Reformation grundsätzlich - auf den Spuren Luthers

   (eine historische Annäherung)                                          

   95 Thesen und deren Folgen                                                3

 

 

 

Anschlag oder nicht?  

Als wohl der einschneidendste Schritt ist 1517 in der Veröffentlichung (ich verwende bewusst nicht die Bezeichnung "Anschlag an der Schlosskirchentür in Wittenberg" - dazu weiter unten mehr) seiner 95 Thesen zu sehen, veranlasst durch die Ablasspredigten des Johannes Tetzl über den Ablass.

   

 

Wahrheit oder gut erfunden?  

Bis in die jüngste Zeit gehörte es sozusagen zum evangelischen Bildungskanon, dass Martin Luther diese 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlug, um über sie zu disputieren. Besonders im 19. Jhdt. beflügelte diese Mär die Fantasie mancher Künstler.

1961 jedoch trat der katholische Lutherforscher Erwin Iserloh mit der sensationellen Behauptung an die Öffentlichkeit, der Thesenanschlag gehöre ins Reich der Legende. Dies kam einer Sensation gleich, war dieses Ereignis doch jahrhundertelang als Symbol des Protestantismus schlechthin durch das Reformationsfest kirchlich gefeiert worden. Die ausgelöste heftige Diskussion war bis auf den heutigen Tag nicht in der Lage, das Problem zweifelsfrei zu lösen.

Fest steht jedenfalls - mit oder ohne Thesenanschlag - dass es weder in Wittenberg noch an anderer Stelle eine öffentliche Disputation über diese Thesen gegeben hat. Es passierte zunächst überhaupt nichts. Direkte Reaktionen sowohl in Wittenberg und seitens seiner Freunde, an die Luther die Thesen verschickt hatte, als auch von den Bischöfen blieben zunächst aus.

   

 

Unterschätzung der Sprengwirkung

Die tröpfelnd einsetzenden Reaktionen der Bischöfe sind zunächst ganz unterschiedlich. Der Merseburger Bischof war weitgehend von Herzog Georg von Sachsen abhängig. Dieser wiederum war als Verfechter einer weit reichenden Kirchenreform anfänglich sehr mit Luthers Auftreten gegen den Ablass einverstanden.

Der Brandenburger Bischof Schulze hielt sich vorsichtig bedeckt, riet aber davon ab, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.

Der mächtigste und einflussreichste, Erzbischof Albrecht, bittet zunächst die Mainzer Universität um ein Gutachten, informiert sofort den Papst und fordert die Magdeburger Räte auf, Luther die weitere Behinderung der Ablassprediger zu verbieten.

Das Mainzer Gutachten vom 17. Dezember 1517 enthält sich eines eigenen Urteils, empfiehlt jedoch die Prüfung der Angelegenheit durch die römische Kurie. Diese sieht sich aber noch lange nicht zu drastischen Konsequenzen veranlasst.

Papst Leo X. weist am 3. Februar 1518 als einzige und alleinige Konsequenz lediglich den Ordensgeneral der Augustiner-Eremiten darauf hin, auf Luther mäßigend einzuwirken. Der sich persönlich getroffen fühlende Tetzel*) soll in seinem Zorn Todesdrohungen gegen Luther ausgestoßen haben, reagiert aber zunächst nur auf der akademischen Ebene.

Am 20. Januar 1518 disputiert er an der Universität Frankfurt/Oder über eine Antithesenreihe zum Ablass. Als Buchhändler mit Drucken dieser Anti-Thesen Tetzels in Wittenberg auftauchten, nehmen ihnen Studenten alle 800 Exemplare ab und verbrennen sie in demonstrativer Weise.


*) Sagen und Legenden über Tetzel:

Im Dunstkreis des Reformationsstreits hatten sich offenbar Oppositionelle angesiedelt, für die der Ablassstreit nur ein willkommener und gesuchter Anlass war für eine Abwendung von der Kirche. Dabei spielten auch gesellschaftspolitische Motive eine Rolle.

Der Ablassprediger Tetzel wurde zur Projektionsfigur eines Hasses, der bekräftigen sollte, was als genaue Erläuterung entweder wie Haarspalterei, oder als politisches Motiv zu unmoralisch ausgesehen hätte.

Neue Publikationstechniken wie Gutenbergs Druck mit beweglichen Lettern und eine Flugblatt-Industrie auf Holzschnittbasis erlaubten es erstmals, einen regelrechten Propaganda-Feldzug zu fahren, dessen "medienjungfräuliches" Publikum noch besonders eindrucksempfänglich und beeinflussbar war für die Kombination der Wahrnehmungsreize aus Text und Bild.

Welches Märchengestrüpp sich so um Tetzel rankt und er zum Buhmann dieser Zeit wird, wird heute zunehmend erkannt und richtig gestellt.

Blasphemie:

Schon zu Lebzeiten Tetzels musste er sich gegen haltlose Skandalgerüchte wehren. So habe er angeblich in einer Predigt zu Halle über die Muttergottes gelästert. Der Magistrat der Stadt bestätigte 1517 urkundlich, dass Tetzel über Maria gepredigt habe, die Behauptung der Blasphemie aber nicht stimme, sondern blasphemische Äußerungen im Volksmund aufgebracht und als Äußerungen Tetzels weiter getragen worden waren.

Tetzelstein:

Ebenfalls fällig war die Verabschiedung von der Sage, Tetzel habe einem Ritter Hagen aus Königslutter oder einem Herrn "Haaken auf Stülpe bei Jüterbog" Ablass für einen künftig noch zu begehenden Raub verkauft, worauf dieser Tetzel überfiel und der Ablassgelder beraubte, ohne damit Schuld vor Gott zu haben. Eine gut erfundene Räuberpistole, die aber eher in den "Simplizissimus" passt als in die Biografie Tetzels :-)-

In der preußischen Kulturkampfzeit gegen die kath. Kirche (ab Mitte 19.Jh.) wandelte der Braunschweiger Stadtdirektor W. Bode das abstruse Märchen zeitgemäß um, doch ist und bleibt es eine Erfindung.

Der Fall Tillemann:

Bis heute in Mode ist die Behauptung, Tetzel habe einen Ablassbrief ausgestellt, worin er gegen hohe Geldzahlung einem Handwerksmeister, der seinen Lehrling ermordete, die Sündenschuld erlassen habe. Dieses Dokument sei zugleich auch ein Beweis für die häretische Ablasspraxis der Kirche.

Dessen lateinischer Wortlaut zeigt entgegen der Meinung seiner Verwender aber, dass kein Ablass erteilt wurde. Vielmehr hatte ein Vater aus Brandenburg, der sich am Unfalltod seines Sohnes mitschuldig fühlte, durch den Priester Tetzel das Beichtsakrament erhalten, in Form der Geldspende die damit verbundene Buße erfüllt, und sich dies für das Ordinariat seiner Diözese bestätigten lassen, um eine weitere Kirchenbuße am eigenen Heimatort abzuwenden.

Luthers Erschrecken über die Vereinnahmung durch die Politik

Über Luthers eigene Haltung nach der Versendung seiner Thesen, seine Hoffnungen und seine Ängste wissen wir sehr wenig. Die erste bekannte Äußerung stammt erst vom 15. Februar 1518.

Glaubhaft schildert er hier sein Erschrecken darüber, dass die Thesen, in denen es ihm doch um nichts anderes als um das Seelenheil der Christen gegangen war, so schnell in die Sphären der hohen Politik eingedrungen waren.

Man verdächtigt ihn fortwährend, nichts anderes als ein Handlanger des Kurfürsten von Sachsen zu sein. Dieser hatte nämlich schon vor dem Thesenanschlag den Vertrieb des Petersablasses in seinen sächsischen Gebieten verboten. Sein politischer Konkurrent, der Erzbischof von Magdeburg, sollte "seine wirtschaftliche Macht nicht noch mit gutem sächsischen Gelde vergrößern".

Der Vorwurf des Opportunismus, der bis in die Gegenwart immer wieder einmal wieder auftaucht, ist Luther nicht zu machen, wenngleich außer Frage steht, dass sich gerade in der Ablassfrage religiöse, wirtschaftliche, soziale und politische Verhältnisse und Interessen verbanden.

"Ein Sermin von Ablass und Gande"

Noch vor einer geplanten umfassenden Erläuterung seiner Thesen erscheint im April 1518 eine in der zweiten Märzhälfte gehaltene Predigt im Druck. Unter dem Titel "Ein Sermon von Ablass und Gnade" legt Luther in knapper und verständlicher Form und - was ganz besonders wichtig war - in deutscher Sprache seine nunmehr unzweifelhaft eigene Auffassung zur Ablassproblematik dar.

Diese Schrift wird zum ersten großen literarischen Erfolg Luthers. Allein bis 1520 erscheinen insgesamt 20 Druckauflagen, hergestellt in Wittenberg, Leipzig, Nürnberg, Augsburg und Breslau. Hier wird in plastischer Weise die besondere Rolle der neuen Technik im Buchdruck für die Verbreitung neuer Ideen deutlich.

   

 

Die Ereignisse nehmen an Geschwindigkeit zu

Nun beginnen die Ereignisse sich immer schneller zu entwickeln. Die Unfähigkeit der Kurie, das berechtigte religiöse Anliegen Luthers auch nur wahrzunehmen, führt statt zum Gespräch zur Repression. Und je stärker diese wird, um so mehr wird Luther förmlich gezwungen, seine Auffassungen zu konkretisieren und zu verteidigen.

Bereits im März 1518 wird der aufmüpfige Mönch von Johann Eck, bis dahin ein Sympathisant des Wittenberger Mönchs, erstmals als "Böhme" (vermutlich eine Anspielung auf den böhmischen "Ketzerkönig" Georg Podiebrad und die "Böhmischen Brüder") und Häretiker bezeichnet. Daran anknüpfend veröffentlicht Tetzel Ende April/Anfang Mai 1518 eine Schrift, in der er Luther als in der Tradition Wycliffs und Hus' stehenden Ketzer darstellt, den bald das gleiche Schicksal (Scheiterhaufen und Verbrennung) ereilen würde.

Luthers gedruckte Antworten auf diese Vorwürfe werden nun ebenfalls polemisch. In diesem Konflikt waren schon im Ansatz alle späteren Streitpunkte, wie das Vermögen des freien Willens, die Sakramente, die Vergebungsgewalt des Papstes und die priesterliche Vollmacht enthalten. Es deutet sich hier bereits ein grundsätzlicher Autoritätskonflikt an, obwohl Luther immer noch die Hoffnung hegt, der Papst werde ihn verteidigen. Im Sommer 1518 jedoch wird in Rom offiziell der Ketzerprozess gegen ihn eröffnet.

   

 

Für und Wider bringen neue Anhänger und unversöhnliche Gegner

Die vielfältigen Gegensätze und Interessenunterschiede treten für kurze Zeit zurück hinter die Alternative: für Luther oder gegen Luther. Die mit den Thesen eingeleitete spontane reformatorische Bewegung treibt ihren Urheber, zunächst gegen seinen eigenen Willen, in seinem Kampf gegen Rom immer weiter.

Beim Augustiner-Konvent darf Luther im Auftrag von Staupitz vor der Augustinerkongregation in der so genannten "Heidelberger Disputation" seine Theologie erläutern. Hier grenzt er die exklusive Relation von Gnade zum Glauben scharf gegen Aristoteles und die menschliche Willensfreiheit ab. Dabei kommt es zu einem "väterlichen Verhör" Luthers durch Kardinal Cajetan, nachdem Kurfürst Friedrich die Auslieferung des rebellischen Mönchs nach Rom abgelehnt hatte.

Luther gewinnt durch diese Erläuterung eine Reihe von Anhängern, die später selber zu Reformatoren wurden, darunter Martin Bucer (Reformator Straßburgs und des Elsass), Johannes Brenz (deutscher Reformator und protestantischer Theologe), und Sebastian Franck (deutscher Chronist, Publizist, Geograph, Theologe und Sprichwortsammler, gilt als der bedeutendste mystische Schriftsteller des 16. Jahrhunderts).

Im August wird der Stadt Wittenberg außerdem Philipp Melanchthon, der bald Luthers engster Freund und Schüler werden sollte, an die Universität berufen.

   

 

Die erste römische Anklage wegen Ketzerei  

Im Juni 1518 lässt die Kurie Luther nach Rom vorladen, um die Anklage wegen Ketzerei in einem kirchlichen Verfahren zu untersuchen. Noch vor dem eigentlichen Termin wird die Anklageschrift auf notorische Ketzerei geändert. Spitzel in Luthers Wittenberger Vorlesungen hatten ihn mit gefälschten Thesen denunziert. Luther ersucht aus gesundheitlichen Gründen um eine Anhörung auf deutschem Gebiet, wobei er sich auf die Gravamina deutscher Nation berief. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, der ihn ausliefern sollte, unterstützte ihn dabei abermals.

Damit wird Luthers Prozess jetzt auch in tagespolitische Interessen verwickelt: Papst Leo X. braucht den Kurfürsten für die anstehende Kaiserwahl und gibt seinem Einwand im August 1518 daher statt. Kardinal Thomas Cajetan solle Luther beim Reichstag zu Augsburg verhören. Vom 12. bis 14. Oktober 1518 spricht Luther dort vor. Er weigert sich, zu widerrufen, wenn er nicht aus der Bibel heraus widerlegt würde.

Kardinal Cajetan fordert Luther mehrfach nachdrücklich dazu auf, seine Thesen über Ablass und Papst  zurück zu nehmen, da er - Cajetan - ja selbst als Theologe den Papst für unfehlbar erklärt hatte. Doch Luther lehnt dies entschieden ab. Für Cajetan ist er damit als Ketzer überführt und hätte ausgeliefert werden müssen. Kurfürst Friedrich lehnt dies aber weiterhin ab. Luther entzieht sich schließlich der drohenden Verhaftung in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober 1518 durch Flucht aus Augsburg.

   

 

Politische Fragen überlagern kurz die religiöse Herausforderung  

Nach dem Tode Kaiser Maximilians Anfang 1519 beginnt ein beispielloses Feilschen um dessen Nachfolge. Er hatte Karl I. von Spanien als Nachfolger vorgesehen. Dieser konnte mit Hilfe der Fugger die höchsten Bestechungsgelder für die Kurfürsten aufbringen, schlug somit seine Rivalen Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England aus dem Felde und wurde am 28. Juni 1519 als Karl V. zum Kaiser gewählt.

Mit Rücksicht auf die Stimme des mächtigen Kurfürsten Friedrich von Sachsen ruhte der Ketzerprozess gegen Luther, zumal der päpstliche Kammerherr Karl von Miltitz Anfang Juni ein Abkommen ausgehandelt hatte, sich gegenseitiger Polemik zu enthalten. Diese Konstellation gab der reformatorischen Bewegung die Möglichkeit, sich zu festigen und und auszubreiten.

   

 

Disputation auf der Pleißenburg bei Leipzig  

Einen sich ursprünglich an Luthers Ablassthesen entzündenden Meinungsstreit trugen der Ingolstädter Theologe Johann Eck und Luthers Mitstreiter Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, in einer öffentlichen Disputation aus. Diese fand vom 27. Juni bis zum 14. Juli 1519 auf der Leipziger Pleißenburg statt.

Als sich die Disputation zwischen Karlstadt und Eck festfährt, tritt Luther auf den Kampfplatz. Eck geht es darum, Luther als Anhänger des Jan Hus und damit als Ketzer bloßzustellen. Luther wirft Rom im Gegenzug die Abspaltung der Orthodoxie vor. Er ordnet nun auch das Konzil von Konstanz der Autorität der Heiligen Schrift unter. Dieses hatte das Nebeneinander von drei Päpsten zwar beendet, aber die Autoritätsfrage - Konzil oder Papst - nicht wirklich geklärt. In diesem Kontext fällt wohl Luthers Satz: "Auch Konzile können irren und haben sich auch des öfteren geirrt!". Damit stellte er die individuelle Gewissensfreiheit im Hören auf die Bibel auch über autoritative Konsensentscheidungen der Bischöfe. Dies war der Bruch mit der katholischen Kirche.

   

 

Eck erklärt Luther zum Ketzer  

In der Auseinandersetzung um die Autorität des Papstes und der Konzilien bestreitet Luther die göttliche Herkunft des Papsttums und erklärt, dass unter den Anschauungen des Jan Hus durchaus gut christliche gewesen seien. Daraufhin glaubt Eck, am Ziel zu sein und erklärt Luther zum Ketzer, womit er jedoch nur erreicht, dass die Popularität des Wittenberger Mönchs noch größer wird. Besonders aus Humanistenkreisen stammende Gelehrte greifen Luthers Ideen begeistert auf.

   

 

   

Der Schirmherr der Disputation jedoch, Herzog Georg der Bärtige von Sachsen, war von dieser Stunde an ein entschiedener Gegner der Reformation. Luther sollte ihn später nach der Verhängung der Reichsacht über ihn, als unbarmherzigen Verfolger fürchten.

Die Hintergründe für diese folgenschwere antireformatorische Festlegung des Herzogs waren mannigfaltig. Eine wichtige Rolle spielte neben der politischen Konkurrenz zu seinem kurfürstlichen Cousin Friedrich den Weisen das Georg Zeit seines Lebens belastende Bewusstsein, ein Enkel des von der römischen Kirche gebannten und exkommunizierten böhmischen "Ketzerkönigs" Georg Podiebrad zu sein, der den "Böhmischen Brüdern" und den verschiedenen Hussitischen Glaubensgruppen wohlwollend gegenüberstand. Daher lehnte er bei allem Reformwillen jede auch nur im Ansatz antirömische "ketzerische" Bestrebung entschieden ab.

   

 

Drastische Reaktion

auf beiden Seiten

 

Nachdem Karl am 28. Juni 1519 doch zum Kaiser gewählt worden war, nimmt die Kurie Luthers Prozess wieder auf. Nach einem weiteren ergebnislosen Verhör vor dem Kardinal Cajetan erlässt Papst Leo X. am 15. Juni 1520 die Bannbulle Exsurge Domine. Sie verdammt 41 aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verdrehte Sätze Luthers ohne Begründung und Widerlegung, setzt ihm eine Frist von 60 Tagen zur Unterwerfung und drohte ihm den Kirchenbann (Ausschluss) an.

Luthers Antwort auf die Bulle ist die auf Anregung Karl von Miltitz*) entstandene und an H. Mühlpfordt gerichtete Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen samt einem Sendbrief an Papst Leo X. aus dem Oktober 1520 (vordatiert auf September 1520).


*) Karl von Miltitz (* um 1490 in Rabenau; † 20. November 1529 in Steinheim (heute Hanau) war päpstlicher Nuntius und verhandelte mit Luther.

Er wurde Kanonikus in Mainz, Trier und Meißen, 1515 päpstlicher Notar und Kämmerer in Rom und wurde 1518 als päpstlicher Nuntius nach Sachsen gesandt, um ein Stillhalteabkommen mit Luther auszuhandeln und den Kurfürsten Friedrich den Weisen davon abzubringen, Luther weiterhin zu schützen. Er hatte im Januar 1519 mit Luther eine Unterredung in Altenburg, später auch in Liebenwerda und im Antoniterkloster Lichtenberg bei Prettin, doch blieben diese erfolglos. Auf der Rückreise ertrank er 1529 im Main bei Groß-Steinheim.


Luthers Position in dem Sendbrief bemisst sich bereits nach dem Grundsatz sola scriptura: "Darüber hinaus kann ich nicht dulden Regel oder Maß, die Schrift auszulegen, dieweil das Wort Gottes, das alle Freiheit lehret, nicht soll noch muss gefangen sein".

Am 10. Dezember 1520, nach Ablauf der Widerrufsfrist, verbrannte Luther öffentlich sein Exemplar der Bulle unter Beifall von Wittenberger Studenten vor dem Elstertor*) als Reaktion auf die Verbrennung seiner eigenen Werke durch Vertreter der Kirche.


*) Heute befindet sich im Osten der Altstadt Wittenbergs, in einem mit Sandstein eingefasstes Areal eine Eiche. Der Baum bezeichnet ungefähr die Stelle vor dem ehemaligen Elstertor, an der Martin Luther am 10. Dezember 1520 unter dem Beifall der Wittenberger Studenten, die päpstlichen „Canonischen Rechte“ und die Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ des Papstes verbrannte. Mit den Worten „Weil du den Heiligen des Herrn gelästert hast, so verzehre dich das ewige Feuer“, vollzog er auch äußerlich die Trennung von der römischen Kirche.

   

 

Drastische Reaktion

auf beiden Seiten

 

Der Vatikan antwortete schließlich wie wohl zu erwarten war konsequenterweise mit der endgültigen Exkommunikation durch die Bannbulle "Decet Romanum Pontificem" vom 3. Januar 1521.

 

Luthers angeblicher Thesenanschlag

 

Erzbischof Albrecht

 

Papst Leo X.

 

Johannes Tetzel

 

Kurfürst

Friedrich der Weise

 

Johannes Eck

 

Johann Staupitz

 

Martin Bucer

 

Johannes Brenz

 

Philipp Melanchthon

 

Luther vor Cajetan

 

Kaiser Karl V.

 

Andreas Bodenstein,

gen. Karlstadtt

 

Die Pleißenburg bei

Leipzig

 

Bulle

"Exsurge Domini"

 

Die so genannte

"Luthereiche" vor dem Elstertor.

 

 

 

Unterseiten:

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Ref. i. D.  10

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Der erste Lebensabschnitt

Der Ablasshandel

95 Thesen und deren Folgen

Die 95 Thesen in Originalwortlaut

Vom Reichstag in Worms zur Wartburg

Junker Jörg - Mythen und Fakten

Ein religiöses u. literarisches Großereignis

Innerreformatorische Konflikte

Luther und die Juden

Eheschließung und Familienleben

Herr Käthe - Luther und seine Ehefrau

Die Bauernkriege

Festigung der Reformation