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Das "gelobte Land" verändert
sich |
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Das Paradies relativer
Toleranz dauert wieder einmal
nicht lange vor. Rivalisierende Täufergruppen aus Deutschland
suchen in Mähren Schutz. Es kommt zu heftigen
Machtkämpfen zwischen den einzelnen Gruppen untereinander
einerseits und zwischen den "Alteingesessenen" und den
"Neuzuzüglern" andererseits.
Jakob Hutter,
der längst als religiöser Führer bei den Altansässigen
anerkannt ist, muss ständig zwischen den Neuankömmlingen und
den "Alteingesessenen" vermitteln.
Vom Umfeld
wird der große wirtschaftliche Erfolg der Hutterer
mit großem Neid und Missgunst beobachtet
und der Neid auf sie wird zu einer großen Bedrohung.
Innerhalb der
hutterischen Bewegung sieht sich Jakob Hutter immer
wieder damit konfrontiert, dass es Täufer gibt, die ihre Sache mit dem
Schwert, die sogenannten "Schwertler"
lösen wollen.
Daneben gibt es wieder
andere, die ihre Probleme auf der Basis der
Bergpredigt, also gewaltfrei - die sogenannten "Stäbler", zu denen auch Jakob Hutter gehört - lösen wollen, wo also
keine Rache oder Gewaltanwendung erlaubt ist.
Dem mährischen
Königshaus ist der große wirtschaftliche Erfolg der Hutterer
schon lange ein Dorn im Auge. Durch ihren Fleiß und ihre
Sparsamkeit hatten sich die Bruderhöfe zu
florierenden landwirtschaftlichen Betrieben entwickelt und weckten Neid und
Besorgnis, dass ihre Macht zu groß werden könnte.
Besonders die
Ablehnung jeglicher weltlicher Autorität stößt
mittlerweile auf
größtes Misstrauen. Und schon bald setzen erneut
Verfolgungen ein...
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Heirat Hutters |
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Während seines
Aufenthaltes in Mähren heiratet Jakob Hutter
zu Pfingsten 1535 seine Katharina,
die ihm dorthin gefolgt war. Das Glück sollte für die beiden aber nur kurz
währen.
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Neue Verfolgungswelle im
Habsburger Reich |
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Ferdinand I.
beginnt 1536 eine neuerliche Verfolgung aller
täuferischen Bewegungen, die auf die Nikolsburger Gebiete
in Mähren übergreift. Diese Gebiete gehören indirekt zu den
habsburgischen Besitzungen in Mähren. Also
sind die Hutterer in Mähren gezwungen, sich erneut ein neues Wohn- und
Siedlungsgebiet zu suchen.
Die Auswanderung erfolgt
unter größter Gefahr. Die Hutterer werden vor
den Behörden beschuldigt, mit Gewehren und
Rüstungen ausgestattet zu sein.
Der Landeshauptmann
entsendet einen Trupp Beamter um dies zu überprüfen, diese
fanden aber lediglich viele Kinder und Kranke in den
hutterischen Reihen
vor.
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Ein Brief und seine
Folgen |
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Jakob Hutter
schreibt daraufhin einen Brief an den Landeshauptmann, in dem er Glaube
und Inhalt der Lehre der Hutterer zusammenfasst. Er schildert die
momentane Situation der Flüchtlinge und stellt u. a. folgendes fest:
"...wir haben keine
äußerlichen Waffen, weder Spieße noch Büchsen. Jedermann kann dies sehen
... darum sage ich abermals weh und ach in Ewigkeit, ihr mährischen
Herren, dass ihr dem grausamen Tyrannen und Feind der göttlichen Wahrheit,
dem König Ferdinand, zugesagt und eingewilligt, die Gottesfürchtigen aus
Euren Landen zu vertreiben. Ihr fürchtet den sterblichen und unnützen
Menschen mehr, denn den lebendigen und allmächtigen Gott und Herrn ... "
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Flucht und
Verfolgung
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Der
Landeshauptmann schickt nach Erhalt dieses Briefes sofort
Truppen aus, um Jakob Hutter wegen
"aufrührerisch und schändlich frevelhafter Red" gefangen zu nehmen. Auf
was es der Landeshauptmann aber in Wirklichkeit abgesehen hat,
wird schnell deutlich...
Da man Jakob
Hutter in seinem Haus in Schäckowicz nicht
findet, verhaftet man zwei Mitstreiter Hutters, den
Wilhelm Griesbacher aus Kitzbühl (er
war so etwas wie der Finanzverwalter der Hutterer) und Loys
Salztrager aus Hall.
Sie werden nach
Brünn gebracht und schrecklich gefoltert, um etwas über
Geldvorräte und sonstige Wertgegenstände im
Besitz der Hutterer zu erfahren.
Nachdem man von
ihnen entsprechende Angaben erpresst hat, werden sie
zum Abschwören aufgefordert. Griesbacher bleibt
standhaft und wird lebendig verbrannt, Salztrager widerruft
unter dem Eindruck der Folter seinen
täuferischen Glauben.
Er kehrt später
allerdings wieder zu seinem Glauben zurück und stirbt schließlich
als Täufer.
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Jakob Hutter in
großer Gefahr |
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Da man in Mähren weiter
intensiv nach
Jakob Hutter sucht, darf er nicht mehr öffentlich
auftreten. Die Gemeinde beschließt daher, dass er wieder nach
Tirol zurückkehren solle, um weitere Anhänger der
Täuferlehre nach Mähren zu bringen
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Erneute Wanderung |
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Die von ihren Höfen
vertriebenen Hutterer ziehen unterdessen von einem
Ort zum anderen, um Nahrung und Wasser
zu bekommen. Aber als es schließlich so weit kommt, dass man
ihnen jegliche Unterstützung verweigert und sogar
das Wassertrinken an den Dorfbrunnen
verbietet, teilen sich die Hutterer in kleine
Familiengruppen von 8 bis 10 Personen.
Es sind
erbärmliche Häufchen, die da herumziehen, völlig auf sich
allein gestellt und ohne Vorstellung, wie es weiter gehen wird.
Sie werden lediglich ab und zu von Hans Tuechmacher
und seinen Helfern reihum besucht, um sie mit dem Allernötigsten
zu versorgen.
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Viele Hutterer gehen
nach Tirol zurück |
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Durch diese
schwierige Situation bedingt kehrt nicht nur Jakob Hutter
und seine Frau Katharina, sondern auch andere seiner
Anhänger nach Tirol zurück.
Dort ist man
natürlich wieder mit dem blinden Zorn des
Kaisers konfrontiert. Wieder in ihrer alten Heimat müssen
sie rastlos von Dorf zu Dorf ziehen, immer auf der
Flucht vor den Truppen des Landesherrn.
Auf die Festnahme
Hutters ist eine unglaublich hohe Summe
ausgesetzt und alle, die Jakob Hutter helfen oder
versorgen, mit
schwersten Sanktionen bedroht. In ganz Tirol wird
ein Steckbrief mit einer genauen Personsbeschreibung
verteilt.
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Spitzeldienste
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Als Hutter
wieder in Tirol ankommt, wird sein Eintreffen von
Spitzeln unter der Bevölkerung an die
fürstbischöfliche Regierung verraten. Diese sendet sofort
entsprechende Nachrichten in alle Landesteile, mit dem besonderen
Hinweis darauf, dass Hutter für seine Frau
eine Unterkunft suche, da sie in Kürze gebären
solle. Deshalb empfehle man den Richtern
besonders, nach "armen Dirnen zu jagen, die im Kindsbett"
lägen.
Der Brixener
Fürstbischof betont ausdrücklich, dass man weder Kosten
noch Mühen scheuen solle, die Anführer dinghaft
zu machen, damit
sich diese gefährliche Seuche nicht weiter ausbreite. Er sichert
dafür jede nur mögliche Hilfe zu.
In der Zwischenzeit
reist Jakob Hutter angeblich als Kaufmann
verkleidet durchs Land. In Bruneck (Südtirol) soll
er sogar einmal einen katholischen Gottesdienst besucht haben und
der Predigt des Kurats Stephan aus Weiler
zugehört haben.
Seine Meinung zu
dieser Predigt ist eindeutig: "Der Pfaff weiß die rechte
Wahrheit wohl, aber ihm ist das Maul verstopft, dass er die
Wahrheit nit reden darf!"
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Bewegendes Schreiben
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Jakob Hutter ahnt wohl, dass
seine Verhaftung nur mehr eine Frage der Zeit ist und verfasst einen sehr
berührenden Brief an seine Täufergemeinden.
Er versucht es nicht einmal,
sich und seine Frau durch Flucht in Sicherheit zu bringen, sondern
besucht landauf und landab die Gemeinden, um sie zu
bestärken und Trost zu spenden. |
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Abkommen zwischen Brixen und
Tirol |
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Er ahnt aber wohl
nicht, dass es mittlerweile ein Abkommen zwischen dem
Fürstbischof von Brixen und der Innsbrucker
Regierung gibt, welches es erstmals erlaubt, Täufer auch bis in
das benachbarte Bistum zu verfolgen und zu
verhaften.
Als das Gerücht die
Runde macht, Jakob Hutter halte sich im Gebiet von
Gufidaun auf, steigert sich die Verfolgung durch die
Tiroler Behörden zusehends. Man sucht nach
Möglichkeiten, Hutter in eine Falle zu locken. So
lässt man z. B. das Gerücht von einer Amnestie
ausstreuen, die ab sofort allen Hutterern
Straffreiheit zusichert, wenn sie sich binnen drei Tagen
bei den Behörden melden...
Jakob Hutter
ist sich dieser Falle durchaus bewusst. So schreibt er seinen
Glaubensgeschwistern ein letztes Mal: "Wir erwarten nun
stündlich oder täglich die Schergen der Richter und die
Knechte des Henkers und alle Trübsal. Wir haben uns auch dahin gerichtet
und setzen uns nichts anderes vor. Der Herr gebe uns Kraft und
Stärke, in seiner Wahrheit zu bleiben!" |
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Verrat und
Verhaftung |
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In der
St.-Andreas-Nacht (30. November) 1535 wird
Jakob Hutter durch Verrat bei Klausen
am Eisack gemeinsam mit seiner im 6. Monat schwangeren
Frau Katharina im Haus der Mesnerin Anna
Stainer festgenommen.
Der Stadtrichter von
Klausen, Christoph Mairhofer und Hans
Melchior von Kestlan, der Unterhauptmann von Säben,
waren höchstpersönlich nach Klausen
gekommen,um die Verhaftung persönlich zu überwachen. |
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Die Verhöre |
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Alle drei
Festgenommenen werden auf Schloss Branzoll unterhalb
des Klosters von Säben gebracht. Dort finden
auch die ersten Verhöre der beiden Frauen statt.
Beide sagen unter
Androhung von Folter aus. Katharina beschreibt
ausführlich die
Wege ihrer zahlreichen Fluchten und ihre Unterschlupfe.
Die Mesnerin
Anna Stainer - eine ehemalige Anhängerin
Hutters - beteuert, seit ihrem Widerruf keine Täufer in
ihrem Haus mehr aufgenommen zu haben.
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Der Brixner Bischof
jubelt |
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Gleich am folgenden
Tag schickt der Fürstbischof von Brixen,
Johann Thomas von Spaur, einen Reiter los, der die
Nachricht von der Festnahme Jakob Hutters und seiner
Frau Katharina an die Tiroler Landesregierung
überbringt. |
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Leiden und Tod des
Jakob Hutter |
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Bei eisiger Kälte
wird Jakob Hutter am 9. Dezember 1535 auf einem
offenen Leiterwagen gefesselt und geknebelt nach Innsbruck
überstellt und dort im Kräuterturm eingekerkert.
Der Chronist
der Hutterer schildert die folgenden Tage so:
"Als sie ihn
folterten und vieles mit ihm anstellten und ihn trotzdem nicht von
der Wahrheit abbringen konnten, versuchten sie es mit Argumenten
aus der Hl. Schrift. Dies fruchtete nichts. Danach wurde er
weiteren Foltern ausgesetzt. Man setzte ihn ihn eiskaltes Wasser,
danach brachte man ihn in eine gut beheizte Stube und schlug ihn
mit Ruten blutig. In seine offenen Wunden gossen die Pfaffen
Branntwein, den sie entzündeten und ließen ihn so brennen. Sie
setzten ihm eine Narrenkappe auf, fühten ihn in ihre Kirche und
machten ein Narrenspiel mit ihm. Er bestand aber all diese Martern
und Demütigungen als christlicher Held und erduldete alles !"
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"Hochnotpeinliche
Befragung" |
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Von der
Regierung wird dem Gefangenen eine lange Liste
von Fragen vorgelegt, die er beantworten soll. In seinem Gefängnis
im Kräuterturm wird er mehreren Folterungen
unterzogen, aber trotzdem gibt er keine einzige
Antwort und verrät auch keinen
seiner Anhänger. |
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Die Hinrichtungen |
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Am 25. Februar 1536
wird Jakob Hutter von Soldaten nach einem langen
Barfußmarsch durch die Altstadtgassen in
Innsbruck zum Scheiterhaufen vor dem "Goldenen
Dachl" getrieben.
Dort fesselt
man ihn an einen Pfahl. Kein Wort der Anklage
oder der Verteidigung kommt über seine Lippen. Auf ein
Zeichen König Ferdinands hin wird der
Scheiterhaufen schließlich in Brand gesteckt und
Jakob Hutter bei lebendigem Leib verbrannt.
Seine letzten an die
Menge gesprochenen Worte sollen gewesen sein:
"Nun kommt her,
ihr Widersprecher. Lasset uns den Glauben im Feuer probieren.
Dieses Feuer schadet meiner Seele so wenig, wie der brennende Ofen
dem Sadrach, Massach und Abednego" (die drei
Jünglinge im Feuerofen aus dem Buch Daniel).
In den folgenden
Jahren wird Katharina Hutter viermal gefangen
genommen. Sie kann aber entweder durch Flucht oder
Abschwören von der hutterischen Lehre
ihr Leben retten. Sie kehrt jedoch immer wieder zu ihrem Glauben
zurück und wird schließlich auf Schloss Schöneck
durch Ertränken in einem Bottich getötet.
Der weitere
Weg der Hutterer bis zu ihrer endgültigen
Sicherheit in Kanada ist auf den Seiten "Hutterer,
Täufer und Wiedertäufer" dargestellt. |
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Das Täufertum nach
Jakob Hutter |
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Nach der Hinrichtung
Jakob Hutters wird das Täufertum im
gesamten Herrschaftsbereich von König Ferdinand erst
recht unbarmherzig verfolgt und zahlreiche Anhänger
ermordet. Allein in Tirol fallen in
den folgenden Jahren rund 2.000 Täufer diesem System
zum Opfer, in Salzburg sind es mehr als 900,
in Kärnten rund 700 Menschen.
Vielen gelingt in
der Folge die Flucht aus diesen Ländern, um dem
sicheren Tod zu entgehen,. Denen jedoch, die dazu keine
Möglichkeit oder nicht den Willen dazu haben, bleiben nur 2
Möglichkeiten: Abschwören oder ihren Glauben
im Geheimen auszuüben, immer unter akuter
Lebensgefahr.
Trotzdem
wachsen in den Jahren dieser schrecklichen
Verfolgung die Täufergemeinden immer mehr.
Es bilden sich ständig neue Gemeinden, von Südtirol
ausgehend auch im Tiroler Inntal, man findet neue
Täufergemeinden auch im salzburgisch-bayerischen
Grenzgebiet, in Lienz, das Drautal
herunter bis Spittal und Villach. |
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Die Bewegung bricht
zusammen |
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Trotzdem
erstaunt es, wenn man feststellen muss, dass es ca.
70 Jahre nach Jakob Hutters Tod, also um
1600, keine Hutterer mehr in diesen Gegenden
gibt.
Dafür gibt es wohl
mehrere Gründe: Zum einen haben sich wegen der
brutalen Verfolgung viele Täufer und Hutterer der
Gerichtsbarkeit durch Flucht nach Mähren
entzogen.
Zu anderen kann man
auch eine Annäherung der röm.-kath. Kirche
an das arme und ausgebeutete einfache Volk
erkennen. Die entscheidenden Impulse dazu kamen wohl vom
Konzil in Trient. Allerdings kam es zu diesem Konzil
erst, nachdem man seitens der röm. Kirche
erkannt hatte, wie rasend schnell sich der Protestantismus
verbreitete. Daran erkannte man, wie ausgehungert die Menschen
nach religiösen Idealen und vorbildlich
gelebtem Glauben waren.
Nicht unterschätzen
sollte man auch das Wirken von Orden wie der Jesuiten
und der Franziskaner, und anderer im Zuge der
Gegenreformation in diesen Gebieten angesiedelten
Ordensgemeinschaften mit ihren "Missionsklöstern". |
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Der lange Arm
Ferdinands |
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König
Ferdinand genügt die Ausrottung des Täufertums
in Tirol allerdings nicht. 1536 verfügt er die
Ausweisung der Hutterer aus Mähren
und beauftragt die Ultraquisten*), gegen die
Hutterer mit Plünderung, Verfolgung und Ermordung
vorzugehen, um sie endgültig aus seinem Regierungsbereich
zu vertreiben.
*) Die Utraquisten waren gemäßigte
Hussiten (im Gegensatz zu den radikaleren Taboriten),
eine Glaubens-richtung, die auf den böhmischen Vorreformator
Jan Hus (1415 hingerichtet) zurückgeht.
Die Hauptforderung war, dass auch
Laien die Kommunion in beiderlei Gestalt (sub
utraque species,
daher der Name) erhalten sollten, also nicht nur Brot,
sondern auch Wein (der nach altkirchlicher
Vorstellung nur Geistlichen zur Kommunion gereicht wurde).
Die Utraquisten werden auch als
Calixtiner
(calix = der Kelch) bezeichnet. Erst 1845 wurden sie
religiös gleichberechtigt.
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Das "Goldene
Zeitalter" |
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Doch diese
Verfolgung beeindruckt die Hutterer wenig und schon
nach wenigen Jahren beginnt für sie in Mähren ein
"goldenes Zeitalter", wie es einer ihrer Chronisten
beschreibt.
Der Augsburger
Religionsfrieden gesteht ihnen zwar keine
Gleichberechtigung mit den anerkannten Konfessionen zu,
aber unter Kaiser Maximilian II. sind sie kaum noch
Verfolgungen ausgesetzt. Dadurch werden die Brüderhöfe
in Mähren immer erfolgreicher. In der Hochblüte
dieser Bewegung leben in diesen Siedlungen zwischen 30.000 und
40.000 Menschen. |
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Neuerliches
Einsetzen von Verfolgungen |
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Nach einer Zeit
relativen Friedens kommt es wegen ihrer Ablehnung
jeder geistlichen und weltlichen Obrigkeit
abermals zu Verfolgungen. Viele von ihnen
flüchten daraufhin nach Siebenbürgen. Dort gibt es
bereits ab 1622 die ersten echten "Brüderhöfe" der
Hutterer in Siebenbürgen.
Die
Zuwanderung verstärkt sich durch die Ereignisse des
30jährigen Krieges immer mehr, da die hutterischen
"Brüderhöfe" ständigen Plünderungen durch
ausgehungerte Truppen aller Kampfparteien ausgesetzt sind und das
Leben dort nicht nur unerträglich, sondern auch
immer gefährlicher wird. |
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Der Westfälische
Friede |
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Nach der
Unterzeichnung des Westfälischen Friedens*) kann
endlich eine echte Gleichberechtigung erreicht
werden und die Verfolgung der Hutterer endet wieder einmal für
einige Jahrzehnte.
Als Westfälischer Friede wird die
Gesamtheit der zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in
Münster und Osnabrück geschlossenen Friedensverträge
bezeichnet, die den Dreißigjährigen Krieg in
Deutschland beendeten (und zugleich auch den 80jährigen
Unabhängigkeitskrieg der Niederlande).
Vorausgegangen
war ein fünf Jahre währender Friedenskongress aller
Kriegsparteien, der erste, auf dem nahezu alle großen
europäischen Mächte vertreten waren. Er wurde zum Vorbild für alle
späteren Friedens-konferenzen, da er dem Prinzip der
Gleichberechtigung der Staaten, unabhängig von ihrer
tatsächlichen Macht, zur Durchsetzung verhalf.
Der für alle
sichtbare Wohlstand der Hutterergemeinschaften in
Siebenbürgen, der durch ihren Fleiß und
ihren lebensbestimmenden Glauben zustande kommt, ist
den dortigen weltlichen und geistlichen
Machthabern wieder einmal ein Dorn im Auge.
Auch der Neid spielt wohl eine Rolle dabei, dass
abermals Verfolgungen und Vertreibungen
von neuem beginnen |
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Die Gegenreformation
und ihre Folgen für die Hutterer |
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Unter Maria
Theresia werden die Protestanten im
Habsburger Reich unerbittlich verfolgt. Viele von ihnen
flüchten daher aus ihrer alten Heimat
oder werden deportiert.
Etliche
von ihnen stoßen auch zu den Hutterer-Gemeinden in
Siebenbürgen, und schließen sich ihnen an. Die Nachfahren
der aus der Umgebung von Spittal vertriebenen
Hutterer, die heute in Kanada und den
USA leben, stammen von dieser Gruppe ab. Etliche
Schreibnamen bezeugen bis heute die enge Verbindung an
ihre Oberkärntner Wurzeln.
Ihr Weg aus
Siebenbürgen über die Ukraine nach Kanada und den USA ist auf den
Seiten
"Hutterer,
Täufer und Wiedertäufer 1" und
"Hutterer, Täufer und Wiedertäufer 2"
dargestellt. |
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Jakob Hutter

Filmplakat "Jakob Hutter
und die Hutterer" 2005
(Taura Film)

Ferdinand von Österreich

Zahlreiche Hutterer
werden verbrannt

Dom zu Brixen

Brixner Residenz

Pfarrkirche Bruneck

Gufidaun (Südtirol) heute

Klausen am Eisack

Kloster Säben

Schloss Branzoll

Kräuterturm in Innsbruck

"Goldenes Dachl" in
Innsbruck
Eine Abordnung von Hutterern
aus Kanada besucht 1978 Innsbruck

Zeitungsbild

Auf Besichtigungstour

Was geht in diesen Menschen
vor?

Die Teinkirche in Prag,
die Hauptkirche der
Ultraquisten

Die Unterzeichnung des
Westfälischen Friedens
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