Spaltungen, Häresien und Schismen in der

    Kirchengeschichte 1

 

    Das morgenländische Schisma

 

 

 

Von der Römischen Kirche zur Vielfalt der Christlichen Konfessionen heute

 

Die Geschichte der Lateinischen Reichskirche war geprägt von zahlreichen Konflikten, die Abspaltungen und Trennungen bewirkten.

 

Gravierende Einschnitte für die Lateinische Kirche waren:

 

Das morgenländische Schisma

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst

Das abendländische Schisma

Die Reformation

Das Erste Vatikanische Konzil

 

 

 

 

 

       
Das morgenländische Schisma Als Morgenländisches Schisma, auch als Griechisches Schisma bezeichnet ("Schisma" von griechisch: Scisma Trennung, Spaltung) wird die Trennung zwischen den östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche bezeichnet.

Oft wird als Datum dafür 1054 angegeben, als sich der  Papst in Rom und der Patriarch von Konstantinopel durch Niederlegung entsprechender Bannbullen auf dem Hauptaltären der Hauptkirchen beider Reichshauptstädte gegenseitig exkommunizierten, aber tatsächlich handelte es sich um einen Prozess, der sich etwa vom 5. bis in das 15. Jahrhundert hinzog. Heute stimmen Historiker darin überein, daß Ostkirche und Westkirche sich aufgrund einer fortschreitenden Entfremdung trennten, die mit dem progressiven Wachstum deS päpstlichen Autoritätsanspruch zusammenfiel. Entscheidend für die Trennung waren aber nicht ausschließlich theologische Differenzen, sondern auch  kirchenpolitische Faktoren

       

Sprache als wesentlicher Umstand

 

Am Anfang der Entfremdung stand der profane Umstand, daß es im Laufe der ersten Jahrhunderte in Rom und allgemein im Westen weniger und weniger üblich wurde, die griechische Sprache zu bevorzugen, die jahrhundertelang um das ganze Mittelmeer lingua franca*) gewesen war.


*) Die lingua franca (ital. für "fränkische Sprache") war eine im Mittelalter gebildete Pidgin-Sprache. die als Handels- und Verkehrssprache im Mittelmeerraum Verbreitung fand.

(Der Begriff Pidginsprache bezeichnet eine Sprache, die sich, meist spontan, aus einer Vermischung von Elementen unterschiedlicher Sprachen zu dem Zwecke der Verständigung verschiedensprachlicher Individuen herausbildet, wie z. B. Pidgin-Englisch im Raum Neu-Guinea oder Indonesien).

Die Lingua franca fand als Handels- und Verkehrssprache im Mittelmeerraum Verbreitung. Die Sprache entwickelte sich aus dem Spätlatein und dem Italienischen mit starken arabischen Einschlägen. Ihren Namen erhielt diese Sprache, da die Byzantiner und Araber alle Kreuzfahrer unabhängig von ihrer Herkunft als "Franken" bezeichneten

Mit "Lingua Franca" bezeichnet man heute sprachwissenschaftlich eine allgemein verständliche Verkehrs- oder Weltsprache. Die ursprüngliche Lingua Franca wird zur besseren Differenzierung "Lingua Franca des Mittelmeers" genannt. Sie wurde noch im späten 19. Jahrhundert in Algier gesprochen.


Das führte natürlicherweise auch in der Kirche zu geringerem theologischen Austausch. Bereits im vierten Jahrhundert gibt es nur noch vereinzelte westliche Kirchenväter, die griechisch lesen und schreiben können (Ambrosius von Mailand oder Hieronymus sind einige von diesen) - der führende lateinische Kirchenlehrer Augustinus von Hippo gehörte allerdings nicht mehr zu ihnen. Auch der hochgebildete Gregor der Große, im 6. Jahrhundert Botschafter in Konstantinopel, konnte nicht mehr griechisch.

Umgekehrt wurden die Werke des Augustinus erst im 14. Jahrhundert ins Griechische übersetzt. Generell bevorzugten die griechischen Patriarchen kein Latein (der Philologe Photios z.B. verschmähte es, die "barbarische" Sprache Latein zu lernen), man war daher im gegenseitigen Verkehr ständig auf Übersetzer, Sekretäre und Experten angewiesen.

 

       
Kulturelle Unterschiede  

Ein weiterer Aspekt des Morgenländischen Schismas sind wohl kulturbedingte Unterschiede und   verschiedene geistige Werte und Haltungen. Griechen sahen Römer z. B. als ungebildet und barbarisch, Römer die Griechen dagegen als hochnäsig und spitzfindig an.

Auch Bildung und beruflicher Hintergrund der Kirchenväter waren unterschiedlich: Viele führende Theologen des Westens besaßen die in der römischen Kultur übliche juristisch-politische Bildung wie  Tertullian, Ambrosius von Mailand und Augustinus. Von daher waren ihnen auch in der Theologie die juristischen Aspekte (Rechtfertigungslehre) und die organisatorischen Aspekte (Ekklesiologie) besonders wichtig.

Im Osten dagegen überwog die klassische Bildung einschließlich klassischer Philosophie, Rhetorik und  Naturwissenschaften (wie z. B. bei Origenes, Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz). Von daher ging es auch in der Theologie eher um grundlegende philosophische Fragen wie der Christologie.

Interessanterweise geht es auch bei den Häresien, die der frühen Kirche die meisten Probleme bereiten, um parallele Fragen: beim Donatismus im Westen primär um Kirchenrecht, beim Arianismus und Monophysitismus im Osten um christologische Fragen und das Verhältnis des Glaubens zur weltlichen Philosophie.

Im Osten gab es traditionell zahlreiche gebildete Laien, die sich aktiv am Kirchenleben und an der Theologie beteiligten, und von denen es manche (z.B. Photios) bis zum Patriarchen brachten. Im Westen kam es durch die politische Entwicklung dazu, daß die Kirche etwa ab dem spätem 5. Jahrhundert ein Bildungsmonopol hatte - alle zukünftigen Kleriker konnten (zumindest in den ersten Jahrhunderten) ihre Ausbildung nur innerhalb der Kirche bekommen, Laien waren nur sehr selten umfassend allgemein gebildet.

 
       
Entscheidende Impulse kommen von der politischen Situation her  

Durch die Verlegung der Hauptstadt des römischen Reiches von Rom nach Konstantinopel und insbesondere durch den Fall des weströmischen Reichs kam es zu sehr unterschiedlichen politischen Konstellationen: Im Osten gab es den Kaiser als politisches Machtzentrum, und in der Kirche mehrere Patriarchen in gleichem Rang, von denen keiner Autorität über die anderen hatte.

Im Westen gab es jahrhundertelang keine zentrale politische Macht mehr, sondern streitende lokale Fürsten und einen kirchlichen Patriarchen (den römischen Bischof), der als Einziger Stabilität und Kontinuität gewährleisten konnte und dadurch zu einer zentralen Autorität wurde - und der sich aus dieser Sachlage heraus auch gegenüber den Lokalfürsten politisch engagieren musste.

Das politische Element im Amtsverständnis verstärkte sich noch, als der Papst durch Pippin zum weltlichen Grundherrn des Kirchenstaates gemacht wurde und sich dadurch mehr und mehr auch in der Rolle eines weltlichen Monarchen sah.

Als Pippins Sohn Karl der Große im Jahre 800 im Westen von Leo III. zum Kaiser gekrönt wurde, weil beide während der Regentschaft von Irene von Athen den byzantinischen Kaiserthron als vakant ansahen, war das ein weiterer Bruch mit dem Osten. Die Griechen - die Politiker und Kleriker ebenso wie die  Normalbürger - waren entsetzt und aufgebracht, daß der römische Bischof eigenmächtig einen "Barbarenfürsten" zum römischen Kaiser krönte, als gäbe es den römischen Kaiser in Konstantinopel nicht mehr. Das war ihrer Ansicht nach Verrat an Staat und Kirche.

 
   

 

 
Theologische Fragen definieren unterschiedliche Positionen  

Die Theologie hatte auf beiden Seiten schon bald unterschiedliche Schwerpunkte entwickelt, die sich zuerst gegenseitig befruchteten, dann aber durch den geringeren Austausch zu einer Auseinanderentwicklung führten.

Bei der Dreifaltigkeitslehre betonte der Osten mehr die drei gleichwertigen Personen einschließlich des Heiligen Geistes. Das sieht man besonders deutlich auf östlichen Ikonen, wo die Dreifaltigkeit durch 3 völlig gleich aussehende Gestalten (meist als Engel dargestellt) versinnbildlicht wird. Diese Form der Darstellung wurde im Westen sofort verboten. Hier wurde verstärkt die Einheit der drei Wesenheiten betont und der Heilige Geist eher in den "zweiten Rang" eingeordnet.

Im Westen entwickelte Augustinus das Dogma der Erbsünde, wonach jeder Mensch von der Zeugung an durch die Schuld Adams angesteckt und juristisch schuldig ist (was in der Folge die "unbefleckte Empfängnis Mariens" nötig machte...) Der Osten sieht die Erbsünde in den Konsequenzen der Schuld Adams: Tod, Begierde und die menschlichen Neigung zur Sünde.

Daraus folgt natürlich auch eine unterschiedliche Sicht der Erlösung: Im Westen geht es primär um den juristischen Freispruch, den Jesus bewirkt hat, indem er die Strafe für die menschliche Sünde auf sich nahm, im Osten bewirken Tod und Auferstehung Jesu Christi die Freiheit von Tod und Sünde, durch die der Mensch wieder gottähnlich werden und in Ewigkeit mit Gott leben kann. Die westliche Kirche sah Christus als das Opfer, die östliche Kirche sah Christus als den Sieger.

Das nicäinsche Glaubensbekenntnis bekam in der westlichen Kirche den Filioque-Zusatz*), in der östlichen Kirche blieb es in der Originalform. Das war ein konkreter Konflikt, der sich nicht als gegenseitige Ergänzung interpretieren ließ und in der heutigen ökumenischen Diskussion zwischen den beiden Kirchen noch als Hindernis zur Wiedervereinigung dasteht.

 
       
   

Apostolisches (griechisches) Glaubensbekenntnis

in der ökumenischen Fassung:

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,


und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,


geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,


hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;


er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;


von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.


Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche (katholische) Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.


Amen.
 

Nizänisches (westliches)

Glaubensbekenntnis

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.


Und an den einen Herrn Jesus Christus,

Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:

Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.


Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.


Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.


Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wieder kommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.


Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird;

 

der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, allgemeine (katholische)

und apostolische Kirche.


Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.


Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.


Amen.

 
       
   

*) Filioque bedeutet lateinisch "und dem Sohn".

Konkret handelt es sich um den Zusatz in dem Absatz über den Heiligen Geist: ...Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, ... (lateinisch: ...Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem, qui ex Patre Filioque procedit. ...)

Der Zusatz wurde erstmals in Spanien beim Konzil von Toledo 589 eingeführt, um sich gegen den Arianismus abzugrenzen, der die Ansicht vertrat, daß Jesus Christus weniger ist als Gott der Vater (eine Behauptung, die auch durch die Lehren der "Zeugen Jehovas" spukt, die in vielen theologischen Fragen Elemente des Arianismus übernommen hat).

Der Zusatz sollte deutlich machen, daß Jesus Christus mit Gott dem Vater gleichberechtigt ist.

Karl der Große ging dann so weit, den Glauben an das Filioque als heilsnotwendig hinzustellen, und klagte die Orthodoxe Kirche (und den Konkurrenz-Kaiser in Konstantinopel) an, den Zusatz absichtlich entfernt zu haben. Der damalige Papst Leo III. akzeptierte die Änderung durch diesen Zusatz nicht und ließ das Glaubensbekenntnis ohne diese Erweiterung in griechisch und lateinisch in die Mauern des Petersdomes eingravieren. Die Franken blieben dennoch bei diesem Zusatz.

Das Filioque war auch ein Thema beim 4. Konzil von Konstantinopel 879-880, welches das Glaubensbekenntnis von 381 bestätigte und sämtliche Zusätze als ungültig erklärte. Der Entscheid des Konzils wurde bestätigt durch die Patriarchen von Rom (Johannes VIII.), Konstantinopel (Photios), Antiochia, Jerusalem und Alexandria (die fünf offiziellen Führer der damaligen christlichen Kirche) und den byzantinischen Kaiser Basilius I.

Die katholische Kirche hat den Zusatz erstmals 1215 am 4. Laterankonzil (nach der gegenseitigen Exkommunikation des Papstes und des Patriarchen von Konstantinopel 1054) offiziell zum Dogma erhoben. Für die Orthodoxe Kirche war und ist das Filioque nicht akzeptabel, da es eine einseitige Abänderung des Entscheids eines allgemein anerkannten ökumenischen Konzils ist, und da es ihrer Interpretation der Dreieinigkeit widerspricht

 
   

 

 
Bedeutung des Bischofsamts  

Im Osten gab es viele lokale Kirchen, die sich auf die Gründung durch einen Apostel berufen konnten - von daher wurden alle Bischöfe prinzipiell als gleichberechtigt angesehen.

Allgemein gültige Entscheide konnten durch ein ökumenisches Konzil getroffen werden, das zudem allgemeine Zustimmung im Volk finden musste. Im Westen dagegen konnte sich etwa die römische Kirche auf Apostel berufen, und dadurch hatte der Bischof von Rom eine monarchische Sonderstellung. Die östlichen Kirchen, die dem Bischof von Rom schon immer traditionell den Ehrenvortritt gaben, hatten mit dieser monarchischen Haltung kein Problem, solange sie sich auf den Westen, also auf das römische Patriarchat, beschränkte.

Der Bischof von Rom kam dennoch mehr und mehr zur Ansicht, daß seine absolute Autorität sich nicht nur auf den Westen, sondern auf die gesamte Kirche erstreckte - und als die Bischöfe des Ostens sich auf einmal in der Rolle der Befehlsempfänger von Rom sahen, fragten sie zurück, welches Konzil das entschieden habe; was wiederum in dem Westen als irrelevante Frage angesehen wurde. Auch in diesem Punkt war es zu einer Entwicklung gekommen, wo die Ansichten der beiden Kirchen sich gegenseitig ausschlossen. 

 
       
Unterschiedliche Regelungen für das kirchliche Leben   Daneben war es auch bei weniger wesentlichen Dingen zu unterschiedlichen Entwicklungen gekommen: Im Osten konnten Priester heiraten, der Westen bestand auf dem Zölibat. Es gab unterschiedliche Regelungen bezüglich des Fastens; im Westen wurde ungesäuertes Brot für die Eucharistie benutzt, im Osten normales gesäuertes Brot. Die Rolle und der Stellenwert von bildlichen Darstellungen von Gott, Christus, dem Heiligen Geist, Maria, den Heiligen und dem Heilsgeschehen wurde unterschiedlich interpretiert u. v. m.  
       
Das so genannte Photios-Schisma  

Bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts waren die östliche und die westliche Kirche trotz aller dieser Unterschiede in voller Kommunion miteinander.

Ein erster ernster Konflikt kam im Jahre 857. Kaiser Michael III. hatte den Patriarchen Ignatius wegen dessen Ungehorsams abgesetzt und an seine Stelle den Theologen Photios berufen. An einem Konzil 861 in Konstantinopel wurde Photios anerkannt, auch von den Legaten des Papstes. Papst Nikolaus I. berief dennoch nach einer Nachdenkpause ein zweites Konzil 862 in Rom ein, das Photios wieder absetzte und unterrichtete Konstantinopel von diesem Beschluss im Ton eines absoluten Herrschers, wurde aber von Patriarch und Kaiser in Konstantinopel ignoriert.

Photios engagierte sich sehr in der Slawenmission - er sandte Kyrill und seinen Studienfreund (und möglicherweise Bruder?) Method, die beiden Slawenapostel, nach Bulgarien. Zu dem Konflikt zwischen ihm und Rom kam es, als Papst Nikolaus I. in Bulgarien fränkische Missionare unterstützte, die das Glaubensbekenntnis mit dem in Spanien eingeführten Filioque lehrten. Bisher war Rom in der Filioque-Frage neutral oder sogar dagegen gewesen. Photios, ein brillanter Theologe, konterte mit einer scharfen Enzyklika und berief ein Konzil in Konstantinopel ein, wo Nikolaus exkommuniziert wurde.

867 starb Nikolaus, und Photios wurde abgesetzt. Im vierten Konzil von Konstantinopel wurde die Absetzung bestätigt, und außerdem entschieden, daß Bulgarien zum Patriarchat Konstantinopel kommt. Dieses Konzil wurde erst viel später aus politischen Gründen im Westen zu einem "Ökumenischen Konzil" erklärt, im Osten ist es nicht als solches anerkannt.

879, bei einem weiteren Konzil in Konstantinopel wurde Photios vollständig rehabilitiert und es kam zu einer einstimmigen Versöhnung zwischen Rom (Johannes VIII.) und Konstantinopel (wieder Photios), wobei der Papst (kein Freund der Franken) in einem privaten Brief an Photios erklärte, daß das "Filioque" in Rom nie in Gebrauch gewesen und sowieso Ketzerei sei.

Auf diesem Konzil wurde (als weiser Kompromiss?) für den Westen der traditionelle römische Primat anerkannt, für den Osten aber jede päpstliche Jurisdiktion abgelehnt.

 
       
Das Schisma von 1054  

Zum nächsten ernsthaften Konflikt kam es, als die Normannen das bislang byzantinische und größtenteils griechischsprachige Süditalien eroberten. Papst Leo IX. versprach dem byzantinischen Gouverneur der Provinz Hilfe unter der Bedingung, daß die bislang östlichen Kirchen dieses Gebiets den westlichen Ritus übernehmen sollten, um so die Jurisdiktion von Rom de facto dort durchzusetzen), also ungesäuertes Brot in der Eucharistie, lateinische Sprache in der Liturgie und das Glaubensbekenntnis mit dem Filioque-Zusatz.

Der Gouverneur war damit einverstanden, der Klerus in keinster Weise. Michael Kerullarios , der Patriarch von Konstantinopel, ordnete seinerseits den byzantinischen Ritus für die lateinischen Kirchen in Konstantinopel an, die hauptsächlich von den dort ansässigen westlichen Gesandten, Händlern etc. besucht wurden. Als diese sich ebenso dagegen wehrten, ließ er die Kirchen einfach schließen.

Der autokratische Kardinal Humbert von Silva Candida , der führende Theoretiker einer absolutistischen Papstherrschaft, wurde als Gesandter nach Konstantinopel geschickt, um den Konflikt beizulegen. Humbert brachte einen (in Wahrheit von ihm selbst verfassten) Brief als Legitimation, in dem "der Papst" erklärte, die Jurisdiktion über den Patriarchen von Konstantinopel zu haben. Er bestritt dem ökumenischen Patriarchen seinen Titel, bezweifelte die Gültigkeit seiner Weihe, beschimpfte einen Mönch, der die östlichen Bräuche verteidigte, er sei wohl nicht aus einem Kloster sondern aus einem Bordell entsprungen, verlangte die Korrektur mehrerer "Irrtümer" in der östlichen Kirche, die von Rom schon zu lange vernachlässigt worden seien - und als er verständlicherweise mit den Verhandlungen nicht vorankam, legte Humbert am 16. 07 1054 in einem Anfall von "gerechtem Zorn" eine Bulle mit der Exkommunikation von Kerullarios und weiteren orthodoxen Klerikern auf dem Altar der Hagia Sophia nieder.

In dieser Bulle wird die orthodoxe Kirche als "Quelle aller Häresien" bezeichnet und Kerullarios ironischerweise unter anderem angeklagt, das Filioque aus dem Glaubensbekenntnis gestrichen zu haben. Die östliche Kirche wurde damit also angeklagt, das Glaubensbekenntnis verändert zu haben, das aber tatsächlich von der westlichen Kirche verändert worden war.

In der Folge verlangte Humbert noch, daß der Kaiser und Klerus die aufgeführten "Irrtümer" sofort beseitigten, was dazu führte, daß er von der Bevölkerung beinahe gelyncht wurde und vom Kaiser in Schutzhaft genommen werden musste.

Nach der ziemlich raschen Abreise von Humbert wurden er und seine Begleiter seinerseits - nicht gerade  überraschend - von Kerullarios und einem Konzil exkommuniziert (Humbert und Begleiter, nicht der Papst). Die übrigen östlichen Patriarchen stellten sich klar auf die Seite von Konstantinopel und wiesen die Ansprüche Roms ebenso zurück.

Heute wird dieser Bruch oft heruntergespielt und gesagt, es hätten sich ja nicht die Kirchen gegenseitig, sondern Einzelpersonen exkommuniziert. Damals war es jedoch ein Bruch: der Name des Papstes wurde von da an in der byzantinischen Liturgie nicht mehr genannt und die Kirchen in Konstantinopel blieben für lateinische Riten geschlossen

 
           
   

 

 
Plünderung von Konstantinopel  

Auf dem vierten Kreuzzug wurde Konstantinopel im Jahre 1204 erobert und während dreier Tage geplündert - sogar die Kirchen. Die meisten der zahlreichen Reliquien wurden in den Westen verschleppt. Der byzantinische Kaiser wurde vertrieben und für einige Jahrzehnte durch eine Familie von deutschstämmigen Kleinfürsten als Regenten "von Papstes und Venedigs Gnaden" ersetzt, die griechische kirchliche Hierarchie durch eine parallel strukturierte lateinische Hierarchie. Griechische Geistliche wurden zu einem Gehorsamseid gegenüber Rom gezwungen. Die byzantinische Kultur formierte sich nach deren Zerstörung allmählich in mehreren kleinasiatischen Exilreichen neu.

Ab diesem Zeitpunkt war die Trennung zwischen Ostkirche und Westkirche nicht mehr nur eine Frage von Theologen und Kirchenpolitikern, sondern für das gesamte Volk der östlichen Kirche eine nur allzu greifbare Realität und de facto eingetreten.

 
   

Auf dem zweiten Konzil von Lyon 1274 und dem Konzil von Florenz 1439 wurde versucht, eine neue Einigung der Ost- und Westkirche herbeizuführen. Diese Einigung wurde von den byzantinischen Kaisern wegen der Türkengefahr angestrebt, das Kirchenvolk und der größte Teil der kirchlichen Hierarchie war jedoch entschieden dagegen und empfand sie als totale Kapitulation vor Rom - was von Rom durchaus auch so gedacht war, obwohl es auch im Westen bei einzelnen Theologen Kompromiss-Bereitschaft gab. Das Schisma wurde durch diese Einigungsversuche  letztlich sogar verschärft und  nicht beseitigt.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde von Rom aus eine Politik der "Unionen" gepflegt, wobei aus verschiedenen Gründen unzufriedene Gruppen innerhalb der einzelnen Ostkirchen durch westliche Gesandte überzeugt wurden, den Papst anzuerkennen und sich von ihrer jeweiligen Mutterkirche loszusagen; man erlaubte ihnen dabei, ihre jeweils eigene Liturgie und ihre Bräuche im Großen und Ganzen beizubehalten (die so genannten "unierten" Kirchen).

Diese "Teile-und-herrsche"-Strategie führte naturgemäß zu großem Zorn und Unfrieden bei den übrigen Mitgliedern und den Leitungen der Ostkirchen, die die päpstlichen Gesandten nicht als Einiger, sondern als Spalter wahrnahmen.

Manche ostkirchliche Führer machten nun ihrerseits den Versuch, sich mit dem gerade neu entstandenen Protestantismus zu verbrüdern, was aber von den anderen östlichen Geistlichen (und von den führenden Protestanten) scharf kritisiert wurde.

Es dauerte über 500 Jahre, bis es zu einer neuen Verständigung zwischen der römisch-katholischen und den östlichen Kirchen kam. Am 7. 12 1965, am Ende des Zweiten vatikanischen Konzils hoben Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras die gegenseitige Exkommunikation auf.

Die theologischen Differenzen bezüglich Riten und liturgischen Formen, die vom 11. bis 14. Jahrhundert eine solche Rolle gespielt haben, werden heute auf beiden Seiten als theologisch größtenteils überwunden angesehen, ernsthafte Hindernisse für eine weitere Annäherung sind dennoch heute noch:

- die Frage des römischen Primats

- die Uneinigkeit über das Schicksal der Unierten Kirchen sowie umgekehrt das Problem der im Westen

   inzwischen bestehenden Strukturen der Orthodoxen Kirchen)

- die immer noch starken Ressentiments gegen die jeweils andere Seite bei vielen einfachen Gläubigen

 

 

Ambrosius von Mailand

 

"Hieronymus im Gehäuse"

von Albrecht Dürer

 

Augustinus von Hippo

 

Gregor der Große

 

Photios I. (der Große)

 

Tertullian

 

Basilius v. Caesarea

 

Pippin und Karl der Große

 

Papst Leo III. krönt

Karl zum kaiser

 

Die Dreifaltigkeit in der Ikonografie des Ostens

 

Kaiser Michael III. auf

einer Solidus-Münze

 

Ignatius von Antiochia

 

Kyrill und Method

 

Papst Leo IX.

 

Michael Kerullarios

 

Byzantinische Buch-

malerei  8. Jhdt.

 

2. Vatikan. Konzil

 

Gegenseitige Aufhebung

der Exkommunikation

am 7. 12. 1965

 

"Vierter Kreuzzug"

Zerstörung Byzanz

Holztafelbild

(unbekannter Meister)

 

"Kreuzritter" Höfische Miniatur aus einem Stundenbuch (13. Jhdt)

 

Zeuge byzantinischer Goldschmiedekunst: die Stephanskrone Ungarns

 

 

Das morgenländische Schisma

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 1

Der Konflikt Barbarossas mit dem Papst 2

Das abendländische Schisma