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Nichtanerkennung der
Evangelischen als Kirche |
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2. "Tempelplatz 1903
Der aus Preußen
eingewanderte protestantische Vikar hält Predigt und Gottesdienst ab beim
Sorgo, beim Restaurateur Ertl, beim Dietrich, dann wieder beim
Sorgo und
im Sommer an der Schießstätte auf der Fratresspitze.*)
Als Fürst Aladar Porcia von einem Baum herabfiel und sich gar sehr beschädigte, benutzte der herbeigerufene
Pastorensohn Dr. Ernest Kukutsch die Gelegenheit, um den Fürsten einen
Platz für einen protestantischen Tempel abzuschachern. Sobald der
Gefertigte hiervon Kenntnis erhielt, machte er beim Fürsten und der
Fürstin ernste Gegenvorstellungen, daß der Kauf rückgängig gemacht werden
sollte; leider war alles schon zu spät.
F. X. Guggenberger,
Dechant"
*) Diese aus Holz gebaute
Schießstätte mit Zimmergewehrstand in einem kleinen Saal und
Freischießanlage brannte mehrmals nieder, das erste Mal 1909, wurde aber
immer wieder aufgebaut, ehe sie nach dem II. Weltkrieg etwas tiefer am
Hügelausläufer neu errichtet wurde |
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Der allseits beliebte
Religionslehrer und Kaplan Guido Zernatto aus Spittal schreibt
einen Brief...
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"Spittal, 4. August 1904.
Guido Zernatto, Benefiziat und Kaplan
An Wohlgeb. Fräulein
Josefine Struad!
Spittal.
Dem Unterzeichneten
erscheint es als schwere Gewissenspflicht, Ihnen nach Erhalt Ihrer
Austritts Erklärung aus der hl. kath. Kirche einige ernste Worte zukommen
zu lassen, die den unsagbar traurigen Schritt zum Gegenstande haben, den
Sie zu tun im Begriffe stehen. Gerne wäre ich bereit, jederzeit mündlich
und schriftlich Ihre Fragen, Zweifel, Einwendungen oder was sonst es sein
mag, nach bestem Können zu beantworten, könnte ich nur diesen unseligen
Entschluß, Ihren heiligen Glauben zu verlassen. aus Ihrer Seele entfernen!
Was kann Sie doch zu solch´
einem Schritt bewegen? Sie sind doch katholisch erzogen, unterrichtet in
unserer heiligen katholischen Religion. Sie wissen also auch, dass die
Apostasie (der Abfall) jene entsetzlichste Sünde ist, von der der Herr
sagt, dass sie ´weder in diesem noch in einem anderen Leben verziehen
werden kann´! (Matth. 12,31).
Und dennoch - !
Sie wissen, dass der Herr
bei Matthäus (28, 20) spricht: ´Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt´
und bei Johannes: ´Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen
anderen Tröster geben, damit er bei euch bleibe, der Geist der Wahrheit.´
Und zu Petrus sprach der Herr: ´Die Pforten der Hölle werden sie (die hl.
Kirche Christi = kathol.) nicht überwältigen.´
Entweder sind diese Worte
wahr oder nicht!
Sind sie nicht wahr, d. h.
ist die hl. Kirche auch nur einmal von der göttlichen Wahrheit abgewichen,
z. B. wäre sie zu Luthers Zeiten mit Irrtümern durchsetzt gewesen, wäre
Christus der Herr - nicht Gott, kein Erlöser, ein Lügner! Sind sie aber
wahr, d. h. ist die göttliche Lehre rein geblieben, was ja auch wirklich
in der hl. katholischen Kirche der Fall ist, dann ist die ewige Wahrheit
im Recht, und Luther und Consorten sind in schwerstem Irrtum.
Denn nur eine Kirche
stiftete Christus - die katholische, nur
einer Kirche gilt die göttliche
Verheißung ewiger Wahrheit - der Kirche Christi. Welche aber bestand in
Christi Zeiten? Die protestantische? Nein! Die griechische? Nein! Welche
dann? Unsere heutige, unveränderlich, wahre katholische Kirche. Also - ?
Im Unwesentlichen gab´s Verschiedenheiten zwischen einst und jetzt, im
Wesentlichen gibt es keine. Alle Lehren, die später präziser ausgedrückt
wurden, finden sich schon in der ersten Kirche. Aber der Protestantismus?
Denn: Wo nahm jener Mann, den Sie Reformator nennen, das Recht her, als
Mensch an Gottes heiligen Satzungen und Lehren Veränderungen vorzunehmen?
War Christus nimmer in seiner Kirche? Wer irrt sich? Christus oder der
´Reformator´?
Und obgleich Ihnen alles
bekannt ist, wollen Sie doch ihren heiligen Glauben verlassen? Sie wissen
von jenen glorreichen Männern, Frauen und Jungfrauen, die ihr Leben für
unseren heiligen Glauben hingegeben haben, die oft aus den höchsten
Ständen, freudig den letzten Tropfen Blut vergossen für ihren heiligen
Glauben. 16 Millionen Märtyrer besiegelten mit ihrem Blute die Wahrheit
unserer heiligen katholischen Kirche - und sie wollen von ihr abfallen?
Lernen Sie von den Märtyrern den Wert des Glaubens erkennen!
Der hl. Glaube ist kein
Kleid, das man an- und auszieht nach der Mode, er ist das kostbarste, was
der Mensch hat! Und Se werfen ihn weg wie ein Kind den Diamant, den es für
Glas hält- !
Durch ganz England weht ein
frischer Zug: ´Zurück zur katholischen Kirche´! Die ruhig denkenden hoch
gebildeten Engländer kehren zurück zum Glauben ihrer Väter, sie kehren
zurück oft unter den schwersten Verhältnissen, sie opfern Geld, Stellung,
Menschenliebe, aber - sie kehren zurück! In hellen Scharen, mit Jubel im
Herzen, die Wahrheit gefunden zu haben, treten sie unserem heiligen
Glauben bei - und Sie wollen ihn verlassen?
O könnten doch diese meine
aufrichtig und ehrlich gemeinten Worte Sie dazu vermögen, Ihren tief
bedauerlichen Schritt rückgängig zu machen, wie gerne wollte ich Ihnen
behilflich sein! Aber - ´des Menschen Wille ist sein Himmelreich´ - und
manchmal auch seine Hölle. -
Und nun habe ich Ihnen
gesagt, was die heilige Pflicht mir gebietet. Gebe Gott Ihnen die Kraft,
den Schritt zurück zu tun ins lichte Reich der geoffenbarten
Gotteswahrheit, ins Reich des Herrn auf Erden, in die heilige katholische
Kirche!
Spittal, 4. August 1904 Guido Zernatto, Benefiziat und Kaplan |
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