Hutterer, Täufer und Wiedertäufer 2

 

 

Kärntner Transmigran-ten stoßen zu den Hutterern in Winz

 

Die Hochblüte der Hutterer in Winz war - wie bereits geschildert - allerdings schon längere Zeit vorüber, als die Kärntner Transmigranten 1756 zu den Hutterern in Winz stießen. Aber in den wichtigsten Glaubensgrundsätzen stimmte man noch überein, ihre Predigten gefielen und ihre Schriften wurden gern gelesen.

Daher scheint es logisch, dass diese kleine Gruppe von Transmigranten aus Kärnten (23 Männer, 16 Frauen und 22 Kinder) freudig aufgenommen wurden.

Auf ihre Vorhaltungen hin führte die Gemeinschaft wieder die Gütergemeinschaft ein und wurden schließlich auch zu Rettern der geistig und biologisch zu Grunde gehenden Hutterer in Winz.

 
       
Gedankengut Jakob Hutters in Spittal  

Im Jahre 1529 gefangene Pustertaler Hutterer berichteten - wie in ihren Verhörprotokollen im Tiroler Landesarchiv nachzulesen ist - dass sich Jakob Hutter oft als "aus Spittal stammend" bezeichnete.

Geboren wurde er allerdings zu einem nicht mehr bekannten Zeitpunkt in Moos, einem kleinen Weiler in der Nähe von St. Lorenzen bei Bruneck im Pustertal (das geht zumindest aus seinen Gerichtsakten so hervor).

Die Selbstbezeichnung "aus Spittal stammend" deutet möglicherweise darauf hin, dass er einige Zeit in oder um Spittal gelebt hat und auf diese Weise entweder selber die "Hutterische Lehre" nach Spittal und seine umliegenden Bauerngemeinden gebracht hat oder von Täufern aus Amlach und Umgebung übernommen hat.

 

 

 

 

 

Widerstand von den protestantischen Pastoren

 

Die Idee einer Vereinigung der Kärntner Hutterer mit den Hutterern auf ihren Bruderhöfen gefiel den etablierten lutherischen Pastoren überhaupt nicht.

So gab es zahlreiche Interventionen beim Lokalfürsten, die neu hinzu gekommenen Hutterer auf mehrere Brüderhöfe aufzuteilen, um ein "einseitiges Zunehmen einzelner Gemeinschaften an wirtschaftlicher Kraft zu verhindern und allen die gleiche Chance zur Entwicklung zu lassen", was ihnen schließlich auch gelang. Die Transmigranten wurden auf mehrere Brüderhofe aufgeteilt und es wurde ihnen verboten, auf den Bruderhof in Winz zurück zu kehren.

In Wirklichkeit wollten die Pastoren aber durch dieses Auseinanderreißen der Gruppe den Geist der Transmigranten brechen, was ihnen aber nicht gelang. Im Gegenteil: die auf mehrere Höfe verteilten Hutterer brachten ihre besondere Sicht des Evangeliums überall hin mit und prägten die Gemeinschaften geistlich neu.

 

 

 

 

 

Die Transmigranten bleiben standhaft

 

Daran konnten auch die zusätzlich von Maria Theresia nach Siebenbürgen geschickten katholischen Missionare nichts ändern.

Mathias Hofer aus St. Peter bei Spittal behauptete öffentlich, die Lehre der in Siebenbürgen predigenden evangelischen Pastoren sei unbiblisch, verdorben, und widerspreche in vielen Punkten dem Evangelium. Weil er entgegen der Weisung auf den Bruderhof in Winz zurückkehrte, wurde er schließlich verhaftet und 15 Jahre eingekerkert.

Ebenso erging es Rosina Pichler aus Spittal, welche Matthias Hofer nach Winz begleitet hatte, und Michael Hofer aus Amlach, sowie Johann Amlacher aus St. Peter bei Spittal, die viele Jahre lang in Hermannstadt eingekerkert wurden.

 

 

 

 

 

Immer schwierigere

Lebensbedingungen

 

 

Die zunehmende politische Einflussnahme des Wiener Hofes in Siebenbürgen machte es für die Gemeinschaft der Hutterer immer schwieriger, nach ihren Prinzipien zu leben. So entschloss man sich, weiter im Osten ein neues Siedlungsgebiet zu suchen.

Eine solche Möglichkeit bestand darin, in die damals unter türkischer Verwaltung stehenden Walachei (einem Teil des heutigen Rumäniens) zu fliehen. Dies deshalb, weil die Hutterer gehört hatten, dass der türkische Sultan niemanden wegen eines anderen Religionsbekenntnisses verfolgte. Auch der Boden sei fruchtbar, und gutes Wasser gebe es angeblich auch.

 

 

 

 

 

Die neue "Heimat"

 

Im Oktober 1767 brachen sie in einer Nacht- und Nebelaktion fluchtartig auf und machten sich auf den Weg über das Gebirge. Leider erwiesen sich die Erwartungen an die neue Heimat als Trugbild.

Die Transmigranten vertrugen das feuchte Klima sehr schlecht, auch das Wasser bekam ihnen nicht. Dazu kamen die langen und strengen Winter und die brütend heißen, fast tropischen Sommer. Viele Aussiedler erkrankten an Lungenentzündung und Malaria.

Im Jahr 1769 brach zu allem Unglück auch noch ein Krieg zwischen Russland und der Türkei aus. Die Lebensbedingungen wurden durch die ständigen Überfälle ausgehungerter russischer Truppen immer schwieriger, so dass die Hutterer gezwungen waren, sich um Hilfe an den russischen General Michail Zamijatin zu wenden, der sich gerade in Bukarest aufhielt. Von ihm bekamen sie einen Schutzbrief, der sie vor Übergriffen durch russische Truppen schützen sollte.

 

       
Weiterzug nach Russland   Die Hutterer beschlossen, im April 1770 nach Russland weiter zu ziehen und formierten einen Treck mit fünf Ochsenwagen, Kühen, Kälbern und Schafen. Die Gruppe der Auswanderer war inzwischen auf weniger als 70 zusammen geschmolzen.

Sie erreichten am 19. Mai die russische Grenzstadt Hotin und meldeten sich unter Vorweis ihres Schutzbriefes beim russischen Feldmarschall Graf Rumjanzow Za-Dunaiski. Beeindruckt von ihrem Mut bot er ihnen sofort an, dass sie sich in der Ukraine ansiedeln könnten.

Anfang August 1770 erreichten sie schließlich den ihnen zugewiesenen Ort Wirschinka an der Desna. Dieser Ort liegt ungefähr 300km nördlich von Kiew, das ist etwa das Gebiet des heutigen Tschernobyl.

 
       
Sorge um die Zurückgelassenen  

Es war ihnen trotz ihrer schwierigen persönlichen Lage sofort wichtig, sich um die Freilassung der noch immer inhaftierten Schwestern und Brüder zu kümmern. Matthias Hofer saß ja seit 1757, drei Glaubensschwestern seit 1759, sechs weitere Personen seit ihrer Flucht 1767 im Gefängnis in Hermannstadt.

1771 erlaubte Maria Theresia endlich ihre Freilassung. Durch Verzögerungstaktik der örtlichen Behörden und durch Einflussnahme feindlich gesinnter lutherischer Pastoren kamen sie aber erst im März 1773 frei und reisten sofort nach Wirschinka.

 
       
Der Neubeginn  

In Wirschinka wurde sofort mit dem Bau eines Bruderhofes begonnen und versucht, die hutterischen Regeln in die Tat umzusetzen.

Hierbei hatte der inzwischen freigelassene Matthias Hofer in besonderer Weise hervorgetan. Aber die lange Haft hatte seinen Charakter stark verändert. Er war zum asketischen Eigenbrötler geworden. In den langen Jahren der Haft hatte angeblich die ganze Bibel auswendig gelernt und wollte jedes Detail der Heiligen Schrift in ihrem Gemeinwesen angewendet sehen.

Er verlangte z. B., dass alle Bewohner gemäß Ps. 119 um Mitternacht aufstehen und zum gemeinsamen Gebet zusammenkommen sollten. Dies stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung und führte zu mancherlei Konflikten. Diese Spannungen zwischen ihm und seinen Glaubensgenossen lösten sich erst durch seinen Übertritt zu den nordamerikanischen Quäkern*) nach ihrer Auswanderung nach Nordamerika.


*) Die "Religiöse Gesellschaft der Freunde", so die offizielle Bezeichnung der Quäker, ist eine Religionsgemeinschaft christlichen Ursprungs, die vor allem in den englischsprachigen Teilen der Welt sowie in einigen Staaten Lateinamerikas und Afrikas verbreitet ist. Sie entstand in der Mitte des 17. Jahrhunderts im Nordwesten Englands.

Als Gründer der Quäkerbewegung wird George Fox (1624–1691), ein Handwerker und Laienprediger, angesehen. Der Name Quäker - ursprünglich ein Spottname - stammt vom englischen to quake, beben/zittern und bezog sich auf ihre körperliche Ergriffenheit beim Beten. Signifikant ist das Schweigen und Hören auf Gottes Stimme in ihren Gottesdiensten.

Zusammen mit den Mennoniten und der "Church of the Brethren" (eine im 19. Jhdt. entstandene evangelikale Brüdergemeinde) zählen die Quäker zu den „historischen Friedenskirchen“.

 
       
Sendboten werden abgelehnt   Die Hutterer in Wirschinka mussten die Erfahrung machen, dass ihre Art zu leben, ihre persönliche Besitzlosigkeit und ihre Lebensprinzipien für die Daheimgebliebenen keine Anziehungskraft mehr  ausstrahlte.

Als man Abgesandte nach Kärnten schickte, um Verwandte und Bekannte zur Übersiedlung nach Wirschinka zu ermutigen, erlebten diese Werber strikte Ablehnung.

 
       
Neuerlich Verschlechterung ihrer Situation  

Als ihr Förderer Feldmarschall Graf Rumjanzow gestorben war, verweigerten die Erben die Verlängerung ihres Pachtvertrages. Zar Alexander I. stellte ihnen darauf hin Land aus dem Besitz der russischen Krone zur Verfügung.

Bemerkenswert ist auch hier die Vorgangweise der Hutterer. Ohne zu murren begannen sie im März 1802 ihre Holzgebäude abzutragen und Stück für Stück in das 15km entfernte Raditschewa zu schleppen. Dort wurden die Gebäude wieder aufgebaut.

In diesem neu entstandenem Bruderhof lebten jetzt bereits über 200 Menschen in diesmal schon gemauerten Wohnhäusern.

Ab und zu besuchen Theologen aus Deutschland diese Siedlung und waren sich in ihrem Urteil einig: die gesamte Anlage macht einen geordneten und gesunden Eindruck. Allerdings wird auch die ungewöhnliche Starrheit und Stille der Kinder erwähnt.

 
       
Spaltungen treten auf   Die neue Ansiedlung gedieh und alles schien in bester Ordnung zu sein. Aber der immer größer werdende Wohlstand verführte einige Mitglieder der Gemeinschaft, mehr an ihre eigene Familie als an die Gemeinschaft im Ganzen zu denken. "Der Satan säte Eigennutz und Untreue unter den Weizen des Herrn, weil die Gemeinschaft schlief", sagte der spätere Chronist der Huttererbewegung in Russland,  Erwin Kleinsasser.

Einige Älteste der Gemeinschaft forderten die Abweichler auf, den eingeschlagenen Weg zu verlassen und wieder zu den Prinzipien der Gütergemeinschaft zurückzukehren, doch trafen diese ernsten Worte auf taube Ohren.

Es kam in der Folge zu regelrechten Revolten gegen die Ältesten, die sich der Erhaltung ihrer hutterischen Traditionen verpflichtet fühlten. Dies wollte diese Gruppe aber nicht akzeptieren. Als Folge davon spaltete sich die Gemeinschaft.

Eine Gruppe mit insgesamt rund 30 Familien, bestehend aus mehr als 140 Personen verließ damals die Bruderhöfe in Raditschewa. Die hutterische Gemeinschaft war aber nicht bereit, für die von ihnen in der Vergangenheit für die Gemeinschaft geleistete Arbeit eine Abfindung zu bezahlen.

Die Aussiedler traten daraufhin an die Regierung heran und beschwerten sich bitter. Die hutterische Gemeinschaft musste die geleistete Arbeit diese Personen auf Erlass der Regierung schließlich mit jeweils 400 Rubel abfinden.

 
       

Abermalige Umsiedlung

  Nach dieser zahlenmäßigen und geistlichen Ausdünnung verließen auch die restlichen noch verbliebenen Hutterer die Siedlung in Raditschewa und zog auf der Suche nach neuem Siedlungsgebiet in das von einem Gouverneur verwaltete Gebiet von Tschernigow in der Nähe des Asowschen Meeres, nahe der heutigen Stadt Mariupol.  
       

Asowsches Meer

        
   

                Schwarzes und Asowsches Meer                                   Satellitensaufnahme  von Google earth   

 
       

Rascher Aufschwung

  Von der Regierung Russlands erhielt jede Familie ein Areal von 70ha zur Verfügung gestellt. Sofort begannen die Hutterer mit dem Bau von Häusern und der Bestellung der Felder. Die neue Siedlung nannten sie "Huttertal".

Schon bald gab es wieder ein blühendes Gemeinwesen, sodass neue Kolonien gegründet werden mussten. 1852 wurde Johannisruh, etwa 60 km nördlich gelegen, gegründet; Neuhutterdorf am östlichen Ausläufer des Asowschen Meeres folgte 1854, Neuhutterdorf und Neu-Huttertal - im Norden und Nordosten von Huttertal liegend - folgten 1856.

1859 wurde von den Hutterern Michael Waldner ("Schmied Michel" genannt), gemeinsam mit Jakob und Georg Hofer, alles Abkömmlinge der Kärntner Transmigranten, in Hutterdorf (eine im Jahr 1858 gegründete weitere Siedlung) wieder eine Gemeinschaft mit Gütergemeinschaft nach urchristlichem Vorbild) begründet.

Diese Gruppe bekam später den Namen "Die Schmiedleut´" und existiert und wächst bis heute in ihrem späteren Auswanderungsziel Kanada.

Weitere Familiengruppen wie die "Dariusleut´" oder die "Lehrersleut´" folgten ihnen in die neue Heimat Kanada.

 
       

Ein neuer Zar mit neuen Ansichten

  Alexander II. erklärte im Jahr 1870 alle Privilegien der Ansiedler in seinem Reich für aufgehoben. Ab sofort solle die russische Sprache als Pflichtfach in allen Schulen eingeführt werden. Weiters wurde die für die Ansiedler geltende Befreiung vom Militärdienst aufgehoben.

Für die Hutterer als erklärte Pazifisten war Militärdienst in der Armee des Zaren undenkbar. Sie suchten sofort über dort ansässige Freunde und Brüder nach neuen Siedlungsmöglichkeiten in den USA, in Südamerika, in Australien und in Kanada. "Möglichst weit weg aus der Alten Welt mit ihren Unrechtsstaaten!", schrieb Balthasar Schmied an einen mennonitischen Bruder in Kanada...

 
       

Eine neue Heimat - wird man hier endlich zur Ruhe kommen?

 

Ihre Wahl fiel schließlich auf die USA. 1874 siedelten sich 123 Personen der "Schmiedleut´" in Süddakota direkt am Missouriufer an. Dort konnten sie ein 2.500 acre großes Grundstück für $ 25.000,- erwerben und schließlich bebauen.

Die "Lehrersleut´" kamen vollzählig 1875 nach und siedelten sich etwas weiter nördlich an.

Ihnen folgten bald die meisten Mitglieder der "Dariusleut´" nach, die sich nach mehreren anderen Versuchen schließlich wieder am James River ansiedelten. Das geschah endgültig 1877.

Etwa 30 Jahre konnten sie bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 ein ruhiges Leben nach den Prinzipien ihres Glaubens leben.

 
       
Die Situation der Übersiedler  

Über Hamburg und New York waren die Hutterer nach Süd Dakota gekommen,  wo sie sich wieder ansiedelten.

Von den 1265 Übersiedlern gehörten aber nur rund 400 Personen den Hutterern an. Diese bildeten eigene Gemeinden, aus denen sich alle heutigen Gemeinden entwickelten.

Die übrigen Übersiedler nahmen den Homestead Act*) in Anspruch und gingen als Prärieleute privat der Landwirtschaft nach. Die Prärieleute konnten keine gemeinsame Kultur bewahren; viele von ihnen schlossen sich im Laufe der Zeit den Mennoniten an.


*) Der Homestead Act (dt. auch: Heimstättengesetz) ist ein 1862 in den USA erlassenes Gesetz zum Landerwerb.

Es erlaubte jeder Person über 21 Jahren, sich auf einem bis dahin unbesiedelten Stück Land niederzulassen, sich ein 160 acre (ein acre betrug 4000m², also insgesamt etwa 640.000 m²) großes Land abzustecken und zu bewirtschaften.

Nach einer Dauer von fünf Jahren wurde der Siedler dann zum Eigentümer. Diese Frist konnte durch Bezahlen von $1.25 pro acre Land (insgesamt also $200) auf 6 Monate verkürzt werden.

Das Gesetz wurde am 20. Mai 1862 von Präsident Lincoln unterzeichnet.

 
       

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

  Der Erste Weltkrieg und die damit auch in den USA ausbrechende allgemeine Kriegshysterie setzte ihnen schwer zu. Immerhin waren sie ja schon zu einer beachtlichen Größe angewachsen. In den USA allein erhielten und betrieben sie ca. 20 Bruderhöfe, davon zwei als reine Viehzuchtbetriebe.

Durch ihre ablehnende Haltung gegenüber Militärdienst und Kriegshandlungen generell gerieten sie in schwere Auseinandersetzungen mit Anhängern eines militanten US-Nationalstolzes. Es kam immer wieder zu Übergriffen auf Mitglieder, sie wurden in einigen Städten auch öffentlich beschimpft und geächtet (hier spielt aber wohl auch eine gewisse Konkurrenzsituation und der Neid auf ihre florierenden landwirtschaftlichen Betriebe eine gewisse Rolle.

 
       

Mord an zwei Hutterern

 

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges kam es laufend zu Ausschreitungen gegen die deutsch sprechenden Hutterer. Sie wurden als den Deutschen zugehörig empfunden, außerdem lehnten sie es ab, den Militärdienst auszuüben.

Zwei junge Hutterer starben, weil sie sich weigerten, Uniformen anzuziehen und deshalb im Winter viele Stunden nackt im Freien verbringen mussten. Ein anderer Glaubensbruder, Michael Hofer, starb 1918 in einem US-Gefängnis.

Der Großteil der Hutterer hielt dieser Verfolgungssituation stand, doch einige Bruderhöfe brachen nach Kanada auf, wo man sich größere Freiheit und gerechtere Lebensbedingungen erwartete.

 
       
Neue Kolonien in Kanada   Die von den ausgewanderten Hutterer neu gegründeten Kolonien befinden sich heute vor allem  in den Provinzen British-Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba  
       
Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen   Während des Ersten Weltkrieges war also kein Hutterer dazu zu bewegen, eine Uniform anzuziehen und mit einer Waffe ins aktive Kampfgeschehen einzugreifen. Dagegen leisteten eine ganze Menge von ihnen während des Zweiten Weltkrieges einen freiwilligen Wehrersatzdienst, vor allem im Sanitätskorps und Feldlazaretten.  
       
Ein Neubeginn in Deutschland  

Als der blutige Erste Weltkrieg endlich geendet hatte, nahm die Zahl der Hutterer beträchtlich zu. Inwieweit die strikte Wehrdienstverweigerung der Hutterer daran mitgewirkt hat, kann man nur ahnen, aber es ist gut vorstellbar am Ende eines von allen Seiten so erbittert geführten Krieges.

Auch in Deutschland finden sich plötzlich Menschen, die nach den hutterischen Regeln leben und arbeiten wollten.

Der erste Bruderhof wird in Deutschland 1920 auf den Gründen und in den Gebäuden der aufgegebenen Sparhöfe über Grundhelm gegründet.

Eberhard und Emmy Arnold gründeten im so genannten "Bergwinkel", "wo Rhön, Spessart und Vogelsberg aufeinander treffen" - so ein deutscher Hutterer an einen Glaubensbruder in Kanada - die erste hutterische Gemeinschaft Deutschlands, welche schließlich 1930 in den "Hutterischen Gemeinschaftsbund" aufgenommen wird

 
       

Vertreibung und

Rückkehr

 

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland war es nur eine Frage der Zeit, bis man die Hutterer in Deutschland aus dem Land jagte und ihre Höfe beschlagnahmte. Die Vertriebenen errichteten neue Bruderhöfe in England, einige gingen sogar bis nach Paraguay.

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Terrorsystems kehrten einige Hutterer  wíeder nach Deutschland zurück.

Heute gibt es sogar einen Bruderhof in Japan auf der Hauptinsel Honshu, und zwar in der Stadt Owa  nördlich von Tokio.

Es ist schon erstaunlich, wenn man die demografische Enzwicklung der Hutterer betrachtet. Aus einer Handvoll Menschen von knapp über 60 Kärntner Hutterern wuchs im Laufe der Jahre allein durch Nachwuchs aus den eigenen Reihen die Bevölkerung einer mittleren Stadt mit rd. 40.000 Menschen heran.

 
       
Tradition und Modernismus  

Das Erleben der sie umgebenden Wirtschaftssysteme bewirkte ein langsames Aufweichen der tradierten Lebensform. Obwohl die Hutterer den oft zitierten "American Way of Life" nie annahmen, wurden sie doch bis zu einem gewissen Grad Nordamerikaner.

Dies stimmt allerdings nur in ihrer Eigenwahrnehmung, für die sie umgebende Gesellschaft blieben sie die rückständigen mittelalterlichen etwas komischen Spinner.

Diese Einschätzung kann man besonders gut in US-amerikanischen Comedyserien beobachten. Fast keine dieser seichten Unterhaltungsserien verzichtet darauf, irgendwann einmal einen Hutterer oder einen Prediger der "Armish people" (einer noch strikter an mittelalterlichen Lebensformen festhaltenden Sekte, die Strom, Radio, Fernsehen ablehnt und keine Autos zulässt) auftreten zu lassen (z. B. in "Desperate Housewifes", den "Golden Girls" oder "Horch mal, wer da hämmert") und andere mehr.

Dieser verkörpert dann meist einen weltfremden und beschränkten Spinner, der überhaupt nichts kapiert hat, wie es im angeblichen "wahren Leben" so zugeht...

 
       
Assimilierung oder Tradition?   In deutlicher Abgrenzung zu den österreichischen und deutschen Einwanderern in die USA, welche im harten Alltag des Pionierdaseins und in kriegerischen Auseinandersetzungen ihre Lebensform und teilweise auch ihre Kultur aufgaben, bewahrten die Hutterer ihre Formen. Bis hinein in die mittelalterliche Sprache mit dialektgefärbtem Wortschatz und ihrer beinahe unveränderten Bekleidungsform geben sie Sichtbares und Unsichtbares den Generationen bis heute weiter.  
       
Der Fluss der Zeit   So manches ging an ihnen vorüber, und manches kam bei ihnen auch in Fluss. Der Lebensstandard stieg, die Höfe wurden mehr und mehr technisiert, Wertvorstellungen änderten sich - aber nicht ihre Ideale aus der Vergangenheit.

Durch das Bewusstsein einer bestimmten Form der Auserwählung, verpackt in radikale und idealistische Regeln und Lehren haben sie bis heute überlebt.

Sie bestanden und überstanden alle Verfolgungen und leben heute noch streng nach den Worten des Evangeliums und hier besonders den Regeln der Bergpredigt.

 
       
Huttererleben heute        

 

Eisenkäfige am Kirchturm

für gefangene Täufer

 

Bethlen Gabor

 

Jacob Hutter

 

Maria Theresia

 

Die Luth. Stadtkirche

Hermannstadt

 

 Evang. Stadtkirche innen

 

 Der Keller im Getreide-

speicher am Kornmarkt

war Kerker für Hutterer

 

Stadt mit Festung Hotin

an der russ. Grenze

 

Die Sophienkathedrale

von Kiew

 

George Fox, der Begrün-

der der Quäker

 

 Menno Simons, Gründer

der "Mennoniten"

 

Zar Alexander I. stellt

Land zur Verfügung

 

Delfine im

Asowschen Meer

 

 Grabstein  M. Waldner

 

Zar Alexander II.

 

Gedenktafel an

Michael Hutter

 

Homestead Certificate

zum Landerwerb

 

²

Abraham Lincoln

 

Bruderhof im Bergwinkel (ehemalige Sparhöfe)

über Grundhelm

 

Eberhard und

Emmy Arnold

 

Wegweiser zu einem Bruderhof"Oak Bluff

Colony" Canada

 

Hutterer-Frauen beim gemeinsamen Abwasch

 

Hutterer-Frauen in Deutschland 1933

 

 

 

Unterseiten:

Hutterer, Täufer und Wiedertäufer 1

Hutterer, Täufer und Wiedertäufer 2

Jakob Hutter und die Täuferbewegung 1

Jakob Hutter und die Täuferbewegung 2

Jakob Hutter und die Täuferbewegung 3