgen am Längsee (übrigens von der Äbtissin gefordert und eingeführt) wird unter beiderlei Gestalten kommuniziert und von Schwestern des Konvents gepredigt.

 
   

 
Politische Bedeutung  

Die Ausbreitung der Reformation war von Anfang an keine rein religiöse Angelegenheit. Überall in Europa rief die reformatorische Bewegung die weltlichen Obrigkeiten auf den Plan und zwang sie zur Stellungnahme. Wie in anderen Ländern teilten sich in Kärnten ab dem Ende des 15. Jhdts. die Stände und der jeweilige Landesfürst die politische Macht.

Auch kämpften beide, der Landesfürst und die Stände, um Vormachtstellung und  Bestimmungsrecht in der Herrschaft. Diese an sich schon starke Polarisierung wurde durch die unterschiedlichen Positionen zur Religion noch verschärft.

 
   

 
Strenges Vorgehen angekündigt  

Erzherzog Ferdinand ließ jedenfalls seit seinem Regierungsantritt im Jahre 1522 keinen Zweifel darüber offen, dass er sich zur alten Kirche bekenne und gegen die reformatorische Bewegung streng vorgehen werde.

Seine ersten Gesetze betrafen daher das Verbot von Druck und Verbreitung reformatorischer Schriften. Doch konnte er diese Verbote nicht durchsetzen, da ihm die ausführenden Organe für seine Gesetze fehlten.

So musste er mehr oder weniger freiwillig dulden, dass sich evangelischer reformatorischer Glaube und Weltsicht in seiner Herrschaft weiter verbreiteten und vorerst relativ unbehelligt existieren konnten.

 
       
   
 
       
   

 

 

Johannes Gensfleisch Gutenberg (um 1397-1468), der Erfinder des Druckens mit einzelnen beweglichen Lettern, entwarf und baute zur Realisierung seiner Idee neben der Druckpresse auch das erste Handgießinstrument für die Vervielfältigung der einzelnen Schriftzeichen-Typen und den Winkelhaken, in den die Lettern als Zeile gesammelt und "gesetzt" wurden; durch Versuche fand er die geeignete Metall-Legierung des Gießmaterials - und zwar eine Mischung aus Zinn, Blei, Antimon und Wismut - und entwickelte eine optimale Zusammensetzung der Druckfarbe, deren intensives Schwarz (Lampenruß!) bis heute kaum wieder erreicht wird.

 

Konstruktive Grundlage der Entwicklung der Druckpresse dürften Weinpressen als auch die Pressen der Papiermacher gewesen sein. Massive Holzbalken als Presswände, Krone und Brücke bilden den Rahmen für die Spindelaufnahme und Schlittenführung.

 

Durch kräftiges Anziehen des Pressbengels (Drehstange) senkt sich die Holzspindel und presste über den Drucktiegel das eingelegte Papier gleichmäßig gegen den mit dem Druckerballen eingefärbten Satz bzw. Druckstock. Mit der - nach heutigem Erkenntnisstand - vollständig in Holz ausgeführten Presse erreichte Gutenberg aufgrund der natürlichen Elastizität des Holzes den beschränkten Anpressdruck, der für eine optimale Wiedergabe der Schrift auf Papier und vor allem auch auf Pergament nötig war.


Um passgenaues Drucken zu ermöglichen, wird der Druckstock auf dem Schlitten (Karren) verkeilt und das Papier über einen klappbaren Deckel, der mit Lederscharnieren am Schlitten befestigt ist, und einem in gleicher Weise klappbaren Rähmchen dem Druckstock zugeführt.


Das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch des Abendlandes ist die bekannte Lateinische Sprachlehre von Aelius Donatus, die Gutenberg um 1440 druckte. Zwischen 1452 und 1454 entstand sein berühmtester Druck, die zweibändige lateinische Bibel (Altes und Neues Testament) mit 1282 Seiten Umfang im 42zeiligen Satz, heute als "Gutenberg-Bibel" oder "B42" bezeichnet. Außerdem existiert noch eine 38- bzw. 39-zeilige Bibel, die vermutlich als Probeexemplar und als Textvorlage entstand.

 

Gutenberg arbeitete vermutlich mit 13 bis 16 Beschäftigten. Nach Berechnungen aus der Papiermenge und der Arbeitszeit wird die Auflagenhöhe der B42 auf 180 bis 200 Exemplare geschätzt. Erhalten sind heute leider nur mehr 49 zum Teil unvollständige Exemplare sowie einzelne Blätter daraus.

 

 

"Thesenanschlag"

Gemälde von H. Vogel

 

Die 95 Thesen

 

Medaille des Siegmund

von Dietrichstein

 

St. Jakob/Villach

 

 

 Khevenhüllerwappen


Erzherzog Ferdinand

 

Käfige für gefangene

Täufer an der Lamberti-kirche in Münster

 

Spindelpresse Gutenbergs

 

Eine Beschreibung des technischen Vorgangs

 beim Druck

 

Sammeln der Lettern im Winkelhaken, das sog. "Setzen"

 

Unterseiten:

Reformation/Gegenreformation 1

Reformation/Gegenreformation 2

Reformation/Gegenreformation 3