Der Konflikt zwischen Friedrich Barbarossa*) und dem

    Papst  - Erstmals Gegenpäpste   Seite 2

 

 

 

 

Das Schisma  

Zu Hadrian schickte Friedrich Pfalzgraf Otto von Wittelsbach. Bevor dieser aber in Rom aktiv werden konnte, starb Hadrian IV. am 1. September 1159.

Die Wahlversammlung der Kardinäle war gespalten, so dass nach der Wahl Roland Bandinelli als Alexander III. für die "italienische" und Viktor IV. für die kaiserliche Seite das Papstamt beanspruchten. Alexander wurde von den meisten Kardinälen unterstützt, während Viktor vom römischen Volk zum Papst ausgerufen worden war.

Friedrich berief 1160 ein Konzil nach Pavia ein, um die Papstfrage zu klären. Diese Aktion verlief im Rahmen der von Friedrich formulierten Kaiseridee, die teils an spätantikes Rechtsgut, stärker aber noch an die Tradition der salischen Kaiser anzuknüpfen versuchte, wonach der Kaiser Vogt der Kirche war und strittige Papstwahlen zu entscheiden hatte. Allerdings war zu dieser Zeit das Recht des Kaisers zur Einberufung eines Konzils bereits umstritten. Gleichzeitig schickte Alexander Schreiben in die gesamte vom Christentum erfasste Welt, um für seinen Anspruch auf das Amt zu werben.

 
       
Das Konzil von Pavia   Im Februar 1160 trat das Konzil im Dom von Pavia zusammen. Unterstützer Alexanders waren allerdings nicht zugelassen, so dass Viktor erwartungsgemäß bestätigt wurde. Insgesamt wurde der Beschluss in der westlichen Welt wegen der geringen Teilnehmerzahl kaum beachtet. Vor allem der italienische und der französische Klerus, aber auch ein Teil des deutschen erkannte das Konzil und damit Viktor nicht an.  
       
Das Schisma und seine Auswirkungen nach außen  

Das Schisma wirkte sich auch außerhalb des Reichs aus, vor allem in England und Frankreich. Noch 1159 lud Friedrich Heinrich II. und Ludwig VII. zur gemeinsamen Lösung der Papstfrage ein, wobei er die Anerkennung Viktors durchzusetzen versuchte. Diese Versuche scheiterten, als beide Könige offiziell Alexander anerkannten.

Unterdessen gingen die militärischen Auseinandersetzungen in Italien weiter. Nachdem Mailand im März 1162 erneut kapituliert hatte und zerstört worden war, stand Friedrich auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht in Italien. Aus dieser günstigen Lage heraus plante er einen Feldzug nach Sizilien, um einen dortigen Adelsaufstand auszunutzen. Im Juni wurden die Vorbereitungen jedoch abgebrochen, nachdem der normannische König die Adligen besiegt und Kämpfe zwischen Pisa und Genua die benötigte Flotte gebunden hatten.

 
       
Ende des Schimas?   Als Viktor IV. im April 1164 starb, schien das Schisma zunächst beendet zu sein.

Rainald von Dassel ließ jedoch bereits zwei Tage später ohne das Wissen Friedrichs I. in Lucca den Kardinal Wido von Crema unter dem Namen Paschalis III. zum Papst wählen. Dieser Schritt rief massiven Widerstand hervor, vor allem in Oberitalien durch den neu gegründeten Veroneser Bund, aber zunehmend aber auch in Deutschland. Zahlreiche deutsche Bischöfe und Geistliche, insbesondere in Burgund, erkannten Alexander III. an. Auch weltliche Herrscher wandten sich Alexanders Partei zu. Der wichtigste unter ihnen war Rudolf von Zähringen, der bereits 1162 ein Bündnis mit Ludwig VII. geschlossen hatte. Grund war die Tatsache, dass seinem Bruder Berthold IV. umfangreiche Rechte in Burgund entzogen und ihm die Ernennung zum Mainzer Erzbischof verweigert worden war.

 
       
Gedanken an einen Kreuzzug   Auf die zunehmend kritische Lage reagierte Friedrich I. mit verstärkten diplomatischen Bemühungen. Im Zentrum stand dabei ein Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems, gemeinsam mit dem französischen und dem englischen König. Dadurch sollte der Graben zwischen den christlichen Königreichen geschlossen und zugleich das Verhältnis zu Alexander entspannt werden. Rainald von Dassel reiste nach Ostern 1165 an den englischen Hof in Rouen und handelte dort die Verheiratung zweier Töchter Heinrichs II. mit einem Sohn Barbarossas und Heinrich dem Löwen aus. Der weitere Verlauf der Verhandlungen entwickelte sich aber unerwartet:

Rainald reiste weiter auf die britischen Inseln und überzeugte Heinrich II. dort, Alexander abzuschwören und Paschalis III. anzuerkennen. Grund für dieses Umschwenken war der Streit Heinrichs mit Thomas Becket.

Direkt nach seiner Englandreise erreichte Rainald auf einer Reichsversammlung in Würzburg die Ablegung der Würzburger Eide: Friedrich und zahlreiche Fürsten und Bischöfe, aber keineswegs alle, schworen, niemals Alexander III. oder seinen eventuellen Nachfolger als Papst anzuerkennen. Hintergrund war das erhoffte gemeinsame Vorgehen gegen den Papst mit der Hilfe Englands. Im Rahmen der Versammlung setzte Barbarossa den Mainzer Erzbischof Konrad v. Wittelsbach ab. Anschließend versuchte er in der Region um Salzburg, in der Alexander Rückhalt hatte, seine Position durchzusetzen.

 
       
Die "Heiligen Drei Könige" kommen nach Köln  

Parallel zur politischen Auseinandersetzung versuchte Barbarossa dem deutschen Reichsteil zusätzliches theologisches Format zu verleihen. 1164 wurden die Gebeine der "Heiligen Drei Könige" nach Köln überführt.

Weihnachten 1165 wurde Karl der Große in Aachen heilig gesprochen, um so durch einen Reichsheiligen eine bessere Legitimationsbasis zu erhalten, zumal Karl auch in der Kaiseridee Friedrich I. Barbraossa eine wichtige Rolle spielte. Allerdings kam diesem Akt außerhalb des Reiches wenig Bedeutung zu.

Indessen entfalteten die Würzburger Eide kaum Wirkung. Auch Heinrich II. von England ging nicht aktiv gegen Alexander vor, zumal er nach der Ermordung Thomas Becketts (für die Heinrich wenigstens teilweise verantwortlich gemacht wurde) dringend auf die Unterstützung Alexanders III. angewiesen war, der mehrheitlich vom englischen Episkopat unterstützt worden war.

 
       
Machtkämpfe lähmen die Parteien  

Im Mai 1166 starb Wilhelm I. von Sizilien. Die Nachfolgekämpfe machten die Normannen weitgehend handlungsunfähig, so dass Alexander III. nicht auf ihre Hilfe rechnen konnte. Diese Lage nutzte Friedrich und startete zu seinem vierten Italien(feld)zug, für den er auf einem Hoftag in Ulm (März 1166) bereits  einen Großteil der deutschen Mächtigen verpflichtet hatte. Rainald von Dassel und Erzbischof Christian von Mainz zogen mit einem Heer im Westen der italienischen Halbinsel gegen Rom und besiegten das städtische Aufgebot in der Schlacht von Tusculum, während Barbarossa Ancona belagerte, schließlich einnahm und bis nach Apulien vordrang. Danach wandte er sich ebenfalls Rom zu, das er im Juli 1167 eroberte.

Papst Paschalis II. krönte die Kaiserin im Petersdom, Alexander III. floh als Pilger verkleidet nach Benevent. In dieser Lage brach im Heer eine heftige Seuche (vermutlich Malaria) aus, der wichtige Persönlichkeiten wie Herzog Friedrich von Schwaben (Rothenburg), Sohn König Konrads, Welf VII., Sohn Herzog Welf VI., sowie Erzbischof Rainald v. Köln und viele weitere Adlige zum Opfer fielen. Friedrich konnte nur Reste der Streitmacht nach Deutschland zurückführen.

Die norditalienischen Städte nutzten die Niederlage des Kaisers aus. Schon 1167 hatten sie sich zum papsttreuen Lombardenbund zusammengeschlossen, der nun massiv von Byzanz und den Normannen finanziell unterstützt wurde.

 
       
Auswirkung der Niederlage Friedrichs I. in Deutschland   In Deutschland hatte die Niederlage von 1167 zur Folge, dass Barbarossa zahlreiche Territorien von Gefallenen und an der Seuche Gestorbenen selbst übernahm, insbesondere die herzoglichen welfischen Hausgüter in Oberschwaben, nachdem die versprochenen Zahlungen Heinrich d. Löwen an seinen Onkel Welf ausblieben. So entstand ein staufischer bzw. königlicher Territorialgürtel zwischen dem welfischen Baiern und den zähringischen Gebieten um Freiburg. Durch die Verleihung der rheinischen Pfalzgrafschaft einschließlich der Überlassung vieler alter salischer Erbgüter an seinen Halbbruder Konrad, das Ausspielen der Erzbistümer Trier und Mainz gegeneinander sowie den geschickten Einsatz der Königsgüter in der Region hatte Barbarossa bereits seit 1156 im Mittelrhein-Mosel-Gebiet und in den angrenzenden hessischen Regionen seinen Einfluss vergrößert. Auch in der Wetterau um Gelnhausen und Friedberg errichtete er ein Reichsland.

Ein weiterer reichspolitischer Schritt dieser Zeit war die Erteilung der Goldenen Freiheit für das Bistum Würzburg von 1168, in der der Bischof mit herzoglicher Gewalt ausgestattet, sein Territorium jedoch nicht in ein Herzogtum umgewandelt wurde. Der Bischof von Würzburg erhielt damals den Titel eines Herzogs von Franken.

 
       
Ausgleich mit Papsttum und Kommunen

 

In dieser Situation verstärkte Friedrich die Verhandlungen mit Alexander III. Dennoch wurde nach dem Tod Paschalis' III. im Herbst 1168 mit Calixt III. erneut ein Gegenpapst gewählt. Gleichzeitig bereitete sich Barbarossa auf eine Einigung mit Alexander vor: Zu Pfingsten 1169 wurde sein zweitgeborener Sohn Heinrich in einem Wahlakt als Nachfolger im Amt des deutschen Königs bestimmt. Vermutlich sollte er Alexander anerkennen, während Friedrich auf seiner ablehnenden Position verharrte, um so bei einem Thronwechsel eine Einigung zu erreichen. Zusätzlich versuchte Friedrich, den französischen und englischen Hof als Unterhändler zwischen ihm und dem Papst zu gewinnen.

Allerdings verfolgte Barbarossa nicht nur eine Entspannungspolitik, sondern setzte weiterhin auch auf Konfrontation. Mit einer im März 1172 erhobenen Klage warf er dem Lombardenbund und Anhängern Alexanders vor, das römische Kaisertum auf Byzanz übertragen zu wollen.

 
       
Der fünfte Italien(feld)zug  

Dies nutzte er als Anlass für den fünften Italien(feld)zug, der 1174 nicht gegen Rom, sondern ausschließlich gegen die oberitalienischen Städte gerichtet war. Allerdings reichte das kaiserliche Heer nicht aus, um wirksame militärische Erfolge zu erzielen. Eine Belagerung Alessandrias blieb erfolglos. 1175 gab es Friedensverhandlungen in Montebello, die mit einem Friedensschluss zwischen Kaiser und Lombardenbund endeten. Die Städte unterwarfen sich zwar formal, Entscheidungen wurden aber von einer paritätischen Schiedskommission getroffen. Die Einigung war jedoch nicht von Dauer, denn Barbarossa verlangte die Zerstörung Alessandrias und die Städte forderten, dass der Papst in die Verhandlungen einbezogen würde.

Im Herbst 1175 bat Friedrich um frische Truppen aus Deutschland. Vor allem Heinrich der Löwe als mächtigster Fürst und Herrscher über das nahe gelegene Bayern weigerte sich aber, diese zu schicken. Er hatte in Chiavenna zur Bedingung gemacht, dass ihm Goslar mit dessen ergiebigen Silberminen überlassen werden sollte. In der Schlacht von Legnano am 29. Mai 1176 unterlag der Kaiser schließlich. Er musste Frieden mit den Städten schließen und ihrer De-facto-Autonomie zustimmen.

 
       
Erste Ansätze zu einer Klärung  

Nach zisterziensischer Vermittlung schickte Barbarossa im Herbst 1176 eine Gesandtschaft zu Alexander III., die in Anagni einen Sonderfrieden aushandeln sollte. Der Papst wollte jedoch nur ein Abkommen zwischen allen Beteiligten schließen, das neben dem Lombardenbund auch die übrigen italienischen Städte, Sizilien und Byzanz umfassen sollte. Zumindest die Forderung nach der Einbeziehung Byzanz' ließ die Kurie jedoch schnell wieder fallen, nachdem Manuel I. 1176 eine Niederlage gegen die Muslime erlitten hatte und dadurch zu geschwächt war, um für Alexander von Nutzen sein zu können. Am Ende der Verhandlungen stand dennoch die gegenseitige Anerkennung von Papst und Kaiser, also die Rücknahme der Würzburger Eide sowie der Bannung Barbarossas. Der Kaiser sagte einen Rückzug aus dem vom Papst beanspruchten Territorium sowie die Rückgabe der Mathildischen Güter zu. Alexander III. sagte zu, dass von Schismatikern erteilte Ordinationen Gültigkeit behalten sollten.

Diese Vereinbarungen umfassten allerdings weder die Städte noch Sizilien. Mit diesen Parteien wurde in Chioggia weiter verhandelt. In diesen Verhandlungen gelang es Barbarossa, den Papst zur Aufgabe einiger seiner Territorialforderungen aus dem Abkommen von Angani zu bewegen. So sollte der Kaiser für die Mathildischen Güter 15 Jahre lang das Nutzungsrecht behalten und die Frage, ob ein Territorium zum päpstlichen Besitz gehörte, sollte von Fall zu Fall von einer Schiedsrichterinstanz geregelt werden. Im Gegenzug sagte Friedrich I. dem Lombardenbund einen sechs und Wilhelm II. von Sizilien 15 Jahre dauernden Waffenstillstand zu. In Venedig trafen sich Kaiser und Papst 1177 persönlich, um das Abkommen zu beeiden.

 
       
Staatsrechtlich umstritten  

Die staatsrechtliche Bedeutung des Friedensschlusses ist historisch umstritten. Einerseits musste der Kaiser von seinen Maximalansprüchen, die eine Weiterentwicklung der Umstände zu Zeiten Heinrich III. bedeutet hätten, große Abstriche vornehmen. Die Trennung zwischen dem italienischen und dem deutschen Reichsteil wurde vergrößert. Die Frage danach, ob der Papst oder der Kaiser über die größere Herrschaftsautorität verfüge, blieb ungeklärt, obwohl der Papst gestärkt und der Kaiser geschwächt aus den Auseinandersetzungen hervorging.

Vor allem der kaiserliche Herrschaftsanspruch über Rom war da facto nahezu aufgehoben worden. Andererseits wurde deutlich, dass auch der Papst sehr an einer Einigung mit dem Kaiser interessiert war, wodurch die Position dessen lombardischer Verbündeter in den nachfolgenden Friedensverhandlungen geschwächt war. Nach dem Auslaufen des Waffenstillstands von Venedig schlossen Barbarossa und der Lombardenbund 1183 den Frieden von Konstanz. Der Kaiser musste zwar viele Forderungen den Städten gegenüber aufgeben, band dafür aber den Lombardenbund fest in die Strukturen des Reiches ein. Der Lombardenbund wurde eine Art vom Kaiser legitimierter Interessenverband der oberitalienischen Städte.

Es gelang dem Bund, die Regalien in regelmäßige Geldzahlungen der Städte umzuwandeln, wodurch die kaiserlichen Rechte zwar weit unter das frühere Niveau zur Salierzeit hinabsanken, er aber dennoch an ihrem Reichtum partizipierte und eine größere Machtposition einnahm, als sie Konrad III. innehatte. Die lombardischen Städte erhielten das Recht, ihre Konsuln selber zu wählen, die aber alle fünf Jahre vom Kaiser erneut eingesetzt werden mussten. In den Jahren nach den Friedensschlüssen begann sich die Toskana zum neuen städtischen Machtzentrum in Italien zu entwickeln. Das Kaisertum begann als Ersatz für die erlittenen Verluste in der Lombardei nun mehr in MIttelitalien seine Machtpositionen aufzubauen.

Wie sehr beide Seiten damals mit dem gefundenen Kompromiss zufrieden waren, erkennt man daran, dass Ende Januar 1186, auf dem sechsten und letzten Italienzug des Kaisers, Barbarossas Sohn Heinrich VI. Konstanze, die Tante Wilhelms II. von Sizilien, in Mailand heiratete. Die Normannen erhofften sich von dieser Verbindung einen dauernden Frieden mit dem Kaiser und eine Anerkennung ihres Reiches, während Friedrich auf einen Erbfall Siziliens an sein Haus spekulierte, da Wilhelm II. kinderlos war. Nach der Hochzeit erfolgte eine Krönung Heinrichs, die stark an eine Kaiserkrönung erinnerte. Dies sollte ihm das mögliche Erbe Siziliens aus eigener Kraft sichern, und nicht bloß als Gatte seiner Frau. Barbarossa hatte zuvor von Papst Lucius III. mehrfach die Kaiserkrönung Heinrichs noch zu seinen eigenen Lebzeiten gefordert. 1188 krönte Clemens III. Heinrich VI. zum Kaiser.

 
       

Heinrich der Löwe als Angeklagter

 

In den letzten Jahren Friedrichs hatten sich die Beziehungen zwischen ihm und seinem welfischen Cousin Heinrich dem Löwen immer mehr verschlechtert. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war die Weigerung Heinrichs, auf dem fünften Italien(feld)zug Truppen zu stellen, trotzdem sich der Legende nach hier der Kniefall Barbraossas vor Heinrich ereignet haben soll. Zudem schloss Heinrich 1175 oder 1176 einen Erbvertrag mit Welf VI., der Heinrich die italienischen Besitzungen seines Onkels sichern sollte. 1178 kaufte Barbarossa Welf VI. dessen Territorien nördlich der Alpen ab und gab einen Teil sofort als Lehen an ihn zurück.

Im Januar 1179 klagte der Kaiser den Löwen auf dem Hoftag in Worms wegen verschiedener Vergehen an. Heinrich erhob sofort eine Gegenklage, in der er den mit Barbarossa verbündeten Kölner Erzbischof beschuldigte, das Gebiet um Hameln verwüstet zu haben. Formal entfaltete sich der folgende Rechtsstreit zwischen Heinrich dem Löwen und dem Erzbischof. Zu einer tatsächlichen Verhandlung kam es nicht, da der Löwe zu keinem Gerichtstermin erschien. Nach einer ersten Acht im Juni 1179 wurde im Januar 1180 in Würzburg von der versammelten Fürstenschaft die Reichsacht über Heinrich verhängt. Dadurch wurden ihm sämtliche Reichslehen entzogen. Der Herrschaftsbereich Heinrichs wurde aufgeteilt: Das norddeutsche Gebiet wurde im April 1180 zweigeteilt in die Herzogtümer Westfalen, das an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg, und Sachsen, das an den Askanier*) Bernhard von Anhalt fiel. In Bayern machte Barbarossa im September 1180 Pfalzgraf Otto von Wittelsbach zum Herzog.


*)Die Askanier sind ein schwäbisch-fränkisches Fürstengeschlecht. Der Name leitet sich von Ascharia, ihrem Sitz in Aschersleben, ab. Sie waren seit dem 11. Jahrhundert im östlichen Sachsen ansässig


Heinrich der Löwe setzte sich militärisch gegen das Urteil zur Wehr, woraufhin es zur Reichsheerfahrt gegen ihn kam. Er musste sich bereits im November 1181 dem Kaiser unterwerfen, nachdem der sächsische Adel, slawische und dänische Verbündete von ihm abgefallen waren und auch die Stadt Lübeck dem Kaiser die Tore geöffnet hatte. Ende 1181 wurde er auf dem Reichstag in Erfurt noch einmal verurteilt, wobei vermutlich die Fürsten den Kaiser zum vergleichsweise milden Urteil der Verbannung auf drei Jahre zwangen.

Spätestens mit der Übernahme Westfalens wurde Philipp von Heinsberg als mächtigster Fürst in der Nordhälfte Deutschlands zum Problem für Barbarossa. Möglicherweise war der Erzbischof sogar die treibende Kraft hinter dem Prozess gegen Heinrich den Löwen. Bereits seit 1165 hatte Barbarossa versucht, die Macht Philipps zurück zu drängen. Die Förderung verschiedener Fürsten in den südlichen Niederlanden und im Maas-Mosel-Gebiet sowie der Städte Aachen und Duisburg konnte den Machtzuwachs Philipps jedoch nicht wirklich bremsen. Hier zeigten sich auch die strukturellen Schwächen in der Politik Barbarossas in Deutschland: nicht der König, sondern mehrere Reichsfürsten profitierten vom Fall Heinrichs des Löwen.

 

Tod Friedrich I.  Barbarossas beim Dritten Kreuzzug

 

Auf dem Mainzer Hoftag wurde die Teilnahme am Kreuzzug beschlossen. 1189 brach Friedrich gemeinsam mit Philipp II. von Frankreich und Richard I. Löwenherz von England zum Dritten Kreuzzug auf.

Im Zusammenhang mit diesem Kreuzzug soll Friedrich I. Barbarossa einer Handels- und Marktsiedlung, die zuvor von Graf Adolf III. von Schauenburg und Holstein am westlichen Alsterufer gegründet worden war, weitgehende handels- und stadtrechtliche Privilegien verliehen haben. Dieses Diplom gilt als Gründungsurkunde Hamburgs, jedoch ist die Echtheit dieser Urkunde umstritten.

Die Regentschaft im Reich übernahm sein Sohn Heinrich VI. Zuvor hatte Barbarossa Saladin von Ägypten in einem Schreiben vom 26. Mai 1188 zum ritterlichen Zweikampf in der ägyptischen Ebene Zoan aufgefordert und den 1. November 1189 als Termin dafür genannt.

Nach zwei erfolgreichen Schlachten gegen die Muslime, darunter sein letztes Gefecht, die Schlacht bei Iconium, ertrank Friedrich I. im Juni 1190 im Fluss Saleph in Anatolien, bevor er Saladin treffen konnte.

Allerdings sind die genauen Umstände seines Todes nicht geklärt: Teils wird berichtet, er habe, erhitzt vom Ritt, sich durch ein Bad abkühlen wollen; nach anderer Überlieferung wurde er bei der Flussüberquerung von seinem scheuenden Pferd abgeworfen und durch das Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen. Man spekuliert auch, dass er angesichts der Sommerhitze und seines Alters im eiskalten Gebirgswasser einen Herzinfarkt erlitt.

Sein Sohn Friedrich V. von Schwaben zog mit einer kleinen Schar weiter, um Friedrich Barbarossa in Jerusalem zu beerdigen. Der Versuch, den Leichnam in Essig zu konservieren, misslang, so dass das Fleisch des Kaisers in der Peterskirche in Antiochia, seine Knochen in der Kathedrale von Tyros und Herz und Eingeweide in Tarsos beigesetzt wurden.

 

       

Ende des mittelalterlichen Schismas

 

Zur Vermeidung weiterer Schismen ließ Alexander III. das Dritte Laterankonzil einberufen. Im März 1179 beschloss das Konzil, dass zu einer gültigen Papstwahl die Zweidrittelmehrheit der Stimmen der Kardinäle nötig sei.

Das 3. Laterankonzil fand im März 1179 als das 11. ökumenische Konzil der katholischen Kirche unter Vorsitz Papst Alexander III. mit 302 Bischöfen statt.

Das Konzil entfernte die letzten Anhänger des Gegenpapstes, stellte die Waldenser unter Beobachtung und die Katharer als Häretiker in den Bann und drängte auf die Wiederherstellung der kirchlichen Disziplin.

Die weltlichen Herren rief es unter Zusicherung von weitgehenden Ablässen zum bewaffneten Vorgehen gegen Häretiker auf. Insgesamt drei Sitzungen wurden gehalten, am 5., 14. und 19. März, auf denen insgesamt 72 Kanones (verbindliche Rechtsnormen) verabschiedet wurden.

Die wichtigsten waren:

 

Canon 1

Um Schismen in Zukunft zu verhindern, sollten nur Kardinäle das Recht der Papstwahl haben; eine Zweidrittelmehrheit sei dazu erforderlich. Wenn ein Kandidat mit geringerer Stimmenzahl sich zum Papst erklärt, würden er und seine Unterstützer exkommuniziert.

Canon 2

annulliert die durchgeführten Ordinationen durch die Häresiarchen Octavian (Gegenpapst Victor IV.) und Johann v. Struma.

Canon 3

legt das Mindestalter für Bischöfe auf 30 Jahre fest.

Canon 7

verbietet, Gebühren für Beerdigung, Segnung und die Verwaltung der Sakramente (als deutliche Abgrenzung zur Simonie) zu erheben.

Canon 9

erinnert die Ritterorden (Tempelritter und Hospitalorden) an die Beobachtung der kanonischen Regeln.

Canon 11

verbietet Klerikern den Empfang von Frauen in ihren Häusern bzw. den Besuch von Nonnenklöstern.

Canon 19

stellt alle Personen unter die Strafe der Exkommunikation, welche Gebühren für Kirchen und Priester ohne die Zustimmung des Klerus erheben.

Canon 24

verbietet die Belieferung der Sarazenen mit Material für den Galeerenbau.

Canon 27

schreibt die Unterdrückung jeglicher Häresie vor.

 

Papst Alexander III. verstarb im Exil von Civita Castellana. Seine Gebeine wurden nach seinem Tod nach Rom überführt und in einem Grab an der Basilika San Giovanni di Laterano beigesetzt. Diese Grabstätte wurde jedoch vom römischen Volk zerstört.

 

 

Friedrich I.

"Barbarossa"

 

Papst Hadrian IV.

 

Papst Alexander III.

 

Paschalis III.

 

Kreuzzüge

 

Ermordung des

Thomas Beckett

 

König Heinrich II.

von England

 

Der "heilige"

Karl der Große

 

Der "Dreikönigs-Schrein"

im Kölner Dom

 

Ein weiterer Gegenpapst,

Callixt III.

 

Heinrich der Löwe

 

Der Sohn Friedrich I.,

Heinrich VI.

 

Der von Papst Lucius III. heilig gesprochene Florian

auf einem Gemälde

 

Papst Clemens III.

 

 Kreuzfahrer-Miniatur in einem Missale

 

Europäische Ritter im

Kampf gegen Muslime

 

Das Innere der Lateranbasilika

 

 

Die Lateranbasilika

"San Giovanni di

Laterano" aus der Luft

 

Die Stadt "Civita

Castellani" heute

 

 

 

Das morgenländische Schisma

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 1

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 2

Das abendländische Schisma