Die "Los-von-Rom-Bewegung" und die Gründung der

    Evang. Pfarrgemeinde Spittal aus katholischer Sicht

 

Ein Memorabilienbuch als Zeitzeuge

 

Aus dem Memorabilienbuch des röm.-kath. Dechants und Pfarrers F. X. Guggenberger aus Spittal:

 

 

 

 

 

Kommentar zum Konkurs eines Kaufmannes

 

1. "Der protestantische Vikar Schacht aus Preußen kam im November 1901 hier in aller Stille an. Der Kaufmann Franz Petutschnig gab ihm Wohnung, und sein Geschäft geriet bald darauf in Konkurs. Bei der jetzigen ´Los-von-Rombewegung´ beabsichtigt dieser Vikar, in dieser Gegend zu wühlen, wie es auch in Villach und St. Veit durch die ebenfalls importierten protestantischen Vikare geschieht.

F. X. Guggenberger, Dechant"

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Nichtanerkennung der Evangelischen als Kirche 

 

2. "Tempelplatz 1903

Der aus Preußen eingewanderte protestantische Vikar hält Predigt und Gottesdienst ab beim Sorgo, beim Restaurateur Ertl, beim Dietrich, dann wieder beim Sorgo und im Sommer an der Schießstätte auf der Fratresspitze.*) Als Fürst Aladar Porcia von einem Baum herabfiel und sich gar sehr beschädigte, benutzte der herbeigerufene Pastorensohn Dr. Ernest Kukutsch die Gelegenheit, um den Fürsten einen Platz für einen protestantischen Tempel abzuschachern. Sobald der Gefertigte hiervon Kenntnis erhielt, machte er beim Fürsten und der Fürstin ernste Gegenvorstellungen, daß der Kauf rückgängig gemacht werden sollte; leider war alles schon zu spät.

F. X. Guggenberger, Dechant"

*) Diese aus Holz gebaute Schießstätte mit Zimmergewehrstand in einem kleinen Saal und Freischießanlage brannte mehrmals nieder, das erste Mal 1909, wurde aber immer wieder aufgebaut, ehe sie nach dem II. Weltkrieg etwas tiefer am Hügelausläufer neu errichtet wurde

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Vorbild oder Zwecknachahmung?

 

3. "Elisabethverein und Berufung der Kreuzschwestern 1903

Da die Protestanten besonders wegen der Tauernbahn das Aufstreben von Spittal erhoffen und deshalb hier festen Fuß fassen wollen, und da sie durch Veranstaltungen von Christbäumen, durch Beschenkung der Kinder aus Mischehen etc. auch die katholischen Kinder für sich gewinnen möchten, wurde der St.-Elisabeth-Verein gegründet. Und weil die Protestanten auch gern Diakonissinnen hierher bringen, so wurden 3 Kreuzschwestern aus Graz hierher berufen als Krankenschwestern.

F. X. Guggenberger, Dechant"

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Schule in katholischer Nahsich

 

4. "Bürgerschule 1904

Die Protestanten und Deutschradikalen wollten, daß die Bürgerschule i. d. Nähe des Tempel-platzes und recht weit von der katholischen Kirche erbaut werden soll, und sie machten hierfür die größtmöglichen Anstrengungen. Es gelang jedoch, daß die Bürgerschule sehr nahe bei der katholischen Kirche auf Pfarrgründen erbaut worden ist".

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Propagandistische Vermischung von politischen Strömungen

 

5. "Gründungsversammlung des katholischen Schulvereins

... Gegen 100 Mitglieder traten dem katholischen Schulverein bei, weil die Kärntner Lehrer dem jüdisch sozialistischen Verein ´freie Schule´ angehören, und weil durch den ´deutschen Schulverein´ für den Deutschen Protestantismus gearbeitet wird".

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Ein Versuch, die K. K. Beamtenschaft von der Grundsteinlegung abzuhalten

 

6. "1908, 15, November. Grundsteinlegung zum protestantischen Filialtempel.

Nachdem der aus Preußen hier eingewanderte Vikar wochenlang in der Schweiz herumgefochten hat für eine Erbauung eines Filialtempels zu Spittal, wurde am 15. November die Grundsteinlegung anberaumt. - Da gerade der Tag des Hl. Leopold war, hatte der Dechant eine Kaiserjubiläums-Feier anberaumt mit Festpredigt, Hochamt und Betstunde, und hatte dazu die Beamtenschaft schriftlich eingeladen. - Doch der K. K. Regierungsrat nahm bei der Grundsteinlegung des protestantischen Filialtempels bei (sic!); der hiesige Sängerverein nahm nicht teil...

 

   

Die protestantische Feier war für 11 Uhr anberaumt. Es wehte damals ein furchtbarer Wind (wahrscheinlich von Eisleben her). Als die Gläubigen aus der katholischen Kirche gingen, war auch die protestantische Feier bereits vorüber".

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Kinderlieder als Propagandamittel

 

Ein Lied, in der Volksschule Spittal den Kindern gelernt. Es wurde auf die Melodie eines G´stanzls gesungen. Eine damals noch röm.-kath. Schülerin, später ein langjähriges Mitglied der evang. Gemeinde, berichtete, "dass bei  jeder Nennung des Wortes ,Teifl´ im Lied dieses besonders laut betont werden musste":

"Da luth´rische Tempel / umadum a Krempl /

übaroll a Haufn Spitz / wo da Teifl drauf sitzt!"

 
       
   
 
       
Ablehnung der "Akatholischen" Gottesdienste  

Wie notwendig die Errichtung einer eigenen Kirche für die evang. Filialgemeinde war, erkennt man aus der Reaktion der Marktgemeindevorstehung von Spittal. Die Filialgemeinde Spittal stellte ein Ansuchen, in dem es um Überlassung des Turnsaales der Bürgerschule für Gottesdienstzwecke ersuchte. Dieses Ansuchen wurde mit folgender Begründung abgelehnt:

"... In Erledigung Ihres Ansuchens ... wird Ihnen bekannt gegeben, dass der Gemeindeausschuss Ihrer Bitte nicht willfahren kann, da die Gemeinde bei Ankauf des Grundes zur Errichtung des Bürgerschulgebäudes einen Revers ausstellen musste, dahingehend, dass dieses Gebäude zur Abhaltung von akatholischen Gottesdiensten nicht verwendet werden darf.

Marktgemeindevorstehung Spittal am 29. Jänner 1905. Der Bürgermeister Johann Grebmer"

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Der allseits beliebte Religionslehrer und Kaplan Guido Zernatto aus Spittal schreibt

einen Brief...

 

"Spittal, 4. August 1904.

Guido Zernatto, Benefiziat und Kaplan

An Wohlgeb. Fräulein Josefine Struad!

Spittal.

 

Dem Unterzeichneten erscheint es als schwere Gewissenspflicht, Ihnen nach Erhalt Ihrer Austritts Erklärung aus der hl. kath. Kirche einige ernste Worte zukommen zu lassen, die den unsagbar traurigen Schritt zum Gegenstande haben, den Sie zu tun im Begriffe stehen. Gerne wäre ich bereit, jederzeit mündlich und schriftlich Ihre Fragen, Zweifel, Einwendungen oder was sonst es sein mag, nach bestem Können zu beantworten, könnte ich nur diesen unseligen Entschluß, Ihren heiligen Glauben zu verlassen. aus Ihrer Seele entfernen!

Was kann Sie doch zu solch´ einem Schritt bewegen? Sie sind doch katholisch erzogen, unterrichtet in unserer heiligen katholischen Religion. Sie wissen also auch, dass die Apostasie (der Abfall) jene entsetzlichste Sünde ist, von der der Herr sagt, dass sie ´weder in diesem noch in einem anderen Leben verziehen werden kann´! (Matth. 12,31). Und dennoch - !

Sie wissen, dass der Herr bei Matthäus (28, 20) spricht: ´Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt´ und bei Johannes: ´Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, damit er bei euch bleibe, der Geist der Wahrheit.´ Und zu Petrus sprach der Herr: ´Die Pforten der Hölle werden sie (die hl. Kirche Christi = kathol.) nicht überwältigen.´

Entweder sind diese Worte wahr oder nicht!

Sind sie nicht wahr, d. h. ist die hl. Kirche auch nur einmal von der göttlichen Wahrheit abgewichen, z. B. wäre sie zu Luthers Zeiten mit Irrtümern durchsetzt gewesen, wäre Christus der Herr - nicht Gott, kein Erlöser, ein Lügner! Sind sie aber wahr, d. h. ist die göttliche Lehre rein geblieben, was ja auch wirklich in der hl. katholischen Kirche der Fall ist, dann ist die ewige Wahrheit im Recht, und Luther und Consorten sind in schwerstem Irrtum.

Denn nur eine Kirche stiftete Christus - die katholische, nur einer Kirche gilt die göttliche Verheißung ewiger Wahrheit - der Kirche Christi. Welche aber bestand in Christi Zeiten? Die protestantische? Nein! Die griechische? Nein! Welche dann? Unsere heutige, unveränderlich, wahre katholische Kirche. Also - ? Im Unwesentlichen gab´s Verschiedenheiten zwischen einst und jetzt, im Wesentlichen gibt es keine. Alle Lehren, die später präziser ausgedrückt wurden, finden sich schon in der ersten Kirche. Aber der Protestantismus? Denn: Wo nahm jener Mann, den Sie Reformator nennen, das Recht her, als Mensch an Gottes heiligen Satzungen und Lehren Veränderungen vorzunehmen? War Christus nimmer in seiner Kirche? Wer irrt sich? Christus oder der ´Reformator´?

Und obgleich Ihnen alles bekannt ist, wollen Sie doch ihren heiligen Glauben verlassen? Sie wissen von jenen glorreichen Männern, Frauen und Jungfrauen, die ihr Leben für unseren heiligen Glauben hingegeben haben, die oft aus den höchsten Ständen, freudig den letzten Tropfen Blut vergossen für ihren heiligen Glauben. 16 Millionen Märtyrer besiegelten mit ihrem Blute die Wahrheit unserer heiligen katholischen Kirche - und sie wollen von ihr abfallen? Lernen Sie von den Märtyrern den Wert des Glaubens erkennen!

Der hl. Glaube ist kein Kleid, das man an- und auszieht nach der Mode, er ist das kostbarste, was der Mensch hat! Und Se werfen ihn weg wie ein Kind den Diamant, den es für Glas hält- !

Durch ganz England weht ein frischer Zug: ´Zurück zur katholischen Kirche´! Die ruhig denkenden hoch gebildeten Engländer kehren zurück zum Glauben ihrer Väter, sie kehren zurück oft unter den schwersten Verhältnissen, sie opfern Geld, Stellung, Menschenliebe, aber - sie kehren zurück! In hellen Scharen, mit Jubel im Herzen, die Wahrheit gefunden zu haben, treten sie unserem heiligen Glauben bei - und Sie wollen ihn verlassen?

O könnten doch diese meine aufrichtig und ehrlich gemeinten Worte Sie dazu vermögen, Ihren tief bedauerlichen Schritt rückgängig zu machen, wie gerne wollte ich Ihnen behilflich sein! Aber - ´des Menschen Wille ist sein Himmelreich´ - und manchmal auch seine Hölle. -

Und nun habe ich Ihnen gesagt, was die heilige Pflicht mir gebietet. Gebe Gott Ihnen die Kraft, den Schritt zurück zu tun ins lichte Reich der geoffenbarten Gotteswahrheit, ins Reich des Herrn auf Erden, in die heilige katholische Kirche!

Spittal, 4. August 1904                                           Guido Zernatto, Benefiziat und Kaplan

 

 

Superintendent

Johannes Heinzelmann leitete von Villach

aus die Wiener Superintendentur

 

Diakonissinnen für

Spittal

 

Die katholische Pfarre

holt mit Kreuz-

schwestern auf

 

Die "Bürgerschule" in deutlicher Nähe zur

röm.-kath. Kirche

 

Bürgerschule auf einer Ansichtskarte von 1922

in Farbe

 

Klassenzimmer der alten "Bürgerschule", der späteren Hauptschule

 

Selbst der "Kaiser" wurde gegen die Protestanten aufgeboten

 

Ein "kalter Wind" aus Eisleben, der "Luther-

stadt", wird in

Spittal wahrgenommen

 

Der "luth´rische Tempel, umadum a Krempl..."

 

Die Kirche heute

(Aufnahme vom Winter

2007

 

 

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