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Legenden und Mythen
entstehen |
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Wen wundert es, wenn
es bei einer so bedeutenden und starken Persönlichkeit, die sogar
Kaiser und Papst zu trotzen wagt und deren Dekrete und Beschlüsse
ignoriert - ja sogar verbrennt - rund um seine Biografie bald so
manche Verklärung, Mystifizierung oder sagenhafte Verbrämung
einstellt. Solchen begegnet man in der Biografie Luthers immer
wieder. Einige davon sollen daher auch auf dieser Seite dargestellt
werden. |
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Eine geheimnisvolle
Entführung |
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Auf dem Rückweg
von Worms verschwindet Luther spurlos.
Angeblich wird er von Gefolgsleuten des
Kurfürsten entführt und auf der Wartburg in
Schutzhaft genommen, um ihn vor den Häschern des Kaisers zu
schützen.
Luther weiß über diese
Pläne im Vorhinein Bescheid, da er bei seiner Durchreise aus Frankfurt an
Lucas
Cranach nach Wittenberg schreibt: "Ich laß mich eintun und verbergen,
weiß selbst noch nicht wo, und wiewohl ich lieber hätte von den
Tyrannen, sonderlich von des wütenden Herzog Georgen zu Sachsen
Händen den Tod erlitten, muss ich doch guter Leut´ Rat nicht verachten
bis zu seiner Zeit ... Es muss ein klein Zeit geschwiegen und
gelitten sein!" |
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Einige Monate in
Wittenberg |
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In Wirklichkeit lässt
er dieses Gerücht wohl selber ausstreuen,
um noch einige Zeit in Wittenberg zubringen zu können und wichtige
Anliegen zu regeln. Erst im September
folgt er der dringenden Aufforderung des Kurfürsten Friedrich
II., der ihn gern aus der Schusslinie seines
Erzfeindes Georg von Sachsen haben möchte, und
begibt sich - als fahrender Musiker verkleidet -
schließlich auf die Wartburg, wo er unter dem
Decknamen "Junker Jörg" einige Zeit verbringen soll,
bis sich die Wogen etwas glätten. |
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Die Gerüchteküche
brodelt... |
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In ganz Deutschland
brodelt die Gerüchteküche. Albrecht Dürer, den die Schriften Luthers
von großen Ängsten befreit haben und der deshalb den Reformator in
Kupfer stechen möchte "zu einer langen gedechtnus des kristlichen
Mannes" vertraut auf seiner Niederländischen Reise seinem
Tagebuch die Legende unter spürbarer Betroffenheit und mit großem
Schmerz an: |
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Ein bewegendes
Klagelied Albrecht Dürers |
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"...dass man Martin Luther so verräterlich gefangen hätt.
Dann do ihn des Kaisers Carols Herold mit dem kaiserlichen gleit war
zugeben, dem wart vertrauet. Aber sobald ihn der Herold bracht bei
Eyßenach in ein unfreundlich Ort, saget [er], er dörfte sein nit
mehr, und ritt von ihm. Alsbald waren 10 Pferd do, die führten
verräterlich den verkauften frommen, mit dem heiligen Geist
erleuchteten Mann hinweg, der do war ein Nachfolger Christi und des
wahren christlichen Glaubens.
Und lebt er noch oder haben sie ihn
gemördert, das ich nit weiß, so hat er das gelitten um der
christlichen Wahrheit willen und um daß er gestraft hat das
unchristliche Papsttum, das do strebt wider Christus Freilassung mit
seiner großen Beschwerung der menschlichen Gesetz ...
O Gott, ist
Luther tot, wer wird uns hinfürt das heilig Evangelium so klar
fürtragen! Ach Gott, was hätt er uns noch in 10 oder 20 jahrn
schreiben mögen! O ihr alle frommen Christenmenschen, helft mir
fleißig beweinen diesen gottgeistigen Menschen und ihn bitten, daß
er uns nur bald ein andern erleuchten Mann sendt. |
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Ein Kupferstich als
Flugblatt von Lucas Cranach d. Ä. |
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Bildunterschrift zum
Junker Jörg von
Lucas Cranach:
Quesitus toties,
toties tibi Rhoma petitus
En ego per Christum vivo Lutherus adhuc
Vna mihi spes est,
quo non fraudabor, Jesus
Hanc mihi dum teneam,
perfida Rhoma vale*.
*So oft auch von Dir,
Rom,
gesucht und verfolgt,
Siehe ich, Luther,
lebe durch Christus noch immer.
Jesus, von dem ich nicht betrogen werde, ist meine Hoffnung,
Solange ich diese habe, leb wohl Du falsches Rom. |
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Luther alias "Junker Jörg" übersetzt das Neue Testament ins Deutsche |
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Auf der Wartburg
bleibt Luther bis zum 1. März 1522 inkognito als
„Junker Jörg“.
Auf Anraten
Melanchthons übersetzt er im Herbst 1521 das Neue
Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Als Vorlage dient ihm ein
(allerdings sehr fehlerhaftes) Exemplar der griechischen Bibel
des Erasmus von Rotterdam, *) zusammen mit dessen eigener
lateinischen Übersetzung sowie der
Vulgata.
Luthers
NT-Übersetzung erscheint ab September 1522, das so genannte
"September-Testament". 1523 erscheint auch Luthers erste
Teilübersetzung des Alten Testaments; beide
zusammen erlebten bis 1525 bereits 22 autorisierte Auflagen und 110
Nachdrucke, so dass bis zu einem Drittel aller lesekundigen
Deutschen dieses Buch besaßen.1534 übersetzt Luther auch das übrige
Alte Testament aus damals wiederentdeckten
Handschriften der
Masoreten; beide Testamente zusammen
bilden die berühmte Lutherbibel.
Die Masoreten sind die Überlieferer der Hebräischen Bibel im Judentum. Sie edierten den Masoretischen Text des
Tanach, der sich als maßgeblicher hebräischer Text des Alten Testaments durchsetzte.
Im engeren Sinn sind meist diejenigen
Masoreten gemeint, die etwa zwischen 780 und 930 in Tiberias den Bibeltext einer sehr genauen Prüfung unterzogen und ein eigenes, hochentwickeltes
Vokalzeichensystem zur genaueren Fixierung des Texts entwickelten.
*) Der holländische Philologe und Philosoph
Erasmus Desiderius von Rotterdam wurde als Sohn eines Goudaer
Priesters und seiner Haushälterin, einer Arzttochter,
zwischen 1464 und 1469 in Rotterdam geboren. Sein Taufname lautete bereits
Erasmus. Den Beinamen Desiderius fügte er später hinzu. Er war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Repräsentanten des europäischen Humanismus. Er gilt als Vorreiter der Reformation, die er als Theologe durch seine kirchenkritische Haltung und vor allem durch eine seiner historisch-kritischen Exegese verpflichteten theologischen Schriften vorbereitete.
Durch sein Eintreten für relative Religionsfreiheit nahm er eine humanistische Position jenseits des katholischen wie auch des lutherischen Dogmatismus ein.
Ihn
allerdings deshalb als Verteidiger "religiöser Toleranz" zu bezeichnen ist
zumindest missverständlich: er selbst verwendet zwar die Begriffe Frieden und
Konkordanz, nicht aber Toleranz (tolerantia nur für die Wahl des Geringeren von zwei Übeln, was bei Konflikten religiöser Doktrinen nicht vorliegt).
Ernsthafte Irrlehren sollten auch seiner Meinung nach
unterdrückt werden, ggf. auch durch Anwendungen der Todesstrafe.
Als Augustiner-Chorherr wurde er im April 1492 zum Priester geweiht und verließ im folgenden Jahr im Dienst des Bischofs von Cambrai das Kloster, das er später nie mehr betrat. Dann studierte er 1495 bis 1499 in Paris, lebte von 1506 bis 1509 in Italien und hielt sich zwischenzeitlich in den Niederlanden und England auf.
Von 1514 bis 1529 lebte er in Basel, um seine Schriften in der Werkstatt seines späteren Freundes
Johann Froben drucken zu lassen. Als sich die von
Johannes Oekolampad
betriebene, an Zwingli angelehnte Reformation auch dort durchsetzte, ging er 1529 nach Freiburg im Breisgau, kehrte jedoch 1535 zurück und verstarb in Basel am 12. Juli 1536. Seine Überreste ruhen an seinem Epitaph im
Basler
Münster. |
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Johannes Oekolampad,
eine bedeutende Persönlichkeit der Reformation |
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Eine besondere Rolle nahm in der
Reformationsgeschichte Johannes Oekolampad ein, an dessen Leben
auch gut die eigenartigen Verflechtungen und Beziehungen der Reformatoren
deutlich werden:
Johannes Oekolampad,
auch Oekolampadius, (* 1482 in Weinsberg, † 24. November 1531 in Basel) war ein
Schweizer Theologe und Humanist und der Reformator von Basel. Sein
ursprünglicher Name war Johannes Heussgen (auch Husschyn, Hussgen,
Huszgen, oder Hausschein geschrieben) den er, wie in dieser Zeit unter
Humanisten üblich, ins Griechische übersetzte (oikos:
Haus und
lampas:
Lampe).
Er wurde in der kurpfälzischen (seit 1504 württembergischen) Stadt
Weinsberg geboren. Sein Vater war ein angesehener Bürger, die Mutter aus einem Basler Ratsherrengeschlecht. Er studierte in Heidelberg und Bologna, wurde 1510 zum Priester geweiht und bekam eine Pfarrstelle an der
Johanneskirche in Weinsberg. Er erregte dort mit seinen reformorientierten Predigten aber Anstoß und verließ die Stadt daher 1518.
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Der Humanst Reuchlin
als erster nichtjüdischer Hebraist der Kirchengeschichte |
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Durch verschiedene Studienaufenthalte in Tübingen, Stuttgart und Heidelberg lernte er Hebräisch und wurde mit den Humanisten
Johannes Reuchlin (er war der erste deutsche Hebraist,
der als Nichtjude die hebräische Sprache und Schrift erlernte), Philipp Melanchthon
und
Wolfgang Capito
(ein bedeutender Reformator von Straßburg bekannt. 1515 folgte ein Aufenthalt in Basel, wo er mit Erasmus von Rotterdam bekannt wurde und an der Universität sein Theologiestudium formell abschloss. Er promovierte zum Doktor der Theologie und veröffentliche eine griechische Grammatik und Übersetzungen
patristischer Schriften.
1518 wurde er durch Wolfgang Capito ans
Basler Münster berufen, bald darauf an den Dom in Augsburg, wo kurz vorher die Disputation zwischen
Luther und Cajetan stattgefunden hatte.
Bis dahin der Tradition von Erasmus
verpflichtet, studierte er die Schriften Luthers, geriet deshalb mit
Johannes Eck aneinander und zog sich 1520 in das Kloster Altomünster zurück. Dort übersetzte er weitere Kirchenväter und kam so weit, dass er sich der
"Lehre der Rechtfertigung" durch den "Glauben allein"
anschloss und seinen Standpunkt in zwei Schriften veröffentlichte. Darauf musste er das Kloster verlassen und wurde Schlosskaplan bei
Franz von Sickingen.
1522 ließ er sich endgültig in Basel nieder, wo er weitere patristische Schriften übersetzte. Ab 1523 gab er öffentliche Vorlesungen über die biblischen Propheten, wurde bald darauf gegen den Willen des
Fürstbischofs zum Professor ernannt und 1525 schließlich Leutpriester
in der Martinskirche.
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Trotz harter
Auseinadersetzungen entwickelt sich die Reformation weiter |
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Es folgten harte Auseinandersetzungen, auch mit
Erasmus, und Kontakte mit Ulrich Zwingli,
Martin Bucer und
Martin Luther. Bei der Abendmahlsfrage schloss sich Oekolampad der Sichtweise
Zwinglis an.
1526 war er der Führer der Reformierten auf der Badener Disputation mit
Johannes Eck.
Er genoss hohes Ansehen, aber nie eine so einflussreiche Stellung wie
Zwingli in Zürich, zumal Basel ja Bischofssitz war. Aber durch Druck der Bevölkerung kam es 1525 zur Säkularisierung einiger Klöster, 1528 zur Glaubensfreiheit für die Reformierten und 1529 zur Abschaffung des katholischen Gottesdienstes. Im gleichen Jahr heiratete Oekolampad
Wibrandis Rosenblatt,
die ihm drei Kinder gebar und die nach seinem Tod erst Wolfgang Capito und dann
Martin Bucer heiratete.
1528 nahm er mit Zwingli an der Disputation in Bern teil, 1529 begleitete er Zwingli zum Religionsgespräch in Marburg.
Ab 1529 war er Antistes*) der reformierten Kirche von Basel. 1531 starb er, wenige Wochen nach dem Tod von
Ulrich Zwingli. Er ist im Basler Münster begraben. Eine der Basler Kirchgemeinden ist nach ihm benannt (Oekolampad-Kirche).
*) Antistes (Vorsteher) war vom 16. bis 19. Jahrhundert die Bezeichnung für das höchste Amt in den reformierten Kirchen in der Schweiz. Der Ausdruck wurde erstmals 1525 gebraucht als inoffizieller Ehrentitel für
Ulrich Zwingli in Zürich, dann 1530 für Johannes Oekolampad in Basel und 1532 für
Heinrich Bullinger in Zürich.
Der Antistes wurde durch den Grossen Rat (das Parlament) gewählt und war gleichzeitig mit seinem Amt Inhaber einer Pfarrstelle an einer Hauptkirche. Seine Aufgabe war es, die Kirche gegen außen zu vertreten. Er hatte den Vorsitz der
Synode und des Examenskollegiums für die Prüfung von Pfarramtskandidaten.
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Luthers besonderer
Übersetzungsstil |
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Durch seine
Bibelübersetzung macht Luther biblische Inhalte auch
dem einfachen Volk zugänglich. Zwar gab es vorher schon 14
hochdeutsche und vier niederdeutsche gedruckte
Bibelausgaben. Aber diese Übersetzungen fußten auf der
Vulgata, der die griechische Septuaginta
zugrunde lag: Sie hatten also zuvor mindestens zwei
Übersetzungsschritte hinter sich.
Luther dagegen bemüht
sich wie die Humanisten um eine möglichst direkte
Übersetzung der hebräischen und griechischen
Urtexte. Er übersetzt weniger wörtlich, sondern
versucht, biblische Aussagen nach ihrem Wortsinn (sensus
literalis) ins Deutsche zu übertragen. Er wollte „dem
Volk aufs Maul schauen“ und verwendet daher eine kräftige,
bilderreiche, volkstümliche und allgemein verständliche
Ausdrucksweise.
Dabei legt er sie aber
auch gemäß seiner Auffassung von dem, was Christum treibet
(Gottes Gnade in Christus als Ziel und Mitte der ganzen Schrift)
aus. |
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Eine Bibelübersetzung
wird zum literarischen Ereignis |
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Die Sprachform war das
Ostmitteldeutsche seiner
Heimat, in dem nord- und süddeutsche Dialekte schon vor
Luther verschmolzen waren.
Aber erst durch seine Bibelübersetzung entwickelt
sich dieser Dialekt zum gemeinsamen Hochdeutsch. Diese
Bibelübersetzung gilt auch dichterisch als
große Leistung, da sie bis in den Silbenrhythmus hinein durchdacht
war.
Protestanten verwenden die
Lutherbibel mit
mehreren revidierten Neuauflagen (zuletzt 1984) bis heute. Sie ist auch
eine wichtige Basis der Kirchenmusik,
deren Texte für Choräle, Kantaten, Motetten usw.
verwendet werden.
Auch Luthers
Predigten und Schriften waren in
einer kräftigen und volksnahen Sprache verfasst, wobei er vulgäre
Ausdrücke nicht verschmähte. Bekannt wurden viele deftige Zitate wie:
"Aus einem glücklichen Arsch kommt ein fröhlicher Furz"...
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Luther fühlt sich einsam |
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Luther alias
Junker Jörg vermisst
während seiner Schutzhaft auf der Wartburg den menschlichen Kontakt.
So klagt er:
"Weh dem, der allein ist. Fällt er, so hat er niemanden, der ihm
aufhülfe". Luther wird trübsinnig, klagt in Briefen an seine Freunde über Verdauungsbeschwerden,
tausend Teufel, viele böse und listige Dämonen und neue Glaubenszweifel:
"O wie
viel grösser mühe und arbeyt, auch durch gegründte heylige schrifft, hab ich
meyn eygen gewissen kaum konnen rechtfertigen, das ich, eyner alleyn, widder den
Bapst habe dürffen auff tretten, yhn fur den Antichrist hallten, die Bisschoff
fur seyn Apostel, die hoehen schulen fur seyn hurr heußer (Hurenhäuser)! Wie
offt hatt meyn hertz getzappelt, mich gestrafft unnd myr furgeworffen yhr
sterckist argument: Du bist alleyn klug? Sollten die anderen alle yrren unnd ßo
lange tzeytt geyrret haben? Wie, wenn du yrrest und ßo viel leutt in yrthum
verfuhrest, wilche all ewiglich verdamnet wurden?" |
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Luther und der Teufel |
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Die Sage vom Junker Jörg
Quelle:
Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853
"Nach der Zeit ward ein Mann abends auf die Wartburg gebracht; da
wohnten schon keine Landgrafen mehr droben, sondern ein Hauptmann und
Amtmann, der hieß Hans von Berlepsch, und der mit ihm den gefangenen
Mann brachte, hieß Burkhard Hund von Wengkheim, der hatte seinen
Burgsitz auf dem Altenstein jenseits des Thüringer Waldes, war aber des
Kurfürsten zu Sachsen Amtmann zu Gotha. Die hatten Befehl von ihrem
gemeinschaftlichen Herrn, dem Kurfürsten, erhalten, einen Mann, der von Möhra her über den Wald beim Altenstein die Straße nach Sachsen ziehen
werde, mitten im Walde aufzuheben, um ihn wohlbewacht, doch ungefährdet
auf die Wartburg zu bringen und denselben dort gut zu halten und zu
pflegen, auch statt des mönchischen Gewandes, das selbiger Mann trug,
ihm ein ritterlich Gewand und ein Schwert zu geben. Und sollte der
gefangene Mann sich nennen Junker Jörg, weil er ritterlich stritt gegen
den Drachen der Pfaffenverblendung, welche den Menschen so vielen Mißtrost gaben, wie jener
Papst Urban dem armen Ritter Tannhäuser und
jene Predigermönche zu Eisenach dem freudigen Landgrafen. Und tat
Junker
Jörg droben auf der Wartburg die größte Rittertat des Geistes, die je
(außer Christus) ein Mann getan, er übertrug das Wort Gottes, das
alleinige Wort des Heils, die Bibel, in die deutsche Sprache.
Solche
Arbeit ärgerte und verdroß den Teufel gewaltiglich, und er umsumsete und
umbrumsete den gelahrten Ritter und Doktor gar arg und wollt ihn irre
machen, ließ ihm auch des Nachts keine Ruhe, sondern rasselte und
rappelte in den Nüssen, die der Doktor in einem Sack unterm Bette hatte,
polterte auch auf dem Boden und auf dem schmalen Gang im Ritterhause,
vor der Zelle, herum, aber der Doktor sprach bloß: "Bist du's, so sei es!"
Aber endlich hat doch einmal der Doktor aus Zorn, als er wieder recht
eifrig arbeitete und der Teufel in Gestalt einer Hummel oder Hurnauspe
recht eifrig um ihn herumsumsete, das Tintenfaß genommen und es nach ihm
geworfen, daß ein großer Tintenfleck an der Wand worden, und von da ab
hat ihn der Teufel auf Wartburg in Ruhe gelassen.
Der Fleck ist aber zum
Andenken geblieben, und wenn die Wand überstrichen worden, ist er wieder
zum Vorschein gekommen, und endlich hat jeder, der's gesehen, davon ein
Bröcklein zum Wahrzeichen mit sich davontragen wollen, da hat es
freilich verschwinden müssen, und ist jetzt eher ein Loch in der Wand
als ein Fleck".
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Die Sage von der
Luthereiche |
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Bäume sind in allen
Zeiten und in allen Religionen zu mythologischer Bedeutung, ja
geradezu Verklärung gekommen - es sei nur an den 'Baum der
Erkenntnis' erinnert. Auch in neuerer Zeit wurden viele
Ereignisse, die sich mit Bäumen oder deren Früchten befassen, zu
Legenden - so der unter dem Apfelbaum sitzende
Newton.
So beschäftigen sich
auch viele 'Baumlegenden' mit Martin Luther,
der sich in seiner freien Zeit gern in Gärten aufhielt und sich an
Bäumen und Blumen erfreute.
Überall wurden und
werden Luthereichen, Lutherbuchen oder Lutherlinden gezeigt, die mit
mehr oder weniger verbrieften Legenden verbunden sind.
Eine der bekanntesten
von den zahlreichen sich um Luther rankenden Natur- und Baumlegenden
ist wohl die über die Luthereiche in Wittenberg,
über sie werden ebenfalls mehrere Legenden berichtet.
Die Stelle, an der
sich heute in Wittenberg die Luthereiche
befindet, bezeichnet angeblich den Platz, an dem Luther
am 10. Dezember 1520 das Kirchengesetzbuch, die
päpstliche Bannandrohungsbulle und Bücher
seiner Gegner verbrannte.
Eine der bekannteren
Legenden berichtet nun folgendes: Ein Wittenberger Student
- ein eifriger Anhänger Luthers - liebte ein Mädchen, dessen
Großmutter jedoch der alten Kirche anhing.
Am Tage der
Verbrennung (der Bulle, nicht der Großmutter) soll die Frau nun mit
ihrer Enkelin aus Neugier zu besagter Stelle gewandert sein. Dort
trafen sie auch auf den Studenten, der von Luthers Taten begeistert
berichtete. Die Großmutter geriet darüber in Zorn, rammte ihren
Spazierstock in die Erde und versprach dem Studenten, dass er nicht
eher ihre Enkelin haben könne bis dieser Stock zu grünen begonnen
habe.
Der Student pflanzte
nun an genau dieser Stelle eine junge Eiche. Im nächsten Frühjahr
berichtete er der Großmutter von dem "Wunder" ...
Die
ursprüngliche Wittenberger Luthereiche - wie und von wem
auch immer sie gepflanzt wurde - fällte man während der
Napoleonischen Kriege, um dem Brennstoffmangel abzuhelfen.
Die heutige
Luthereiche wurde 1830 gepflanzt, sie wurde
1904 von einem Unbekannten angesägt.
Heute leidet sie vor allem unter der Luftverschmutzung, aber
auch unter den Spätfolgen dieses "Anschlages".
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Luther und das
Apfelbäumchen |
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Es ranken sich noch
weitere Legenden um Luther und die Bäume.
Eine der bekanntesten
sei noch erwähnt: Der berühmte Spruch: "Wenn ich wüsste, das
morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen
pflanzen!" wird Luther in den Mund gelegt.
Allerdings mag zu
denken geben, dass der erste schriftliche Nachweis dieses Spruches
erst 1944 zu finden ist... |
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Die Wartburg oberhalb
von Eisenach

Friedrich II.

Albrecht Dürer
(1471-1528)

Luther als "Junker
Jörg"
(Luc. Cranach d. Ä.)

Kurfürst Friedrich von
Sachsen (Cranach-Schule) um 1532

Philipp Melanchthon

Erasmus Desiderius
von Rotterdam

Johannes Oekolampad

Posthum aufgestellte
Büste von Joh. Eck in
der
Aula der Universität
in
Wittenberg

"Huldrych" Zwingli"

Wilibrandis Rosenblatt

Der Reformator
Martin Bucer

Die "Lutherstube" auf
der Wartburg

Der Schreibtisch Luthers
auf der Wartburg

Eine frühe Ausgabe
der Lutherbibel von 1523

Die sagenumwobene
Luthereiche

Apfelbäumchen pflanzen
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