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Kärntner Transmigran-ten
stoßen zu den Hutterern in Winz |
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Die Hochblüte
der Hutterer in Winz war - wie bereits
geschildert - allerdings schon längere Zeit vorüber, als die Kärntner
Transmigranten 1756 zu den Hutterern in Winz
stießen. Aber in den wichtigsten
Glaubensgrundsätzen stimmte man noch überein, ihre Predigten
gefielen und ihre Schriften wurden gern gelesen.
Daher scheint es logisch,
dass diese kleine Gruppe von Transmigranten
aus Kärnten (23 Männer, 16 Frauen und 22 Kinder) freudig
aufgenommen wurden.
Auf ihre Vorhaltungen
hin führte die Gemeinschaft wieder die Gütergemeinschaft ein
und wurden schließlich auch zu Rettern der geistig und
biologisch zu Grunde gehenden Hutterer in Winz. |
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Gedankengut Jakob Hutters in
Spittal |
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Im Jahre 1529 gefangene
Pustertaler Hutterer berichteten - wie in ihren
Verhörprotokollen im Tiroler Landesarchiv nachzulesen ist - dass sich Jakob Hutter
oft als "aus Spittal stammend" bezeichnete.
Geboren wurde er allerdings
zu einem nicht mehr bekannten Zeitpunkt
in Moos,
einem kleinen Weiler in der Nähe von St. Lorenzen bei
Bruneck im
Pustertal
(das geht zumindest aus seinen Gerichtsakten so hervor).
Die Selbstbezeichnung
"aus Spittal stammend" deutet möglicherweise darauf hin, dass er
einige Zeit in oder um Spittal gelebt hat und auf diese
Weise entweder selber die "Hutterische Lehre" nach
Spittal und
seine umliegenden Bauerngemeinden gebracht hat oder von
Täufern aus Amlach und Umgebung
übernommen hat.
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Widerstand von den
protestantischen Pastoren |
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Die Idee einer
Vereinigung der Kärntner Hutterer mit den Hutterern auf ihren Bruderhöfen
gefiel den etablierten
lutherischen Pastoren überhaupt nicht.
So gab es zahlreiche
Interventionen beim Lokalfürsten, die neu hinzu gekommenen Hutterer
auf mehrere Brüderhöfe aufzuteilen, um ein "einseitiges Zunehmen
einzelner Gemeinschaften an wirtschaftlicher Kraft zu verhindern und allen
die gleiche Chance zur Entwicklung zu lassen", was ihnen schließlich auch
gelang. Die Transmigranten wurden auf mehrere Brüderhofe aufgeteilt und es
wurde ihnen verboten, auf den Bruderhof in Winz
zurück zu kehren.
In Wirklichkeit wollten die
Pastoren aber durch dieses Auseinanderreißen der Gruppe den Geist
der Transmigranten brechen, was ihnen aber nicht gelang.
Im Gegenteil: die auf mehrere Höfe verteilten
Hutterer brachten ihre besondere Sicht des Evangeliums überall hin mit
und prägten die Gemeinschaften geistlich neu. |
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Die Transmigranten bleiben
standhaft |
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Daran konnten auch die
zusätzlich von Maria Theresia nach Siebenbürgen
geschickten katholischen Missionare nichts ändern.
Mathias Hofer aus St. Peter bei Spittal
behauptete öffentlich, die Lehre der in
Siebenbürgen predigenden evangelischen Pastoren sei
unbiblisch, verdorben, und widerspreche in vielen
Punkten dem Evangelium. Weil er entgegen der Weisung auf den
Bruderhof in Winz zurückkehrte, wurde er schließlich
verhaftet und 15 Jahre eingekerkert.
Ebenso erging es
Rosina Pichler aus Spittal, welche Matthias
Hofer nach Winz begleitet hatte, und Michael
Hofer aus Amlach, sowie Johann Amlacher
aus St. Peter
bei Spittal, die viele Jahre lang in Hermannstadt
eingekerkert wurden.
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Immer schwierigere
Lebensbedingungen
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Die zunehmende
politische Einflussnahme des Wiener Hofes in
Siebenbürgen machte es für die Gemeinschaft der
Hutterer immer schwieriger, nach ihren Prinzipien zu leben. So entschloss man
sich, weiter im Osten ein neues Siedlungsgebiet zu suchen.
Eine solche Möglichkeit
bestand darin, in die
damals unter türkischer Verwaltung stehenden Walachei
(einem Teil des heutigen Rumäniens) zu fliehen. Dies
deshalb, weil die Hutterer gehört hatten, dass der türkische Sultan
niemanden wegen eines anderen Religionsbekenntnisses
verfolgte. Auch der Boden sei fruchtbar, und gutes Wasser gebe es
angeblich auch.
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Die neue "Heimat" |
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Im Oktober 1767 brachen sie
in einer Nacht- und Nebelaktion fluchtartig auf und machten sich auf den
Weg über das Gebirge. Leider erwiesen sich die Erwartungen
an die neue Heimat als Trugbild.
Die Transmigranten
vertrugen das feuchte Klima sehr schlecht, auch das
Wasser bekam ihnen nicht. Dazu kamen die langen und
strengen Winter und die brütend heißen, fast
tropischen Sommer. Viele Aussiedler erkrankten an
Lungenentzündung und Malaria.
Im Jahr 1769 brach zu allem
Unglück auch noch ein Krieg zwischen Russland
und der Türkei aus. Die Lebensbedingungen
wurden durch die ständigen Überfälle ausgehungerter
russischer Truppen immer schwieriger, so dass die
Hutterer gezwungen waren, sich um Hilfe an den russischen
General Michail Zamijatin zu wenden, der sich gerade in Bukarest
aufhielt. Von ihm bekamen sie einen Schutzbrief, der sie vor
Übergriffen durch russische Truppen schützen sollte.
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Weiterzug nach
Russland |
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Die Hutterer
beschlossen, im April 1770 nach Russland
weiter zu ziehen und formierten einen Treck mit fünf
Ochsenwagen, Kühen, Kälbern und Schafen. Die Gruppe der
Auswanderer war inzwischen auf weniger als 70 zusammen
geschmolzen.
Sie erreichten am
19. Mai die russische Grenzstadt Hotin und meldeten
sich unter Vorweis ihres Schutzbriefes
beim russischen Feldmarschall Graf Rumjanzow Za-Dunaiski.
Beeindruckt von ihrem Mut bot er ihnen sofort an, dass sie
sich in der Ukraine ansiedeln könnten.
Anfang August 1770
erreichten sie schließlich den ihnen zugewiesenen Ort
Wirschinka an der Desna. Dieser Ort liegt
ungefähr 300km nördlich von Kiew, das ist etwa das
Gebiet des heutigen Tschernobyl. |
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Sorge um die
Zurückgelassenen |
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Es war ihnen trotz
ihrer schwierigen persönlichen Lage sofort wichtig, sich um die
Freilassung der noch immer inhaftierten Schwestern und
Brüder zu kümmern. Matthias Hofer saß ja seit 1757,
drei Glaubensschwestern seit 1759, sechs weitere Personen seit
ihrer Flucht 1767 im Gefängnis in Hermannstadt.
1771 erlaubte
Maria Theresia endlich ihre Freilassung.
Durch Verzögerungstaktik der örtlichen
Behörden und durch Einflussnahme feindlich
gesinnter lutherischer Pastoren kamen sie aber erst
im März 1773 frei und reisten sofort nach Wirschinka. |
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Der Neubeginn |
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In Wirschinka
wurde sofort mit dem Bau eines Bruderhofes begonnen und versucht,
die hutterischen Regeln in die Tat umzusetzen.
Hierbei hatte der
inzwischen freigelassene Matthias Hofer in
besonderer Weise hervorgetan. Aber die lange Haft
hatte seinen Charakter stark verändert.
Er war zum asketischen Eigenbrötler geworden. In
den langen Jahren der Haft hatte angeblich die ganze
Bibel auswendig gelernt und wollte jedes Detail der
Heiligen Schrift in ihrem Gemeinwesen angewendet
sehen.
Er verlangte z. B.,
dass alle Bewohner gemäß Ps. 119 um
Mitternacht aufstehen und zum gemeinsamen Gebet
zusammenkommen sollten. Dies stieß nicht auf ungeteilte
Zustimmung und führte zu mancherlei Konflikten.
Diese Spannungen zwischen ihm und seinen Glaubensgenossen lösten
sich erst durch seinen Übertritt zu den
nordamerikanischen Quäkern*) nach ihrer Auswanderung
nach Nordamerika.
*) Die "Religiöse Gesellschaft der Freunde", so die
offizielle Bezeichnung der Quäker, ist eine
Religionsgemeinschaft christlichen Ursprungs, die vor allem in den
englischsprachigen Teilen der Welt sowie in einigen Staaten
Lateinamerikas und Afrikas verbreitet ist. Sie entstand in der
Mitte des 17. Jahrhunderts im Nordwesten Englands.
Als Gründer der Quäkerbewegung wird
George Fox (1624–1691),
ein Handwerker und Laienprediger, angesehen. Der Name Quäker
- ursprünglich ein Spottname - stammt vom englischen to quake,
beben/zittern und bezog sich auf ihre körperliche
Ergriffenheit beim Beten. Signifikant ist das Schweigen und Hören
auf Gottes Stimme in ihren Gottesdiensten.
Zusammen mit den Mennoniten und der "Church of the
Brethren" (eine im 19. Jhdt. entstandene evangelikale
Brüdergemeinde) zählen die Quäker zu den
„historischen
Friedenskirchen“. |
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Sendboten werden
abgelehnt |
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Die Hutterer
in Wirschinka mussten die Erfahrung machen,
dass ihre Art zu leben, ihre persönliche Besitzlosigkeit und ihre
Lebensprinzipien für die Daheimgebliebenen keine
Anziehungskraft mehr ausstrahlte.
Als man
Abgesandte nach Kärnten schickte, um
Verwandte und Bekannte zur
Übersiedlung nach Wirschinka zu ermutigen,
erlebten diese Werber strikte Ablehnung. |
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Neuerlich
Verschlechterung ihrer Situation |
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Als ihr Förderer
Feldmarschall Graf Rumjanzow gestorben war,
verweigerten die Erben die Verlängerung ihres Pachtvertrages.
Zar Alexander I. stellte ihnen darauf hin Land
aus dem Besitz der russischen Krone
zur Verfügung.
Bemerkenswert ist
auch hier die Vorgangweise der Hutterer.
Ohne zu murren begannen sie im März 1802 ihre Holzgebäude
abzutragen und Stück für Stück in das 15km entfernte
Raditschewa zu schleppen. Dort wurden die Gebäude wieder
aufgebaut.
In diesem neu
entstandenem Bruderhof lebten jetzt bereits über
200 Menschen in diesmal schon gemauerten
Wohnhäusern.
Ab und zu besuchen
Theologen aus Deutschland diese
Siedlung und waren sich in ihrem Urteil einig: die gesamte Anlage
macht einen geordneten und gesunden Eindruck.
Allerdings wird auch die ungewöhnliche Starrheit und
Stille der Kinder erwähnt.
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Spaltungen treten
auf |
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Die neue Ansiedlung
gedieh und alles schien in bester Ordnung
zu sein. Aber der immer größer werdende Wohlstand
verführte einige Mitglieder der Gemeinschaft, mehr an ihre
eigene Familie als an die Gemeinschaft im
Ganzen zu denken. "Der Satan säte Eigennutz und Untreue unter
den Weizen des Herrn, weil die Gemeinschaft schlief",
sagte der spätere Chronist der Huttererbewegung in Russland, Erwin
Kleinsasser.
Einige Älteste
der Gemeinschaft forderten die Abweichler
auf, den eingeschlagenen Weg zu verlassen und wieder zu den
Prinzipien der Gütergemeinschaft zurückzukehren,
doch trafen diese ernsten Worte auf taube Ohren.
Es kam in der Folge
zu regelrechten Revolten gegen die Ältesten, die sich der
Erhaltung ihrer hutterischen Traditionen verpflichtet
fühlten. Dies wollte diese Gruppe aber nicht akzeptieren. Als
Folge davon spaltete sich die Gemeinschaft.
Eine Gruppe mit
insgesamt rund 30 Familien, bestehend aus mehr als
140 Personen verließ damals die Bruderhöfe
in Raditschewa. Die hutterische Gemeinschaft
war aber nicht bereit, für die von ihnen in der Vergangenheit für
die Gemeinschaft geleistete Arbeit eine Abfindung zu
bezahlen.
Die Aussiedler
traten daraufhin an die Regierung heran und
beschwerten sich bitter. Die hutterische
Gemeinschaft musste die geleistete Arbeit diese
Personen auf Erlass der Regierung
schließlich mit jeweils 400 Rubel abfinden. |
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Abermalige Umsiedlung |
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Nach dieser
zahlenmäßigen und geistlichen Ausdünnung verließen
auch die restlichen noch verbliebenen Hutterer die
Siedlung in Raditschewa und zog auf der Suche nach
neuem Siedlungsgebiet in das von einem Gouverneur
verwaltete Gebiet von Tschernigow in der Nähe des
Asowschen Meeres, nahe der heutigen Stadt Mariupol. |
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Asowsches Meer |
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Schwarzes und Asowsches Meer
Satellitensaufnahme von Google earth
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Rascher Aufschwung |
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Von der
Regierung Russlands erhielt jede Familie ein Areal
von 70ha zur Verfügung gestellt. Sofort begannen die
Hutterer mit dem Bau von Häusern und der
Bestellung der Felder. Die neue Siedlung nannten sie "Huttertal".
Schon bald gab es
wieder ein blühendes Gemeinwesen, sodass neue
Kolonien gegründet werden mussten. 1852 wurde
Johannisruh, etwa 60 km nördlich gelegen, gegründet;
Neuhutterdorf am östlichen Ausläufer des Asowschen
Meeres folgte 1854, Neuhutterdorf und
Neu-Huttertal - im Norden und Nordosten
von Huttertal liegend - folgten 1856.
1859 wurde von den
Hutterern Michael Waldner ("Schmied Michel"
genannt), gemeinsam mit Jakob und Georg Hofer,
alles Abkömmlinge der Kärntner Transmigranten, in Hutterdorf
(eine im Jahr 1858 gegründete weitere Siedlung) wieder eine
Gemeinschaft mit Gütergemeinschaft
nach urchristlichem Vorbild) begründet.
Diese Gruppe bekam
später den Namen "Die Schmiedleut´" und existiert
und wächst bis heute in ihrem späteren Auswanderungsziel
Kanada.
Weitere
Familiengruppen wie die "Dariusleut´" oder die
"Lehrersleut´" folgten ihnen in die neue Heimat
Kanada. |
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Ein neuer Zar mit neuen Ansichten |
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Alexander II.
erklärte im Jahr 1870 alle Privilegien der
Ansiedler in seinem Reich für aufgehoben. Ab sofort
solle die russische Sprache als Pflichtfach
in allen Schulen eingeführt werden. Weiters wurde
die für die Ansiedler geltende Befreiung vom
Militärdienst aufgehoben.
Für die
Hutterer als erklärte Pazifisten war
Militärdienst in der Armee des Zaren undenkbar. Sie
suchten sofort über dort ansässige Freunde und Brüder nach neuen
Siedlungsmöglichkeiten in den USA, in
Südamerika, in Australien und in
Kanada. "Möglichst weit weg aus der Alten Welt mit ihren
Unrechtsstaaten!", schrieb Balthasar Schmied
an einen mennonitischen Bruder in Kanada... |
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Eine neue Heimat - wird man hier endlich zur Ruhe kommen? |
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Ihre Wahl fiel
schließlich auf die USA. 1874 siedelten sich 123
Personen der "Schmiedleut´" in Süddakota direkt am
Missouriufer an. Dort konnten sie ein 2.500 acre
großes Grundstück für $ 25.000,- erwerben und schließlich bebauen.
Die "Lehrersleut´"
kamen vollzählig 1875 nach und siedelten sich etwas weiter
nördlich an.
Ihnen folgten bald
die meisten Mitglieder der "Dariusleut´" nach, die sich
nach mehreren anderen Versuchen schließlich wieder am James River
ansiedelten. Das geschah endgültig 1877.
Etwa 30 Jahre
konnten sie bis zum Ausbruch des Ersten
Weltkrieges 1914 ein ruhiges Leben nach den Prinzipien
ihres Glaubens leben. |
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Die Situation der
Übersiedler |
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Über Hamburg
und New York waren die Hutterer
nach Süd Dakota gekommen, wo sie sich wieder
ansiedelten.
Von den 1265
Übersiedlern gehörten aber nur rund 400
Personen den Hutterern an. Diese bildeten
eigene Gemeinden, aus denen sich alle heutigen
Gemeinden entwickelten.
Die übrigen
Übersiedler nahmen den Homestead Act*) in
Anspruch und gingen als Prärieleute privat der
Landwirtschaft nach. Die Prärieleute konnten keine gemeinsame
Kultur bewahren; viele von ihnen schlossen sich im Laufe der Zeit
den Mennoniten an.
*) Der Homestead Act (dt. auch:
Heimstättengesetz) ist ein 1862 in den USA erlassenes
Gesetz zum Landerwerb.
Es erlaubte
jeder Person über 21 Jahren, sich auf einem bis dahin
unbesiedelten Stück Land niederzulassen, sich ein 160 acre
(ein acre betrug 4000m², also insgesamt etwa 640.000 m²) großes Land abzustecken und zu bewirtschaften.
Nach einer
Dauer von fünf Jahren wurde der Siedler dann zum
Eigentümer. Diese Frist konnte durch Bezahlen von $1.25 pro
acre Land (insgesamt also $200) auf 6 Monate verkürzt werden.
Das Gesetz wurde am 20. Mai 1862 von
Präsident Lincoln unterzeichnet. |
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Der Erste Weltkrieg und seine Folgen |
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Der Erste
Weltkrieg und die damit auch in den USA ausbrechende
allgemeine Kriegshysterie setzte ihnen schwer
zu. Immerhin waren sie ja schon zu einer beachtlichen Größe
angewachsen. In den USA allein erhielten und betrieben sie
ca. 20 Bruderhöfe, davon zwei als reine
Viehzuchtbetriebe.
Durch ihre
ablehnende Haltung gegenüber Militärdienst
und Kriegshandlungen generell gerieten sie in
schwere Auseinandersetzungen mit Anhängern eines
militanten US-Nationalstolzes. Es kam immer wieder
zu Übergriffen auf Mitglieder, sie wurden in einigen
Städten auch öffentlich beschimpft und
geächtet (hier spielt aber wohl auch eine gewisse
Konkurrenzsituation und der Neid auf ihre
florierenden landwirtschaftlichen Betriebe eine
gewisse Rolle. |
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Mord an zwei Hutterern |
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Im Verlauf des
Ersten Weltkrieges kam es laufend zu
Ausschreitungen gegen die deutsch sprechenden
Hutterer. Sie wurden als den Deutschen
zugehörig empfunden, außerdem lehnten sie es ab, den
Militärdienst auszuüben.
Zwei junge
Hutterer starben, weil sie sich weigerten, Uniformen
anzuziehen und deshalb im Winter viele Stunden nackt im
Freien verbringen mussten. Ein anderer Glaubensbruder,
Michael Hofer, starb 1918 in einem US-Gefängnis.
Der Großteil der
Hutterer hielt dieser
Verfolgungssituation stand, doch einige Bruderhöfe brachen nach
Kanada auf, wo man sich größere
Freiheit und gerechtere Lebensbedingungen erwartete. |
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Neue Kolonien in Kanada |
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Die von den ausgewanderten Hutterer neu gegründeten Kolonien
befinden sich heute vor allem in den Provinzen
British-Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba |
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Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen |
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Während des
Ersten Weltkrieges war also kein Hutterer
dazu zu bewegen, eine Uniform anzuziehen und mit
einer Waffe ins aktive Kampfgeschehen
einzugreifen. Dagegen leisteten eine ganze Menge von ihnen während
des Zweiten Weltkrieges einen freiwilligen
Wehrersatzdienst, vor allem im Sanitätskorps
und Feldlazaretten. |
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Ein Neubeginn in Deutschland |
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Als der blutige
Erste Weltkrieg endlich geendet hatte, nahm die Zahl
der Hutterer beträchtlich zu. Inwieweit die
strikte Wehrdienstverweigerung der Hutterer
daran mitgewirkt hat, kann man nur ahnen, aber es ist gut
vorstellbar am Ende eines von allen Seiten so erbittert geführten
Krieges.
Auch in
Deutschland finden sich plötzlich Menschen, die nach den
hutterischen Regeln leben und arbeiten wollten.
Der erste
Bruderhof wird in Deutschland 1920 auf den
Gründen und in den Gebäuden der aufgegebenen Sparhöfe
über Grundhelm gegründet.
Eberhard
und Emmy Arnold gründeten im so genannten
"Bergwinkel", "wo
Rhön, Spessart und Vogelsberg aufeinander treffen"
- so ein deutscher
Hutterer an einen Glaubensbruder in Kanada - die erste hutterische
Gemeinschaft Deutschlands, welche schließlich 1930 in den
"Hutterischen Gemeinschaftsbund" aufgenommen wird |
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Vertreibung und
Rückkehr |
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Nach der
Machtergreifung der Nationalsozialisten in
Deutschland war es nur eine Frage der Zeit, bis man die
Hutterer in Deutschland aus dem Land jagte und
ihre Höfe beschlagnahmte. Die Vertriebenen
errichteten neue Bruderhöfe in England, einige
gingen sogar bis nach Paraguay.
Nach dem
Zusammenbruch des nationalsozialistischen
Terrorsystems kehrten einige Hutterer wíeder
nach Deutschland zurück.
Heute gibt es sogar
einen Bruderhof in Japan auf der
Hauptinsel Honshu, und zwar in der Stadt Owa nördlich von Tokio.
Es ist schon
erstaunlich, wenn man die demografische Enzwicklung
der Hutterer betrachtet. Aus einer Handvoll
Menschen von knapp über 60 Kärntner Hutterern
wuchs im Laufe der Jahre allein durch Nachwuchs aus den
eigenen Reihen die Bevölkerung einer
mittleren Stadt mit rd. 40.000 Menschen heran. |
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Tradition und
Modernismus |
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Das Erleben der sie
umgebenden Wirtschaftssysteme bewirkte ein langsames
Aufweichen der tradierten Lebensform. Obwohl
die Hutterer den oft zitierten "American Way of
Life" nie annahmen, wurden sie doch bis zu einem gewissen Grad
Nordamerikaner.
Dies stimmt
allerdings nur in ihrer Eigenwahrnehmung, für die sie
umgebende
Gesellschaft blieben sie die rückständigen mittelalterlichen etwas
komischen Spinner.
Diese
Einschätzung kann man besonders gut in
US-amerikanischen
Comedyserien beobachten.
Fast keine dieser seichten Unterhaltungsserien verzichtet darauf,
irgendwann einmal einen Hutterer oder einen
Prediger der "Armish people" (einer noch
strikter an mittelalterlichen Lebensformen festhaltenden Sekte,
die Strom, Radio, Fernsehen ablehnt und keine Autos zulässt)
auftreten zu lassen (z. B. in "Desperate Housewifes",
den "Golden Girls"
oder "Horch mal, wer
da hämmert") und andere mehr.
Dieser verkörpert
dann meist einen weltfremden und beschränkten Spinner, der
überhaupt nichts kapiert hat, wie es im angeblichen "wahren Leben"
so zugeht... |
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Assimilierung oder
Tradition? |
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In deutlicher
Abgrenzung zu den österreichischen und
deutschen Einwanderern in die USA, welche im harten
Alltag des Pionierdaseins und in kriegerischen
Auseinandersetzungen ihre Lebensform und
teilweise auch ihre Kultur aufgaben, bewahrten die
Hutterer ihre Formen. Bis hinein in
die mittelalterliche Sprache mit dialektgefärbtem
Wortschatz und ihrer beinahe unveränderten Bekleidungsform
geben sie Sichtbares und Unsichtbares
den Generationen bis heute weiter. |
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Der Fluss der Zeit |
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So manches ging an
ihnen vorüber, und manches kam bei ihnen auch in Fluss. Der
Lebensstandard stieg, die Höfe wurden mehr und mehr
technisiert, Wertvorstellungen änderten sich - aber
nicht ihre Ideale aus der
Vergangenheit.
Durch das
Bewusstsein
einer bestimmten Form der Auserwählung,
verpackt in radikale und idealistische
Regeln und Lehren haben sie bis heute
überlebt.
Sie bestanden und
überstanden alle Verfolgungen und leben heute noch
streng nach den Worten des Evangeliums
und hier besonders den Regeln der
Bergpredigt. |
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Huttererleben heute |
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