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Die "Deutschen Christen" |
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Als die "Deutschen Christen" eine
zentralistische, von Hitler abhängige Reichskirche in Deutschland schaffen
wollen, verstärkt dies den Druck auf die Landeskirche
immer mehr. Die
"Deutschen Christen" drängen auf
eine Entscheidung. Sie fordern die "freiwillige"
Eingliederung der dt. Landeskirchen.
Nun bricht der Kampf erst richtig los. Die ersten
innerkirchlichen Gruppen organisieren sich, als es um eine
neue Kirchenverfassung und um die Wahl des
Reichsbischofs geht.
Für die "Deutschen Christen" war es klar: An der
Spitze der nach dem Führerprinzip neu organisierten
Reichskirche Deutschlands gehörte der Königsberger Militärpfarrer
Ludwig Müller.
Er hatte sich für die Deutschen Christen auf seine Weise als
"qualifiziert"
erwiesen, mit Sätzen wie "unser Reichskanzler Adolf Hitler ist
für uns alle ein Gottesgeschenk".
Neutrale und gegen den Nationalsozialismus
eingestellte Protestanten präsentieren einen Gegenkandidaten:
Friedrich von
Bodelschwingh,
Sohn des berühmten Gründers der
"Betheler
Anstalten", was unter den "braunen" Wahlmännern Hohn und
Spott hervorruft. |
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Die Macht der Straße |
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Die Vertreter aus elf Landeskirchen geben ihm ihre
Stimme. Acht stimmen dagegen mit nein. Schon wenige Tage später
gehen die "Deutschen Christen" in Berlin auf die Straße. Sie
fordern
Bodelschwinghs
Rücktritt.
"Formfehler" bei der Wahl werden vorgeschoben und
Parteigenosse August Jäger zum Staatskommissar für kirchliche
Angelegenheiten ins Amt gehievt.
Bodelschwingh
tritt sofort zurück.
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Ludwig Müller Reichsbischof |
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Das
Ergebnis der Neuwahlen stand bereits schon vorher fest. Ludwig
Müller wird statt
Bodelschwingh
"Reichsbischof".
Mit entsprechendem Druck unterstützt vom gesamten
nationalsozialistischen Propagandaapparat trieben die Nazis über
80 Prozent aller getauften Christen an die Wahlurnen.
Was
der "Reichsbischof" Müller nach seiner Wahl übrigens mit dem zynischen Satz kommentierte:
"Welch Wunder durch Gottes Fügung." |
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Eine "Zweite Reformation" wird
ausgerufen |
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Schon als Hitler in die
Reichskanzlei einzog, riefen die Deutschen Christen lauthals
nach der Gleichschaltung der Kirche. Aber es kam noch besser: ihr
Chefideologe Reinhold Krause rief im Berliner Sportpalast zur
"Zweiten Reformation" auf. Begeistert ist das Echo der
zwanzigtausend Anwesenden auf Pastor Krauses neues Heidentum.
So schlägt er u. a. vor:
Abschaffung des Kruzifixes, entsprechend der
deutsch-christlichen Grundüberzeugung, dass "kein Volk sein Ideal
ans Kreuz schlägt".
Entfernung des Alten Testamentes aus der
Bibel, da es ohnehin nur "jüdische Lohnmoral, Viehhändler- und
Zuhältergeschichten" enthalte.
In der alten märkischen
Feldsteinkirche St. Anna in
Berlin-Dahlen
kämpft Pfarrer Martin
Niemöller
vehement gegen diese braunen Thesen.
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Auswirkungen bis nach Österreich |
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Das solche
Veranstaltungen in Österreich nicht unbeachtet blieben, lässt sich
wohl denken. Sofort nach
Bekanntwerden dieser Entwicklung im "Altreich" versuchte der
damalige evang. Pfarrer von Thening/OÖ, eine ähnliche
Bewegung in Österreich in Gang zu setzen.
Er besuchte eine Reihe von
hohen Amtsträgern und Pfarrern seines
Bekanntenkreises und wollte sie von der Idee eines
"Österreichischen evangelischen Glaubensbundes"
überzeugen, der sich stark am Nationalsozialismus
und an Adolf Hitler orientieren und einbinden lassen sollte.
Recht viel Erfolg
scheint er damit nicht gehabt zu haben, jedenfalls
wurde er - wie er in einem Flugblatt später ziemlich gereizt
berichtet, "mit einer beispiellosen Gleichgültigkeit
unter den wichtigsten Persönlichkeiten der protestantischen Kirche
Österreichs empfangen. Diese Persönlichkeiten sind in Wahrheit gar
keine, sie sind Duckmäuser und kleben an ihren
Sesseln wie ein zitterndes Häuflein Elend und bangen um
ihre Existenz. Da habe ich schon mehr Mut und
Einsatzbereitschaft in der einfachen Pfarrerschaft
gefunden. Aber man wagt es dort eben nicht, gegen den Stachel zu
löcken..."
Merkwürdigerweise ist
kirchlicherseits keine direkte Reaktion auf dieses Flugblatt
bekannt. |
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Ein "Positives Christentum" |
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Ein
Jahr lang bemühte sich "Reichskanzler" Adolf Hitler, von Haus aus Katholik
und angeblich auf dem Boden eines "positiven Christentums"
stehend, die beiden großen Konfessionen auf seine Seite zu ziehen.
Adolf Hitler versprach Hilfe, den evangelischen Kirchenstreit
in Deutschland zu
beenden.
Aber er dachte im Grunde gar nicht daran.
In einem
vertraulichen
Bericht vom 5. Januar 1934 heißt es: "Gestern hat ein Besuch beim
Führer seitens eines alten Kriegskameraden stattgefunden... Der
Führer ist in höchster Erregung gewesen, er wolle überhaupt nichts
mehr wissen von der evangelischen Kirche und werde weder einen
Bischof noch einen Reichsbischof empfangen. Die Kirche soll tun,
was sie wolle, er sei schwer enttäuscht über sie... Der
Reichsbischof hat am Führer keinen Rückhalt mehr, die Kirche
muss
sich selbst helfen."
Was hat ihn nur so gekränkt und
geärgert? Der vereinzelte Widerstand einiger hartnäckiger Gegner? |
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Eiszeit zwischen verfeindeten
Gruppen |
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Die Stimmung in Kirchenkreisen wurde immer
frostiger.
Allerdings spürte die "gläubige Basis" lange nichts von den
Auseinandersetzungen zwischen der Landeskirche und den
"Deutschen
Christen".
Die
Grabenkämpfe
blieben
im großen und ganzen auf Pfarrer und
Leitungsgremien
beschränkt. Immer stärker befehdeten sich wichtige Kirchenmänner aber
hinter den Kulissen. |
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Ein
Kirchenkampf mit den massiven Auswirkungen wie in Deutschland fand
in Österreich nicht statt, aber es bildeten sich auch hier
Gruppierungen innerhalb der Kirche mit ganz unterschiedlichen
Prägungen und Zielen. Nazigegner und -befürworter fanden sich quer
durch alle Schichten der Bevölkerung, und natürlich auch in der evang.
Kirche in Österreich sind ihre Spuren zu finden.
Fallweise kam es auch zu Zusammenstößen
und Straßenkämpfen zwischen Nazigegnern und
Nazibefürwortern, und
fallweise musste sogar das Militär (z. B. in Lienz oder
Innsbruck) einschreiten.
Jedoch war die Kontrolle
durch das damalige Staatssystem in Österreich
(Ständisches System) und dessen Verbots- und Kontrollpolitik
ziemlich massiv und rigide. Die Februarereignisse
1934 und darauf folgend das Verbot aller anderen Parteien außer
der "Vaterländischen Front" führten zu einer noch
stärkeren Radikalisierung des politischen Klimas in
Österreich durch die Nationalsozialisten, die in der Ermordung von
Bundeskanzler Engelbert Dollfuss gipfelte.
In der Folge wuchs das
Misstrauen des Staates gegen evang. Amtsträger noch mehr,
da man hinter den Unruhen die Einflussnahme der
"Deutschen Christen" auf die evang. Pfarrerschaft in Österreich
vermutete und sie der Konspiration
mit den "Volksgenossen" in Deutschland verdächtigte. |
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Misstrauen gegen die Pfarrer |
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"Deutsche Zustände"
wollte man unter allen Umständen verhindern und hat dies
auch teilweise erreicht. Zu einem Kirchenkampf wie in Deutschland
kam es im ständischen Österreich jedenfalls nicht. |
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Die "Deutschen Christen"
demonstrieren gegen die Wahl Bodelschwinghs

Friedrich v.
Bodelschwingh

Der sogenannte "Reichsbischof" Müller

Fahne der DC mit der Swastika im
Kreuz

Hakenkreuzfahnen vor Altären

Gräuelpropaganda
im Hetzblatt des
NS-Regimes |