Reformation grundsätzlich - auf den Spuren Luthers

    (eine historische Annäherung)

    Eheschließung und Familienleben  Luthers                        10

 

 

Eine starke Frau für einen starken Mann  

Am 13. Juni 1525 heiratet Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Sie stammte aus einem Zisterzienserinnenkloster in Nimbschen *). Wer aber war diese Frau, die mindestens genauso bemerkenswert war wie der Reformator selber?


*) Im Jahr 1243 gründete der Wettiner Markgraf Heinrich der Erlauchte (1221-1288) wohl bei Torgau das Nonnenkloster Marienthron als Seelstiftung seiner kurz zuvor verstorbenen Ehefrau Constantia von Österreich. Das Kloster erhielt eine umfangreiche Erstausstattung: Grundbesitz, die zwei Pfarreien Altbelgern und Weßnig und die Torgauer Kirche, u. a. aus wettinischem Besitz, der einmal 1119 für das Benediktinerkloster Reinhardsbrunn vorgesehen gewesen war.


Luther verlobte sich mit ihr am 13. Juni und feierte Hochzeit am 27. Juni 1525. Die Eheschließung war eigentlich eine logische Konsequenz seiner Lehren, da er die Eheschließung nicht mehr als Sakrament verstand, den Zölibat ablehnte und die Aufhebung und Abschaffung der Klöster verlangte.

 

 

 

   

Familie der Katharine von Bora

 

Katharina von Bora stammte aus einer verarmten Familie des sächsischen Landadels. Ihre Mutter starb früh (1504) und ihr Vater gab sie Ende 1504 oder Anfang 1505 zur Erziehung in das Brehnaer Kloster der Benediktinerinnen, wie einem Brief von Laurentius Zoch *) an Martin Luther vom 30. Oktober 1531 zu entnehmen ist.


*) Larurentius - auch Lorentz Zoch, * 9. August 1477 in Halle (Saale); † 27. Februar 1547 in Wittenberg) war ein deutscher Jurist und Rechtswissenschaftler, der mit der Reformation sympathisierte, sich ihr aber nicht offen anschloss


Darin bemerkt Zoch, seine Frau würde gern die Bekanntschaft mit Luthers Gattin aus ihren Kindheitstagen im Brehnaer Kloster erneuern: Sie wird „sich persönlich mit ihr bekennen und die alte Kundschaft, so sie etwan zu Brehne im Kloster in ihren Lehrjahren gehabt, vernawen“ (erneuern).

Dies ist allerdings der einzige Beleg über den Aufenthalt Katharina von Boras im Brehnaer Kloster.

Danach kam sie 1515 mit 16 Jahren ins Kloster Nimbschen bei Grimma, wie dies das Rechnungsbuch des Klosters vermerkt. Dort lernte sie lesen, schreiben, womit sie aber bereits in Brehna begonnen haben dürfte, und etwas Latein. 1515 legte sie ihr zeitliches, 1518 ihr ewiges Gelübde als Nonne ab.

 

 

 

   

Das Kloster heute nur mehr Ruine

 

 

 

 

Die Ruinen des Zisterzienserinnen-Klosters Nimbschen bei Grimma heute

 

 

 

   

Eine mutige Frau, die  weiß was sie will

 

Einige Zeit nach ihrer ewigen Profess beschloss Katharina von Bora, mit anderen Nonnen aus dem Kloster zu fliehen, da sie sich den Ideen der Reformation anschließen wollten. Das dies in der damaligen Zeit ein sehr gewagtes Unternehmen war, kann man sich aus heutiger Zeit vielleicht nicht mehr vorstellen, aber es war mit Sicherheit ein lebensgefährliches Handeln.

Die mutigen Frauen baten Luther um Hilfe, worauf dieser ihnen zu Ostern 1523 einen gedeckten Wagen schickte, in dem sie unter Mithilfe des Torgauer Ratsherren Leonhard Koppe, der die übrigen Nonnen und die Priorin ins Refektorium befahl, um ihnen einen Hirtenbrief des Bischofs zur österlichen Festzeit vorzulesen. Inzwischen konnten die des Klosterlebens müden Nonnen entkommen.

Luther brachte die Frauen in Wittenberg unter und verheiratete sie mit "ehrenwerten Männern", wie das damals so üblich war... 

Katharina von Bora wurde zuerst im Hause von Philipp Reichenbach aufgenommen und fand später bei Lucas Cranach dem Älteren Unterkunft.

Nachdem sie den Wittenberger Studenten Hieronymus Baumgartner*) aus Nürnberg nicht heiraten durfte, da dessen Eltern einer Verbindung nicht zustimmten und den Sohn nach Hause beorderten, versuchte Luther es mit der Vermittlung einer Eheschließung mit Kaspar Glatz**), einem Dozenten und  Pfarrer aus Orlamünde, der um Katharina wirbt, sie lehnt jedoch ab.

In einem Gespräch mit Nikolaus von Amsdorf soll sie geäußert haben, dass sie - wenn sie überhaupt heiraten wollte - nur Luther heiraten würde.

Luther hingegen hatte ein Auge auf die Schönheit Ave von Schönfeld geworfen - einer der aus Nimbschen geflohenen Nonnen, musste jedoch deren Entscheidung, Basilius Axt zu ehelichen, schweren Herzens akzeptieren und war selbst Junggeselle geblieben. Trotzdem entschieden sich beide - Katharina und Martin - angeblich nach einer zürnend-zündenden Predigt Katharinas - für eine gemeinsame Ehe :-)


*) Hieronymus Baumgartner, auch von Baumgärtner, Baumgärtner, Paumgartner ( * 9. März 1498 in Nürnberg, † 8. Dezember 1565 in Nürnberg) Gestalter der Reformation in Nürnberg und Bürgermeister.

**) Kaspar Glatz, (auch Casparus Glatius, Glacius, etc.; * in Rieden am Forggensee; † 1551 auf dem Siedelhof bei Naschhausen) war ein deutscher lutherischer Theologe, übernahm am 27. August 1524 als Nachfolger von Andreas Bodenstein die Pfarrei in Orlamünde, hatte aber als dessen Nachfolger keinen leichten Stand

 
       
Luthers Freunde sind überrascht   Dass diese Hochzeit sehr überraschend und unerwartet für seine Freunde kam, wird aus einem Schreiben von Philipp Melanchthon an den Stadtrat von Wittenberg deutlich:

"Unerwarteterweise hat Luther die Bora geheiratet, ohne auch nur seine Freunde über seine Absichten zu unterrichten... was soll man jetzt dazu sagen - ist unserem großen Reformator das Blut in die Lenden geschossen?"

Es galt im Freundeskreis Luthers als beschlossene Sache, dass er den "evangelischen Räten" folgt (Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit), wie er sie aus dem klösterlichen Leben her kennt, und sich nicht verehelicht. Aber wie so oft hat sich Luther auch hier anders als von ihm erwartet, entschieden

 

 

 

   
Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau

 

Katharina war ihm in seinen persönlichen Problemen und in den Auseinandersetzungen nach außen eine große Hilfe. Durch Beherbergung von Studenten in einer Art Internat verdiente sie gutes Geld, um Luther den nötigen wirtschaftlichen Freiraum zu schaffen. Nebenbei schrieben diese Studenten die zahlreichen Aussprüche Luthers bei Tisch und im Kreis von Gästen nieder, und erhielten sie somit der Nachwelt.

Katharina Luther ordnet fortan zur vollen Zufriedenheit ihres Mannes den Haushalt, nutzt das auf dem Kloster liegende Braurecht, betreibt Viehzucht und pachtet dafür mehrere Grundstücke.

In Luthers Haushalt leben nicht nur seine Frau und später seine sechs Kinder, sondern auch eine Verwandte Katharinas und seit 1529 die sechs Kinder von Luthers Schwester, also zeitweise 15 Personen.

Mit den Studenten und anderen Gästen war das ehemalige Kloster, in dem Luther und seine Frau Wohnung genommen hatten, voll belegt.

 
 

 

 

 
Die Familie Luther

 

Luther hatte mit Katharina von Bora sechs Kinder, und zwar:

Johannes (*7. Juni 1526 in Wittenberg, † 27. Oktober 1575 in Königsberg (Preußen)

Elisabeth (* 10. Dezember 1527 in Wittenberg, † 3. August 1528 in Wittenberg),

Magdalena (* 4. Mai 1529 in Wittenberg, † 20. September 1542 in Wittenberg),

Martin (* 7. November 1531 in Wittenberg, † 4. März 1565 in Wittenberg),

Paul*) (* 28. Januar 1533 in Wittenberg, † 8. März 1593 in Leipzig) und

Margarethe (* 17. Dezember 1534 in Wittenberg, † 1570 in Mühlhausen/Ostpreußen).

Derzeit leben rund 2.800 Nachkommen von Martin Luther und Katharina von Bora. Sie sind in der Lutheriden-Vereinigung organisiert. Allerdings war der 1759 verstorbene Martin Gottlob Luther der letzte unter ihnen, der den Nachnamen Luther trug


*) Paul, der dritte Sohn von Martin Luther und Katharina von Bora studierte zuerst Griechisch und Latein bei Philipp Melanchthon und Veit Winsheim, einem  deutschen Rhetoriker, Philologen, Mediziner und Gräzisten. Darauf wurde er Leibarzt Johann Friedrich II. von Weimar bis zu dessen Tod und blieb bis zur Übergabe der Stadt Gotha am 13. April 1567 in dieser Anstellung.

Darauf folgte eine Berufung an den brandenburgischen Hof des Kurfürsten Joachim II., wo er bis zu dessen Tod am 3. Januar 1571 verblieb.

Danach wurde er Leibarzt des Kurfürsten August von Sachsen und dessen Nachfolgers Christian I., zog sich aber wegen der damaligen Unruhen zwischen Kryptocalvinisten und Lutheranern (siehe weiter unten) und daraus folgenden Meinungsverschiedenheiten vom Hofe zurück, trat in Leipzig in den Privatstand und wurde dort schließlich 1592 wieder zum kurfürstlichen Leibarzt berufen. Am 8. März 1593 verstarb Paul Luther in Leipzig.

Paul Luther widmete sich neben seinen chemischen Arzneiforschungen der Erzkunde, dessen Endziel damals die Goldherstellung war (ein richtiger Modetrend könnte man sagen) und entwickelte dabei verschiedene Medikamente, die Eingang in die sächsischen Apotheken fanden.

 

 

 

   
Die Auseinander-setzungen mit dem Krypto-Calvinismus

 

Der Kryptocalvinismus war eine abfällige Bezeichnung für Sympathisanten des Calvinismus in orthodox-lutheranischen Gebieten im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert.

Wo er auch das Fürstenhaus erfasste und zur vorherrschenden Religion wurde, bezeichnete er sich selbst als "reformierte Kirche" (z. B. in Brandenburg).

Da der Calvinismus vor 1648 in Deutschland nicht als offizielle Religion anerkannt war, versuchten einige Fürsten in dieser Zeit neben der lutherischen Lehre den Calvinismus so zu praktizieren, dass er noch als übereinstimmend mit der lutherischen Lehre, wie sie im Augsburger Religionsfrieden von 1555 festgehalten worden war, anerkannt wurde (so z. B. in der Kurpfalz im Heidelberger Katechismus).

Politisch zielte der Kryptocalvinismus auf die Zerschlagung des Habsburger Heiligen Römischen Reiches und auf eine moderne, bürgerliche Europäische Union, bestehend aus der teilweise reformierten Schweiz (Genf, Zürich), einem hugenottischen Frankreich, dem anglikanischen England und einem (protestantisch-reformierten) Deutschland.

 
       
Der bekannteste Kryptocalvinist

Dr. Nikolaus Krell

 

Bekanntester Kryptocalvinist war der sächsische Kanzler Dr. Nikolaus Krell *), der dafür 1601 auf Betreiben der lutherischen Orthodoxie hingerichtet wurde.


Nikolaus Krell, zeitgenössisch auch Nicolaus Crell, (* um 1550 in Leipzig, † (hingerichtet) 9. Oktober 1601 in Dresden) war ab 1589 Kanzler des Kurfürsten Christian I. von Sachsen.

Nach der Ausbildung an der Fürstenschule in Grimma studierte er in Leipzig.

Auf Reisen in die Schweiz begann er sich dem Calvinismus zuzuwenden. 1580 wurde er von Kurfürst August von Sachsen zum Hofrat ernannt. Nach der Regierungsübernahme des Kurfürsten Christian I. von Sachsen, den er schon vorher beraten hatte, wurde er zum Kanzler des Kurfürstentums bestellt. Seine Reformbemühungen galten dem Zurückdrängen der Lutherischen Orthodoxie sowie einer Abwendung vom habsburgischen Einfluss. Er suchte eine Annäherung an Heinrich IV. von Frankreich, Königin Elisabeth I. von England und protestantische Fürsten in Deutschland.

Er war verheiratet mit Margarethe Krell geb. Backofen, einer Leipziger Bürgerstochter.

Nach dem Tod Christians I. 1591 wurde er auf Betreiben der Lutherischen Orthodoxie und des Adels von dessen Witwe Sophie von Sachsen, einer orthodoxen Lutheranerin, verhaftet und auf der Festung Königstein in der später nach ihm benannten Krellburg eingekerkert. Nach zehnjährigem Prozess wurde er 1601 nach Dresden gebracht und als Anhänger des Kryptocalvinismus am 9. Oktober hingerichtet.

An der Stelle seines Todes vor dem Dresdener Stallhof erinnert ein Pflasterstein mit der Aufschrift „Kr.“ an den großen europäischen Politiker.

 
Caspar Peucer kam ebenfalls in Verdacht  

Auch Caspar Peucer wurde von der lutherischen Orthodoxie als Kryptocalvinist bezeichnet *).


*) Caspar Peucer (auch Kaspar Peucer, Peucker; * 6. Januar 1525 in Bautzen; † 25. September 1602 in Dessau) war als Kirchenreformer, Mathematiker, Astronom, Mediziner, Diplomat und Schriftsteller ein wichtiger Vertreter des deutschen Späthumanismus.

 

 

Katharina von Bora

auf einem Gemälde von

Lucas Cranach d. Ä. 1526

 

Das Familienwappen

der Boras

 

Denkmal für Katharina v. Bora in Ludwigshafen

von Gernot Rumpf

 

Luthers Sohn Paul, Medi-
ziner, Philologe, Rhetoriker
 
Kurfürst August von 
Sachsen, gemalt von 
L. Cranach d. J.
 

Kurfürst Christian I. von

Sachsen

 

König Heinrich IV. von Frankreich

 

Dr. Nikolaus Krell

 

Das Hugenottenkreuz,

Symbol der

Reformierten Kirche

 

Bildnis Caspar Peucer

 

Unterseiten:

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Der erste Lebensabschnitt

Der Ablasshandel

95 Thesen und deren Folgen

Die 95 Thesen in Originalwortlaut

Vom Reichstag in Worms zur Wartburg

Junker Jörg - Mythen und Fakten

Ein religiöses u. literarisches Großereignis

Innerreformatorische Konflikte

Luther und die Juden

Eheschließung und Familienleben

Die Bauernkriege

Festigung der Reformation

Exkurs Katharina von Bora