Das geplante 2. Gemeindezentrum

   der Evangelischen Gemeinde A. B. in Spittal/Edling      S. 2

 

 

Präsentation wird vorbereitet   Am 11. Februar 1977 beauftrag das Presbyterium Kurator Tscharre und seinen Stellvertreter Stadtrat Müller damit, die für die Zuteilung der Gustav-Adolf-Kinderliebesgabe erforderlichen Pläne und Unterlagen vorzubereiten und eine Präsentationsmappe zusammen zu stellen.  

Bauausschuss wird

gebildet

  Am 13. März 1977 beschließt die Gemeindevertretung unter Vorsitz des Pfarradministrators Prof. Pfr. Bünker, die Bildung eines Bauausschusses für das Gemeindezentrum Edling.  
Kinderbrief   Ende März/Anfang April wird ein Kinderbrief formuliert und an die Pfarrämter verschickt, in dem das Projekt vorgestellt wird.  
Vorlage in der Gemeindevertreter-sitzung Das Projekt des Architekten mitsamt der Kostenrechnung wird der Gemeindevertretung am 15.Mai 1977 vorgelegt.

Dieser errechnet auf Basis der Vorgaben eine umbaute Kubatur von 5.820 m³, was ungefähre Gesamtkosten von ATS 10,480.000,- (ca. € 761.000,-) ergibt.

Als Bedeckung sind ATS 4,2 Mio. (€ 305.233,-) vorhanden. Das Projekt solle in 3 Baustufen ausgeführt werden, je nach der finanziellen Lage.

Ablehnung   In einer geheimen Abstimmung (von einigen Mitgliedern nach heftigen und kontroversiellen Diskussionen verlangt) lehnt die Gemeindevertretung das Projekt jedoch recht knapp mit 17 Nein- gegenüber 14 Ja-Stimmen und einer Stimmenthaltung ab.  
Projekt aufgegeben?   In einem Schreiben vom 18. Mai 1977 an das Presbyterium - gerichtet an die Adresse von Administrator Bünker - will der Gustav-Adolf-Verein Österreich wissen, ob mit der Ablehnung der Gemeindevertretung auch das Bauhaben selber aufgegeben wurde, um notfalls noch eine Umwidmung der Kinder-Liebesgabe vor den Zweigsvereinsfesten zu ermöglichen.  
Versuche zur Rettung   In der Folge kommt es zu zahlreichen Versuchen, das Gemeindezentrum doch noch zu realisieren. Ebenso massiv ist jedoch auch der Widerstand jener Gemeindevertreter, die das Gemeindezentrum verhindern möchten.  

Mag. Till Geist wird

neuer Pfarrer

Pfr. Mag. Till Geist, der sich mit Schreiben vom 13. Juni 1977 um die freie Pfarrstelle bewirbt, gerät mitten hinein in diese teilweise heftig geführten Auseinandersetzungen. Er stellt die Bedingung, dass er nur dann nach Spittal wechsle, wenn ein ein einstimmiger Beschluss für oder gegen den Bau eines zweiten Gemeindezentrums vorliege.

Seine anfänglich betonte Neutralität und Akzeptanz gegenüber jedem von der Gemeindevertretung einstimmig gefassten Beschluss, ob für oder gegen ein Gemeindezentrum, wandelt sich immer mehr in Bedenken, je mehr er das Projekt kennen lernt und die verschiedenen Standpunkte diskutiert werden.

Dazu kommen noch immense Schulden aus dem Bau des ersten Gemeindezentrum von ca. ATS 1,4 Mio. (€ 101, 744,-). Er warnt daher eindringlich vor einem solchen Unternehmen und bittet alle Beteiligten, gut nachzudenken, weil die Planung der Gemeindeentwicklung seiner Meinung nach in die falsche Richtung gehe.

Sein angeblicher "Umfaller" wird ihm später von den Befürwortern des Baues sehr verübelt. Die Gemeindeentwicklung hat ihm aber in der Folge schließlich recht gegeben.

Als absolut kontraproduktiv erweist sich im Gesamtgeschehen leider die ständige Einflussnahme des bereits im Ruhestand befindlichen Pfarrers Mag. Herbert Seeberg-Elverfeldt von außen her.

Schriftliche Umfrage erhitzt die Gemüter  

Eine von Pfr. Mag. Till Geist unter den Gemeindegliedern abgehaltene schriftliche Umfrage - ob Ja oder Nein zu einem Gemeindezentrum in Edling - bringt eine eindeutige Tendenz zutage: Die Mehrheit der Gesamtgemeinde lehnt dieses Projekt ab. Die Befürworter kommen dagegen meist aus dem örtlichen Umfeld Edling.

Pfr. Till Geist wird ungerechtfertigt in der Folge vorgeworfen, er habe dadurch die Entscheidung über das Gemeindezentrum beeinflusst.

Von den Gegnern wird als Begründung der Ablehnung immer wieder die Schuldenlast und die gewünschte bessere zentrale Versorgung des Oberlandes von Obervellach aus angegeben.

Wenn man die persönlichen Anmerkungen auf den Rückseiten der Antwortkarten liest, erkennt man genau, dass die Gegner gute Gründe namhaft machen, um ihre Ablehnung zu begründen.

 
Doch noch einstimmiger Baubeschluss   Die Gemeindevertretung der evang. Pfarrgemeinde Spittal beschließt schließlich nach zum Teil heftigen Auseinandersetzungen am 26. November 1978 doch noch den Bau des Gemeindezentrums in Edling.

Als Grundlage der notwendigen Finanzierung sollte die der Gemeinde zugesagte Gustav-Adolf-Kinderliebesgabe dienen.

Diesem Beschluss waren zahlreiche heftig geführte  Besprechungen und schwierige Verhandlungen vorangegangen, in welche Bischof Mag. Oskar Sakrausky, Vertreter des Oberkirchenrates, zwei Superintendenten, der Superintendentialausschuss Kärnten und der Gustav-Adolf-Verein Österreich eingebunden waren.

 
Trotzdem keine Beruhigung  

Durch diesen Beschluss war aber trotzdem keine Beruhigung eingetreten, im Gegenteil. Für und Wider prallen immer wieder aufeinander. Sitzungen werden beantragt, Beschlüsse gefasst, wieder aufgehoben...

Ein tiefer Graben geht durch die verantwortlichen Gremien. Im Nachhinein betrachtet scheint es so, dass es beinahe zum Auseinanderbrechen der Gemeinde gekommen wäre.

 
Endgültiger Verzicht  

Die Diskussionen um Für und Wider gehen bis in den Beginn der 80er-Jahre, ehe auf dieses Projekt schließlich endgültig offiziell verzichtet wird.

 

Das Grundstück blieb im Besitz der evang. Gemeinde Spittal und wurde 2001 zur Finanzierung der Sanierung des neuen Gemeindezentrums hinter der Lutherkirche verkauft.

Die Kinder-Liebesgabe des Gustav-Adolf-Werkes diente für den Bau der schmucken Kirche in Afritz.

 

Honorarnote als Paukenschlag...

 

Allerdings flatterte noch die Rechnung des Architekten über ATS 210.000,- (€ 15.262,-) für Planungs- Zeichnungs- u. Entwurfsarbeiten ins Haus, "deren Begleichung nicht vermeidbar sei" (Kur. Tscharre, was sich in Anbetracht der gespannten finanziellen Lage als sehr schwierig erweist.

Man wendet sich seitens der Pfarrgemeinde daher mit der Bitte um Unterstützung an den Gustav-Adolf-Verein, der tatsächlich helfend einspringt.

 
       
... und Finale   Damit war der letzte Vorhang über ein nicht sehr erfreuliches Kapitel der Gemeindegeschichte gefallen...

 

 

 

Gemeindezentrummodell:

Ansicht vom Südwesten

 

Eingangsbereich

 

Beteiligte Persönlickeiten:

 

Superintendent

Gerhard Glawischnig

 

Bischof Oskar Sakrausky auf der Empore der evang. Kirche

in Gnesau

 

SuperintendentPaul Pellar

 

Pfarrer Till Geist

 

Ehem. Haushaltungsschule, heute Alten- u. Pflegeheim

 

 

Unterseiten:

Geplantes Gemeindezentrum Edling 1

Geplantes Gemeindezentrum Edling 2