Spaltungen, Häresien und Schismen in der frühen

    Kirche  - Das abendländische Schisma   Seite 3

 

 

 

 

Das abendländische Schisma

 

Das Abendländische Schisma bezeichnet die Zeitspanne zwischen 1378 und 1417, als zwei - später sogar drei - Päpste in der westlichen Kirche gleichzeitig Anspruch erhoben, das legitime Oberhaupt der katholischen Kirche zu sein.

Das große Schisma des Abendlandes hatte mit der umstrittenen Wahl des Papstes Urban VI.*) im Jahr 1378 begonnen. Aufgrund seines Verhaltens versagten ihm die Kardinäle den Gehorsam, erklärten seine Wahl für ungültig und wählten Clemens VII. (einen Medici) zum Papst. *)


*) URBAN VI. (Bartolomeo Prignano), Papst 1378-1389 * um 1318 in Neapel. Angesehener Kirchenrechtler, Erzbischof von Acerenza (1363) und Bari (1377). Seine überraschende Wahl (8. April 1378; Inthronisation: 18. April) erfolgte unter starkem Druck der röm. Öffentlichkeit, die einen Römer, zumindest aber einen Italiener forderte. Urban war aber kein Kardinal. Die Umstände der Wahl bewirkten das spätere Abrücken der Kardinäle (Ungültigkeitserklärung von Anagni am 2. August; Wahl des Gegenpapstes Clemens VII. am 28. September 1378 in Fondi) lösten das Große Abendländische Schisma aus. Ein Versuch, Urban militärisch zu bezwingen, scheiterte Anfang 1379 (Sieg von San Marino, Einnahme der Engelsburg); Clemens musste zwar über Neapel nach Frankreich fliehen, konnte sich aber in Italien durchsetzen. Zu ihm bekannten sich überdies Kaiser Karl IV. und die Mehrzahl der dt. Reichsfürsten, Ungarn, England und Portugal (erst 1385) sowie die slawischen Völker. Urbans unkluges politisches Taktieren führte schließlich innerhalb des Kardinalkollegiums zur Opposition (Versuche, Urban für geisteskrank zu erklären und ihm damit seine Papstwürde abzusprechen), die er jedoch mit brutaler Härte niederschlug: 6 seiner Kardinäle ließ er verhaften und foltern, 5 von ihnen sogar hinrichten. Schwere militärische Rückschläge gegen Neapel zwangen ihn - nach vorübergehender Gefangennahme - zur Flucht nach Genua; die Rückkehr nach Rom gelang nur mittels Bann und Interdikt über das revoltierende Volk.

Auch nach Karls Ermordung (1386) vermochte er es nicht, das seinem Einflussbereich verlorengegangene Neapel wieder zurückzugewinnen. Er starb am 15. Oktober 1389 in Rom, möglicherweise wurde er vergiftet. Sein Grab befindet sich in der Krypta von St. Peter.

Persönlich sparsam, tatkräftig und von skrupulöser Gewissenhaftigkeit verkehrten sich diese Züge erst mit der Dauer seines Pontifikats ins Gegenteil: zunehmender Nepotimus und eine Zerrüttung der Finanzen durch fortdauernde Kriege waren letztlich das Ergebnis. Von cholerischem Temperament wird Urbans Verhalten als autoritär, rechthaberisch und starrsinnig beschrieben, jedenfalls war er alles andere als ein Mann des Ausgleichs. Seine bald nach der Wahl unternommenen, rigiden Versuche einer Kirchenreform, einer Lösung aus der Abhängigkeit der weltlichen Mächte, aber auch der Vereinfachung der eigenen Lebenshaltung - dies zielte insbesondere auf die Kardinäle - waren die eigentliche Ursache für deren späteren Abfall. Überzeugt, der einzig legitime Papst zu sein, dachte er weder an Rücktritt, noch war er zu substantiellen Verhandlungen zur Lösung des Schismas bereit. Diese starre Haltung hat das Schisma zumindest vertieft. Ob allerdings seine Wahl wie sein ganzes Pontifikat als zweifelsfrei legitim gelten können, war bei Zeitgenossen wie späteren Historikern umstritten; weder das Konstanzer Konzil noch Papst Martin V. machten eine entsprechende Aussage. Die Rechtmäßigkeit seiner Wahl dürfte heute positiv zu beantworten sein, dagegen muss die Legitimität seines Pontifikats nach wie vor als offen gelten.


Daraufhin exkommunizierte Urban VI. den Papst Clemens VII. und seine Anhänger und gründete ein eigenes Kardinalskollegium. Clemens VII. ging daraufhin nach Avignon und besiegelte damit das Schisma.

Das Treffen von Kardinälen und Bischöfen beider Seiten 1409 in Pisa konnte das Schisma nicht überwinden und endete mit der Wahl eines dritten Papstes, der Wahl von Alexander V. (er war ein gelehrter Franziskaner und längere Zeit Professor in Paris).

Das Konstanzer Konzil führte schließlich 1417 zum Rücktritt der zu der Zeit amtierenden und miteinander rivalisierenden Päpste und zur Wahl Martins V., womit das Abendländische Schisma beendet wurde. Das Schisma hatte allgemein die Stärkung des Konziliarismus zur Folge und verstärkte den Ruf nach Reformen, der schließlich in der protestantischen Reformation gipfelte.

Martin V. wurde am 11. November (Martinstag) 1417 von 23 Kardinälen und 30 Delegierten des Konzilrates nach den Absetzungen von Johannes XXIII. in Pisa, Gregor XII. in Rom und Benedikt XIII. in Avignon während des Konzils von Konstanz zum Papst gewählt (das war übrigens die einzige Papstwahl in Deutschland). Er nahm als Namen den des Tagesheiligen - Martin V. an.

Das Konzil von Konstanz wurde von Papst Johannes (XXIII.) einberufen, der selbst nach Konstanz kam und das Konzil eröffnete, wobei nur diejenigen Bischöfe anwesend waren, die auf seiner Seite standen. Es gab sich selbst eine Geschäftsordnung, die festlegte, dass nur nach Nationen und nicht, wie bisher üblich, nach Köpfen abgestimmt werde. dadurch wollte er wohl eine Majorisierung durch die italienischen Bischöfe verhindern. Das Konzil erklärte sich dann als über dem Papst stehend und setzte den Papst im Mai 1415 ab. Da Johannes durch das Konzil von Pisa gewählt worden war, musste er zähneknirschend die Autorität des Konzils über den Papst akzeptieren.

Die Kardinäle von Papst Gregor XII. eröffneten ein neues Konzil im Juli 1415, um die Autorität des Bischofs in Rom zu behaupten. Dann beschlossen sie seinen Rücktritt, womit ein weiterer Papst abgesetzt war. Gregor hatte die Autorität des Konzils über den Papst nicht anerkannt, trat aber „freiwillig“ zurück. Er hatte vor seiner Wahl einen Eid geschworen, nötigenfalls zurückzutreten, wenn dies zur Beendigung des Schismas dienlich sein würde.

Der Gegenpapst Benedikt XIII. weigerte sich allerdings beharrlich, zurückzutreten und floh von Avignon an die spanische Küste (Peniscula an der Costa del Sol), wo er sich für den Rest seines Lebens (bis 1423) aufhielt. Der Kaiser verhandelte mit dem König von Aragonien und nach längeren Verhandlungen kamen auch einige von Benedikts Bischöfen zum Konzil nach Konstanz. Damit konnte das Konzil im Juli 1417 auch Benedikt absetzen und der Weg zur Wahl eines neuen Papstes war frei. Am 11. November 1417 wurde ein neuer Papst gewählt, Martin V. Die Wahl fand im Konzilsgebäude statt, das auch heute noch existiert.

Am 21. November 1417 erhielt er, nachdem er seit seiner Wahl noch schnell zum Priester und zum Bischof geweiht wurde, schließlich die Papstkrone.

Aus reformatorischer Sicht war das Konzil von Konstanz für die Erneuerung der Kirche eine schwere Niederlage. Das Konzil verurteilte nämlich die Lehren von John Wyclif, Jan Hus und Hieronymus von Prag.  Jan Hus und Hieronymus von Prag, die in Konstanz anwesend waren und denen freies Geleit zugesichert worden war, wurden als Ketzer verbrannt, John Wyclif (1330 bis 1384) war zu der Zeit bereits seit drei Jahrzehnten tot, doch seine Gebeine wurden ausgegraben und ebenfalls verbrannt (es dauerte allerdings mehrere Jahre, bis dies wirklich geschah).

 

 

 

    

 

 

 

                  

 

   

                John Wycliff                                           Jan Hus                            Hieronymus von Prag

 
       
   

Das Konzil veröffentlichte das Dekret Haec sancta am 6. April 1415, das hinsichtlich der Vorrangstellung von Papst und Konzil von Interesse ist.

Dieser Entscheid des Konzils wurde von keinem Papst approbiert, außerhalb von Rom jedoch von Bischöfen und Theologen in ganz Europa bis ins 16. Jahrhundert nachdrücklich verteidigt.

Die Absetzung der Päpste war eine heikle Angelegenheit, hatte die Kirche doch bis dahin gelehrt, dass Unwürdigkeit eines Amtsträgers dessen Handlungen nicht entwerte. Außerdem waren die kirchlichen Würdenträger, welche die Absetzungen verfügten, allesamt von einem der drei abgesetzten Päpste ernannt worden. Hätte man die Gründe, die schließlich zur Absetzung angeführt wurden, auch für diese Kardinäle und Bischöfe gelten lassen, hätten sich Reihen des Konzils deutlich gelichtet... also bis heute eine ungeklärte Rechtslage, die auch die vielzitierte und -strapazierte Apostolische Sukzession infrage stellt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Papst Urban VI.

 

  Papst Clemens VII.

 

Papst Alexander V.

 

Der Papstpalast in

Avignon - Eingang

 

Papst Benedikt XIII.

 

 

Das Konzilsgebäude in Konstanz

 

Die Beschreibung des Konzils in Konstanz in einer klösterlichen Handschrift

 

 

Papst Martin V.

 

 

 

Das morgenländische Schisma

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 1

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 2

Das abendländische Schisma