Geschichte der Christianisierung Kärntens

 

 

Noricum  

Schon im 2. vorchristlichen Jhdt. existierte ein keltisches Reich mit Namen Noricum, das sich bis in die ungarische Tiefebene und von der Donau bis in das heutige Slowenien erstreckte. Der dem Reich namengebende Stamm der Noriker war vor allem in Mittelkärnten ansässig

 

Größere keltische Siedlungen befanden sich in St. Peter in Holz (Teurnia), auf dem Magdalensberg und auf dem Hemmaberg bei Globasnitz.

 
       
Norisches Eisen  

Ihre besonderen Handelswaren wie Eisen, Stahl, Buntmetalle, Werkzeuge, Waffen, Wolle, Leder und Schmuck exportierten die Kelten besonders in das römische Reich. Das weithin bekannte und gerühmte norische Eisen (mit hohem Anteil an Kohlenstoff) war dabei ihr Haupthandelsgut. Man könnte es nach heutigem Verständnis als schmiedbaren Stahl bezeichnen. Im Gegenzug  kam Wein, Öl und Erzeugnisse aus Glas und Bein sowie Keramik zurück.

 
       
Angliederung an Rom  

Die fast 200 Jahre Handelbeziehungen zwischen Römern und Kelten auf heutigem Kärntner Gebiet mündeten schließlich im Jahre 15 v. Chr. im Zuge der Expansion des römischen Reiches in die Angliederung des keltischen (König?)Reiches als Vasallenstaat an das Imperium Romanum. Die keltischen Zentren wurden nach römischem Verwaltungsvorbild organisiert.

 
       
Römische Provinz  

Um 45 n. Chr. wurde Noricum unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) zu einer römischen Provinz. Die Verwaltung übersiedelte vom Magdalensberg auf das Zollfeld. Kärnten war  bis zum Ende des 2. Jhdts. Teil der Provinz Noricum.

 
       
Die ersten Christen  

Unter der Herrschaft des Kaisers Marc Aurel (161-180 n. Chr.) wurden Soldaten längs der damaligen Nordgrenze der Provinz (Carnuntum) an der Donau stationiert. Darunter waren vermutlich auch Christen, welche die neue Religion in die eroberten Gebiete mitbrachten. In den südlichen Provinzteilen waren es höchst wahrscheinlich die Kaufleute und Handwerker, die das Christentum in dieser Provinz bekannt machten.

 
       

Das Christentum -

verfolgt von Anfang an

 

 

Allerdings waren die ersten Christen nicht in der Lage, einen Kaiserkult zu zelebrieren, auch wenn dieser oft nur als Loyalitätskundgebung angesehen wurde. Sie konnten den Kaiser nicht als Gott verehren. Daher gab es auch im römischen Reich immer wieder Übergriffe auf die Christen, und ihr Glaube, der als "religio illicita" (unerlaubte Religion) verpönt war, verursachte manche Verfolgung mit all den bekannten schrecklichen Begebenheiten. Das junge Christentum konnte daher keine öffentliche Wirksamkeit entfalten, sondern nur im Geheimen seine Strukturen aufbauen.

 
       

Virunum und Teurnia

erste Bischofssitze

 

 

Nach dem Toleranzedikt von Mailand des Kaisers Konstantin im Jahr 312, welches den Christen die Freiheit der Religionsausübung gewährt hatte, begann in der Provinz Noricum, die dem Bistum Aquileja (Aquiläa, auch Aquileia) unterstellt wurde, die Christianisierung. Die ersten Bischofssitze wurden hier in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts gegründet, 591 n. Chr. erstmalig urkundlich erwähnt in Virunum (am heutigen Magdalensberg gelegen) und in Teurnia. Im zweiten Jhdt. wurde die Siedlung in Teurnia zu einem Kurort mit heißen und kalten Bädern ausgebaut.

 
       

Eine arianische

Friedhofskirche für die Bischöfe?

 

Ab der Mitte des 5. Jhdts. wurde die so genannte "Friedhofskirche" vermutlich als Begräbnisstätte für die Bischöfe mit dem berühmten Mosaikboden im Talgrund von Teurnia errichtet. Es gibt auch Meinungen von namhaften Kirchenhistorikern, die aufgrund der Symbole des Mosaikbodens davon sprechen, dass es sich bei diesem Gebäude um ein arianisches Gotteshaus handeln könnte. (Zum Arianismus nähere Informationen unter http://www.heiligenlexikon.de/Glossar/Arianismus.htm). Aus Sicherheitsgründen verlagerte man die Siedlung dann später (anfangs des 6. Jhdts.) auf die Hügelkuppe und sicherte den Hügel mit einer Mauer.

 

 

     

Bischofskirche mit Pilgerhospiz in Teurnia

 

Dort oder an der Stelle der später errichteten Pfarrkirche St. Peter in Holz vermutete man auch lange die eigentliche Bischofskirche von Teurnia. Sie liegt aber in Wirklichkeit in einer lang gestreckten Mulde am westlichen Ausläufer des Holzer Berges. Dort wurde eine einschiffige Kirche aus dem 5. Jhdt. ergraben, die im 6. Jhdt. zu einer dreischiffigen Kirche mit Apsis erweitert wurde.

Diese Kirche war für damalige Verhältnisse prunkvoll ausgestattet, diente aber wohl eher der bischöflichen Repräsentation, als dass man daraus auf eine tief greifende Christianisierung schließen könnte. Bemerkenswert ist, dass man (wohl zur Ausübung der bischöflichen Caritas) auch eine große Herberge von 256m² als Unterkunft für Fremde und Pilger errichtet hatte, die zugleich wohl auch als Versorgungsstätte und Unterkunft für Arme, Alte und Waisen diente. Sie besaß nämlich zahlreiche kleine Räume mit eigenen Eingängen.

 
       
Karantanien  

Im 7. Jahrhundert waren auf dem Gebiet des heutigen Kärntens überwiegend heidnische (meist slawische) Volksstämme ansässig, welche die nach der Völkerwanderung zurückgewichenen Römer verdrängten und sich in den Tälern von Drau, Mur und Save niederließen. Sie gründeten das Fürstentum Karantanien. Im Lauf des 8. Jahrhunderts begannen die Baiern hier Einfluss zu nehmen.

 
       
Virgil und Borout  

Durch Zacharias, Papst von 741 bis 752, wurde das Land kirchlich von Aquileja getrennt und dem Bistum Salzburg zugesprochen. Der salzburgische Bischof Virgil ließ den Sohn und den Neffen des slawischen Herzogs Borout nach Salzburg bringen und christlich erziehen. Nach dem Tod Borouts wurde zunächst sein Sohn und zwei Jahre später sein Neffe Cheitumar Herzog in Karnburg.

 
       

Irische Missionare und

Maria Saal

 

 

Cheitumar bat Virgil um die Christianisierung des Landes, und dieser entsandte Modestus von Kärnten als Vikar sowie weitere Kleriker nach Karantanien. Modestus wie auch Virgil waren aus Dublin stammende irische Mönche, die um 750 als Missionare nach Salzburg gekommen waren.

 
       
Maria Saal wird kurzzeitig Bischofssitz  

Die slawischen Fürsten lehnten sich gegen die Einflussnahme der Christen auf, der Aufstand wurde aber durch die Baiern zurückgeschlagen, so dass Karantanien fortan der Herrschaft des Franken-reiches unterstand. Die ''Bekehrungsgeschichte der Karantanen und Bayern'' berichtet von der Errichtung einer ''Kirche der heiligen Maria in Karantanien durch Modestus" - womit wohl die heutige Wallfahrtskirche in Maria Saal gemeint ist, sowie von der Errichtung weiterer Kirchen in vielen anderen Orten. Die Kirche in Maria Saal war zwischen 753 bis 945 Bischofskirche und wird daher noch heute "Dom" genannt.

 
       

Gurk als neuer

Bischofssitz

 

Im Jahre 945 wurde Maria Saal als Bischofssitz abgeschafft, Kärnten fiel kirchlich an Salzburg zurück. 1072 wurde Gunther von Krappfeld durch den Salzburger Bischof Gebhard als Vikar zum neuen Bischof von Kärnten bestellt, Bischofssitz wurde Gurk; erst rund 60 Jahre später erhielt das Bistum auch eine kleine Diözese, der größte Teil Kärnten blieb aber unter der Verwaltung des Salzburger Bischofs.

 
       
Die Sponheimer  

Das Christentum in Kärnten fasste durch die Sponheimer endgültig Fuß. Dieses aus dem Moselgebiet stammende Adelsgeschlecht war als Nachfolger der steirischen Eppensteiner (1123-1269) Herzöge von Kärnten geworden.

Durch deren Regierung festigte sich der christliche Glaube. 1091 wurde von Engelbert I. das Benediktinerkloster St. Paul/Lavanttal, 1142 von Bernhard das Zisterzienserkloster Viktring gestiftet. Herzog Hermann von Sponheim  (1161-81) konnte wirtschaftlich wichtige Regionen erwerben und gründete Klagenfurt und die Marktsiedlung St. Veit; Ulrich II. (1181-1202) setzte sein Werk fort. Bernhard von Sponheim (1202-56) bezeichnete sich zum ersten Mal als Landesfürst Kärntens (princeps terre), er knüpfte Verbindungen zur böhmischen Königsfamilie der Přemysliden und brachte Straßen und Passübergänge nach Süden unter seine Kontrolle.

Er sicherte seinem Sohn Ulrich III. von Sponheim (1256-69) die Herrschaft über Krain. Der letzte Sponheimer, Ulrichs Bruder und Erzbischof von Köln Philipp von Sponheim, wollte in Kärnten Herzog werden, wurde aber von Ottokar II. von Böhmen verdrängt. Er wandte sich an Rudolf von Habsburg um Hilfe in diesem Rechtsstreit, konnte aber Kärnten als neuer Herrscher nie betreten und starb schließlich 1279.

 
       

 

Norisches Eisen

 

Kaiser Claudius

 

Kaiser Konstantin

 

Mosaikboden in der

"Friedhofskirche"

 

Bischofskirche Teurnia

 

Virunum

(am Magdalensberg)

 

Bischof Virgil

 

"Dom" von Maria Saal

 

Philip von Sponheim

 

 

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Wachsende Verunsicherung der Christen in Kärnten