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Landeskirchen entstehen
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Die
Reformation mit ihren verschiedenen Bekenntnisgruppen wie
Lutheranern, Calvinisten und Zwinglianern
passten sich als Konfessionen bald
gewissen weltlichen Gegebenheiten an. Sie wurden
dadurch zu mehr oder
weniger konfessionell an Landesgrenzen gebundenen Landeskirchen.
Daneben gab es aber stets
einige Gruppen, welche die Botschaft des Evangeliums kompromissloser
leben wollten. Einige von ihnen orientierten sich an Aufbau und Lehre der
urchristlichen Gemeinde, wie sie im Neuen
Testament in der Apostelgeschichte geschildert ist (z. B. in strikter Gütergemeinschaft
ohne Privateigentum).
Zu dieser Gruppe muss man
vor allem die Täufer zählen. Diese wurden von
Außenstehenden oft "Wiedertäufer" ("Anababtisten") genannt, weil sie die
Kindertaufe ablehnten und Erwachsene, wenn sie sich ihnen anschlossen,
noch einmal tauften. |
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Der Beginn der
Wiedertäufer |
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Im Zuge der
einsetzenden Reformation war von verschiedenen Seiten
der Ruf nach radikalen religiösen und gesellschaftlichen
Veränderungen laut geworden. Hier war es besonders die Gruppe um
Conrad Grebel, Felix Manz, Michael Sattler*), und Georg Cajabok,
(genannt Jörg Blaurock) aus Zürich,
denen die Thesen und Forderungen Martin Luthers
nicht weit genug gingen. Sie wollten die urchristlichen Wurzeln
und die Bergpredigt zum zentralen Inhalt christliches Lebens
machen.
*) Zu
Michael Sattler
erschien erst kürzlich eine interessante historische Arbeit von
Karl-Hermann Kauffmann unter dem Titel "Michael
Sattler - ein Märtyrer Jesu Christi der Täuferbewegung" "im
"Brosamen-Verlag" Albstadt
Es wurden von ihnen
nicht nur Beichte und Kindertaufe
abgelehnt, sondern auch jede weltliche Obrigkeit in
Frage gestellt und abgelehnt, wenn sie nicht den Prinzipien
der Bergpredigt gemäß (also gewaltfrei) regierten
und handelten.
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Eine Bewegung aus der
Schweiz kommt nach Österreich |
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Diese gewaltfreie
und friedliche Täuferbewegung (im Gegensatz von
manchen derartigen Bewegungen, die durchaus gewaltbereit
waren) kam von der Schweiz über Südtirol
nach Österreich und fand hier rasch eine große Anzahl von
Anhängern.
Eine der bekanntesten Täuferbewegung war die der so
genannten "Hutterer", benannt nach Jakob
Hutter (zu ihm ist mehr auf der Seite
"Jakob Hutter und die Täuferbewegung"
nachzulesen. |
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Androhung der Todesstrafe |
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1526 wurde in der
Schweiz und 1529 am Reichstag von Speyer
im heutigen Deutschland
die Zugehörigkeit zu einer täuferischen Bewegung mit der Todesstrafe
bedroht. Dies führte dazu, dass auch der Habsburger Kaiser Ferdinand I. in
seinem Machtbereich zahlreiche Täufer verhaften und nach schrecklichen
Foltern hinrichten ließ.
Dadurch wurde Jakob
Hutter angeregt, seine Glaubensbrüder nach Böhmen
und Mähren in Sicherheit zu bringen. Dort hatten schon
zahlreiche Täufer aus anderen Ländern bei adeligen Grundherren,
die der Täuferbewegung zumindest neutral
gegenüberstanden, Unterschlupf gefunden. Hier sind besonders die
Herren von Liechtenstein zu nennen, die den
verfolgten Täufern relativen Schutz gewährten. |
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Erste "Brüderhöfe" entstehen |
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Im Herrschaftsbereich der
Liechtensteiner gründeten die Täufer die ersten
"Brüderhöfe" nach dem Vorbild der urchristlichen Gemeinde.
Man bewirtschaftete den Hof gemeinsam, das tägliche Leben
war genau geregelt, es gab kein Privateigentum,
alles sollte allen gehören und allen gleichberechtigt zur Verfügung
stehen. |
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Festnahme und Hinrichtung
Hutters |
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Als Jakob Hutter
nach Tirol reiste, um weitere Glaubensbrüder von dort
weg nach Böhmen und Mähren in Sicherheit zu
bringen, wurde er in Südtirol verhaftet und in Ketten nach
Innsbruck gebracht.
Nach schrecklichen
Foltern, mittels derer man vergeblich versuchte, die Namen
weiterer Täufer aus ihm herauszupressen, wurde er schließlich 1536 bei
lebendigem Leib auf dem Platz vor dem "Goldenen Dachl" in
Innsbruck auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zum
Leben Jakob Hutters ist mehr auf den Seiten unter dem Thema
"Jakob Hutter und die
Täuferbewegung" nachzulesen.
Sein Andenken als
Märtyrer der Täuferbewegung wurde durch den Namen
"Hutterer", den sich dieser Zweig der Täuferbewegung selber
gab, bis heute bewahrt. |
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Spuren von Hutterern
auch in Millstatt |
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Aus der Zeit um 1525
bis 1550 stammen die Kritzelinschriften in einem
Kerkerraum im ehemaligen St.-Georgs-Stift
in Millstatt. Dort hatte der
St.-Georgs-Ritterorden eine Kommende (Niederlassung).
Etliche
Wiedertäufer, speziell Anhänger des Jakob Hutter,
also so genannte "Hutterische Brüder" waren dort
gefangen gesetzt.
Im
8. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Millstatt das erste
Mal erwähnt. Im 11. Jahrhundert wurde das Benediktinerkloster
gegründet. Unter dem St.-Georgs- Ritterorden wurde die
Kirche gotisch umgestaltet. Im 16. Jahrhundert wurde schließlich
aus der Domitiankapelle
eine
Wallfahrtskapelle.
Am, bekanntesten
ist von den Kritzelinschriften dort der Spruch: "Sag nit alles,
das du weist - Glaub nit alles, das du hörst - Richt nit alles,
das du siehst - Tue nit alles, das du magst". |
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Hutterer in
Ungarn... |
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Die ersten
Hutterer in Ungarn siedelten sich bereits
im Jahre 1546 in Sabatisch (Sobotište),
einem kleinen Ort, der zu Ungarn gehörte (heute in
der Slowakei), an. Dabei stießen sie auf keinerlei einheimischen
Widerstand, da sie als Pioniere Neuland erschlossen.
Die Hutterer
in dieser Gegend sind heute unter der Bezeichnung
Habaner
bekannt. Sie brachten das Handwerk der Fayenceherstellung
in die Slowakei. Ihre Produkte werden heute als
Habanerfayencen
bezeichnet.
Fayence, von der italienischen Stadt
Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für Keramik mit porösem Scherben, die mit einer deckenden weißen oder farbigen Zinnglasur überzogen, meist mit Unterglasurfarben oder Muffelfarben
(hergestellt
aus Metalloxiden, die mit einem Flussmittel vermischt
sind) dekoriert und mehrmals gebrannt wird
Die Hutterer
breiteten sich in der Region weiter aus, errichteten zahlreiche
"Brüderhöfe" und nahmen 1622 einige ihrer vertriebenen
Glaubensbrüder auf. |
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....und Siebenbürgen |
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Die übrigen
Hutterer zogen weiter nach Siebenbürgen,
wo sie sich in Unter-Winz (auch Alwünz,
ungarisch Alvinc, rumänisch Vinţu de Jos)
niederließen.
Die Chronisten
beschreiben die folgende Zeit als eine Zeit des
Verfalls der Tradition und einer Abkehr vom
Glauben. |
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Die Gemeinschaft
steht kurz vor der Auflösung |
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Durch die
ständigen Kriege und die anhaltenden Plünderungen
sahen sich die Hutterer schließlich im Jahre 1685 dazu veranlasst,
ihre Gütergemeinschaft gänzlich aufzugeben. Die Gemeinschaft stand
kurz vor ihrer Auflösung; zahlreiche Anhänger
konvertierten nach Androhung von Zwang zum
katholischen Glauben. Nur die Gemeinde in
Siebenbürgen blieb von der Gegenreformation verschont.
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Transmigranten
bringen einen neuen Geist |
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Dort traf im
Jahr 1755 auch eine Gruppe von österreichischen
Transmigranten ein, die von Maria Theresia
wegen ihres protestantischen Glaubens zwangsumgesiedelt wurden und
in
Grosspold
(rumänisch Apoldu de Sus) angesiedelt wurden,
welches ganz in der Nähe von Unter-Winz liegt.
Einige dieser
aus Kärnten stammenden
Landler,
die davor nichts von der Existenz der Täufer gewusst hatten, waren
von deren Prinzipien und Standhaftigkeit
beeindruckt und schlossen sich diesen Hutterern
an. Dadurch gaben sie der kleinen Gemeinschaft neue Impulse
und auch die Gütergemeinschaft wurde 1762 neu
eingeführt.
Die kleine Gruppe
verbliebener Hutterer verließ das Land 1767 nach
anhaltenden Repressionen endgültig in Richtung
Russland. Dieser Weg wird etwas weiter unten detaillierter
geschildert. |
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Kein Privileg der Katholiken |
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Die Forderung,
Häresien mit der Todesstrafe zu ahnden, war aber nicht allein die
Forderung der röm.-kath. Kirche. Ein Großteil der
Reformatoren forderte dies ebenso. Selbst Luther
verlange nach anfänglicher Zurückhaltung die Todesstrafe,
und zwar nach der im Alten Testament vorgeschriebenen Form, der
Steinigung...
Im Calvinismus
gab es einen besonderes Aufsehen erregenden Fall. Der spanische Arzt und
Theologe Michel Servet hatte in einigen Schriften versucht, die Lehre der
Trinität anhand der Heiligen Schrift zu widerlegen.
Die französische Inquisition machte ihm daraufhin den Prozess.
Johannes Calvin
lieferte der (katholischen) Inquisitionskommission belastende Briefe, die
ihm Servet früher geschrieben hatte. Servet
gelang schließlich (vermutlich durch Bestechung) die Flucht
aus dem Inquisitionsgefängnis, wurde aber in Genf bei einer
Predigt Jean Calvins erkannt, festgenommen und auf dem
Scheiterhaufen verbrannt. |
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Viele Märtyrer |
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Obwohl Täufer
und Hutterer jede Form von Gewaltausübung
ablehnten, wurden sie mit unerbittlicher Härte unter Aufbietung aller
Machtmittel erbarmungslos verfolgt und getötet. Allein in
Österreich spricht man von von hunderten Opfern dieses
Kreuzzuges.
Dafür, dass eine Gruppe von
Christen versuchte, streng nach den Prinzipien der
Evangelien zu leben, wurden sie ertränkt, verbrannt,
mit dem Schwert hingerichtet oder erwürgt.
Diejenigen, die "nur"
zu Haftstrafen verurteilt wurden, mussten viele
Jahre unter
schrecklichen Bedingungen in Kerkern zubringen, wo sie bald das
Märtyrerschicksal ihrer Glaubensgenossen teilten.
Viele Historiker und
Geschichtsschreiber der Neuzeit bezeichnen die Brüdergemeinschaften
im Umfeld der Täuferbewegung gern als "christliche
Kommunisten". Diese Bezeichnung ist nicht nur historisch
falsch, sondern geht auch völlig am eigentlichen Ziel und
Hintergrund dieser Bewegungen, der christlichen Botschaft nämlich, vorbei. |
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Vorbildliches Leben auf den
Brüderhöfen |
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Nach dem Tod ihres Gründers
Jakob Hutter behielten sie nach dem Tod Ihres Führers dessen
Ordnung bei. Auf den Brüderhöfen war die Arbeit genau
geregelt. Verschiedene Arbeitsgruppen betreuten die einzelnen
Aufgabenbereiche: Kinderbetreuung, Krankenpflege, die Küche, die
Vorratshaltung, Stall- und Feldarbeit, sowie die verschiedenen Werkstätten
wie Schmiede, Töpferei, Tischlerei und Weberei.
Es wurde fünfmal am Tag
gemeinsam gebetet, daneben gab es regelmäßige Gottesdienste,
Andachten und Bibelstunden. Durch ihr ruhiges und fleißiges Leben waren die Grundherren
von diesen Menschen sehr angetan. Es gab keinerlei Probleme
mit ihnen bei der
Ablieferung der vereinbarten Naturalabgaben und des Pachtzehents.
Obwohl sie als Häretiker
galten,
konnte selbst der päpstliche Legat Kardinal Gaetano auf
seiner Rückreise von Warschau nach Rom über
die Begegnung mit Hutterern in Böhmen und
Mähren nur anerkennende Worte finden.
Allerdings dauerten diese
"paradiesischen Zustände" nicht mehr lange, und
zahlreiche Hutterer wurden wie später ihre protestantischen Glaubensgenossen aus
Kärnten und der Steiermark transmigriert und bildeten
in Siebenbürgen in den Ortschaften Rumes und Winz die ersten
Hutterischen Gemeinschaften, zu denen später unter Maria
Theresia "umgesiedelte" Anhänger der hutterischen Lehren
stießen (siehe dazu weiter unten). |
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Auszug aus Kärnten und
Steiermark |
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Die meisten
"Wiedertäufer" aus Kärnten und der Steiermark dürften um 1530 mit den Tiroler Täufern
nach Mähren gezogen sein.
Jedenfalls konnte die so genannte
"Reformationskommission" 1600 unter Führung des Seckauer
Bischofs Brenner in Kärnten und in der
Steiermark keine Wiedertäufer mehr
aufspüren.
Dies ist umso erstaunlicher, da man seitens der Kommission ganz
genau zwischen lutherischen, calvinistischen und
flacianischen Sektierern auf der einen und Täufern
auf der anderen Seite unterschied.
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Hutterisches Leben
in Böhmen und Mähren |
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Bis zum Beginn des
Dreißigjährigen Krieges blühte das hutterische
Gemeindeleben in Böhmen und Mähren immer mehr auf. Die Chroniken
sprechen in dem Zusammenhang von den „guten Jahren“,
manchmal auch von der „goldenen Zeit der Hutterer“.
Obwohl sie eine
recht aktive Missionstätigkeit entfalteten, lag der
Grund für die große Zahl der Konvertiten mehr in der
vorbildhaften Art ihres Lebens. Deshalb überwog auch
die Zahl der "Bekehrten" bald die Anzahl der in der
Gemeinschaft Geborenen.
Die neu Zugezogenen
übten ihre erlernten handwerklichen Tätigkeiten auch weiterhin
aus, auch wenn sie nicht gerade typisch hutterische Berufe hatten.
Unter den nicht typischen Berufen der Hutterer, die
heute von ihnen nicht mehr ausgeübt werden, gab es durch den
Neuzugang Uhrmacher, Brauer, Glaser, Seil- und Siebmacher,
Bergarbeiter, aber auch Apotheker, Chirurgen und
Ärzte (wohl in der Gestalt der ehemaligen "Bader",
die eine Mischung aus diesen drei letztgenannten Berufen darstellte).
Hutterische
Ärzte besaßen übrigens ein hohes Ansehen. So ist überliefert, dass
sich der kranke Sohn von Franz II. von Taxis im
Jahre 1581 bei den Hutterern gesund pflegen ließ.
Rund 100
Kolonien bestanden damals mit mindestens 25.000
Bewohnern.
Die
hutterischen Schulen waren ihrer Zeit weit voraus, ihre
Schulordnung und die Vorschriften darüber, wie mit Kindern
umzugehen sei, geradezu vorbildhaft für die
damalige Zeit. Kein Wunder, dass auch
Nichthutterer ihre Kinder auf hutterische Schulen
schickten. |
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Während des
Dreißigjährigen Krieges wurden die Hutterer
immer wieder Ziel marodierender Landsknechte.
Oft mussten sie sich in Wäldern oder Höhlen verstecken. Diese
Höhlen (tschechisch: lochy) waren aufwendig und
technisch raffiniert konstruiert, da viele Hutterer früher
Bergleute oder Mineure waren.
Dort verbargen sich
die Hutterer in Gängen und Falllöchern in
unterirdischen Wohnräumen unterhalb der Häuser. Diese
unterirdischen Räume besaßen versteckte Ausgänge und
standen auch manchmal zu anderen Brüderhöfen in unterirdischer
Verbindung. |
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1622 befahl
Kaiser Ferdinand II. den Hutterern
schließlich, entweder zum katholischen Glauben
überzutreten oder sein Land binnen vier Wochen
zu verlassen.
Damit begann die
lange Wanderschaft der hutterischen Gemeinden,
die im Folgenden genauer dargestellt wird. |
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Auszug aus Salzburg
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Seit 1684 ging man gegen den
Protestantismus in Salzburg vor. Bis zum Jahr 1732 ist es etwa
ein
Sechstel der damaligen Bevölkerung Salzburgs, die
das Land verlassen. Der
Großteil fand in Preußen Aufnahme, von wo deren Nachkommen 1946 von den
einmarschierenden Polen
vertrieben wurden.
Das Schicksal dieser
"Exulanten" genannten Gruppe wird auf der Seite
"Dokumente der Verfolgung" dargestellt.
Die anderen Exulanten gingen nach Württemberg,
die Niederlande und Georgia in den
USA.
Überall dort, wo sie sich
ansiedelten, entstanden durch ihren Fleiß und ihr
besonderes Lebens-konzept blühende Zentren brüderlichen Lebens.
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Deportation als neues
Zuchtmittel |
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Unter Maria Theresia
(1740 bis 1780) wurde das Bekenntnis zum Protestantismus erstmals
kriminalisiert. Sie betrieb die Ausweisung der
"unbelehrbaren" Evangelischen vor allem nach
Siebenbürgen. Man ließ diese nicht mehr auswandern, sondern
behielt sie im Herrschaftsbereich. Sie wurden dadurch zu
Transmigranten (Übersiedler) und nicht wie früher zu
Emigranten (Auswanderer) oder gar Exulanten
(Verbannte).
Als deutlich wurde, dass die
Zahl der Anhänger der evangelischen Lehre
in Kärnten enorm groß wurde und keine Aussicht
bestand, sie durch die neu gegründeten Missionsstationen
wieder zum Katholizismus zu bekehren, entschloss sich Maria
Theresia, sie als Rechtsbrecher zu verfolgen.
Gemäß dem Augsburger
Religionsfrieden wurden die Evangelischen als Rechtsbrecher
dieses Gesetzes erst zu Festungshaft verurteilt, um
sie
danach "gnadenhalber" mit ihren Ehefrauen unter
Zurücklassung ihrer Kinder nach Siebenbürgen zu deportieren.
Sie war es auch, die ein
entsprechendes Religionsedikt gegen Protestanten erließ, mit
dem Ergebnis, dass zwischen 1752 und 1758 mehr als 850 Evangelische
aus Kärnten (der größte Teil davon übrigens aus den
Herrschaften Himmelberg, Paternion und Spittal)
nach Siebenbürgen ausgewiesen und deportiert wurden.
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Mörderische
Transportbedingungen |
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Mehr als ein Viertel
der Deportierten starb auf dem "Transport"
oder in den ersten Jahren ihrer Umsiedelung.
Die Bezeichnung
"Transport" ist eigentlich blanker Hohn, viele mussten
nämlich zu Fuß
auf dem Landweg in die neuen Wohngebiete
marschieren.
Etliche evangelische
Pastoren wurden auf dem Landweg nach
Venedig getrieben und auf Galeeren gebracht, wo sie
mehrjährige Galeerenstrafen verbüßen mussten. |
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Auch Täufer ereilte
das selbe Schicksal |
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Nicht viel besser
erging es einer 65 Personen
starken Gruppe von Anhängern der Täufer aus Amlach, Kleinsass,
St. Peter und Spittal. Sie wurden zunächst nach
Klagenfurt getrieben, dort mehrere Monate
eingekerkert und zu Zwangsarbeit genötigt.
Danach wurden sie
nach Ybbs/Donau gebracht und von dort Donau abwärts nach
Peterwardein über Temesvar und weiter nach
Siebenbürgen transportiert, wo sie im Oktober 1755 schließlich
in Rumes eintrafen.
Dort sollten sie
neu angesiedelt werden und sollten einen Treueeid auf
die "Kaiserin" leisten, wenn sie Land zugeteilt
bekommen wollten.
Eine größere Gruppe,
darunter Mitglieder der Familien Kleinsasser, Waldner,
Pichler, Winkler, Würz, Ehgartner, Amlacher, Müller, Glanzer
und Plattner lehnten diesen Schwur ab und
beriefen sich auf das Eidverbot in den Evangelien. |
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Schlimme Bedingungen |
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Durch die
Ablehnung dieses Treueeides waren diese
Familien von der Bodenzuteilung ausgeschlossen, was zur
Folge hatte, dass sie sich als Taglöhner,
Knechte und Mägde oder Hilfsarbeiter
ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Bei der angespannten persönlichen
Situation in der Anfangszeit ist es klar, dass
diese Menschen knapp am Überleben dahin vegetierten.
In geistlicher
Hinsicht war die Situation dieser Hutterer
nicht weniger problematisch. Sie mussten erkennen,
dass manche lutherische Pastoren in den
Ausssiedlergebieten - einst verfolgt, mittlerweile mächtig
geworden - nicht viel besser waren
als ihre katholischen Kollegen in Kärnten.
Von einem
Leben nach den Prinzipien des Evangeliums konnte bei den
evangelischen Geistlichen
keine Rede sein, was zu harscher Kritik seitens der
Umgesiedelten an den Pastoren führte. Als Folge
davon verweigerten diese Pastoren jegliche Starthilfe seitens der bereits
etablierten Evangelischen für die Neuankömmlinge und hat deren Lebenssituation erheblich erschwert. |
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Erste Kontakte der
mit Hutterischen
Gemeinschaften |
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Andreas Würz
und Georg Waldner kamen auf der Suche nach Arbeit in
das ca. 15km von Rumes entfernte Dorf Winz. Hier lebte ein
Teil der 1622 aus Mähren und der Slowakei
vertriebenen Hutterer.
Diese Gruppe von
Hutterern kam hierher, als die kaiserlichen Truppen gegen die
aufständischen Böhmen zu Beginn des 30jährigen
Krieges gesiegt hatten.
Die Hutterer wurden damals
kurzerhand aus ihren Brüderhöfen vertrieben und vom lokalen
Fürsten Bethlen Gabor in Siebenbürgen aufgenommen. |
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Conrad Grebel

Allegorisches Porträt des
Felix Manz durch
Oliver Wendell Shenk

Georg Cajabok, (genannt Jörg Blaurock)

Michael
Sattler (nach Ivan Moore)

Jacob Hutter

Das St.-Georgs-Kloster,
die heutige Stiftskirche
in Millstatt

Bogengang in der romanischen
Stiftskirche

Michel Servet, der
angebliche "Häretiker"

Bischof Brenner aus
Seckau

Josef Schaitberger,
(1658-1733)
"Exul
Christi"

Maria Theresia, die
"Erzherzogin"

Die Aussiedlerstadt
Kronstadt - Siebenbürgen

"Johannes van Leiden"

Der Ort Rumes in
Siebenbürgen heute

Menno Simons, Begründer
der nach ihm benannten "Mennoniten"

Bethlen Gabor
nimmt Hutterer auf
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