Die Sanierung des Gemeindezentrums der Evangelischen

    Gemeinde A. B. in Spittal 2001                                            1

 

 

 

Erste Schäden treten auf

Aus heutiger Sicht - nach etlichen Jahrzehnten Erfahrung mit Sichtbetonbauten und Flachdächern -  hätte man das vor beinahe 30 Jahren errichtete Gemeindezentrum Spittal wohl anders konzipiert.

So war es auch kein Wunder, dass bereits wenige Jahre nach Fertigstellung des Gemeindezentrums eklatante Schäden und Baumängel auftraten. Eine umfassende Renovierung war notwendig geworden.

Praktische Mängel

Auch hatte sich durch den täglichen Gebrauch des Gemeindezentrums so mancher praktische Mangel herausgestellt.

Für eine ordentliche Wärmedämmung musste dringend gesorgt werden.

Die seinerzeitige Eindeckung mit einem Flachdach über Gemeindesaal und Hauptgebäude stellte sich als weiterer Negativpunkt heraus. Wassereinbrüche und Sickernässe in Decke und Wänden machten viel zu schaffen.

Die seinerzeit geschaffene durchgehende Fensterfront am Hauptgebäude sollte auf eine vernünftige Größe reduziert werden.

Die Zugangsüberdachung bedurfte ebenso einer umfassenden Sanierung.

Die ursprünglich eingebaute Elektroheizung erwies sich bei der Heizlastberechnung als eine "Geldvernichtungsmaschine". Die Heizleistung war nur mäßig, die Kosten immens hoch.

Der nachträglich eingebaute Kamin zog nicht richtig, was eine Ofenheizung sehr erschwerte. Daher plante man, eine Warmwasser-Zentralheizung mit Gastherme einzubauen.

Arch. Dipl.-Ing. Pernull ist Sieger

Aus dem Architekten-Wettbewerb, den die Evang. Pfarrgemeinde Spittal ausrichtete, ging schließlich das Projekt von Arch. Dipl.-Ing. Rudolf Pernull aus Hermagor als Sieger hervor. Auch notwendige Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen in Pfarrhaus und Kirche sollten durchgeführt werden.

Istzustand

Das Gemeindezentrum auf Fotos im Istzustand vor der Sanierung, einmal vom Zugang her mit der Traufenkieseinfassung, einmal vom Parkplatz neben der Kirche her gesehen (damals noch etwas mehr durch Sträuchergruppen und Bäume versteckt)

   

Eine Wochenzeitung witzelte über das Gebäude mit: "Die Lutherfestung mit Schießscharten" , ein örtlicher Politiker nannte das Gebäude das "Seeberg-Schlachtschiff :-)

Das Gemeindezentrum auf einer Zeichnung im Istzustand vor der Sanierung (schematische Zeichnung durch Arch. Dipl.-Ing. Pernull):

Skizze des Baukörpers

Beurteilung des Architekten

Einige Zitate aus der Baubeschreibung von Arch. Dipl.-Ing. Rudolf Pernull aus Hermagor:

"Das bestehende Gebäude befindet sich hinter Kirche und Pfarrhaus, welche in einer späten Ausformung des Jugendstils errichtet wurden. Das Gemeindezentrum hinter diesen beiden Gebäuden befindet sich abseits einer größeren Straße.

Bei der an sich schönen Gartenanlage wirkt der kühle, nüchterne Betonbau - typisch in seiner Ausformung für den Geschmack der 80er-Jahre - nicht sehr einladend.

Durch die dringend notwendige wärmetechnische Sanierung - sinnvollerweise durch Außendämmung - wird es möglich, dem Objekt ein anderes Bild zu verleihen. Überhaupt sollen weitere formale und bautechnische Schwächen ausgeglichen werden.

Bei der derzeitigen Lage vermisst man den Bezug zum öffentlichen Bereich der Straßen, den bauliche Kontakt dorthin, sowie die Wegführung oder der Hinweis zum Gebäude".

Vorstellungen des Architekten

 

 

Weiters vermerkt der Architekt in seiner Beschreibung der vorgeschlagenen Sanierungsarbeiten:

"Bei diesem Gemeindezentrum soll es sich um ein Gebäude zur Vermittlung der christlichen Botschaft handeln, welche sich nach außen in den öffentlichen Raum einladend widerspiegeln sollte.

Die Bibel dient dabei im weiteren Sinn auch zur Formfindung. Alte und neue Gebäudeteile nehmen Bezug auf das Alte und Neue Testament. Das althergebrachte, wie es sich in Kirche und Pfarrhaus spiegelt, soll nicht verleugnet werden, sondern eingebunden. Dem Besucher des Gemeindezentrums sollen sich hingegen die neuen Bauwerksteile präsentieren, einladend, offen und freundlich.

Bei Sichtbetonbauweise besteht immer die Gefahr, dass der Baukörper zu massiv und erdrückend wirkt. Dazu kommt noch der etwas triste Eindruck der grauen Flächen".

Die äußere Umgestaltung des Gemeindezentrums stellt sich der Architekt wie auf der von ihm erstellten Entwurfskizze so vor:

Merkwürdiger Gesinnungswandel

Es mutet schon ein wenig eigenartig an, dass die örtliche Baubehörde (Stadtbauamt Spittal/Drau) in einem Schreiben an die Pfarrgemeinde festhält:

Die Baubehörde entdeckt ihre Verantwortung für die Ortsbildpflege...

"Grundsätzlich besteht seitens der Stadtgemeinde Spittal an der Drau gegen die geplante Umgestaltung und Sanierung des Pfarrzentrums kein Einwand.

Es wird jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass bei der Wahl der Baustoffe besonders im Hinblick auf die Verkleidung von Fassadenteilen ein Baustoff zu wählen wäre, der zum Ambiente der Umgebung und des bestehenden Pfarrzentrums passt und mit der im Süden liegenden traditionellen Pfarrkirche harmoniert.

Bei der Wahl eines Holzbaustoffes muss bei der Farbgebung darauf geachtet werden, dass keine "Lederhosenarchitektur" dieses Erscheinungsbild dominiert..."

 

Man fragt sich angesichts dieser Vorgaben seitens der Baubehörde, wie es möglich war, für das ursprüngliche Objekt eine Baugenehmigung zu erhalten, wo man so rigoros auf das Ortsbild und die architektonische Gestaltung achtete. Denn bei dem Sichtbetonbau war von "passender Gestaltung zum Ambiente der Umgebung und zur Pfarrkirche" nun wirklich keine Rede...

 

Der "Erfolg" der seinerzeitigen Baugenehmigung wird wohl der Hartnäckigkeit, dem bestimmenden Auftreten und dem Verhandlungsgeschick des damaligen Pfarrers Mag. Herbert Seeberg-Elverfeldt zuzuschreiben sein...

 

 

 

Der nicht als begehbare Terrasse geplante Flach-dachbereich über

dem Gemeindesaal

 

 

Das Gesamtensemble

mit Pfarrkirche, Pfarrhaus und Gemeindezentrum

 

 

Eingangs- und

Zugangsbereich

 

 

Gemeindezentrum

und Kirche

 

 

Garage und

Zugang vom Westen her

 

 

 Abrissarbeit an der  Verbindungsüberdachung

 

 

Aushub für Sickergrube

 

 

Abriss der Stützen im

Zugangsbereich

 

Unterseiten:

Sanierung Gemeindezentrum Spittal 1

Sanierung Gemeindezentrum Spittal 2