Die erste Kirche

   der Evangelischen Gemeinde A. B. in Spittal          2

 

Baubeschreibung

 

Baubeschreibung des Architektenteams Clemens M. Kattner und Gustav Knell:

 

 

 

 

 

 

 

 

"Allgemeine Anordnung:

 

A. Kirche

 

 

Eine Kirche und ihre Beschreibung durch das Architektenteam

 

Durch das Anlaufen der verlängerten Bahnhofstrasse auf den Baugrund war die Situation der Kirche und Pfarrhof eigentlich schon gegeben. Eine Längsrichtung der Gebäude bei so einer kleinen Kirche ist nicht anzuraten, sondern es muss der ganze gruppierte Bau als solcher wirken. In der Achse der Strasse erhebt sich der Turm, welcher daher schon von weit her sichtbar sein dürfte. Der Vorplatz vor der Kirche kann selbstverständlich grösser oder kleiner gemacht werden, was an Ort und Stelle viel besser beurteilt werden kann. Nachdem die Strasse, wo die Kirche hinein kommen soll, Villenartig verbaut wird, ist auf beiden Seiten des Grundes kaum genug (Raum?) um mit Licht und Luft reichlich versorgt zu sein. Die Situierung des Haupteinganges und des Turmes war somit auch gegeben.

 

 

 

 

 

Der Grundriss

 

Der Grundriss wurde einfach und in klaren Formen gehalten und Kirche mit Pfarrhof  in eine gute Verbindung gebracht so dass dadurch ein intimer Hof geschaffen wurde, welcher auch malerisch wirken dürfte. wie beiliegende Perspektive zeigt. Durch den Haupteingang an der Stirn-Seite der Kirche, sowie durch den Turmeingang und dem Versammlungssaal gelangt man in die Kirche. Durch den Turmeingang gelangt man falls die Kirche nicht geöffnet ist, in den vorerwähnten Versammlungssaal, welcher reichlich belichtet und durch Glaswände auf Paravetthöhe abgeschlossen ist. Derselbe kann auch zur Kirche hinzugenommen werden und sind in diesem Falle einfach nur die Glaswände zu öffnen.

 

 

 

 

 

Der Turm

 

Im Turme befindet sich die Emporestiege und das Closet für diesen Saal. Die Kirche besitzt reichlich bemessene 204 Sitzplätze zu ebener Erde zu denen noch die Orgelempore mit 24 Sitzplätzen eingereiht werden kann. Weiters wurde für noch eine weitere Zukunft über dem Sitzungssaal eine Empore von 30 Sitzplätzen eingeschaltet, so dass für lange Zeit den Bedürfnissen der Gemeinde was Raum anbetrifft entsprochen sein dürfte.

 

 

 

 

 

Kanzel und Altar

 

Kanzel und Altar sind von jedem Punkte der Kirche ungehindert sichtbar. Die Breite der Gänge und Grösse der Sitzplätze den Bedingungen entsprechend. Die Kanzel erhält einen leichten und direkten bequemen Aufgang hinter der Altarwand. Der bevorzugste Raum ist der Altarraum der auch einen geräumigen Platz für die Abendmahl-Feier aufweist. Die Art der Grundrisslösung und Anordnung der Kanzel und Altar hat sich in der von uns erbauten Kirche in Innsbruck sowohl akustisch als auch in jeder anderen Beziehung vorzüglich bewährt und dabei den evangelischen Kirchen-Charakter in jeder Beziehung gewahrt

(siehe dazu auch Skizzen auf der letzten Seite dieses Themas).

 

 

 

 

 

Gerätekammer neben Altarraum

 

Im Anschluss an den Altarraum befindet sich eine kleine Gerätekammer durch welche man in das Studier- und Arbeits-Zimmer, welches ruhig und abgeschlossen gelegen, gelangt. Von diesen führt auch ein direkter Eingang in den Versammlungssaal und in das Vorzimmer des Pfarrhofes. Für die rasche Entleerung der Kirche  ist durch eine stattliche Anzahl von zugfreien Türen, sorge getragen.

 

 

 

 

 

Die Turmuhr

 

Die Uhr in entsprechender Höhe angeordnet frei sichtbar.

 

 

 

 

 

Gesamtbeurteilung

 

 

Die ganze Anlage bietet speziell auch von rückwärts, einen charakteristischen und intimen Anblick, so dass sich die Anlage auch von der oberen Tiroler Reichsstrasse sehr günstig ausnehmen dürfte. Als Heizung wurde vorläufig Ofenheizung angenommen, und ist der Kohlenraum zur leichteren Kontrolle im Pfarrhof angeordnet, es kann aber ganz leicht für eine Frischluftheizung ein Heizungsraum geschaffen werden.

 

       

 

 

 

 

    B. Pfarrhaus  
Das Pfarrhaus   Das Pfarrhaus wurde derart angeordnet, dass gegen den Nachbar so wenig wie möglich Öffnungen sind. Der Hauptausblick vom Pfarrhof wurde auf die Strasse sowie nach rückwärts gelegt. Um die Baukosten nicht zu erhöhen und die Kirche nicht zu schlagen wurde das I. Stockwerk mit dem Dachgeschoss zusammengezogen, dadurch wurde durch die glückliche Anlage der Giebel eine gute Wirkung erzielt.  
       

Kellerräume

  Im Keller ist die Waschküche und die Kellerräume angeordnet, in einem etwas überhöhten Erdgeschoss die Wohn- und Empfangszimmer, ein grosses Wohnzimmer, Speise und Closet, welch letzteres über die Speise Licht und Luft erhält.  
       

Die Raumaufteilung

 

Weiters wie verlangt ruhig gelegen und abgeschlossenes das Studier- und Arbeits-Zimmer, welches nicht überbaut ist und sich gut in die gesamte Anlage hinein fügt, wie auf rückwärtiger Facade zu sehen. Im I. Stock, 2 geräumige Schlafzimmer, 1 Fremdenzimmer, 1 Badezimmer und das zweite Closet, Bodenkammer mit Stiege zum Oberboden und eine genügende Anzahl Bodenräume ober dem Studierzimmer und Presbytersaal.

 

 

 

 

 

Vorplatzgestaltung

 

Vor der Gesamtanlage wurde ein Vorplatz geschaffen mit Sitzbänken, Blumen und lebenden Zaun. Gegen den Nachbar zu ist der Grund mit Holzplanken eingefriedet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konstruktion:

 

 

 

 

 

Konstruktionsaufbau

 

Als Baumaterial für Kirche und Pfarrhof wurden hauptsächlich Bruchstein und Ziegel angenommen. Die Kirche und Pfarrhof haben bis zu einer gewissen Höhe lagerhaften einseitig bearbeiteten Bruchstein und Ziegelhintermauerung. Der Turm erhält nur Hochquadern aus Baustein. Die übrige Facade ist in eventuellen Reibsand-Putz gedacht.

Bei dem Entwurf der Facaden wurde von jeder reicheren dekorativen Steinarbeit Abstand genommen und wurde in Anbetracht des einzuhaltenden Kostenpunktes nur das notwendigste gemacht. Die Decke der Kirche ist in Holz gedacht. Die Deckenkonstruktion über den Kellern gewölbt, die übrigen Decken sind Tramdecken mit Stuckatierung.

Die Stiege im Turm falls echter Stein zu teuer ist Kunststein. Vom Orgelchor zur Glockenstube in Eisen eventuell Holz. Die Stiege im Pfarrhof vom Parterre zum 1. Stock aus Holz mit schönen Holzgeländer, vom Parterre zum Keller aus Kunststein. Keller und Fundamentmauerwerk soll mit Natur-Asphalt-Platten isoliert werden.

Beschüttung der Decken mit trockener Kohlenlösche oder Sand. Fußböden teilweise hart teilweise weich, Küche, Abort und Verbindungsgang mit Platten gepflastert, die Fugen in Zementmörtel ausgegossen. Farbverglasung vorläufig in Solin und Lagerglas.

Die Kirche erhält im Innern bescheidene nicht aufdringliche Malerarbeit und Blumenschmuck.

 Die Dächer sind mit Biberschwanzziegel gedeckt.

Die Abdeckung der Strebepfeiler womöglich in sogenannten italienischen Rundziegel.

Mit dieser Anordnung und Ausstattung der Facaden ist laut beiliegender Kostenberechnung mit 40.000 Kronen das Auskommen zu finden.

Bei aller Bescheidenheit zeigt die Anlage eine sehr gute Gruppierung, schöne Formen und bietet von jedem Standpunkte des Beschauers aus, mit den einfachsten Mitteln eine gute malerische Wirkung.

 

 

 

 

 

 

 

Entwurfsstudien und 

verschiedene Perspektiven

zur Spittaler Kirche

 

Seitenansicht Süd-Nord

 

Rückansicht

vom Norden her

 

Vorschlag zur

Gartengestaltung

 

Seitenansicht von Westen

 

 

 

Das Vorbild, die Evang. Kirche

in Innsbruck,

vom selben Architekten,

auf einer Ansichtskarte

 

 

Unterseiten:

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   1

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal 1a

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   2

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   3

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   4

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal   5

Baugeschichte der evang. Kirche Spittal 5a

360°-Panoramaansicht vom Inneren unserer Kirche 6