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Eine wichtige Phase der Gemeinde-entwicklung
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Mittels eines gedruckten
Aufrufes, der in Spittal und in Kärnten verteilt bzw. in ganz
Österreich und an viele Pfarrämter in Deutschland verschickt wurde und
dessen Kopf und Fuß als Faksimile, der Text dazwischen in normaler
heutiger Schrift weiter unten in Original-Rechtschreibung der damaligen
Zeit wieder gegeben wird, wurde der erste Schritt
zur Finanzierung des Kirchenbaus gesetzt. Dieses Flugblatt wurde in einer
Auflage von 5.000 Stück bei der Druckerei Franz Nest in Spittal
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Beschreibung der Situation |
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"Spittal,
ein aufstrebender und industriereicher Marktflecken, im oberen Drautale am
unteren Ende des historischen Lurnfeldes und am Ausgang des Liesertales
herrlich gelegen, durch das der Weg an Kärntens schönsten See, dem
Millstätter See führt, im Sommer von Fremden ob seiner schönen Lage
selbst besucht und auch als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge oft
besucht - hatte sich schon vor 350 Jahren dem evangelischen Geiste
erschlossen. Die frische Geistessaat der deutschen Reformation hatte auch
hier fruchtbaren Boden gefunden, so daß gegen Ende des 16. Jahrhunderts,
wie ganz Kärnten, so auch Spittal dem Evangelium gewonnen ward. Doch auch
hier hat die Gegenreformation den evangelischen Glauben vollkommen
unterdrückt. Von Salzburg aus über den Katschberg, die Lieser abwärts, zog
die erste sogenannte Gegenreformationskommission ins Land. Hier in
Spittal, in der schönen alten Fürstenburg machte sie Halt. Was sich nicht
gewaltsam "bekehren" ließ, mußte binnen sechs Wochen und drei Tagen den
Wanderstab ergreifen und anderswo, zumeist in Deutschland, eine neue
Heimat suchen. Nur in den entlegenen Talschluchten und auf hohen
Bergeshängen hielt sich der evangelische Glaube und auch dort nur im
Verborgenen. Dort hinzugehen scheuten die Häscher den Weg. Erst als der
edle Volkskaiser Josef II. am 13. Oktober 1781 das Toleranzedikt
herausgegeben hatte, keimte die evangelische Saat wieder lebenskräftig
empor und binnen Jahresfrist zählte man in Kärnten bereits zehn
evangelische Gemeinden. |
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Wachsende Mitgliederzahlen |
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In
Spittal lebte vor 50 Jahren nur eine einzige evangelische Familie, nun
sind es rund 30. Aber schon vor zehn Jahren konnte man rund 100
Evangelische in Spittal zählen, nun sind es laut letzter Volkszählung rund
250. Es hat sich also die Zahl der Evangelischen in Spittal in den letzten
zehn Jahren mehr als verdoppelt. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß
dieses erfreuliche Wachstum anhalten wird, zumal Spittal als
voraussichtliche Endstation der im Bau begriffenen Tauernbahn gewiß einen
erheblichen Aufschwung nehmen und dadurch mit der Gesamtbevölkerung auch
die Zahl der Evangelischen wachsen wird. |
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Spittal nach Zlan
eingepfarrt
Unterhaus übernimmt Spittal |
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Die
Evangelischen in Spittal waren zunächst zur 3 Stunden entfernt gelegenen
Gemeinde Zlan eingepfarrt. Erst als sich im Jahre 1875 die Filiale von
Trebesing, Unterhaus, am nordwestlichen Ende des Millstätter See´s
gelegen, selbständig machte, wurde einige Jahre später auch Spittal dieser
Gemeinde angegliedert. Bald aber ergab sich das dringende Bedürfnis, in
Spittal selbst evangelische Gottesdienste zu feiern; denn für alte Leute
ist der Weg zur Kirche nach Unterhaus, der ein beträchtliches Stück
bergauf führt, besonders bei schlechtem Wetter und im Winter äußerst
beschwerlich. So predigte am 3. September 1899 im ersten evangelischen
Gottesdienste zu Spittal in einer Gastwirtschaft Herr G. Buchacher,
Pfarrer in Unterhaus. Weitere Gottesdienste folgten. Alle waren auffallend
gut besucht; wohl an 200 Teilnehmer konnte man durchschnittlich zählen,
denn nicht nur die in Spittal ansässigen Evangelischen besuchten sie,
sondern auch die Evangelischen aus den ober- und unterhalb Spittal im
Drautale gelegenen Dörfern, die zur Kirche ihrer Gemeinde einen sehr
weiten Weg haben, am Sonntag aber oft nach Spittal kommen, um dort auch
ihre Einkäufe zu machen.
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Predigtstation wird
angestrebt |
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Am 28. Januar 1900 wurde in
der Sitzung der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen "zur Förderung
der evangelischen Sache in Spittal und um einen gerechten Wunsch der
Spittaler Glaubensgenossen nachzukommen", daselbst eine Predigtstation zu
errichten. Seit ihrer Errichtung finden nun regelmäßig Gottesdienste
statt. Freilich musste in den letzten zwei Jahren der Raum, in dem sie
gefeiert wurden, dreimal gewechselt werden. Jetzt werden sie in einer
offenen Halle einer Gartenwirtschaft abgehalten, die nur durch große
Schiebetüren geschlossen werden kann. Vor allem drückte, von anderem
abgesehen, die Abhängigkeit, wenn auch die Kündigung des Raumes gerade
nicht vorauszusehen ist, sondern derselbe vom katholischen Besitzer mit
großer Freundlichkeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird. |
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"Evangelische Bewegung" |
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Die
"Evangelische Bewegung"
hat auch für Spittal neues Leben gebracht und den dreifachen Wunsch in den
Herzen der Evangelischen wach werden lassen, einen Vikar, der dann als
Personalvikar dem Pfarrer in Unterhaus zur Hand gehen und auch daneben den
anderen evangelischen Pfarrern in Oberkärnten zur Unterstützung dienen
sollte, zu erhalten, ein bescheidenes Gotteshaus zu bauen und auch die
Predigtstation zu einer Filiale zu entwickeln. |
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Gütige Hilfeleistung aus dem
Deutschen Reich |
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Das
erste Ziel ist durch gütige Hilfeleistung aus dem Deutschen Reiche
erreicht worden, sodaß von Oktober 1901 an in jedem Monat zwei
Gottesdienste gefeiert werden können. Um das zweite zu erlangen,
haben die Evangelischen in Spittal am 19. Januar 1902 den
"Evangelischen Kirchenbauverein"
gegründet. Die Ereichung des Dritten ist auch eine Frage der
nächsten Zeit, denn steht einmal in Spittal die evangelische Kirche, dann
soll auch Spittal der geistige und religiöse Mittelpunkt nicht blos für
die ortsansässigen Evangelischen, sondern auch für die der nächsten
Umgebung werden, für zusammen 600 Evangelische.
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Erste Beiträge gern bezahlt |
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Es ist
erfreulich, wie gern und freudig die ersten Beiträge für den
Kirchenbauverein gezahlt worden sind. Selbst die Aermsten wollten nicht
zurückstehen. Die Evangelischen in und um Spittal sind mit geringen
Ausnahmen, fast durchwegs arme Leute, teils Eisenbahnbedienstete, teils
Dienstboten, teils Kleinhäusler, teils Fabriksarbeiter. Sie alle wollen
geben nach ihren Kräften, aber allein können sie sich ihre Kirche nicht
bauen. Bei der Uebernahme dieses Werkes, das nach menschlichem Ermessen
ihre Kräfte übersteigt, hoffen sie zuversichtlich auf den Beistand der
Evangelischen im Lande, in Österreich, im Deutschen Reiche und überall, wo
das Evangelium von der freien Gnade Gottes in Christo Jesu rein und lauter
verkündigt wird. Eine große Freude und Aufmunterung war die Spende von
1000 Mark durch den Zentralvorstand des Gustav Adolf-Vereines, der auch
sämtliche gottesdienstlichen Geräte früher schon liebevoll geschenkt
hatte. |
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Bitte um Beistand und Hilfe
zum Bau der Kirche erbeten |
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So bitten
die Evangelischen in Spittal und Umgebung alle, die sich des
Zusammenschlusses mit der Gemeinde zu Lob und Preis "des Gottes und
Vaters unseres Herrn Jesu Christi", der auch ihr Gott und Vater ist, in
einem evangelischen Gotteshause erfreuen können, um Beistand und Hilfe
zu dem Bau der
evangelischen Kirche in Spittal.
Ebenso bitten sie auch die Freunde der evangelischen Sache in Nah und Fern
um freundliche Unterstützung. |
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Wenn einem oder
dem anderen beim Lesen dieser Zeilen die Liebe treibt, so
verschließe er sein Herz nicht. Einen fröhlichen
Geber hat Gott lieb! Gott segne alle
lieben Geber! |
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Die Verantwortlichen des
Kirchenbauvereines |
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Spittal um 1700
auf der Sondermarke
zur 800-Jahrfeier

Evang. Kirche von Zlan

Evang. Kirche Unterhaus

Baustein für den Kirchenbau

Kopie der mit eingemauerten
Grundstein-Urkunde

Unterschriften der
Grundstein-Urkunde

Grundsteinkasten

Die Grundlage
evangelischen Glaubens
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