Neue Glocken nach langwierigen und schwierigen

   Verhandlungen mit diversen Firmen                            2

 

 

Erste Bemühungen

für ein

neues Geläute

  Es ist sicher nicht überraschend, dass man in der Pfarrgemeinde mit der einen verbliebenen Glocke nicht glücklich war. Also startete man 1964 unter Pfr. Herbert Seeberg-Elverfeldt ernsthafte Bemühungen, um zu einem neuen Geläute zu kommen.

Als erstes wurde dafür ein Glockenkomitee gegründet. Parallel zu einer Sammelaktion bei Firmen und unter den Gemeindegliedern wurden verschiedene Glockengießereien angeschrieben und um Offerte gebeten. Die für die Materialbeschaffung und den späteren Glockenguss in Frage kommenden Firmen waren die Oberösterreichische Glocken- und Metallgießerei in St. Florian, die Fa. Grassmayr in Innsbruck, sowie später dann noch die Fa. Oberascher aus Salzburg und die Glockengießerei Erding in Bayern, für die Läutemechanik und eine neue Turmuhr die Fa. Sachs aus Salzburg und die Fa. Schauer in Wien.

Es entwickelte sich ein reger Schriftverkehr zwischen den anbietenden Firmen, dem Glockenkomitee und dem Pfarramt.

 
       
Ergänzung oder Neuguss?   Als Angebotsgrundlage ging man zuerst davon aus, zwei Ergänzungsglocken zur noch vorhandenen Bronzeglocke zu beschaffen. Auch benötigte man ein Läutwerk mit einer entsprechenden Steuerung und ein neues (elektrisches) Uhrwerk für die Turmuhr.  
       

Auf das Geläute der römisch-katholischen

Stadtpfarrkirche abgestimmt?

 

Die verbliebene Glocke stellte sich bei einer Untersuchung am 29. Juni 1964 durch die Fa. Oberösterreichische Glocken- und Metallgießerei St. Florian mittels Stimmgabel als eine cis"-Glocke heraus.

Die vorgeschlagene Stimmung des Geläutes - unter Einbeziehung der vorhanden Glocke - war daher für die neuen Glocken fis´ und a´ (beide neu) und cis".

Diese Firma machte allerdings darauf aufmerksam, dass ein neues Geläute der evangelischen Kirche Spittal in Kongruenz zu jenem von ihnen im Jahre 1950 für die römisch-katholische Stadtpfarrkirche gelieferten Geläute in den Tönen c´- es´ - g´- b´ stehen sollte, also sich eher eine Stimmung in den Tönen fis´ - a´- h´ anböte.

 
       
Die alte Glocke ist nicht verwendbar  

Es stellte sich nach einer eingehenden Untersuchung durch einen Glockenfachmann der Fa. Grassmayr leider bald heraus, dass die letzte verbliebene Glocke weder vom Klang noch vom Zustand her in ein neues Geläute eingebaut werden könnte. Man musste sich also notgedrungen damit anfreunden, ein komplettes Geläute einzuplanen.

Bei den Metallpreisen im Jahre 1964 war dies allerdings ein kostspieliges Unterfangen. Reine Glockenbronze (eine Legierung aus 80% Kupfer und 20% Zinn) kostete damals - an den Preisen der Londoner Metallbörse orientiert - pro kg ATS 51,-

Die Fa. Grassmayr schlug vor, die alte kleine Glocke zu zerkleinern, einzuschmelzen und dafür der Pfarrgemeinde ATS 10.050,- als Kostenersatz für die Eigenmetallaufbringung vom Gesamtpreis über 150.129,- abzuziehen.

 
       
Läuteanlage von einem Spezialisten  

Sämtliche Firmen wiesen darauf hin, dass eine Läute-Anlage nur von einer Spezialfirma - auf Empfehlung aller Firmen kam da nur die einzige Spezialfirma in Österreich in Frage, nämlich die Fa. Sachs in Salzburg in Frage - geliefert werden könne.

Das gleiche galt für ein neues elektrisches Uhrwerk der Hauptuhr und den Regulator mit den festen Einstellungen für die Läutezeiten. Hierfür wurde die Firma Schauer aus Wien genannt.

Für diese Anlagen wurden entsprechende Angebote eingeholt.

 
       

Drei fertige Glocken zu einem günstigen Preis

 

Eine ausgesprochen interessante Nachricht erreichte das Spittaler Glockenkomitee am 20. August 1964.

Der mit der Oberösterreichischen Glocken- und Metallgießerei St. Florian eng zusammen arbeitende Glockenfachmann Carl M. Schwarzmaier teilte darin mit, er habe durch Zufall von einer ihm gut bekannten Glockengießerei in Erding/Bayern erfahren, dass diese ein 3-stimmiges Geläute in der Stimmung fis´ - a´- h´ (Te-Deum-Motiv) auf Lager hätten und dieses um fast ATS 20.000,- billiger abgeben könnte (der durchschnittlich angebotene Preis bewegte sich bei den anderen Firmen inklusive Läutwerk, Steuerung und Turmuhrwerk) so um ATS 150.000,- (ca. € 10.900,-).

Dieses viel versprechende Angebot hatte aber einen Haken. Durch die notwendige Verzollung und Versteuerung der Glocken wäre der Preisvorteil wieder dahin gewesen.

Die Glockengießerei schlug vor, die Glocken vom Gustav-Adolf-Verein Deutschland erwerben und an die Pfarrgemeinde Spittal verschenken zu lassen, damit würde man sich Zoll und Steuern sparen.

 
       
Steigende Weltmarktpreise für Glockenbronze  

Er empfahl außerdem, durch eine entsprechende à-conto-Zahlung Kupfer und Zinn schon vorab einzukaufen, um sich damit vor einer sich abzeichnenden Preissteigerung bei Glockenmetallen abzusichern, was aufgrund der gespannten finanziellen Situation der Pfarrgemeinde aber nicht sofort möglich war.

Außerdem wäre es bei einem Kauf dieser Glocken nicht möglich, zum Geläute der röm.-kath. Stadtpfarrkirche eine kongruente Stimmung der Glocken zu erreichen.

 
       
Versuch eines Steuererlasses scheitert   Nachforschungen, Anfragen und Gesuche der Evang. Gemeinde Spittal ergaben aber sowieso, dass das Gustav-Adolf-Werk prinzipiell keine Glocken verschenkt.

Das Ansuchen an die Finanzlandesdirektion Kärnten um Steuerbefreiung ergab, in dieser Sache sei das Finanzministerium in Wien direkt zuständig. So begab sich der Rechtsanwalt der Gemeinde, Dr. Walter Ertl, auf eine "Bittstellerreise", eine Zollbefreiung wurde aber leider rundweg abgelehnt.

Bei der Anschaffung dieser Glocken wäre der Preisvorteil durch die zu leistenden Zölle und Steuern gegenüber dem normalen Kaufpreis wieder egalisiert gewesen.

 
       
Die Pfarrgemeinde  gerät unter Druck  

Mittlerweile hatten auch die Preise für Glockenbronze auf ATS 70,- enorm angezogen, und  die Glockengießerei Erding wollte sofort 50% des Kaufpreises bei Bestellung der Glocken überwiesen bekommen, da sie sonst wegen der günstigen Entwicklung des Metallpreises gezwungen sei, die Glocken einzuschmelzen und das Rohmaterial gewinnbringend zu verkaufen.

Daher war ein Kauf zu diesem Zeitpunkt nicht mehr finanzierbar und wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Das hatte einen bitterbösen Brief des Glockenfachmannes Schwarzmeier zur Folge, in dem sowohl Pfarrer als auch das Finanzministerium sein "Fett" abbekam...

Pfr. Seeberg-Elverfeldt zog sich darauf hin aus dem Glockenkomitee zurück. Den Vorsitz übernahm von da an die sehr engagiert agierende Fr. Antonia Chuchla.

 
       
Ein "begnadeter Fechter"  

Besonders zu erwähnen ist, dass durch die unzähligen Bittbriefe um Unterstützung von Pfr. Seeberg-Elverfeldt eine große Anzahl an Spenden eingingen, die alle von ihm mit einem persönlich und herzlich formulierten Dankesbrief erwidert wurden.

Als besonderes "Zuckerl" sei aus einem Dankschreiben an eine in unmittelbarer Nähe liegende Autohandels- und -reparaturfirma zitiert, deren Belegschaft ohne Bittschreiben spontan ATS 270,- ersammelt hatte und der Pfarrgemeinde überbrachte. Im Dankschreiben von Pfr. Seeberg-Elverfeldt ist folgendes zu lesen:

"Unsere Freude ist umso größer, da die Spende von einem Nachbarn kommt, der wir unsere Sorgen um das Zustandekommen des neuen Geläutes gar nicht mitgeteilt haben. Möchte nun - das wäre unser herzlichster Wunsch - das Geräusch fleißiger Arbeit aus der Mechanikerwerkstätte und der Klang der Kirchenglocken immer gut zusammen passen und ganz tief im Herzen eine unlösliche Einheit bilden!"

 
       
Metallpreise sinken wieder   Am 17. 12.1964 war man seitens der Pfarrgemeinde durch die wieder gesunkenen Metallpreise jetzt endlich in der Lage, das Glockenmaterial zu kaufen und hatte mittlerweile auch einige recht günstige Angebote vorliegen. Die Preise bewegten sich im Dezember noch etwas nach oben und blieben dann beim Preis von ATS 40,75 stehen.  
       
Hand in Hand...  

Die das Metall für den Glockenguss liefernde Firma war übrigens die Tochterfirma der Glockengießerei Grassmayr, der Metallhandel Grassmayr.

Für die 1.600 kg Glockenbronze 80/20 wurde ein Preis von ATS 57.050,- (darin war bereits die Gutschrift für das beigestellte Material und der Mehrpreis für  6% Materialschwund beim Guss berücksichtigt) vereinbart.

Als Gusslohn wurde pauschal ATS 24.000,- vereinbart. Das Metall wurde gleich an die Glockengießerei geliefert und der Produktion der Glocken stand jetzt nichts mehr im Wege.

 
       
Notwendiges Zubehör   Die Kosten für die Kronen der Glocken (aufgesetzte engelförmige Halterung am Kopf der Glocken), Bolzen, Klöppelöse und Klöppel sowie Materialien für die Aufhängung, den Hochzug und die Montage der Glocken wurden extra in Rechnung gestellt.  

 

 

Die Herstellung einer Glocke

(Fortsetzung)

 

 

Stunden vorher wird der

Schmelzofen aufgeheizt und mit der

Glockenspeise, bestehend aus

78 % Kupfer und 22 % Zinn,

beschickt.

Bei etwa 1100 °C hat die

Bronzeschmelze die erforderliche Gusstemperatur

 

 

Der Zapfen, der den Schmelzofen verschließt, wird ausgestoßen.

 

 

Durch die offenen Rinnen fließt die Schmelze zu den Eingusslöchern

der Glockenformen.

Auf Anweisung des Meisters wird

das jeweilige Gussloch geöffnet,

die Form füllt sich, Gase und Luft entströmen den Windpfeifen

 

 

Die Bronze erstarrt in den Formen.

Tage später sind die Glocken

ausreichend abgekühlt und werden ausgegraben.

Sie werden von Mantel und Kern

befreit, gereinigt und musikalisch

geprüft.

Mit den nötigen Armaturen werden

sie im Glockenstuhl montiert

 

 


 

Die Materialien:

 

Kupfernuggets

 

Zinnbarren

 

 

Unterseiten:

Geschichte unserer Glocken 1

Geschichte unserer Glocken 2

Geschichte unserer Glocken 3