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Johann Sebastian Bach
- wer war er? |
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Als der
mit 20 Kindern aus 2 Ehen gesegnete Thomaskantor in Leipzig am 28.
Juli 1750 – einem Dienstag – in aller Stille abends um Viertel vor
neun stirbt, kennt ihn niemand mehr. Und über 100 Jahre war er, den
das Time-Magazine als das musikalische Genie des 2.
Jahrtausends feierte, für die Musikgeschichte so gut wie
verschollen.
Aber so
gehen wir eben mit Genies um... zu Lebzeiten schon halb vergessen,
nach dem Tod hoch bejubelt und gefeiert... es scheint, man muss erst
sterben, um zu leben! André Heller drückt es einmal so
aus: „Die, die dich schon fast vergessen, die vergessen dich jetzt nie!“
Aber
wer war Bach? Wie war der Mensch Bach? Aus welchem Umfeld kommt er?
Es ist erstaunlich, wie wenig man über ihn weiß. Und auch die Spur
manches seiner Söhne, fast durchwegs begabte Musiker und
Komponisten, verliert sich im Dunkel der Musikgeschichte. |
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Seine Familie |
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Johann
Sebastian Bach wird 1685 in Eisenach in Thüringen
geboren. Er ist das achte Kind von Johann Ambrosius Bach,
herzoglicher Hofmusicus, und seiner Frau Elisabeth Lämmerhirth.
Die
Bachs, so viel lässt sich heute aus verschiedenen Dokumenten noch
herausfinden, sind eine Familie angesehener städtischer Spielleute
und Hofmusiker. Als ihr Stammvater gilt Veit Bach, der 1550 in der
Nähe von Gotha geboren wurde, Johann Sebastian Bachs Urgroßvater,
ein Müller, der zugleich ein begabter Lautenspieler war. |
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Schweres Los als Kind |
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1695,
mit fast 10 Jahren, ist Bach Vollwaise. Erst stirbt
seine Mutter, ein halbes Jahr später heiratet der Vater wieder, aber
schon 2 Monate nach der Hochzeit stirbt auch er. Da die Witwe die
Kinder nicht ernähren kann, werden sie auf die Verwandtschaft
verteilt.
Johann
Sebastian kommt zu seinem ältesten Bruder Christian,
der schon verheiratet ist und als Organist
in Ohrdruf
in der Michaeliskirche wirkt. Dort besucht Johann Sebastian auf
Drängen seines Bruders die Lateinschule und erhält eine erstklassige
Ausbildung in alten Sprachen, Logik, Mathematik, Rhetorik, Theologie
und Musik – eine für damalige Zeiten grundsolide Ausbildung.
Mit 14 Jahren verlässt er die Schule als zweitbester jemals dort
unterrichteter Schüler. |
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Bach macht sich auf
den Weg |
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Im
Hause des Bruders wird es eng, die Familie vergrößert sich
zusehends. Für Johann Sebastian wird eine neue Bleibe gesucht, und
sie findet sich, als Bach erfährt, dass der Motettenchor
der Michaelisschule in Lüneburg Buben sucht, die
gut singen können.
Im
Jahre 1700 macht sich Bach mit einem Freund zu Fuß in das 300 km
entfernte Lüneburg auf um vorzusingen und wird aufgenommen. Seine
Existenz ist vorläufig gesichert, und er hört die größten Organisten
seiner Zeit, darunter Georg Böhm aus Lüneburg,
Adam Reinken aus Hamburg etc.
Doch
seine Karriere als Chorsänger endet, als er 1702 in
den Stimmbruch kommt. Und er tritt im Jahr darauf
seine erste Stelle als Organist an, und zwar in der
Neuen Kirche in Arnstadt. |
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Konflikte führen zur
Entlassung |
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Die
Tätigkeit dort erweist sich allerdings als nicht konfliktfrei.
Bach wird zusätzlich die Leitung des Chores
und der Lateinschule übertragen, was so nicht im
Vertrag steht und er daher ablehnt. Es kommt sogar zu einer
Rauferei zwischen ihm und einem Zögling. Zudem
sind Bachs musikalische Darbietungen für das Volk
einfach zu schwierig, darüber gibt es zahlreiche
Beschwerden.
Der
Höhepunkt der Auseinandersetzungen aber
wird erreicht, als er sich einen Monat Urlaub nimmt,
um zu Buxtehude nach Lübeck zu reisen
und den Urlaub einfach auf 3 Monate verlängert. Bach
muss sich um eine neue Stelle umsehen... |
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Regelmäßiges Einkommen
und Heirat |
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Eine
große Chance bietet sich, als der Organist der
St.-Blasius-Kirche in Mühlhausen plötzlich stirbt. 1706
bewirbt sich Bach und bekommt diese Stelle auch sofort. Nun hat er
ein regelmäßiges Einkommen und kann an die Gründung einer Familie
denken.
Im
Oktober 1707 führt er seine Cousine Maria Barbara vor
den Traualtar. Doch es hält ihn nicht lange in
Mühlhausen. Am Hof des Herzogs von
Sachsen-Weimar, Wilhelm Ernst, wird eine
Stelle als Organist frei, und er wechselt dorthin. |
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Glückliche Jahre, aber
auch Enttäuschungen |
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Es
folgen glückliche und finanziell gesicherte Jahre. Hier in Weimar
entstehen seine schönsten Toccaten, Fugen und
Kantaten. Auf der Karriereleiter klettert er ebenso weiter
nach oben. Er wird Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle,
ein sehr angesehener Posten.
Doch
1717 wird ein Jahr, in dem es auch manche bittere Enttäuschung gibt.
Er wird nach Dresden eingeladen, um an einem Musikwettstreit
teilzunehmen. Einer seiner Mitstreiter ist Louis
Marchand, Hoforganist Ludwig XIV., doch als
Bach ankommt, hat dieser gerade Hals über Kopf die Stadt kampflos
verlassen.
Bachs
Euphorie über diesen Triumph ist bald verflogen. Der Herzog
von Weimar lehnt eine weitere Beförderung Bachs ab. Der
Komponist ist daraufhin so verärgert, dass er von nun an keine Note
mehr für den Herzog schreibt.
Statt
dessen bewirbt er sich (übrigens erfolgreich) als Kapellmeister bei dem
musisch begabten
Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. |
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Produktive Zeit und
Schicksalsschläge |
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Es
folgt eine sehr produktive Zeit. Es entstehen die
„Brandenburgischen Konzerte“, das „Orgelbüchlein“,
und einige Lieder.
Da wird
die glückliche Zeit im Juni 1720 vom plötzlichen Tod seiner
Frau überschattet, was Bach aber mit fast unmenschlicher
Anstrengung überwindet. |
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Neue Ehe als
Glücksgriff |
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Ein
wahrer Glücksgriff aber ist seine darauffolgende Hochzeit ein Jahr
später mit Anna Magdalena Wilcken, die damals
20jährige Tochter des berühmten Zeitzer Hoftrompeters
und Virtuosen. Nur sieben Jahre älter als Bachs ältestes Kind aus
erster Ehe, ist sie für Bach nicht nur eine perfekte Hausfrau, sie
ist auch weiterhin eine gefeierte Sängerin, sie versorgt seine
Kinder aus erster Ehe, und bringt selbst in den darauffolgenden
Jahren 13 Kinder zur Welt, von denen jedoch sechs früh sterben.
In
diese Zeit fällt auch sein größter beruflicher Erfolg: er wird 1723
Thomaskantor in Leipzig. Nach dem Tode
seines Vorgängers Johann Kuhnau am 5. Juni 1722 wird
die Stelle zuerst dem damals wohl bekanntesten deutschen Komponisten
Georg Philipp Telemann angeboten. Doch dieser lehnt
ab und lässt dem Rat ausrichten, "er wolle nicht wie ein Tölpel vor ein Schock frecher Bengel threten und mit erhobenner Handt Maulschellen austheilen“...
Aber
der Lateinunterricht ist ein Bestandteil der Arbeit des
Thomaskantors. Darauf erwägt der Leipziger Stadtrat, Johann
Christoph Graupner diese Stelle anzubieten, der allerdings
eine besser dotierte Stelle in Darmstadt vorzieht.
Man
müsse sich deshalb – nach Meinung der Leipziger Behörden – für einen
drittklassigen Musiker entscheiden, da die besten
nicht zu bekommen sind. So wird Bach zum neuen
Thomaskantor bestellt – man hält ihn nämlich für einen unbedeutenden
Organisten, von dem erwartet wurde, „dasz er treue und thankbahr
und fuersorglichst seine Pflicht thun werdt“. |
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Wieder Konflikte |
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Zu seinen
Aufgaben zählen neben dem Lateinunterricht in erster
Linie die Leitung und Ausbildung des Knabenchors
sowie die Komposition von geeigneter Musik für die
vier Leipziger Hauptkirchen und alle städtischen Anlässe.
Das
bedeutet, dass Bach hauptsächlich für die sonntäglichen
Gottesdienste und die kirchlichen Feste Musik schreiben muss. Aber
die Tatsache, dass in der Leipziger Stadtregierung Leute sitzen, die
von Musik keine Ahnung haben, muss natürlich
zwangsläufig zu Konflikten führen. Man erwartete einen
unterwürfigen Kantor und erlebt statt dessen einen
selbstbewussten Komponisten, der außerdem durch seinen
Charakter auch durchaus stur und unbequem sein konnte.
Wann
immer er sich ungerecht behandelt fühlt, lässt er einen wahren Regen
an Beschwerdebriefen an alle möglichen Stellen von Stapel, z. B. als
man ihm nicht die dem Thomaskantor zustehenden Rechte bei
Universitätsaufführungen zugesteht.
All das
führt auch zu Auseinandersetzungen mit den Kirchenbehörden, und
seine Lehrtätigkeit wird zusehends schwieriger, als ein neuer Rektor
kommt, Johann August Ernetti, den Bach nicht ausstehen
kann und mit ihm immer wieder über Inhalte des Lehrplanes streitet.
Wiederholt versucht Bach, der unbefriedigenden Situation zu
entfliehen und schreibt sogar einmal seinem Schulfreund Georg
Erdmann in Danzig, ob es dort nicht Arbeit für ihn gäbe.
Letztendlich hält er es aber trotzdem 27 Jahre in Leipzig aus. Hier
komponiert er den Großteil seiner Werke.
Als
seine wichtigsten sind zu nennen: 5 vollständige Kantatenzyklen für
das Kirchenjahr (jede mit etwa 60 Kantaten, also insgesamt
wahrscheinlich 300 Kantaten, aber nur ca. 230 sind erhalten), die
berühmte h-Moll-Messe, die Oratorien und
Passionen, das Magnificat, und eine
Unmenge an Instrumentalmusik, die selbst für Kenner kaum zu
überblicken ist.
Weiters
6 Konzerte für ein bis drei Violinen, 4 Ouvertüren,
6
Violin-Klavier-Sonaten, 6 Suiten für Violoncello, etwa 230
geistliche Motetten, 30 weltliche Motetten, die „Kunst der Fuge“,
das "Wohltemperierte Clavier" und schließlich die legendären „Goldberg-Variationen“. |
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Augenlicht
verschlechtert sich |
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In den
letzten 10 Jahren seines Lebens verschlechtert sich sein Augenlicht
zusehends. Er findet aber Trost in seiner großen Familie und seinen
Kindern, von denen einige selbst talentierte Musiker werden, die es
zu internationalem Ruf bringen. |
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Bachs
Tod und Beisetzung |
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Bach
stirbt am 28. Juli 1750 an einem Schlaganfall. Sein
ungeheures Lebenswerk war vor 250 Jahren den Stadtvätern
von Leipzig nicht einmal einen Grabstein
wert. Der Prophet gilt eben nichts im eigenen Lande... Zwar
wurde Bach – wie es sich gehörte – 3 Tage öffentlich in der
Thomaskirche aufgebahrt und anschließend auf dem
Johannisfriedhof begraben. Aber mit keinem Grabstein.
Als man
sich 100 Jahre später wieder an ihn erinnert, ist es allerdings zu
spät – niemand weiß mehr, wo Bachs Grab war. Die Stadt
begnügt sich bis heute mit einer Gedenktafel an der
äußeren Mauer der Johanniskirche. |
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Ein langer Weg... |
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Ein langer
Weg vom Thomaskantor zu jener überdimensionalen
Installation des Schweizer Art-Künstlers Silvan Baer,
der für sage und schreibe € 200.000,- zu Bachs 250. Todestag einen
Kopf des Meisters zusammenpappte, der als „Bach über Leipzig“
den Feiernden als Hollywood-Monstrum ein Jahr lang vor Augen schwebte.
79m
hoch, 54m breit, mit einer Fläche von 4266 Quadratmetern, ein Netz
aus 3000 Rasterpunkten in Form von Plastiktüten, getragen von einem
Stahlseil, 277m lang und 22mm dick, dazu 56 Abspannseile, montiert
an 16 Kiescontainern... mein Gott, Bach, so groß warst du noch
nie... |
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Der junge Bach

Bach 1736

Bach 1746

J. Seb. Bach (Zeichnung
von Ludwig Bechstein
um 1854)

"Soli Deo Gloria"
"Gott allein die
Ehre!"

"Jesus juva"
"Jesus hilf!"

Denkmal vor der Thomaskirche
in Leipzig

Installation
von Silvan Baer

"Bach über Leipzig"
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