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Der Beginn der Reformation in Kärnten im Überblick |
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Die Reformation springt auf Kärnten über
Ein neues Medium verändert die Welt
Religion als kultureller und integrativer Faktor
Ein Stachel im Fleisch der Habsburger
Die weltliche Macht schlägt zurück
Exulanten und Geheimprotestantismus
Ein "aufgeklärter" Kaiser duldet andere Religionen
Nachwuchs aus den Dörfern
Die Situation heute |
Die Zeit von 1525 bis 1627 könnte man das protestantische Jahrhundert nennen. In dieser Zeit hingen fast alle Kärntner der "lutherischen Lehre" an. Wegen des geistlichen Verfalls der Priesterschaft und der Verwahrlosung des kirchlichen Lebens fiel der „neue“ Glaube auf fruchtbaren Boden.
Parallel dazu bot die bahnbrechende Erfindung Gutenbergs (die beweglichen – d. h. immer wieder neu verwendbaren Einzellettern, die zu neuen Schriftsätzen gruppiert werden konnten) eine unglaubliche Möglichkeit. Mit rasender Geschwindigkeit breitete sich ab jetzt reformatorisches Schrifttum aus.
An vielen Orten wirkten bald lutherische Prediger und es entstanden evangelische Schulen. Schriften der Reformation waren begehrtes Schmuggelgut in Ländern, die noch nicht von der Reformation erfasst waren. Sie wurden auch vielfach zur Quelle der deutschen Schriftsprache. Besonders hinzuweisen wäre - gerade in Kärnten - darauf, dass für die slowenischen Landsleute eine eigene Bibelübersetzung in ihrer Sprache – heute das älteste Dokument ihrer Hochsprache – angefertigt wurde. Am Höhepunkt der reformatorischen Bewegung zählte man in Klagenfurt lediglich noch 3 katholische Familien.
Die Habsburger - in ihrem Selbstverständnis als vom "wahren und katholischen Gott" eingesetzte Regenten - stellten sich massiv gegen die Reformation, ganz nach dem Motto dieser Zeit: „Wessen Herrschaft, dessen Religion“. Oder - um es mit einem heutigen Sprichwort zu sagen: "Wes´ Brot ich ess´, des Lied ich sing"...
Um 1600 zieht Bischof Brenner von Seckau mit 300 Soldaten des Landeshauptmanns von Kärnten, dem Grafen von Ortenburg, in einem siebzigtägigen Feldzug durch Kärnten. Er erzwingt die Ausweisung aller lutherischen Lehrer und Geistlichen, die Sperre aller evangelischen Schulen und Kirchen sowie die Verbrennung aller ketzerischen Schriften. Wer katholische Beichte und Kommunion verweigerte, musste das Land verlassen. 27 Jahre später wurde der Kärntner Adel gezwungen, katholisch zu werden oder zu gehen.
Viele haben sich
umstimmen lassen, andere haben äußerlich dem Druck nachgegeben und sind im
Herzen evangelisch geblieben. In den Familien in der Einschicht haben die
Bauern die Bibel und das Predigtbuch gelesen. Sechs Generationen lang
wurde der Glaube so an die Kinder und Kindeskinder weitergegeben ohne
Pfarrer und Religionslehrer. Die "Bekehrung" war daher vielfach nur eine
rein äußerliche. Noch 1717 ließ Landeshauptmann Hanniball von Porcia in
Gmünd 1.000 evangelische Bücher beschlagnahmen und schätzte trotzdem, dass
die "Oberkärntner Bauernschaft schier auf die Halbscheit der lutherischen
Sect beigetreten ist". Ertappte Geheimprotestanten wurden als "Aufrührer"
mit hohen Geld- und Haftstrafen bzw. zu Zwangsarbeit und Galeerenstrafen
verurteilt. Noch unter Maria Theresia wurden 699 Oberkärntner im Jahre
1752 unter Zurücklassung ihrer Kinder nach Siebenbürgen ausgewiesen.
Besonders traf dieses Schicksal die Hutterer aus Amlach, die es über
Siebenbürgen und Russland nach Amerika verschlug. Dort haben sie sich
ihren Glauben, Sprache und Lebensstil in eigenen Gemeinden bewahrt. Es
bestehen bis heute Kontakte zwischen einigen Nachkommen der damals nach
Kanada ausgewanderten "Hutterischen Brüder " und Familien
aus Amlach
Das Misstrauen der bisher Verfolgten blieb noch lange bestehen, ebenso wie die beiderseitige Unversöhnlichkeit. Immerhin wurden ja noch 1837 alle Zillertaler Lutheraner vertrieben, und erst 1861 wurde ein wesentlicher Schritt zur rechtlichen Gleichsetzung der Evangelischen Kirche getan.
Aus den Dörfern
kommt bis heute ein starker Nachschub von Evangelischen in die Städte. In
Fresach bietet das ehemalige Toleranzbethaus in eigener Gestalt und in
einer reichhaltigen Sammlung einen guten Einblick in die Geschichte des
evangelischen Kärnten. |
Martin Luther
Johannes Gutenberg
Maria Theresia
Bischof Brenner von Seckau
Hutterermädchen in den USA |