Die neue Kirche

   der Evangelischen Predigtstation Obervellach                    S. 1

 

 

Erste Ansätze

 

Vereinzelte evangelische Knappen fanden sich während der Blütezeit des Bergbaues in kleinen Kreisen zusammen, es sind jedoch keine Kontakte zu einheimischen Evangelischen bekannt. Man hielt sich in den abgelegenen Gebirgstälern Oberkärntens sehr bedeckt, was Glaubensdinge anging, da man schlechte Erfahrungen mit der kirchlichen und herrschaftlichen Obrigkeit gemacht hatte.  

 

 

   

Hauskreis und Hausandacht

 

Evangelisches Leben fand praktisch nur in den Häusern im vertrauten Kreis und bei gelegentlichen Gottesdiensten auf Almen, in Höhlen oder in Hochgebirgswäldern statt.  

 

 

   

Zögerndes öffentliches Bekenntnis

 

Durch zwei Jahrhunderte bestand die einzige Möglichkeit zur Weitergabe evangelisches Gedankengutes durch das Lesen und Vorlesen aus Predigtbüchern, Andachtensammlungen und Gebetsbüchern, und natürlich in Bibelstunden durch das Betrachten des Wortes Gottes. Nur sehr vereinzelt kamen Prediger aus dem Salzburgischen oder aus Deutschland. Diese blieben dann ein paar Wochen, halfen pro forma bei Ernten oder bäuerlichen Arbeiten und vollzogen abends Amtshandlungen, hielten Abendmahlsgottesdienste und Bibelstunden, aber alles im Geheimen.  

 

 

   

Schwierige Situation

 

Das Toleranzpatent Josef II. brachte zwar einige Erleichterungen, aber größtenteils war man unter den Evangelischen im Gebiet um Obervellach sehr misstrauisch. Man hatte fast 200 Jahre unter Verfolgung und Bedrückung gelitten - wen wundert es da, dass man dieser Tolerierung nicht so ganz über den Weg traute. Das blieb bis in die Anfangsjahre des 20. Jhdts. so. Trotz der Lockerung durch das Protestantenpatent Kaiser Franz Josephs I. war man sehr vorsichtig. Geistliches Leben gestaltete sich als Mitte der Familie in den vereinzelt liegenden Höfen. Nur langsam kamen die Evangelischen an verschiedenen Orten zusammen und traten in die Öffentlichkeit. In der (vorwiegend katholischen) Umgebung galten Evangelische bis in die Mitte des 20. Jhdts. als unakzeptabel.  

 

 

Schwierige Situation

 

 

Die Situation der Evangelischen in Obervellach in der Mitte des 20. Jhdts. muss man als sehr schwierig bezeichnen. Man traf sich an jedem ersten Sonntag des Monats und an den hohen Festtagen in Klassenräumen der staatlichen Volksschule. Die Teilnahmezahl am Abendmahl - im Vergleich zum übrigen Gesamtgemeindegebiet - war auffallend hoch. Auch Missionsabende, Vorträge und andere Veranstaltungen wurden in Klassenzimmern abgehalten. Die niedrigen Tische und Sessel der Schule erschwerten natürlich die Situation sehr.  

 

 

Probleme mit dem Schulpersonal

 

Des öfteren gab es Konflikte mit dem Schulpersonal wegen Terminen von Gottesdiensten. Rechtzeitige Beleuchtung, Beheizung und Reinigung der benutzten Klassenräume waren ein großes Problem und Ursache zahlreicher Auseinandersetzungen.
 
Natürlich kann ein Raum geistliches Leben weder entstehen lassen noch verhindern, doch es entstand der Wunsch nach einem Raum, der jederzeit zugänglich und verfügbar ist. Zumal es wohl zu den Elementarbedürfnissen einer Gemeinde gehört, einen entsprechenden Gemeinderaum zu haben, um ihr geistliches Leben zu entfalten.

 

 

Umdenken

 

Durch das Nichtzustandekommen eines Gemeindezentrums mit Kirche in Möllbrücke wuchs der Wunsch nach einem Zentrum evangelischen Lebens im Oberland. Die kleine evang. Gemeinde wurde durch den jeweiligen Pfarrer von Spittal aus mit betreut.

Nun ergriff Pfr. Seeberg-Elverfeldt die Initiative: Nach langwierigen Überlegungen in der Pfarrgemeinde Spittal und in den Predigtstationen kam man zum Entschluss, ein Zentrum in Obervellach zu schaffen, das eine zentrale Position im Herzen des Oberlandes darstellen würde. Die kleine evang. Gemeinde wurde durch den jeweiligen Pfarrer von Spittal aus mit betreut.

 

 

 

   

Bitte an die Marktgemeinde

 

Voraussetzung für den Bau eines Bethauses war zuerst ein entsprechendes Grundstück. Im Jahre 1961 baten daher die Evangelischen von Obervellach die Marktgemeinde um Überlassung eines entsprechenden Grundstückes von ca. 2.000m² außerhalb des Ortes zum Bau eines Bethauses. Geplant war auch der Bau eines Pfarrhauses und eines Ferienheims für Jugendliche. 1962 wurde diese Bitte erneut vorgetragen mit dem Zusatz, dass sich das Grundstück im Westen, im Nahbereich der Schulen befinden möge.

Am 27. 11. 1962 beschließt der Gemeinderat von Obervellach, den Evangelischen ein Grundstück an der Straße nach Stallhofen zu schenken, wobei das Recht eingeräumt wird, den Grund evtl. gegen einen anderen in günstigerer Lage eintauschen zu können.

 

 

 

Grundstück wird eingetauscht

 

Zu einem Tausch kommt es tatsächlich, der entsprechende Tauschvertrag wird am 18. 7. 1963 zwischen Pfr. Herbert Seeberg-Elverfeldt als Vertreter der Pfarrgemeinde Spittal und dem Ehepaar Waltraud und Rudolf Maier unterzeichnet. Allerdings muss die evang. Pfarrgemeinde noch ATS 35.000,- aufzahlen.

Dieses Grundstück liegt an der Straße, die von Obervellach nach Mallnitz hinauf führt, weithin sichtbar und leicht zugänglich. Dazu war der eingetauschte Baugrund bereits aufgeschlossen, er hatte also  Wasser- und Stromanschluss.

 

 

 

Gemeindezentrum mit Jugendherberge?

 

Das Grundstück war groß genug, um die Idee zu verwirklichen, hier ein Bethaus mit Gemeindezentrum und Jugendherberge für evang. Jugendgruppen im Obergeschoss zu schaffen. Dieses Jugendheim sollte einerseits der Belebung durch den Austausch mit anderen Gemeinden dienen, andererseits auch zur wirtschaftlichen Erhaltung der bereits von Spittal aus eingerichteten zweiten Pfarrstelle, die für die Betreuung das Oberland gedacht war, dienen.

Durch die Umwandlung der zweiten Pfarrstelle Spittals in eine Schulpfarrerstelle waren diese Pläne jedoch nicht mehr verwirklichbar, weshalb zur Errichtung eines Bethauses als Kirche mit einem Zimmer für den Pfarrer geschritten wurde.

 
       
Auf der ursprüng-lichen Architekten-skizze gut zu erkennen:

der zweigeschoßige Bau mit Jugendherberge im Obergeschoss

       

Wesentliche Erfordernisse

 

Als grundsätzliche Anforderungen wurden fixiert:

Der Raum sollte ca. 100 Sitzplätze aufweisen. Es sollte ein Mehrzweckraum sein, der also nicht allein nur für Gottesdienste, sondern auch für Gemeindeveranstaltungen, Jugendkreis usw. geeignet ist. Ein Zimmer für den Pfarrer (aus Spittal) sollte auch vorhanden sein, damit dieser hier auch übernachten kann, falls dies einmal notwendig ist.

 

 

 

   

Entwurf aus Klagenfurt

 

Mit diesen Vorgaben trat man an den Klagenfurter Architekten H. Wirnsberger heran und bat ihn um einen entsprechenden Entwurf.  

 

 

Zitate aus der Baubeschreibung

Aus der Projektbeschreibung des "Evangelischen Bethauses in Obervellach":

"...im Bereich zwischen der Mallnitzer Bundesstraße und  der westlichen Ortseinfahrt nach Obervellach soll ein Bethaus errichtet werden. Auf dem nach Süden abfallenden Gelände soll der Neubau im oberen Teil der trapezförmigen Parzelle so errichtet werden, dass sich der spätere Bau eines Pfarrhauses harmonisch in die Gesamtanlage einfügt...

So weit als möglich sollen die natürlichen Geländeverhältnisse erhalten werden. was auch bei der Planung weitestgehend berücksichtigt wurde...

Das mit der Traufe parallel zum Gelände situierte Objekt  besteht aus einer Stahlrahmenkonstruktion nach statischer Untersuchung mit einer Binderentfernung von 2,5m, ausgeführt in stahlreinem Sichtbeton, sowie einen niederen Anbau aus Hohlblockziegel-Mauerwerk. Die Ausmauerung der Rahmenkonstruktion soll mit Ziegel oder Naturstein  erfolgen...

Die Dacheindeckung erfolgt mit Eternit-Rechtecksteinen in der Größe von 40x30cm als Doppeldeckung auf Latten, Farbe dunkelgrau...

Allseitig umlaufendes Sichtbetongesims mit Giebel- und Traufenblech...

Die Innenraumgestaltung soll zweckbetont sein. Zwischen den sichtbaren Rahmenelementen Sichtschalung aus Eichenbrettern auf Heraklithisolierung, Fußboden aus Natursteinplatten geschliffen, Wände mit Dispersionsanstrich...

Ausbildung der Empore als Stahlbetonplatte samt Brüstung, PVC-Belag. Wendeltreppe aus Stahlrohrkonstruktion mit aufgelegten Kunststein-Stufenplatten, Glasbausteinwand im Bereich der Stiege mit hochgezogenem Rahmen zum Aufhängen der Glocke"

 

     

Projekt vom

3. September 1966

  So beschreibt Architekt DI Hubert Wirnsberger aus Klagenfurt sein mit 3. September 1966 datiertes Projekt. Das Pfarrgebiet Spittals betrug zum Zeitpunkt der Planung im April 1967 ca. 750 km². Davon würde auf das Gebiet um Obervellach etwa die Hälfte entfallen und die Orte Penk, Flattach, Stall, Napplach und Mallnitz mit versorgen.  

 

     

Vorlage an den Bauausschuss

  Die Pläne der Kirche mit sämtlichen notwendigen Unterlagen wird dem Bauausschuss der Predigtstation vorgelegt und diskutiert. Einige Änderungswünsche werden genannt und berücksichtigt.  

 

     

Finanzielle Basis

  Die Predigtstation hatte bis zum September 1965 für das Bethaus etwa ATS 175.000,- ersammelt. Durch Natural- und Arbeitsleistungen der Gemeindeglieder wollte man die Ausgaben beträchtlich vermindern. Aus einer Gemeindesammlung, die erst nach der endgültigen Baugenehmigung durchgeführt werden konnte, erhoffte man sich erfahrungsgemäß einen Betrag von ca. ATS 100.000,-. Von Behörden, Handel und Industrie und dem Freundeskreis der Gemeinde erhoffte man sich etwa ATS 150.000,-. Für den Restbetrag über ATS 307.225,- suchte man um eine Förderung durch den Gustav-Adolf-Verein an.  
       

Oberkirchenrat

gibt grünes Licht

  Der Finanzierungsplan wurde vom Evang. Oberkirchenrat A. B. am 15. September 1965 genehmigt, die endgültige Baugenehmigung erging am 4. Oktober 1965 an die Evang. Pfarrgemeinde Spittal.  
       
Blick in den geplanten Betsaal:

Altarraum

       
Gesamtraum mit geplanter Inschrift:

"Selig sind, die Gott trauen"

 

   

 

 

Schnitt durch

den geplanten Bau

 

Grundriss

 

Ansicht von Westen

 

Ansicht von Osten

 

Ansicht von Norden

 

Ansicht von Süden

 

 Obervellach ist

Predigtstation der evang. Pfarrgemeinde Spittal

 

Die neue Kirche  in solarisierter Neondarstellung

 

Ehem. evang. Kirche,

heute röm.-kath. Pfarrkirche

St. Martin Obervellach

 

Der Ortskern heute


Die Beteiligten am Grundtausch nach Abschluss des Vertrages

 

 

 

 

 

Fotos vom

Architektenmodell:

 

 

 

 

Unterseiten:

Obervellach grundsätzlich

Kirchenbau in Obervellach 1

Kirchenbau in Obervellach 2