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Die Reformation ist kein
von selbst laufender Prozess |
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Luther sucht nach neuen
Anhängern und möchte u. a. die Juden auf seine Seite ziehen. Zunächst
erinnert Luther die Christenheit an das auserwählte Volk:
"Die Juden sind von dem
geblutt Christi, sind blut freund, vettern und bruder unsers hern, sind
die größte Rasse der Erde. Durch sie hat der heilige Geist der Welt alle
Bücher der heiligen Schrift offenbart. Sie sind die Kinder, wir nur
Gäste und Fremde. In Wahrheit sollten wir wie die Frau aus Kanaa
glücklich sein, wie Hunde sein zu dürfen, die die herabfallenden Krumen
vom Tische ihrer Herren fressen. |
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Pogrome sind der ständige
Begleiter der jüdischen Geschichte in Deutschland |
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Iim
Mittelalter war es in der alten Kirche immer wieder zu religiös motivierten
Pogromen gegen die Juden gekommen. Darauf weist Luther 1523 auf
seine manchmal recht drastische Art in der Schrift: "Das
Jhesus Christus eyn geborner Jude sey"
hin:
"Denn unsere narren die
Bepste, Bischoff, Sophisten und Munche, die groben esels kopffe, haben
bis her also mit den Juden gefaren, das wer eyn gutter Christ were
geweßen, hette wol mocht eyn Jude werden. Und wenn ich eyn Jude gewesen
wäre und hette solche tolpell und knebel gesehen, [die] den Christen
glauben regirn und leren, so were ich ehe eyn saw geworden denn eyn
Christen [Desc04]. Die haben an den Juden gehandelt als weren es hunde
und nicht menschen, haben nichts mehr kund thun denn sie schelten und
yhr gutt nehmen ... Ich hoff, wenn man mit den Juden freuntlich handelt
und aus den heyligen schrifft seuberlich unterweyßet, es sollten yhr
viel rechte Christen werden und widder tzu yhrer vetter, der Propheten
und Patriarchen glauben tretten". |
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Ein enttäuschter
Luther |
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Doch diese Hoffnung
erfüllt sich nicht, wie Luther sich in späteren Jahren gestehen muss und
so schreibt er 1543 voller Zorn den Artikel "Von
den Jüden un jren Lügen" und fragt:
"Was wollen wir Christen
nu thun mit diesem verworffnen, verdampften Volck der Juden? Zu leiden
ists uns nicht, nachdem sie bey uns sind, und wir solch liegen, lestern
und fluchen von jnen wissen …" |
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Antijüdische
Aussagen im Neuen Testament? |
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Danach wandelte er sich zu
einem ausgesprochenen Judenfeind, wie seine Spätschriften deutlich
zeigen: "Brief wider die Sabbather an einen guten Freund"
(1538), "Von den Jüden und iren Lügen" (1543) und
"Vom Schem Hamphoras und vom Geschlechte Christi" (1544). Darin
erklärte Luther die Juden wie den Teufel zum ärgsten Feind des
Christentums und bezog sich dazu auch – zu Recht oder zu Unrecht, ist
umstritten – auf antijüdische Aussagen des Neuen Testaments. So schrieb
er 1543 unter anderem in "Von den Jüden und iren Lügen":
"Ein solch
verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um
diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles
Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an
ihnen.
Wenn ich könnte, wo
würde ich ihn [den Juden] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem
Schwert durchbohren.
Jawohl, sie halten uns
[Christen] in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in
Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen sie dieweil hinter dem Ofen,
faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und
wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen
durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir
arbeiten und sie faule Juncker lassen sein … sind also unsere Herren,
wir ihre Knechte.
So können wir des
unleschliche feuer Göttlichs zorns nicht leschen, noch die Juden bekeren.
Wir müssen mit gebet und Gottes furcht eine scharfe barmhertzigkeit uben". |
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Die "scharfe
Barmherzigkeit" |
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Zu dieser scharfen
Barmherzigkeit gehöre, so fährt er fort, ein "Siebenpunket-Programm,
in dem er fordert:
"Erstlich, das man jre
Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will,
mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder
schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und
der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien. –
Zum anderen, das man
auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben
eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man
sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie
wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande. –
Zum dritten, das
man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche
Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird. –
Zum vierten, das man
jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren. –
Zum fünften, das man
die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe. –
Zum sechsten, das man
jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an
Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren. –
Zum siebenden, das man
den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst,
spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der
nasen".
Wenige Tage vor seinem Tod
spricht Luther sein letztes Wort in der Judenfrage: "Bekehren sie
sich nicht, so sollen wir sie auch bei uns nicht dulden noch leiden ". |
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„Das ellend
iamerig und trostlose volck der iuden... hat das allerhailigst
sacrament vilfeltiglich gestochen ... do warden die iuden ...
mit gepürlicher peen des tods gestraft.“
Aus der
Schedelschen Weltchronik von 1493
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Aufruf zur
Verfolgung und Vertreibung folgen die Fürsten nicht |
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Die Aussage Luthers:
"Bekehren sie sich nicht, so sollen wir sie auch bei uns nicht
dulden noch leiden " wirkt heute wie ein Aufruf
zu einigen der Maßnahmen, die später die Nationalsozialisten
gegen Juden planten und vollzogen.
Daher ist zu fragen,
welches Ziel Luther damit verfolgte. Historiker weisen
darauf hin, dass seine Schrift an evangelische Fürsten,
nicht an die Bevölkerung gerichtet war. Luther
betonte, er wolle nicht die Juden, nur ihre „Lügen“ - den
jüdischen Glauben - angreifen. Er wollte erreichen, dass
dieser auf keinen Fall weiter verbreitet werden konnte. Dazu
verlangte er von den Fürsten strenge Unterdrückung
und letztlich Vertreibung aller Juden aus ihren
Territorien. Dem folgten diese jedoch – anders als im Bauernkrieg
1525 – nicht. |
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Persönliche
Judenfeindschaft oder Zeitgeist? |
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Ob diese Judenfeindschaft in Luthers Theologie
angelegt war oder nur dem Zeitgeist folgte, ist allerdings
bis heute umstritten. Tatsache ist: es gab
damals viele judenfeindliche Schriften; christlicher
Antijudaismus im
Mittelalter war die Regel.
Luthers judenfeindliche Klischees
unterschieden sich nicht von der katholischen Tradition, aus der er sie
letztendlich wohl übernahm; sie erhielten innerhalb des
Protestantismus jedoch größeres theologisches Gewicht,
wo sie
mit seiner Lehre von Gesetz und
Evangelium verknüpft wurden.
Damit wies er dem
Judentum die Rolle des verworfenen,
nun unter Gottes Zorngericht stehenden und
darunter leidenden Volkes zu. |
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Der Antisemitismus
der NS-Zeit beruft sich auf Luther |
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Antisemiten im Deutschen Kaiserreich wie
Adolf Stöcker *),
später NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg
und Julius Streicher,
haben sich oft auf diese Schrift berufen und Luthers judenfeindliche
Aussagen zur Rechtfertigung ihres Rassismus benutzt.
Sie konnten den
fatalen Satz: "Die Juden sind unser Unglück" daraus herleiten:
"...so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen
sind und noch sind".
Viele Evangelische sahen die
nationalsozialistische Rassenpolitik als Vollstreckung
eines angeblich
von Luther gewollten Deutschchristentums.
Dabei ignorierten sie stets,
dass Israel für Luther immer Gottes Volk geblieben war und er in seiner
letzten Predigt nochmals die Bekehrung, nicht die
Ermordung der Juden
angemahnt hatte.
*) In Stoeckers Weltbild repräsentierte das moderne
Judentum Liberalismus, Kapitalismus,
Materialismus
und Atheismus. Antisemitismus und
christliche Sozialreform bildeten daher in seinem Denken keine
Gegensätze, sondern bedingten einander. Stoecker betrachtete sich selbst als "Begründer" und
"Vater der antisemitischen Bewegung". Er erhob „als erster
den Antisemitismus zum zentralen Credo einer modernen politischen
Partei“ (Shulamit Volkov).
Stoecker
distanzierte sich gelegentlich vom Rassenantisemitismus.
Seine antisemitischen Aussagen schillerten zwischen einem
traditionellen christlichen Antijudaismus und modernen ökonomisch,
völkisch und rassisch begründeten Varianten, was ihre
Anschlussfähigkeit erhöhte. Insbesondere trug er maßgeblich zur
Verbreitung des Antisemitismus im Protestantismus und in den
konservativen Parteien bei.
Nichtreligiöse Antisemiten verspotteten Stoeckers Position
hingegen als "Taufbeckenantisemitismus". |
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Der Reformator ein
Antisemit?

Heinrich Heine über Luther: |
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Heinrich Heine
erklärt in seiner Schrift "Zur
Geschichte, der Religion und Philosophie in Deutschland"
den Bewohnern seines Gastlandes zu Martin Luther und
der Reformation:
"Wie von der Reformation,
so hat man auch von ihrem Helden sehr falsche Begriffe in Frankreich.
Die nächste Ursache dieses Nichtbegreifens, liegt wohl darin, dass
Luther nicht bloß der größte, sondern auch der deutscheste Mann unserer
Geschichte ist; dass in seinem Charakter alle Tugenden und und
alle Fehler der
Deutschen aufs Großartigste vereinigt sind; dass er auch persönlich das
wunderbare Deutschland repräsentiert...
...Dann hatte er auch
Eigenschaften, die wir selten vereinigt finden, und die wir gewöhnlich
sogar als feindliche Gegensätze antreffen:
Er war zugleich ein
träumerischer Mystiker und ein praktischer Mann der Tat. Seine Gedanken
hatten nicht bloß Flügel, sondern auch Hände; er sprach und handelte.
Er war nicht bloß die
Zunge, sondern auch das Schwert seiner Zeit.
Auch war er zugleich ein
kalter scholastischer Wortklauber und ein begeisterter, gottberauschter
Prophet.
Wenn er des Tags über mit
seinen dogmatischen Distinktionen sich mühsam abgearbeitet, dann griff
er des Abends zu seiner Flöte oder Laute, und betrachtete die Sterne und
zerfloss in Melodie und Andacht.
Derselbe Mann, der wie ein
Fischweib schimpfen konnte, er konnte auch weich sein, wie eine zarte
Jungfrau.
Er war manchmal wild wie
der Sturm, der die Eiche entwurzelt, und dann war er wieder sanft wie
der Zephyr, der mit Veilchen kost...
...Er war voll der
schauerlichsten Gottesfurcht, voll Aufopfrung zu Ehren des heiligen
Geistes, er konnte sich ganz versenken ins reine Geisttum; und dennoch
kannte er sehr gut die Herrlichkeiten dieser Erde, und wusste sie zu
schätzen, und aus seinem Munde erblühte der famose Wahlspruch: Wer nicht
liebt Wein, Weiber und Gesang, der bleibt ein Narr sein lebenlang. Er war ein
kompletter Mensch, ich möchte sagen ein absoluter Mensch, in welchem
Geist und
Materie nicht getrennt sind. Ihn einen Spiritualisten nennen, wäre daher
eben so irrig, als nennte man ihn einen Sensualisten. Wie soll ich
sagen, er hatte etwas Ursprüngliches, Unbegreifliches, Mirakulöses, wie
wir es bei allen providentiellen Männern finden, etwas schauerlich
Naives, etwas tölpelhaft Kluges, etwas erhaben Borniertes, etwas
unbezwingbar Dämonisches....
...In seinen
Streitschriften [im Gegensatz zu seiner Bibelübersetzung] überlässt er
sich einer plebejischen Rohheit, die oft ebenso widerwärtig wie grandios
ist ... Durch diesen barocken Felsenstil erscheint uns der kühne Mönch
manchmal wie ein religiöser Danton, ein Prediger des Berges, der, von
der Höhe desselben, die bunten Wortblöcke hinabschmettert auf die
Häupter seiner Gegner.
Die Feinheit des
Erasmus und die Milde des Melanchthon hätten uns
nimmer so weit gebracht
wie manchmal die göttliche Brutalität des Bruder Martin. Ja, der Irrtum
in Betreff des Beginnes, wie ich ihn oben angedeutet, hat die
kostbarsten Früchte getragen, Früchte woran sich die ganze Menschheit
erquickt. Von dem Reichstage an, wo Luther die Autorität des Pabstes
leugnet und öffentlich erklärt: "dass man seine Lehre durch die
Aussprüche der Bibel selbst oder durch vernünftige Gründe widerlegen
müsse!" da beginnt ein neues Zeitalter in Deutschland". |
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Luther im Talar

Die Schrift soll die Juden
zu Christus bekehren

Ermordung von Juden auf
dem 3. Kreuzzug durch Tempelritter

Synagoge in Nürnberg

Luthers bekannteste
Schrift gegen die Juden

Darstellung der
"Judensau"

Eine der Hauptschriften
Luthers:
"An den christlichen Adel
deutscher Nation"

Eine weitere Hauptschrift
Luthers:
"Von der Freiheit eines
Christenmenschen"

Hofprediger Adolf Stöcker,
ein Wegbereiter des protestantischen Antisemitismus

Der Chefideologe des
Nazi-Regimes
Alfred Rosenberg
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