Weitere Details zur Einrichtung der Evangelischen Kirche

    in Spittal an der Drau

  Seite 5a

 

 

Kirchenbank-

schilder

 

Noch im Fertigstellungsjahr unserer Kirche trafen die ersten Anfragen nach den "Bedingungen für die Miete eines Kirchenstuhles" bei Pfr. G. Buchacher in Unterhaus, ein.

 

Spittal war zu diesem Zeitpunkt ja Filialgemeinde von Unterhaus. Dieser leitete die Anfragen an seinen im Zuge der "Los-von-Rom"-Bewegung nach Österreich geschickten Personalvikar Julius Schacht mit Amtssitz in Spittal weiter.

 

In einem Brief von Vikar Julius Schacht an einen Studienfreund in Berlin, der in der Zeitschrift "Die Wartburg - Deutsch-evangelische Wochenschrift" Ausgabe für Kärnten vom 28. Oktober 1909 veröffentlich wurde, ist zu lesen, dass er über dieses Ansinnen sehr erstaunt war:

 

       

Ein erstaunter Brief heim ins "Reich":

 

 

(wiedergegeben in der Originalrechtschreibung:)

"...Stell dir nur vor, mit welchem Ansinnen ich hier im Lande belastet wurde. Einige Pfarrkinder hier wollen einen Kirchenbankplatz in unserem schmucken Kirchlein pachten und sind bereit, dafür nicht unwesentliches Geld zu bezahlen. Aus dem Reich kenne ich natürlich diesen Brauch von Bürgern und besonders von adeligen Familien, die sich gern in der Kirche vom schlichten Volk abgrenzen und Distanz halten wollen. Adelige sind ja oft auch Stifter oder Förderer der Kirche und Gönner ihrer Pfründe, und manche stellen gern eigenes Chorgestühl in den Altarraum, mit Wappenschildern geschmückt. Und manches Gestühle ist dazu auch sogar versperrbar. Mich hat dieses Sich für  besonders Halten stets ablehnend berührt. Sind wir von Gott dem Herrn nicht alle gleich viel und gleich wichtig gesehen?

Aber ich will meinen schlichten Kärntnern gern zu Gute halten, daß die  Meisten von ihnen ihre Kirche fördern wollen, und zu schämig sind, dies mit offenen Geldspenden zu tun, also mieten sie sich einen Kirchensitz, es ist wohl mehr als Unterstützungsbeitrag zum Kirchenbau zu verstehen..."

 

 

 

 

 

 

 

Man muss berücksichtigen, dass Julius Schacht im Deutschland des Kulturkampfes aufgewachsen ist. In guter "Los-von-Rom"-Tradition findet er immer wieder deutliche Worte gegen den  "Ultramontanismus" und die Machtansprüche, die "über die Berge gen Süden" (nach Rom) locken (siehe auch in der Predigtdatenbank seine Predigt anlässlich der Grundsteinlegung unserer Kirche).

 

 

 

 

 

Einige Beispiele

 

       

 

 

 

Einige weitere Spenden des Gustav-Adolf-Vereines Österreich

 

Im Reformationsgottesdienst am 31. Oktober 1902 im großen Saal des Gasthofes Ertl übergibt ein Delegierter des Gustav-Adolf-Werkes in Österreich der Evangelischen Filialgemeinde Spittal ein aus Tauftasse und Taufkanne bestehendes Taufgeschirr, welches noch heute in Verwendung ist.

 

Die dazu gehörende Taufsäule aus Holz ist ein Geschenk der in Spittal stationierten Britischen Besatzungsmacht. Dazu mehr weiter unten.

     
          
                     Das Taufgeschirr                                Die Positionierung der Taufsäule im Raum
     
    Als Umschrift auf der Taufkanne ist oben ein Wort Jesu Christi zu lesen: "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht" und auf der Körpermitte die Widmungsgravur "Gustav-Adolf-Verein 1901"

Auf der Tauftasse ist ebenfalls in den Rand die Widmung "Gustav-Adolf-Verein 1901" eingraviert

     
Zur Ehre Gottes...  

Der Text der Widmungstafel der Taufsäule lautet:

 

"TO THE GLORY OF GOD

AND A TOKEN

OF OUR FELLOWSHIP IN THE GOSPEL

 

PRESENTED BY

THE ARMY COLLEGE (CM)

Sept. 46 - Aug. 47

 

Der Ehre Gottes und der Erinnerung

an unsere Freundschaft

im Evangelium gewidmet

     
...eine Taufsäule von der britischen Besatzungs-macht   Die Taufsäule wurde am Vortag von Trinitatis 1948 in einem feierlichen Festzug auf einer Lafette, die von einem Jeep gezogen wurde, vom Stützpunkt der Britischen Besatzungsmacht (der von ihnen beschlagnahmten "Alpenjägerkaserne" in der Villacher Straße) durch den Torbogen über Hauptplatz, Tiroler Straße und die heutige Lutherstraße (damals noch Bahnhofstraße) zur Kirche gebracht und dort übergeben.

Mitglieder des Presbyteriums und Pfr. Hengstenberg nahmen die Taufsäule entgegen und brachten sie in die Kirche. Mit einer Andacht, gehalten von Pfr. Hengstenberg, schloss die Feier.

 

 

 

Ein weiteres

Geschenk des Gustav-Adolf-Vereines Österreich

 

Ebenfalls ein Geschenk des Gustav-Adolf-Werkes in Österreich war das erste Abendmahlsgerät für die Evangelischen in Spittal.

 

Es handelt sich um ein dreiteiliges Abendmahlsgeschirr, bestehend aus Kelch und Patene (Hostienteller), in einem runden gepolsterten Behältnis, so dass man es leicht transportieren und an verschiedenen Gottesdienstorte mitnehmen konnte.

 

Für den Gebrauch in Spittal spendete der Verein auch zusätzlich eine Weinkanne, in der man bei einer größeren Anzahl von Abendmahlsgästen Reservewein bereitstellen konnte. Sie trägt die Widmungsinschrift: "Gustav-Adolf-Verein 1901"

 

Diese Kanne wurde - weil man Kalkablagerungen in der Kanne findet - vermutlich auch eine Zeitlang als Taufkanne verwendet

 

 

 

 

 

        

 

 

 

 

 

Am Sockelinneren des Abendmahlskelches findet man eine interessante Gravur mit einer Widmungsinschrift. Sie lautet:

"Von der confirmierten Jugend des Schenker Kirchenbezirkes. 26. August 1900"

Solche Abendmahlsgeräte kamen von verschiedenen Gruppen und Gemeinden in Deutschland als Schenkung an den Gustav-Adolf-Verein, der sie an neu entstandene oder unzureichend ausgestattete evangelische Pfarrgemeinden weiter gegeben hat.

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

Ein weiteres sehr schönes Abendmahlsgerät bekam die Evangelische Pfarrgemeinde in den 90er-Jahren von privater Hand geschenkt. Es handelt sich um eine Garnitur aus schwarz glasiertem Ton mit einer Goldapplikation (Hostien über einer Patene, unterhalb ein Fisch).

     
   

Ein kleines Abendmahlsgerät in einer mit violettem Samt ausgestatteten Kapsel (eine sogenannte Bursa) befindet sich ebenfalls im Besitz der Pfarrgemeinde. Wann diese angeschafft wurde bzw. ob sie geschenkt wurde, ist nicht bekannt, es scheint sich aber aufgrund des Zustandes um eine Garnitur ca. aus den 20er-Jahren zu handeln.

Dieses kleine Abendmahlsgerät wird bis heute für Kranken- und Hausabendmahlsfeiern verwendet. Der Kelch besitzt am Fuß eine abschraubbare Patene, die Hostien werden im Sockel des Kelches aufbewahrt.

   

Das heute verwendete Abendmahlsgeschirr wurde 1997 angeschafft. Ein gleich gestaltetes Abendmahlsgerät wurde zeitgleich für Obervellach angeschafft.

Es besteht aus je einem Weinkelch, Traubensaftkelch, Aufbewahrungsdose mit Deckel für die Hostien und einem Hostienteller (Patene). Nebenstehend sehen sie das alte Abendmahlsgeschirr aus Obervellach.

 

Die fertige Kirche mit Pfarrhaus auf einer alten Ansichtskarte von 1912

 

Auch in der Zlaner Kirche  gab es Bankschilder

 

 

 

Die Taufsäule

Das Holzrelief auf

der Vorderseite

 

Das Taufgeschirr

 

Die Erinnerungsplakette

 

Die Taufsäule als Ganzes

 

Abendmahlsgeräte

 

Die Weinkanne

 

Eine Bursa mit abschraub-barem Hostienteller...

...verwendet für das

Krankenabendmahl

 

Derzeit verwendete

Abendmahlsgeräte

 

altes Abendmahlsgeschirr

aus Obervellach

 

 

Unterseiten:

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   1

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal 1a

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   2

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   3

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   4

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   5

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal 5a

360°-Panoramaansicht vom Inneren unserer Kirche 6