Der Konflikt zwischen Friedrich Barbarossa*)  und dem

    Papst Seite 1

 

 

 

 

Friedrich Barbarossa König und Kaiser

 

Als Sohn des Staufers Friedrich II. des Einäugigen, Herzog von Schwaben, und der Welfin Judith, Tochter Heinrichs des Schwarzen von Bayern, stammte Friedrich I.*), genannt Barbarossa von den beiden verfeindeten, im Heiligen Römischen Reich dominierenden Adelsgeschlechtern seiner Zeit ab.


*) Friedrich I., genannt Barbarossa (* etwa 1122 in Waiblingen oder in Weingarten (Altdorf) bei Ravensburg; † 10. Juni 1190 im Fluss Saleph, Anatolien) aus dem Haus der Staufer, war von 1147 bis 1152 unter dem Namen Friedrich III. Herzog von Schwaben. Seit 1152 war er römisch-deutscher König (rex Romanorum) und seit 1155 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Seinen Beinamen Barbarossa (barba „Bart“, rossa „rot/rötlich“) erhielt er in Italien wegen seines rötlich schimmernden Bartes.


Nach dem Tod seines Vaters 1147, wurde er als Friedrich III. dessen Nachfolger als Herzog von Schwaben. Er scheint die Konzentration seines Vaters auf die staufische Hausmachtpolitik fortgesetzt zu haben, während sich sein Onkel Konrad III. als deutscher König vor allem um die Steigerung der Königsmacht bemühte. In den rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Konrad und den Welfen scheint Friedrich eine neutrale Stellung eingenommen zu haben oder sogar ein Vorgehen Konrads gegen die Welfen behindert zu haben.

 

Wie wird man König?

 

Nach dem plötzlichen Tod Konrads III. am 15. Februar 1152 in Bamberg wurde der Schwabenherzog Friedrich bereits am 4. März 1152 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und vom Kölner Erzbischof Arnold II. von Wied am 9. März in der Pfalzkapelle in Aachen gekrönt.

Dieser ungewöhnlich schnelle Ablauf lässt sich nur damit erklären, dass die Termine bereits von Konrad III. geplant waren, im Vorfeld seines Italienzuges zur Kaiserkrönung in Rom. Dies allerdings in der Absicht, seinen eigenen Sohn bereits als Nachfolger wählen und krönen zu lassen, eine Vorgehensweise, die vor größeren Reisen, die mit Gefahren verbunden waren, durchaus zur Sicherung der dynastischen Nachfolge üblich war.

Nach Überlieferung und schriftlichem Zeugnis Ottos von Freising entschied Konrad dann jedoch, das Gemeinwohl über das dynastische Erbrecht zu stellen, und seinen Neffen Friedrich anstelle seines eigenen Sohnes Friedrich zur Wahl zu empfehlen. Er befürchtete angeblich, dass eine Regentschaft seines eigenen erst 6-jährigen Sohnes angesichts des herrschenden Konfliktes mit Heinrich dem Löwen nicht den ersehnten Frieden bringen würde.

Ob das so stimmt, war bisher durch die Forschung nicht zu klären; Otto von Freising hat seinen Bericht über die Umstände der Königswahl erst fünf Jahre danach niedergeschrieben, als Friedrich bereits fest etabliert und hochgeachtet war. Wahrscheinlicher ist es, dass Friedrich von Schwaben es diplomatisch äußerst geschickt verstanden hat, einen Interessenausgleich zwischen den beteiligten (und zum Teil verfeindeten) Parteien herzustellen, wodurch Rang und Ansehen aller Fürsten zufriedenstellend berücksichtigt wurden und er selber dadurch deren Unterstützung bei seiner Wahl zum König erhielt.

Es gibt Berichte über diverse Treffen zwischen Friedrich und Großen des Reiches während der Thronvakanz. Vermutlich hat Friedrich während dieser Gespräche verschiedenen Fürsten Ämter und Ländereien versprochen und sie so zur Unterstützung seiner Thronansprüche bewogen.

Dies betraf wohl vor allem Parteigänger seines Vetters Heinrich des Löwen, der ein vermuteter weiterer Gegenkandidat gewesen sein dürfte. Unter anderem erhielt ihr gemeinsamer Onkel Welf VI. nach Friedrichs Herrschaftsantritt den Titel über verschiedene Herrschaften und dazu auch Besitztümer in Italien (die Mathildischen Güter, das Herzogtum Spoleto, die Markgrafschaft Toskana und die Inseln Sardinien und Korsika).

Welfs Verbündeter Graf Konrad II. von Dachau erhielt den Titel eines Herzogs von Meranien. Dem Schwager Heinrich des Löwen, Berthold IV. von Zähringen, wurden die Vertretung des Königs als Rektor in Burgund bestätigt und Zusagen für Rechte im Jura. Außerdem erhielt er die Zusicherung Barbarossas, in gemeinsamer Heerfahrt diese Rechte auch durchzusetzen, wenn er sich selbst mit 1.000 Panzerreitern dabei beteiligte.

Sein Cousin Heinrich der Löwe erhielt mit zeitlicher Verzögerung endgültig 1156 als Lohn für seine Wahlzustimmung das von ihm beanspruchte Herzogtum Bayern, welches den Babenbergern auf dem Hoftag zu Goslar 1154 durch Fürstenspruch entzogen wurde.

Der von seinem Halbbruder Konrad III. als Herzog in Bayern eingesetzte Heinrich II. Jasomirgott, der selbst der Königswahl ferngeblieben war, wurde sodann für den Verlust Bayerns entschädigt, indem man zuvor durch Fürstenspruch das Ostland von Bayern abtrennte und zum eigenständigen Herzogtum Österreich erhob, er den Titel Herzog von Österreich führen durfte, und somit kein Vasall des Bayernherzogs wurde, sowie zusätzliche Sonderrechte bekam. 

Herzog Vladislav von Böhmen wurde im Vorgriff auf zukünftige Dienstleistungen zum König von Böhmen ernannt.

Zudem dürften die Fürsten in Friedrich einen Kandidaten gesehen haben, der durch seine Verwandtschaft mit beiden Häusern den Konflikt zwischen Staufern und Welfen beilegen würde: mütterlicherseits (cognatisch) war er mit den Welfen verwandt, väterlicherseits war er ein Staufer, nämlich ein Neffe von Konrad III., sowie ein Neffe von Heinrich II. Jasomirgott und des Bischofs Otto von Freising. Wohl deshalb bezeichnet ihn Otto von Freising auch als den Eckstein: "lapis angularis".

Aus der von Wibald, Abt von Stablo-Malmedy und Corvey, verfassten Wahlanzeige an Papst Eugen III. sollte die Programmatik Barbarossas hervorgehen: Oberstes Prinzip war die Wiederherstellung der Privilegien der Kirche und der Erhabenheit des Reiches (honor imperii und sacrum imperium). In Wirklichkeit handelte es sich dabei allerdings nicht um neue Gedanken. Ähnliche Passagen der Wahlanzeige finden sich nahezu gleichlautend auch in Diplomen Konrads III. und in einem päpstlichen Mahnschreiben vom Januar 1152...

 

 

 

 

 

Ein Reich wird konsolidiert

 

Zunächst konzentrierte Friedrich sich auf die Befriedung des Reiches und stellte die Bewerbung um die Kaiserkrone zurück. Einen ersten Hoftag (eine Art Reichstag im Kleinen) hielt Friedrich nach Ostern 1152 in Dortmund, wobei der Kölner Erzbischof Arnold II., Sachsenherzog Heinrich der Löwe, Herzog Welf VI. und Albrecht der Bär anwesend waren. Der König präsentierte sich hier erstmals als Herrscher im sächsischen Teil des Reiches.

Ein weiterer Hoftag wurde im Juni des selben Jahres während des Königsumritts nach Merseburg einberufen. Auf ihm wurde der Konflikt zwischen dem Bremer Erzbischof Hartwich und Heinrich dem Löwen verhandelt, bei dem es um das Recht zur Bistumsgründung an der Ostseeküste ging. Erst auf dem Hoftag von Goslar 1154 wurde endgültig vereinbart, dass Heinrich in seinem Herrschaftsbereich Bistümer einrichten durfte. In Merseburg entschied Barbarossa auch den dänischen Thronfolgestreit zu Gunsten Svens III. und gegen Knut, der mit den Welfen verbündet war. Das bedeutendste Problem der Reichpolitik, der Konflikt zwischen Heinrich dem Löwen und Heinrich Jasomirgott um das Herzogtum Bayern, wurde zwar angesprochen, aber noch nicht gelöst. Dadurch wurde die Expansion der Welfen in den norddeutschen Raum umgeleitet.

Auf Merseburg folgte Regensburg als nächste größere Station des Umritts. Dort empfing Friedrich die Huldigung des bayerischen Adels und rief zu einem Feldzug gegen Ungarn auf, zu dem die Fürsten ihm aber die Gefolgschaft verweigerten und ihn so verhinderten. Vermutlich wollte der König durch diesen Feldzug die Babenberger in ihrem Kampf gegen die Welfen in Bayern entlasten.

 

 

 

 

 

Wie bereitet man seine Kaiserkrönung vor?

 

Im Oktober 1152 setzte Barbarossa auf dem Reichstag in Würzburg den Herbst 1154 als Termin für seine Romfahrt fest. Die Wahl eines so späten Termins wird meist damit erklärt, dass Barbarossa zuvor den Streit um die bayerische Herzogswürde zwischen Babenbergern und Welfen klären wollte. Nach der Bekanntgabe des Termins für die Romfahrt begannen Verhandlungen zwischen Barbarossa und der römischen Kurie, um die Bedingungen für die Kaiserkrönung festzulegen. Ergebnis war der Vertrag von Konstanz, so benannt nach dem Ort seiner Beeidung durch Friedrich im März 1153.

In ihm versprach Barbarossa, die aufständische Römische Kommune zu unterwerfen, die Stadt wieder der Herrschaft des Papstes zu übergeben und ohne päpstliche Zustimmung keinen Frieden mit Römern oder Normannen (die byzantinische Machtansprüche in Italien unterstützten) zu schließen, für den Papst die Herrschaft über die römische Kirche wieder herzustellen und zu sichern sowie den genannten byzantinischen Besitzansprüchen in Italien entgegen zu treten.

Im Gegenzug versprach der Papst, Friedrich zum Kaiser zu krönen und ihn bei der Herrschaftsausübung zu unterstützen, den Bann gegen Umstürzler im Reich zu verhängen und sich an der Vertreibung der Byzantiner aus Italien zu beteiligen. Im Rahmen der Vertragsverhandlungen erreichte Friedrich I. darüber hinaus, dass der Papst den Erzbischof von Mainz sowie die Bischöfe von Minden, Hildesheim und Eichstätt, die der welfischen Seite nahe standen, gegen ihm genehme Amtsinhaber austauschte.

Im September 1153 nahm Barbarossa trotz der Bedingungen des Konstanzer Vertrags die seit dem Tode Konrads III. ruhenden Bündnisverhandlungen mit Byzanz wieder auf. Der König bot an, eine byzantinische Prinzessin zu heiraten. Aber die Verhandlungen gerieten ins Stocken. Am 9. Mai 1154 reiste Anselm von Havelberg nach Byzanz ab, um ein mögliches Bündnis zu retten. Allerdings kehrte er frühestens Mitte 1155 zurück, so dass das Verhältnis zu Byzanz noch ungeklärt war, als Barbarossa sich auf den Weg nach Rom machte.

Im Juni 1154 berief Friedrich I. einen Reichstag nach Goslar. Heinrich der Löwe erhielt während dieser Versammlung das Investiturrecht für Bischöfe in seinen Territorien an der Ostsee, auch in der Frage des Herzogtums Bayern sprach sich Barbarossa für Heinrich aus, ohne den Konflikt allerdings endgültig zu lösen.

 

 

 

 

 

Die erste "Romfahrt"

 

Im Oktober 1154 setzte sich das Heer zur ersten Romfahrt in Bewegung. Inzwischen hatte sich die Lage in Süditalien aber geändert, das unter der Herrschaft der Normannen war, da der Normannenkönig Roger II. im Februar gestorben war.

Sein Sohn Wilhelm I. wurde vom neuen Papst Hadrian IV. nicht anerkannt, bemühte sich aber dennoch um Verhandlungen mit der Kurie. Hadrian wiederum fürchtete eine byzantinische Invasion in Italien und wies Friedrich I. mit Nachdruck auf den Konstanzer Vertrag hin.

Darüber hinaus befand sich Hadrian im verschärften Konflikt mit dem Senat der Stadt Rom. Friedrich und Hadrian trafen erstmals in Sutri zusammen, wo sich der deutsche König allerdings weigerte, dem Papst den traditionellen Stratordienst*) zu erweisen, also sein Pferd am Zügel zu führen. Es hat allerdings den Anschein, dass dieser Konflikt schnell beigelegt wurde.


*) Strator (lat. Pferdehalter) bezeichnete ursprünglich eine Art Reitknecht in römischen Kavallerieeinheiten. Im Mittelalter war der Stratordienst ein Akt der rituellen Selbstdemütigung, bei der der zu Fuß gehende Strator einer reitenden höhergestellten Person über eine bestimmte Strecke das Pferd am Zügel führte.

Im 11. und 12. Jahrhundert bildete der vom Kaiser zu erbringende Stratordienst neben dem Fußkuss ein zentrales Element bei der Begegnung mit dem Papst.


Auf dem gemeinsamen Weg nach Rom trafen König und Papst auf eine Abordnung des Senats, der die Anerkennung der erneut aufgestellten städtischen Verfassung sowie die Zahlung von 5000 Pfund Gold forderte und zudem die Ansicht vertrat, dass der künftige Kaiser seine Krone von der Stadt Rom empfange. Diese Forderungen wies der König entschieden zurück. Daraufhin verschloss die eigentliche Stadt Rom, die außerhalb des Vatikans lag, ihre Tore vor König und Papst.

Am 18. Juni 1155 krönte Hadrian IV. Barbarossa im Petersdom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Direkt nach der Krönung kam es zu einem Aufstand der stadtrömischen Bevölkerung, die den Papst gefangen setzen wollte. Bis in die Nacht kämpften kaiserliche und päpstliche Truppen gegen die Römer. Nachdem Ruhe eingekehrt war, ging Barbarossa, entgegen dem Konstanzer Vertrag nicht gegen die Stadtbevölkerung vor und stellte auch die Herrschaft des Papstes über die Stadt nicht wieder her. Ein Zug gegen die Normannen auf Sizilien blieb ebenfalls aus.

Zwar hatten auch byzantinische Gesandte, mit denen Barbarossa kurz nach der Krönung in Ancona über Heirats- und Bündnispläne verhandelte, dies gefordert. Die Fürsten im Gefolge des Kaisers weigerten sich jedoch, an einem Feldzug teilzunehmen. Auch die weiteren Gespräche mit den Byzantinern scheinen erfolglos geblieben zu sein, denn der oströmische Kaiser nahm mit den Aufständischen in Apulien Kontakt auf und bemühte sich nicht mehr um weitere Verhandlungen mit Friedrich I.

Durch den Bruch des Konstanzer Vertrages kam es zu einer Entfremdung zwischen Papsttum und Kaisertum, die zu einem Anlass für die folgenden Auseinandersetzungen wurde. Zudem verschlechterten sich aus Friedrichs Sicht auch die äußeren Bedingungen in Italien. Mit byzantinischer Hilfe griff der apulische Aufstand immer weiter um sich. Die Normannen schlugen sich erfolgreich gegen die Byzantiner und nahmen ihnen das kurz zuvor eroberte Brindisi wieder ab. Angesichts dieser Entwicklung schloss Hadrian IV. 1156 den Vertrag von Benevent mit den Normannen. In den folgenden Jahren bewährten sich die Normannen als weltliche (und vertragstreue) Schutzmacht des Papstes, vor allem im Konflikt mit der Stadt Rom, und stellten so die Position des Kaisers in Frage. Damit stellte der Vertrag von Benevent einen wichtigen Schritt im Loslösungsprozess kaiserlicher und päpstlicher Herrschaft voneinander dar.

 

 

 

 

 

Entwicklungen und Veränderungen im Reich

 

Nach der Vorentscheidung in der Frage der bayerischen Herzogswürde zu Gunsten Heinrichs des Löwen in Goslar begann Friedrich im September 1155 mit Heinrich Jasomirgott über eine Entschädigung für den Verlust Bayerns zu verhandeln. Als es zu keiner Einigung kam, ließ Barbarossa im Oktober in Regensburg die bayerischen Großen einen Treueid auf Heinrich den Löwen schwören. Formell blieb das Herzogtum noch bis zum 8. September 1156 in Babenberger Hand. Als Heinrich Jasomirgott auch dann die Herrschaft nicht aufgeben wollte, scheint um das Pfingstfest 1156 herum ein Kompromiss ausgehandelt worden zu sein, der im September im Privilegium minus festgeschrieben wurde: Die Babenberger behielten die Herzogswürde, mussten sich aber auf die ehemalige Markgrafschaft Österreich beschränken, während Heinrich der Löwe das restliche Bayern erhielt. Damit wurde der Grundstein für die Entwicklung Österreichs als eigenständiges Territorium gelegt.

Vor dem 2. März 1147 hatte Friedrich in Eger Adelheid (Adela) von Vohburg geheiratet, die Tochter des Markgrafen Diepold III. von Vohburg und Cham und Erbin des Egerlandes. Die kinderlose Ehe wurde im März 1153 in Konstanz annulliert, was Friedrich allerdings nicht daran hinderte, das Egerland seinem Cousin Friedrich von Rothenburg zu geben (Adelheid heiratete den welfischen Ministerialen Dieto von Ravensburg. Am 17. Juni 1156 heiratete Friedrich in Würzburg in zweiter Ehe die minderjährige Beatrix von Burgund (* 1145, † 15. November 1184 in Jouhé bei Dole, Tochter des Grafen Rainald III. und seit diesem Jahr Erbin der Freigrafschaft Burgund (heute Franche-Comté). Diese Heirat und Erwerbung brachten dem Kaiser im gleichen Jahr den Titel eines Grafen von Burgund ein und ermöglichten ihm einen leichteren Alpenübergang im Westen, steigerten jedoch seinen Einfluss in dieser Region kaum. Seine und Beatrix' Krönung zum König und zur Königin von Burgund erfolgte erst am 30. Juli 1178 in Arles (er) bzw. im August 1178 in Vienne (sie).

In dieser Phase veränderte Barbarossa die Herrschaftsstrukturen im gesamten Reich. So wurde mit dem Fodrum*), das der italienische Adel entrichten musste, erstmals eine regelmäßige Reichssteuer erhoben.


*) Fodrum (von lat. Fodrum = Futter) bezeichnet eine vor allem im mittelalterlichen Italien erhobene Steuer.

Ursprünglich handelte es sich dabei auch außerhalb Italiens um das Futter, das durchreisenden Beamten zur Verfügung gestellt werden musste. Unter den Karolingern diente die Abgabe zur Versorgung der Pferde des Königshofs.

In Reichsitalien wurde die Steuer, die der dortige Reichsadel dem Kaiser zu zahlen hatte, als Fodrum bezeichnet. Anfangs wurde sie lediglich einmal zur Kaiserkrönung fällig und diente dem italienischen Adel als Ablöse für seine Reichsheerfahrtspflicht (Unterstützung bei Kämpfen gegen fremde Länder). Unter Friedrich Barbarossa wurde das Fodrum im Rahmen seiner allgemeinen stärkeren Einbindung Italiens in das Reich zu einer regelmäßigen Steuer, die teilweise auch von Territorien des Kirchenstaates erhoben wurde.


Zusammen mit den Zahlungen der italienischen Städte gab diese Entwicklung der stärker werdenden Geldwirtschaft einen bedeutenden Schub. Auch die Heeresstruktur wandelte sich. Neben die durch ihren Lehenseid verpflichteten adligen Kämpfer traten zunehmend Söldner.

Die königliche Territorialmacht stärkte Barbarossa vor allem durch die Ausdehnung des Reichsguts in Thüringen und durch die Gründung der Städte Pegau und Chemnitz.

 

   

 

 
Der erste Italien(feld)zug und Verschärfung des Konfliktes mit dem Papst  

Der erste (Feld)Zug nach Italien 1154/55 sollte nicht nur dazu dienen, die Kaiserkrone zu erlangen, sondern verfolgte wie die fünf darauf folgenden Züge auch die Absicht, die unumstrittene Herrschaft über Reichsitalien, insbesondere über die lombardischen Städte, zu sichern. Ziel war es, den honor imperii zu wahren, was stark verkürzt ausgedrückt die Herrschaftsrechte des Kaisers bedeutete. Dazu passt auch, dass der Begriff Sacrum Imperium (geheiligtes oder heiliges Reich) 1157 in der staufischen Kanzlei geboren wurde.

Vor dem eigentlichen Zug ging es für Friedrich zunächst darum, Verbündete zu sammeln. So bemühte er sich um eine Verbesserung des Verhältnisses zu den nach Österreich zurückgedrängten Babenbergern, indem er im Sommer 1157 durch einen Feldzug versuchte, den mit ihnen verschwägerten Wladislaw II. auf den polnischen Herzogsthron zurück zu führen, was aber misslang. Im Januar 1158 erhob er Herzog Vladislav II. von Böhmen, ebenfalls mit den Babenbergern verwandt, zum König.

Das Wohlwollen des Erzbischofs von Bremen sicherte sich Barbarossa, indem er zu seinen Gunsten gegen das vom Papst geförderte und in Konkurrenz zu Bremen um das Primat über die nordische Kirche stehende Erzbistum Lund vorging und nach der Gefangennahme Erzbischof Eskils auf seiner Heimreise von Rom durch Burgund nichts zu dessen Befreiung unternahm. Gleichzeitig versuchte er damit Einfluss auf den dänischen Erbfolgestreit zu nehmen.

Für Oktober 1157 berief Barbarossa einen Reichstag nach Besançon ein, vor allem um seinen Herrschaftsanspruch in Burgund zu unterstreichen. Dort forderten zwei päpstliche Legaten die Freilassung Eskils aus der Gefangenschaft kaiserlicher Parteigänger. Zu einem Eklat führte eine eher beiläufige Bemerkung in dem entsprechenden Brief Hadrians IV., in der das Kaisertum als beneficium bezeichnet wurde. Dies konnte mit Lehen oder Wohltat übersetzt werden, und Rainald von Dassel, seit 1156 Reichskanzler und einer der engsten Vertrauten Friedrichs, übersetzte es mit Lehen, wobei allerdings auch die anwesenden päpstlichen Gesandten keinen Einspruch erhoben. Als Barbarossa daraufhin alle Gesandten festnehmen ließ und daraufhin das Gepäck der Legaten durchsucht wurde, fanden sich zahlreiche vorgefertigte Privilegien an den deutschen Episkopat, mit deren Ausstellung offenbar die Kirchenhoheit des Kaisers zu Gunsten des Papstes unterlaufen werden sollte. Diese beiden Provokationen des Papstes wurden darauf zu Angriffspunkten einer Propagandakampagne, in der Friedrich die Unterstützung eines Großteils des deutschen Episkopats gewann.

Die deutschen Bischöfe untersagten dem gesamten Klerus die Appellation an die römische Kurie. Damit sollte der Einfluss des Papstes beschnitten werden, was sowohl dem König, als auch den Bischöfen in ihren Bestrebungen nach Unabhängigkeit von Rom entgegen kam (eine mittelalterliche "Los-von-Rom-Bewegung sozusagen). Am Ausufern der anti-päpstlichen Stimmung änderte auch eine Erklärung Papst Hadrians IV. im Juni 1158 nichts, in welcher er beteuert, dass er nicht "Lehen", sondern "Wohltat" gemeint habe (Beneficium: non feudum, sed bonum factum).

Ebenso wenig konnte der Papst auch durch eine Kontaktaufnahme mit Heinrich dem Löwen den zweiten Italien(feld)zug Friedrich Barbarossas verhindern

 
   

 

 
Der zweite Italienzug  

Im September 1158 schlug das Heer Friedrichs I. Barbarossa Mailand, im November berief er auf den Ronkalischen Feldern*) einen Reichstag ein, der die Verwaltung Italiens regeln sollte.


Ronkalische Felder [nach dem Ort Roncaglia, 8 km östlich von Piacenza], Ebene auf dem rechten Ufer des Po, Italien; im Mittelalter Sammelplatz der deutschen Heere auf dem Weg nach Rom (Romfahrt), Ort des Ronkalischen Reichstags 1158 (mit Beschlüssen zur Neuorganisation der Reichsherrschaft in Italien).


Der Kaiser ließ eine Kommission aus Rechtsgelehrten der Universität Bologna (die für ihre Juristen berühmt war) die so genannten Ronkalischen Gesetze ausarbeiten. Dabei wurde größtenteils das römische Recht als Vorlage verwendet und dem Kaiserrecht Vorrang vor dem ius commune gegeben.

Die Kommunen mussten sich danach ihre die Regalien vom Kaiser bestätigen lassen, was Anlass für die spätere Empörung mehrerer Städte war. Der Reichstag gilt als Beginn einer durchstrukturierten Italienpolitik Barbarossas.

Auf dem Reichstag und in der darauf folgenden Winterpause prallten die Staatsvorstellungen von Kaiser und Papst aufeinander.

Nachdem Friedrich die Verwaltungsstruktur auch auf die vom Papst beanspruchten Territorien Italiens, insbesondere auf verschiedene Bistümer und die Mathildischen Güter ausgedehnt und Verhandlungen mit der Stadt Rom aufgenommen hatte, erschien im Frühjahr 1159 eine päpstliche Delegation am Hof, um eine Rücknahme dieser Regelungen einzufordern.

Barbarossa lehnte mit der Begründung ab, dass die Bischöfe nicht über eigene Territorien verfügten, sondern sich ihre Pfalzen auf Grund und Boden des Reiches befänden, über den er als Kaiser die Hoheit besitze. Gleichzeitig nahm der Papst Verhandlungen mit Mailand auf, das erneut einen Feldzug gegen den Kaiser vorbereitete, während Barbarossa parallel zur päpstlichen Gesandtschaft eine Abordnung der Stadt Rom empfing.

 

 

Friedrich I. "Barbarossa"

 

Thron  der Pfalzkapelle

in Aachen

 

Inneres der Pfalzkapelle

in Aachen

 

Otto von Freising

 

Das "Barbarossa-Lied"

 

Eine der zahlreichen so genannten

"Barbarossa-Höhlen"

 

Heinrich der Löwe

 

Heinrich Jasomirgott auf

einem Glasfenster im

Stift Herzogenburg

 

Otto von Freising auf

einem Glasfenster im

Stift Herzogenburg

 

Österr. Herzogshut

 

Konstanzer Vertrag

 

Papst Hadrian IV.

 

Der sogenannte "Stratordienst"

 

Siegel auf dem

Vertrag von Benevent

 

Reichskanzler

Rainald von Dassel

 

Die streng geregelte Sitzordnung bei einem Reichstag

 

 

Das morgenländische Schisma

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 1

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 2

Das abendländische Schisma

Entwicklung der Konfessionen nach 1054