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Friedrich Barbarossa
König und Kaiser |
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Als Sohn des
Staufers Friedrich II.
des Einäugigen, Herzog von Schwaben,
und der Welfin Judith, Tochter
Heinrichs des Schwarzen
von Bayern, stammte Friedrich I.*), genannt
Barbarossa von den beiden
verfeindeten, im Heiligen Römischen Reich dominierenden
Adelsgeschlechtern seiner Zeit ab.
*)
Friedrich I., genannt
Barbarossa (* etwa 1122 in Waiblingen oder in Weingarten
(Altdorf) bei Ravensburg; † 10. Juni 1190 im Fluss Saleph,
Anatolien) aus dem Haus der Staufer, war von 1147 bis 1152 unter
dem Namen Friedrich III. Herzog von Schwaben. Seit 1152 war er
römisch-deutscher König (rex
Romanorum) und seit 1155 Kaiser
des Heiligen Römischen Reiches. Seinen Beinamen Barbarossa
(barba „Bart“, rossa „rot/rötlich“) erhielt er in
Italien
wegen seines rötlich schimmernden Bartes.
Nach dem Tod
seines Vaters 1147, wurde er als Friedrich III.
dessen Nachfolger als Herzog von Schwaben. Er scheint die
Konzentration seines Vaters auf die staufische Hausmachtpolitik
fortgesetzt zu haben, während sich sein Onkel
Konrad III.
als deutscher König vor allem um die
Steigerung der Königsmacht bemühte. In den rechtlichen
Auseinandersetzungen zwischen Konrad und den
Welfen scheint Friedrich eine neutrale
Stellung eingenommen zu haben oder sogar ein Vorgehen Konrads
gegen die Welfen behindert zu haben. |
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Wie wird man König? |
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Nach dem plötzlichen
Tod Konrads III. am 15. Februar 1152 in Bamberg
wurde der Schwabenherzog Friedrich bereits am 4.
März 1152 in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt
und vom Kölner Erzbischof Arnold II. von Wied am 9.
März in der Pfalzkapelle in Aachen gekrönt.
Dieser ungewöhnlich
schnelle Ablauf lässt sich nur damit erklären, dass die Termine
bereits von Konrad III. geplant waren, im Vorfeld
seines Italienzuges zur Kaiserkrönung in Rom. Dies allerdings in
der Absicht, seinen eigenen Sohn bereits als Nachfolger wählen und
krönen zu lassen, eine Vorgehensweise, die vor größeren Reisen,
die mit Gefahren verbunden waren, durchaus zur Sicherung der
dynastischen Nachfolge üblich war.
Nach Überlieferung
und schriftlichem Zeugnis Ottos von Freising
entschied Konrad dann jedoch, das Gemeinwohl über
das dynastische Erbrecht zu stellen, und seinen Neffen
Friedrich anstelle seines eigenen Sohnes Friedrich
zur Wahl zu empfehlen. Er befürchtete angeblich, dass eine
Regentschaft seines eigenen erst 6-jährigen Sohnes angesichts des
herrschenden Konfliktes mit Heinrich dem Löwen nicht
den ersehnten Frieden bringen würde.
Ob das so stimmt,
war bisher durch die Forschung nicht zu klären; Otto von
Freising hat seinen Bericht über die Umstände der
Königswahl erst fünf Jahre danach niedergeschrieben, als
Friedrich bereits fest etabliert und hochgeachtet war.
Wahrscheinlicher ist es, dass Friedrich von Schwaben
es diplomatisch äußerst geschickt verstanden hat, einen
Interessenausgleich zwischen den beteiligten (und zum Teil
verfeindeten) Parteien herzustellen, wodurch Rang und Ansehen
aller Fürsten zufriedenstellend berücksichtigt wurden und er
selber dadurch deren Unterstützung bei seiner Wahl zum König
erhielt.
Es gibt Berichte
über diverse Treffen zwischen Friedrich und
Großen des Reiches während der Thronvakanz. Vermutlich hat
Friedrich während dieser Gespräche verschiedenen
Fürsten Ämter und Ländereien versprochen und sie so zur
Unterstützung seiner Thronansprüche bewogen.
Dies betraf
wohl vor allem Parteigänger seines Vetters Heinrich des
Löwen, der ein vermuteter weiterer Gegenkandidat gewesen
sein dürfte. Unter anderem erhielt ihr gemeinsamer Onkel
Welf VI.
nach Friedrichs Herrschaftsantritt den Titel über verschiedene
Herrschaften und dazu auch Besitztümer in Italien (die
Mathildischen
Güter, das Herzogtum Spoleto, die
Markgrafschaft Toskana und die Inseln Sardinien
und Korsika).
Welfs
Verbündeter Graf Konrad II. von Dachau erhielt den
Titel eines Herzogs von Meranien. Dem Schwager
Heinrich des Löwen, Berthold IV. von Zähringen,
wurden die Vertretung des Königs als Rektor in Burgund
bestätigt und Zusagen für Rechte im Jura.
Außerdem erhielt er die Zusicherung Barbarossas, in
gemeinsamer Heerfahrt diese Rechte auch durchzusetzen, wenn er
sich selbst mit 1.000 Panzerreitern dabei beteiligte.
Sein Cousin
Heinrich der Löwe erhielt mit zeitlicher Verzögerung
endgültig 1156 als Lohn für seine Wahlzustimmung das von ihm
beanspruchte Herzogtum Bayern, welches den Babenbergern auf dem Hoftag zu Goslar 1154 durch
Fürstenspruch entzogen wurde.
Der von seinem
Halbbruder Konrad III. als Herzog in Bayern
eingesetzte Heinrich II. Jasomirgott, der
selbst der Königswahl ferngeblieben war, wurde sodann für den
Verlust Bayerns entschädigt, indem man zuvor durch
Fürstenspruch das Ostland von Bayern
abtrennte und zum eigenständigen Herzogtum Österreich
erhob, er den Titel Herzog von Österreich führen
durfte, und somit kein Vasall des Bayernherzogs wurde, sowie
zusätzliche Sonderrechte bekam.
Herzog
Vladislav von Böhmen wurde im Vorgriff auf zukünftige
Dienstleistungen zum König von Böhmen ernannt.
Zudem dürften
die Fürsten in Friedrich einen Kandidaten gesehen
haben, der durch seine Verwandtschaft mit beiden Häusern den
Konflikt zwischen Staufern und Welfen
beilegen würde: mütterlicherseits (cognatisch)
war er mit den Welfen verwandt, väterlicherseits war er ein
Staufer, nämlich ein Neffe von Konrad III., sowie
ein Neffe von Heinrich II. Jasomirgott und des
Bischofs Otto von Freising. Wohl deshalb bezeichnet
ihn Otto von Freising auch als den Eckstein: "lapis
angularis".
Aus der von
Wibald, Abt von Stablo-Malmedy und
Corvey,
verfassten Wahlanzeige an Papst Eugen III.
sollte die Programmatik Barbarossas hervorgehen: Oberstes Prinzip
war die Wiederherstellung der Privilegien der Kirche und der
Erhabenheit des Reiches (honor
imperii und
sacrum imperium). In Wirklichkeit handelte es sich dabei
allerdings nicht um neue Gedanken. Ähnliche Passagen der
Wahlanzeige finden sich nahezu gleichlautend auch in Diplomen
Konrads III. und in einem päpstlichen
Mahnschreiben vom Januar 1152... |
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Ein Reich wird
konsolidiert |
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Zunächst
konzentrierte Friedrich sich auf die Befriedung des Reiches und
stellte die Bewerbung um die Kaiserkrone zurück. Einen ersten
Hoftag (eine Art Reichstag im Kleinen) hielt Friedrich
nach Ostern 1152 in Dortmund, wobei der Kölner Erzbischof
Arnold II., Sachsenherzog Heinrich der Löwe,
Herzog Welf VI. und Albrecht der Bär
anwesend waren. Der König präsentierte sich hier erstmals als
Herrscher im sächsischen Teil des Reiches.
Ein weiterer
Hoftag wurde im Juni des selben Jahres während des
Königsumritts
nach Merseburg einberufen. Auf ihm wurde der Konflikt zwischen dem
Bremer Erzbischof Hartwich und Heinrich dem
Löwen verhandelt, bei dem es um das Recht zur
Bistumsgründung an der Ostseeküste ging. Erst auf dem Hoftag von
Goslar 1154 wurde endgültig vereinbart, dass Heinrich
in seinem Herrschaftsbereich Bistümer einrichten durfte. In
Merseburg entschied Barbarossa auch den dänischen
Thronfolgestreit zu Gunsten Svens III. und gegen
Knut, der mit den Welfen verbündet war.
Das bedeutendste Problem der Reichpolitik, der Konflikt zwischen
Heinrich dem Löwen und Heinrich Jasomirgott um das
Herzogtum Bayern, wurde zwar angesprochen, aber noch
nicht gelöst. Dadurch wurde die Expansion der Welfen in den
norddeutschen Raum umgeleitet.
Auf Merseburg folgte
Regensburg als nächste größere Station des Umritts. Dort empfing
Friedrich die Huldigung des bayerischen Adels und
rief zu einem Feldzug gegen Ungarn auf, zu dem die
Fürsten ihm aber die Gefolgschaft verweigerten und ihn so
verhinderten. Vermutlich wollte der König durch diesen Feldzug die
Babenberger in ihrem Kampf gegen die Welfen
in Bayern entlasten. |
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Wie bereitet man
seine Kaiserkrönung vor? |
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Im Oktober
1152 setzte Barbarossa auf dem Reichstag in Würzburg den
Herbst 1154 als Termin für seine Romfahrt
fest. Die Wahl eines so späten Termins wird meist damit erklärt,
dass Barbarossa zuvor den Streit um die bayerische
Herzogswürde zwischen Babenbergern und Welfen klären wollte. Nach
der Bekanntgabe des Termins für die Romfahrt begannen
Verhandlungen zwischen Barbarossa und der
römischen Kurie, um die Bedingungen für die Kaiserkrönung
festzulegen. Ergebnis war der
Vertrag von Konstanz, so
benannt nach dem Ort seiner Beeidung durch Friedrich im März 1153.
In ihm
versprach Barbarossa, die aufständische Römische Kommune zu
unterwerfen, die Stadt wieder der Herrschaft des Papstes
zu übergeben und ohne päpstliche Zustimmung keinen Frieden
mit Römern oder Normannen (die
byzantinische Machtansprüche in Italien unterstützten) zu
schließen, für den Papst die Herrschaft über
die römische Kirche wieder herzustellen und zu
sichern sowie den genannten byzantinischen Besitzansprüchen
in Italien entgegen zu treten.
Im
Gegenzug versprach der Papst, Friedrich zum Kaiser
zu krönen und ihn bei der
Herrschaftsausübung zu unterstützen, den Bann
gegen Umstürzler im Reich zu verhängen und sich an
der Vertreibung der Byzantiner aus
Italien zu beteiligen. Im Rahmen der
Vertragsverhandlungen erreichte Friedrich I. darüber hinaus, dass
der Papst den Erzbischof von
Mainz
sowie die Bischöfe von Minden, Hildesheim
und Eichstätt, die der welfischen Seite nahe
standen, gegen ihm genehme Amtsinhaber austauschte.
Im September 1153
nahm Barbarossa trotz der Bedingungen des
Konstanzer Vertrags die seit dem Tode Konrads III.
ruhenden Bündnisverhandlungen mit Byzanz wieder auf.
Der König bot an, eine byzantinische Prinzessin zu
heiraten. Aber die Verhandlungen gerieten ins Stocken. Am 9. Mai
1154 reiste Anselm von Havelberg nach Byzanz ab, um
ein mögliches Bündnis zu retten. Allerdings kehrte er frühestens
Mitte 1155 zurück, so dass das Verhältnis zu
Byzanz noch ungeklärt war, als Barbarossa sich auf
den Weg nach Rom machte.
Im Juni 1154 berief
Friedrich I. einen Reichstag nach Goslar.
Heinrich der Löwe erhielt während dieser Versammlung das
Investiturrecht für Bischöfe in seinen Territorien
an der Ostsee, auch in der Frage des Herzogtums Bayern
sprach sich Barbarossa für Heinrich aus, ohne
den Konflikt allerdings endgültig zu lösen. |
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Die erste "Romfahrt" |
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Im
Oktober 1154 setzte sich das Heer zur
ersten Romfahrt in Bewegung. Inzwischen hatte sich die Lage in Süditalien
aber geändert, das unter der Herrschaft der Normannen war, da der
Normannenkönig Roger II.
im Februar gestorben war.
Sein Sohn Wilhelm I.
wurde vom neuen Papst Hadrian IV.
nicht anerkannt, bemühte sich aber dennoch um Verhandlungen mit
der
Kurie.
Hadrian
wiederum fürchtete eine
byzantinische Invasion
in Italien und wies
Friedrich I.
mit Nachdruck auf den
Konstanzer Vertrag
hin.
Darüber hinaus befand sich
Hadrian im verschärften
Konflikt mit dem Senat der Stadt Rom.
Friedrich und
Hadrian
trafen erstmals in
Sutri
zusammen, wo sich der deutsche König allerdings weigerte, dem
Papst den traditionellen
Stratordienst*)
zu erweisen, also sein Pferd am Zügel zu führen. Es hat allerdings
den Anschein, dass dieser Konflikt schnell beigelegt wurde.
*) Strator
(lat. Pferdehalter) bezeichnete ursprünglich eine Art
Reitknecht in römischen Kavallerieeinheiten. Im
Mittelalter war der Stratordienst ein Akt der rituellen
Selbstdemütigung, bei der der zu Fuß gehende Strator einer
reitenden höhergestellten Person über eine bestimmte Strecke das
Pferd am Zügel führte.
Im 11. und 12. Jahrhundert bildete der vom Kaiser zu
erbringende Stratordienst neben dem Fußkuss ein zentrales Element
bei der Begegnung mit dem Papst.
Auf dem
gemeinsamen Weg nach Rom trafen König
und Papst
auf eine Abordnung
des Senats,
der die Anerkennung der erneut aufgestellten städtischen
Verfassung sowie die Zahlung von 5000 Pfund Gold forderte und
zudem die Ansicht vertrat, dass der künftige Kaiser
seine Krone von der Stadt
Rom empfange. Diese
Forderungen wies der
König entschieden
zurück. Daraufhin verschloss
die eigentliche Stadt Rom, die außerhalb des Vatikans lag, ihre
Tore vor König und Papst.
Am 18. Juni
1155 krönte Hadrian IV. Barbarossa im Petersdom
zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Direkt nach der Krönung
kam es zu einem Aufstand der stadtrömischen Bevölkerung, die den
Papst gefangen setzen wollte. Bis in die Nacht kämpften
kaiserliche und päpstliche Truppen gegen die Römer. Nachdem Ruhe
eingekehrt war, ging Barbarossa, entgegen dem
Konstanzer Vertrag
nicht gegen die Stadtbevölkerung vor und stellte auch die
Herrschaft des Papstes über die Stadt nicht wieder her. Ein Zug
gegen die Normannen auf Sizilien blieb ebenfalls aus.
Zwar hatten
auch byzantinische Gesandte, mit denen Barbarossa kurz nach der
Krönung in Ancona über
Heirats- und Bündnispläne verhandelte, dies gefordert. Die Fürsten
im Gefolge des Kaisers weigerten sich jedoch, an einem
Feldzug
teilzunehmen. Auch die weiteren Gespräche mit den Byzantinern
scheinen erfolglos geblieben zu sein, denn der oströmische Kaiser
nahm mit den Aufständischen in Apulien Kontakt auf und bemühte
sich nicht mehr um weitere Verhandlungen mit Friedrich I.
Durch den
Bruch des Konstanzer Vertrages kam es zu einer
Entfremdung zwischen
Papsttum und Kaisertum, die zu einem Anlass für die folgenden
Auseinandersetzungen wurde. Zudem verschlechterten sich aus
Friedrichs Sicht auch die äußeren Bedingungen in Italien. Mit
byzantinischer Hilfe griff der apulische Aufstand immer weiter um
sich. Die Normannen schlugen sich erfolgreich gegen die
Byzantiner und nahmen ihnen das kurz zuvor eroberte
Brindisi wieder ab.
Angesichts dieser Entwicklung schloss Hadrian IV. 1156 den
Vertrag von Benevent
mit den Normannen. In den folgenden Jahren bewährten sich die
Normannen als weltliche (und vertragstreue) Schutzmacht des Papstes, vor allem im
Konflikt mit der Stadt Rom, und stellten so die Position des
Kaisers in Frage. Damit stellte der Vertrag von Benevent einen
wichtigen Schritt im Loslösungsprozess kaiserlicher und
päpstlicher Herrschaft voneinander dar. |
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Entwicklungen und
Veränderungen im Reich |
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Nach der
Vorentscheidung in der Frage der bayerischen Herzogswürde zu
Gunsten Heinrichs des Löwen
in Goslar begann Friedrich im September 1155 mit
Heinrich Jasomirgott
über eine Entschädigung für den Verlust Bayerns zu verhandeln. Als
es zu keiner Einigung kam, ließ Barbarossa im Oktober in
Regensburg die bayerischen Großen einen Treueid auf Heinrich den
Löwen schwören. Formell blieb das Herzogtum noch bis zum 8.
September 1156 in Babenberger Hand. Als Heinrich Jasomirgott auch
dann die Herrschaft nicht aufgeben wollte, scheint um das
Pfingstfest 1156 herum ein Kompromiss ausgehandelt worden zu sein,
der im September im
Privilegium minus
festgeschrieben wurde: Die Babenberger behielten die
Herzogswürde, mussten sich aber auf die ehemalige Markgrafschaft
Österreich
beschränken, während Heinrich der Löwe das restliche Bayern
erhielt. Damit wurde der Grundstein für die Entwicklung
Österreichs als eigenständiges Territorium gelegt.
Vor dem 2.
März 1147 hatte Friedrich in
Eger
Adelheid (Adela) von Vohburg
geheiratet, die Tochter des Markgrafen Diepold III. von Vohburg
und
Cham und
Erbin des Egerlandes.
Die kinderlose Ehe wurde im März 1153 in Konstanz
annulliert, was Friedrich allerdings nicht daran hinderte, das
Egerland seinem
Cousin Friedrich von Rothenburg
zu geben (Adelheid heiratete den welfischen Ministerialen Dieto
von Ravensburg. Am 17. Juni 1156 heiratete Friedrich in Würzburg in
zweiter Ehe die minderjährige Beatrix von Burgund
(* 1145, † 15. November 1184 in Jouhé bei
Dole,
Tochter des Grafen Rainald III.
und seit diesem Jahr Erbin der Freigrafschaft Burgund
(heute Franche-Comté).
Diese Heirat und Erwerbung brachten dem Kaiser im gleichen Jahr
den Titel eines Grafen von Burgund ein und ermöglichten ihm einen
leichteren Alpenübergang im Westen, steigerten jedoch seinen
Einfluss in dieser Region kaum. Seine und Beatrix' Krönung zum
König und zur Königin von Burgund
erfolgte erst am 30. Juli 1178 in Arles (er)
bzw. im August 1178 in Vienne
(sie).
In dieser
Phase veränderte Barbarossa die Herrschaftsstrukturen im gesamten
Reich. So wurde mit dem Fodrum*), das
der italienische Adel entrichten musste, erstmals eine regelmäßige
Reichssteuer erhoben.
*) Fodrum (von lat. Fodrum = Futter) bezeichnet eine vor allem im mittelalterlichen Italien erhobene Steuer.
Ursprünglich handelte es sich dabei auch außerhalb Italiens um das Futter, das durchreisenden Beamten zur Verfügung gestellt werden musste. Unter den
Karolingern diente die Abgabe zur Versorgung der Pferde des Königshofs.
In
Reichsitalien wurde die Steuer, die der dortige Reichsadel dem Kaiser zu zahlen hatte, als
Fodrum bezeichnet. Anfangs wurde sie lediglich einmal zur Kaiserkrönung fällig und diente dem italienischen Adel als Ablöse für seine
Reichsheerfahrtspflicht (Unterstützung bei Kämpfen gegen fremde Länder). Unter
Friedrich Barbarossa wurde das Fodrum im Rahmen seiner allgemeinen stärkeren Einbindung Italiens in das Reich zu einer regelmäßigen Steuer, die teilweise auch von Territorien des
Kirchenstaates erhoben wurde.
Zusammen mit den Zahlungen der italienischen
Städte gab diese Entwicklung der stärker werdenden Geldwirtschaft
einen bedeutenden Schub. Auch die Heeresstruktur wandelte sich.
Neben die durch ihren Lehenseid verpflichteten
adligen Kämpfer
traten zunehmend Söldner.
Die königliche
Territorialmacht stärkte Barbarossa vor allem durch die Ausdehnung
des Reichsguts
in Thüringen
und durch die Gründung der Städte Pegau und Chemnitz. |
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Der erste Italien(feld)zug
und Verschärfung des Konfliktes mit dem Papst |
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Der erste (Feld)Zug
nach Italien
1154/55 sollte nicht nur dazu dienen, die Kaiserkrone zu erlangen,
sondern verfolgte wie die fünf darauf folgenden Züge auch die
Absicht, die unumstrittene Herrschaft über Reichsitalien,
insbesondere über die lombardischen Städte,
zu sichern. Ziel war es, den
honor imperii
zu wahren, was stark verkürzt ausgedrückt die Herrschaftsrechte
des Kaisers bedeutete. Dazu passt auch, dass der Begriff
Sacrum Imperium
(geheiligtes oder heiliges Reich) 1157 in der staufischen Kanzlei geboren wurde.
Vor dem
eigentlichen Zug ging es für Friedrich zunächst darum, Verbündete
zu sammeln. So bemühte er sich um eine Verbesserung des
Verhältnisses zu den nach Österreich zurückgedrängten
Babenbergern, indem er im Sommer 1157 durch einen Feldzug
versuchte, den mit ihnen verschwägerten Wladislaw II.
auf den polnischen Herzogsthron zurück zu führen, was aber
misslang. Im Januar 1158 erhob er Herzog Vladislav II.
von
Böhmen,
ebenfalls mit den Babenbergern verwandt, zum König.
Das Wohlwollen
des Erzbischofs von Bremen
sicherte sich Barbarossa, indem er zu seinen Gunsten gegen das vom
Papst geförderte und in Konkurrenz zu Bremen um das Primat über
die nordische Kirche stehende Erzbistum
Lund
vorging und nach der Gefangennahme Erzbischof Eskils
auf seiner Heimreise von Rom durch Burgund nichts zu dessen
Befreiung unternahm. Gleichzeitig versuchte er damit Einfluss auf
den dänischen Erbfolgestreit zu nehmen.
Für Oktober
1157 berief Barbarossa einen Reichstag
nach Besançon
ein, vor allem um seinen Herrschaftsanspruch in Burgund zu
unterstreichen. Dort forderten zwei päpstliche Legaten die
Freilassung Eskils aus der Gefangenschaft kaiserlicher
Parteigänger. Zu einem Eklat führte eine eher beiläufige Bemerkung
in dem entsprechenden Brief Hadrians IV., in der das Kaisertum als
beneficium bezeichnet wurde. Dies konnte mit Lehen oder
Wohltat übersetzt werden, und Rainald von Dassel,
seit 1156 Reichskanzler und einer der engsten Vertrauten
Friedrichs, übersetzte es mit Lehen, wobei allerdings auch die
anwesenden päpstlichen Gesandten keinen Einspruch erhoben. Als
Barbarossa daraufhin alle Gesandten festnehmen ließ und daraufhin das Gepäck der Legaten durchsucht wurde, fanden sich
zahlreiche vorgefertigte Privilegien an den deutschen
Episkopat,
mit deren Ausstellung offenbar die Kirchenhoheit
des Kaisers zu Gunsten des Papstes unterlaufen werden sollte.
Diese beiden Provokationen des Papstes wurden darauf zu
Angriffspunkten einer Propagandakampagne, in der
Friedrich die
Unterstützung eines Großteils des deutschen Episkopats gewann.
Die deutschen Bischöfe
untersagten dem gesamten Klerus die Appellation
an die römische Kurie. Damit sollte der Einfluss des Papstes
beschnitten werden, was sowohl dem König, als auch den
Bischöfen
in ihren Bestrebungen nach Unabhängigkeit von Rom entgegen kam
(eine mittelalterliche "Los-von-Rom-Bewegung sozusagen). Am
Ausufern der anti-päpstlichen Stimmung änderte auch eine
Erklärung Papst Hadrians IV. im Juni 1158 nichts, in
welcher er beteuert, dass er nicht
"Lehen", sondern "Wohltat" gemeint habe
(Beneficium: non feudum,
sed bonum factum).
Ebenso wenig konnte der Papst
auch durch eine
Kontaktaufnahme mit Heinrich dem Löwen den zweiten Italien(feld)zug
Friedrich Barbarossas verhindern |
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Der zweite
Italienzug |
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Im September
1158 schlug das Heer Friedrichs I. Barbarossa Mailand, im
November berief er auf den Ronkalischen Feldern*)
einen Reichstag ein, der die Verwaltung Italiens regeln sollte.
Ronkalische Felder [nach dem Ort Roncaglia, 8 km östlich von
Piacenza], Ebene auf dem rechten Ufer des Po, Italien; im
Mittelalter Sammelplatz der deutschen Heere auf dem Weg nach Rom
(Romfahrt), Ort des Ronkalischen Reichstags 1158 (mit
Beschlüssen zur Neuorganisation der Reichsherrschaft in Italien).
Der Kaiser ließ eine Kommission aus Rechtsgelehrten der
Universität Bologna
(die für ihre Juristen berühmt war) die so genannten Ronkalischen Gesetze
ausarbeiten. Dabei wurde größtenteils das römische Recht
als Vorlage verwendet und dem Kaiserrecht Vorrang vor dem
ius commune
gegeben.
Die Kommunen mussten sich danach ihre die Regalien
vom Kaiser bestätigen lassen, was Anlass für die spätere Empörung
mehrerer Städte war. Der Reichstag gilt als Beginn einer
durchstrukturierten Italienpolitik Barbarossas.
Auf dem
Reichstag und in der darauf folgenden Winterpause prallten die
Staatsvorstellungen von Kaiser und Papst
aufeinander.
Nachdem
Friedrich die Verwaltungsstruktur auch auf die vom
Papst
beanspruchten Territorien Italiens, insbesondere auf
verschiedene
Bistümer und die
Mathildischen Güter
ausgedehnt und Verhandlungen mit der Stadt Rom
aufgenommen hatte, erschien im Frühjahr 1159 eine päpstliche
Delegation am Hof, um eine Rücknahme dieser Regelungen
einzufordern.
Barbarossa
lehnte mit der Begründung ab, dass die Bischöfe nicht
über eigene Territorien verfügten, sondern
sich ihre Pfalzen auf Grund und Boden des Reiches
befänden, über den er als Kaiser die Hoheit
besitze. Gleichzeitig nahm der Papst Verhandlungen mit Mailand
auf, das erneut einen Feldzug gegen den Kaiser vorbereitete,
während Barbarossa parallel zur päpstlichen Gesandtschaft eine
Abordnung der Stadt Rom empfing. |
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Friedrich I. "Barbarossa"

Thron der Pfalzkapelle
in Aachen

Inneres der Pfalzkapelle
in Aachen

Otto von Freising

Das "Barbarossa-Lied"

Eine der zahlreichen
so genannten
"Barbarossa-Höhlen"

Heinrich der Löwe

Heinrich Jasomirgott auf
einem Glasfenster im
Stift Herzogenburg

Otto von Freising auf
einem Glasfenster im
Stift Herzogenburg

Österr. Herzogshut

Konstanzer Vertrag

Papst Hadrian IV.

Der sogenannte "Stratordienst"

Siegel auf dem
Vertrag von Benevent

Reichskanzler
Rainald von Dassel

Die streng geregelte Sitzordnung
bei einem Reichstag
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