Geschichte der

    Evangelischen Gemeinde A. B. in Spittal                   Teil 1

 

 

Die erste Phase der

Gemeindeentwicklung

1899 bis 1959

 

An Seine Kaiserliche und königliche Apostolische Majestät

Kaiser Franz-Joseph I.

 

In unwandelbarer und dankbarster Ergebenheit, aber auch mit den Gefühlen zuversichtlichen Vertrauens und freudigster Hoffnung naht die evangelische Filialgemeinde Augsburgischer Konfession Spittal an der Drau dem Throne Eurer kaiserlichen und königlichen Apostolischen Majestät und bittet ehrfurchtsvoll und untertänigst um eine Unterstützung zum Bau einer evangelischen Kirche in Spittal an der Drau, die zur Verherrlichung und zum ewigen Angedenken an Eurer Majestät glorreiche und segensreiche Regierungszeit im heurigen Jahr, das die Völker Österreichs einmütig und jubelnd zu feiern sich rüsten, vollendet werden soll...“

 

 

 

 

 

Schreiben von 1908

 

Mit diesem Schreiben von 1908, aus dem ein kurzer Auszug wieder gegeben wurde, begann eine wichtige Phase in unserer Pfarrgemeinde.

 

 

 

 

 

Seine Majestät ist nicht leicht zu erreichen

 

Historisch interessant zu diesem Schreiben sind die Zensurstempel der örtlichen K. u. K. Gendarmerie und der Zensurstelle bei der Gendarmerie-Direktion in Klagenfurt. Seine Majestät war also gar nicht so leicht postalisch zu erreichen...

 

 

 

 

 

Zensurstempel der K. u. K. Gendarmeriedirektion

 

      

 

     

 

 

 

 

 

Glaube oder Heimat

 

So wie ganz Oberkärnten war auch Spittal in der Reformationszeit evangelisch geworden. Im Zuge der Gegenreformation wurden die einheimischen Protestanten vor die Wahl gestellt, entweder unter Zurücklassung ihrer Kinder und ihres Besitzes als so genannte "Exulanten" das Land zu verlassen oder sich nach katholischer Beichte und Kommunion öffentlich als „katholisch“ zu bekennen. Die „Bekehrung“ schien daher vielen Protestanten der vernünftigere Weg zu sein. Diese „Bekehrung“ war freilich in den allermeisten Fällen eine rein äußerliche. Der evangelische Glaube wurde von da an im geheimen gepflegt, deshalb spricht man von „Geheimprotestantismus“.

 

       
Amlach als Zentrum  

Allerdings konnte sich der Geheimprotestantismus wegen der gewaltsamen Unterdrückung und Verfolgung im offenen Lurnfeld und Mölltal praktisch nur in Amlach behaupten. Dort freilich stellten sie - vom nahen Zlan aus betreut – sogar die Mehrheit.

 
       
Die Situation in Spittal  

In Spittal  dagegen lebte um die Mitte des 19. Jahrhunderts offiziell nur mehr eine einzige evangelische Familie. Diese offizielle Zahl kann aber historisch nicht stimmen. Als nämlich die Gründung einer evangelischen Gemeinde in Spittal angedacht wurde, meldeten sich etliche evangelische Gläubige, zumeist Dienstleute und einfache Arbeitskräfte. Die angeblich einzige evangelische Familie in Spittal  wird wohl eher die einzige Bürgerfamilie gewesen sein.

Der damalige Markt Spittal war aufgrund der geringen Mitgliederzahl etliche Jahre der Toleranzgemeinde Zlan, ab 1880 dann der von Trebesing losgelösten Pfarre Unterhaus/Seeboden zugeordnet.

 

 

 

 

 

Eine Umpfarrung wird angestrebt

 

Ein entsprechendes Ansuchen um Auspfarrung der Spittaler Evangelischen aus der Kirchengemeinde  Zlan und der Einpfarrung in die Kirchengemeinde Unterhaus erreichte das Presbyterium der Toleranzgemeinde Zlan mit dem Datum vom 27.  Juni 1880.

Bereits am selben Tag wurde dies genehmigt. Obwohl seitens Zlan betont wurde, dass diese Umpfarrung gerade unter den gegenwärtigen Umständen einen empfindlicher Abbruch im Gemeindeverband darstelle, erklärte man sich aus Rücksicht auf leichtere Erreichbarkeit und geringere Entfernung von  Spittal nach Unterhaus mit dieser Lösung einverstanden.

Von dieser Umpfarrung waren allerdings die Ortschaften St. Peter, Amlach, Kleinsass und einige mehr nicht betroffen, sondern ausschließlich die Evangelischen des damaligen Marktes Spittal a. d. Drau

 

 

 

 

 

Administration von Trebesing aus

 

1882 bis September 1896 administriert Pfr. Karl Bünker von Trebesing aus die Gemeinde Unterhaus und betreut dabei auch Spittal

 

 

 

 

 

Viele Evangelische ziehen nach Spittal zu

 

Der rasche Aufschwung der Bezirksstadt durch den Bau der Tauernbahn, deren Anbindung an die Kronprinz-Rudolfs-Bahn (die heutige Südbahnstrecke) und der folgenden raschen  Industrialisierung hat mit dem Zuzug vieler Menschen auch die Zahl der Evangelischen rasch steigen lassen.

 

 

 

 

 

Erster evangelischer

Gottesdienst nach 300 Jahren in Spittal

 

Daher wurde am 3. September 1899 nach beinahe exakt 300 Jahren für die nun schon 250 Glaubensbrüder und -schwestern der erste evangelische Gottesdienst seit den Tagen der Reformation im Hinterzimmer eines Gasthauses (es war das Gasthaus Makoru) gefeiert.

 

 

 

 

 

Spittal wird Predigtstation von Unterhaus

 

Schon im Jahr darauf wurde am 28. Januar 1900 Spittal eine Predigtstation von Unterhaus. Bereits am 3. März 1900 wird die Predigtstation Spittal durch Gründung eines Ausschusses vollzogen. Der erste Obmann war L. Bruckmann (+1901), nach ihm übernahm diese Aufgabe Ferdinand Nest, danach Dr. E. Kukutsch.

Dieser ließ sich übrigens 1911 von dem selben Architekten - E. Kattner aus Wien, der die evangelische Kirche und die Aufbahrungshalle am Spittaler Friedhof mitgeplant hat -  eine Stadtvilla am heutigen Neuen Platz errichten

 

 

 

 

 

Eine Kirche wird

geplant

 

In den folgenden Jahren wurde unter der rührigen Initiative von Kurator L. Bruckmann und Vikar J. Schacht nach der Gründung eines Kirchenbauvereines mit großem Engagement und Einsatz der Bau einer evangelischen Kirche vorangetrieben (zur Kirchenbaugeschichte finden Sie mehr Informationen auf der Seite "Unsere Kirche(n)".

 

 

 

 

 

Ein Personalvikar für Spittal

 

Am 23. Februar 1902 wird cand. theol. Julius Schacht aus Berlin zum Personalvikar von Pfarrer G. Buchacher aus Unterhaus mit dem Amtssitz in Spittal gewählt.

 

 

 

 

 

Einige wichtige Schritte zur Gemeindebildung

 

Am 5. Juli 1903 wird Spittal Filialgemeinde von Unterhaus

1905 kommt es zur Umpfarrung der Ortschaften Schüttbach, Schwaig, Oberaich, Aich, Baldersdorf, Edling, Krieselsdorf, St. Peter, Tangern, Zgurn, Molzbichl und Aichforst nach Spittal.

Die Ortschaften Kleinsass, Oberamlach, Unteramlach, Kleinegg, Schwarzenbach, Winkl, Zmöln, Oberamlach, Umteramlach und Olsach verbleiben dagegen bei der Toleranzgemeinde Zlan.

Am 15. Februar 1907 kommt es zur Errichtung der Predigtstation Greifenburg

 

       

Schwierige Arbeitsbedingungen

  Wie schwierig damals die Arbeit für die evangelischen Anliegen war, kann man aus der Tatsache ersehen, dass die nächste westliche evangelische Gemeinde - sozusagen die „Nachbargemeinde“ – das ferne Meran (Südtirol) war, welche „dem hochwürdigen Vikariat Spittal/Drau mit Dank die Seelsorge in Lienz übertrage“ (das war am 7. Dezember 1907).

Noch ein halbes Jahrhundert lang musste danach von Spittal/Drau aus ganz Oberkärnten an Möll und Drau sowie interimistisch auch Osttirol betreut werden.

 
       

Grundsteinlegung zur

neuen Kirche

 

Am 15. November 1908 wurde mit der Grundsteinlegung zur ersten evangelischen Kirche ein wesentlicher Schritt zur Festigung eines evangelischen Zentrums in Spittal gelegt.

Es trafen zahlreiche Glückwunschschreiben und -telegramme aus dem In- und Ausland ein. Einige besonders interessante Wortlaute sind hier auszugsweise wiedergegeben.

 
       
Telegramm aus Stuttgart  

"Der Grund ist gelegt, Gott segne den Bau,

dass er fröhlich ersteh´ an den Ufern der Drau.

Weiteres folgt. Hermann"

 
       
Telegramm aus Klagenfurt  

"Und wenn die Welt voll Teufeln wär´, es soll uns doch gelingen" Zum heutigen Festtage und für alle Zukunft aufrichtigste Glückwünsche. Kukutsch"

 
       
Telegramm aus Wiener Neustadt   "Spittal werde Spital für romkranke Herzen.

Mahnert, Wr. Neustadt"

 
       
Kernige Sprüche   Zitate aus dem Gedenkblatt, Kapitel IV: "Sprüche zu den Hammerschlägen", gedruckt anlässlich der Grundsteinlegung:  
       
    "Wir wollen uns halten an das Gebot des Herrn: Gebt Gott, was Gottes ist, und gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist"  
       
    "Deutsche Art und deutsche Sitte, walte stets in eurer Mitte"  
       
    "Frisch, fromm, froh, frei"  
       

 

 

"Zur Ehre Gottes, dem Feinde zum Trutz, unserem deutschen Volke zum Schutz"

 

       
    "Nicht jesuitischer Geist sondern deutscher Geist, soll in diesen Räumen walten"  

 

Kaiser Franz Joseph

auf einem Gemälde

 aus dem Jahr 1868

 

Kaiser Franz Joseph,

Fotografie von 1909

 

"Exul Christi"

Josef Schaitberger

aus Salzburg

 

"Zug der Exulanten "

Gemälde eines unbekann-ten Malers über die Vertreibung der Bergleute aus Salzburg

 

 

Lutherkirche Spittal
 

Evangelische Kirche 

in Unterhaus

 

Evangelische Kirche

 in Zlan

 

Inneres der evang.

 Kirche von Zlan

 

Bänke in  Zlan

 

Felszeichnung in der sogenannten "Hunds-kirche" in Zlan

 

Eine Kopie der Grundsteinurkunde

 

Lutherrose Kirche Spittal

 

 

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Geschichte der evang. Gemeinde Spittal 3

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