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Von der Römischen
Kirche zur Vielfalt der Christlichen Konfessionen heute |
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Die Geschichte der
Lateinischen Reichskirche war geprägt von zahlreichen Konflikten,
die Abspaltungen und Trennungen bewirkten.
Gravierende
Einschnitte für die Lateinische Kirche waren:
Das morgenländische
Schisma
Der Konflikt
Barbarossas mit dem Papst
Das abendländische
Schisma
Die Reformation
Das Erste
Vatikanische Konzil
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Das morgenländische
Schisma |
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Als
Morgenländisches Schisma, auch als Griechisches
Schisma bezeichnet ("Schisma" von griechisch:
Scisma
Trennung, Spaltung) wird die Trennung zwischen den
östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche
bezeichnet.
Oft wird als
Datum dafür 1054 angegeben, als sich der
Papst in Rom
und der Patriarch von Konstantinopel durch Niederlegung entsprechender
Bannbullen auf dem Hauptaltären der Hauptkirchen
beider Reichshauptstädte gegenseitig exkommunizierten, aber
tatsächlich handelte es sich um einen Prozess, der
sich etwa vom 5. bis in das 15. Jahrhundert hinzog.
Heute stimmen Historiker darin überein, daß Ostkirche
und Westkirche sich aufgrund einer fortschreitenden
Entfremdung trennten, die mit dem progressiven Wachstum
deS päpstlichen Autoritätsanspruch zusammenfiel. Entscheidend für die
Trennung waren aber nicht ausschließlich theologische Differenzen,
sondern auch kirchenpolitische Faktoren |
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Sprache als
wesentlicher Umstand |
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Am Anfang der
Entfremdung stand der profane Umstand, daß es im
Laufe der ersten Jahrhunderte in Rom und allgemein im
Westen weniger und weniger üblich wurde, die griechische Sprache
zu bevorzugen, die jahrhundertelang um das ganze
Mittelmeer lingua franca*)
gewesen war.
*) Die lingua franca (ital. für "fränkische Sprache") war eine im Mittelalter gebildete Pidgin-Sprache.
die als Handels- und Verkehrssprache im Mittelmeerraum
Verbreitung fand.
(Der Begriff Pidginsprache bezeichnet eine Sprache, die sich, meist spontan, aus einer Vermischung von Elementen unterschiedlicher Sprachen zu dem Zwecke der Verständigung verschiedensprachlicher Individuen herausbildet,
wie z. B. Pidgin-Englisch im Raum Neu-Guinea oder Indonesien).
Die Lingua franca fand
als Handels- und Verkehrssprache
im Mittelmeerraum Verbreitung. Die Sprache entwickelte sich aus dem Spätlatein und dem Italienischen mit starken arabischen Einschlägen.
Ihren Namen erhielt diese Sprache, da die Byzantiner und Araber alle Kreuzfahrer unabhängig von ihrer Herkunft als
"Franken" bezeichneten
Mit
"Lingua Franca" bezeichnet man heute
sprachwissenschaftlich eine allgemein verständliche Verkehrs- oder Weltsprache. Die ursprüngliche Lingua Franca wird zur besseren Differenzierung "Lingua Franca des Mittelmeers" genannt. Sie wurde noch im späten 19. Jahrhundert in Algier gesprochen.
Das führte natürlicherweise auch in der Kirche zu
geringerem theologischen Austausch. Bereits im vierten Jahrhundert
gibt es nur noch vereinzelte westliche Kirchenväter, die
griechisch lesen und schreiben können (Ambrosius von Mailand oder
Hieronymus
sind einige von diesen)
- der führende lateinische Kirchenlehrer Augustinus von
Hippo gehörte allerdings nicht mehr zu ihnen. Auch der
hochgebildete Gregor der Große, im 6.
Jahrhundert Botschafter in Konstantinopel,
konnte nicht mehr
griechisch.
Umgekehrt wurden die Werke des
Augustinus erst im 14.
Jahrhundert ins Griechische übersetzt. Generell bevorzugten
die griechischen Patriarchen kein Latein (der Philologe
Photios
z.B. verschmähte es, die "barbarische" Sprache Latein zu lernen),
man war daher im gegenseitigen Verkehr ständig auf
Übersetzer, Sekretäre und Experten angewiesen. |
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Kulturelle
Unterschiede |
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Ein weiterer Aspekt
des Morgenländischen Schismas sind wohl kulturbedingte Unterschiede
und verschiedene geistige Werte und
Haltungen. Griechen sahen Römer z. B. als
ungebildet und
barbarisch, Römer die Griechen dagegen als
hochnäsig und spitzfindig an.
Auch Bildung und
beruflicher Hintergrund der Kirchenväter waren unterschiedlich:
Viele
führende Theologen des Westens besaßen die in der römischen Kultur
übliche juristisch-politische Bildung wie
Tertullian,
Ambrosius von Mailand
und Augustinus. Von
daher waren ihnen auch in der Theologie die juristischen Aspekte
(Rechtfertigungslehre) und die organisatorischen
Aspekte (Ekklesiologie)
besonders wichtig.
Im Osten
dagegen überwog die klassische Bildung einschließlich klassischer
Philosophie, Rhetorik und Naturwissenschaften (wie z. B.
bei Origenes,
Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz). Von daher ging
es auch in der Theologie eher um grundlegende philosophische
Fragen wie der
Christologie.
Interessanterweise geht es auch bei den Häresien, die der frühen
Kirche die meisten Probleme bereiten, um parallele Fragen: beim
Donatismus
im Westen primär um Kirchenrecht, beim
Arianismus
und
Monophysitismus
im Osten um christologische Fragen und das Verhältnis des Glaubens
zur weltlichen Philosophie.
Im Osten gab
es traditionell zahlreiche gebildete Laien, die sich aktiv am
Kirchenleben und an der Theologie beteiligten, und von denen es
manche (z.B.
Photios)
bis zum Patriarchen brachten. Im Westen kam es durch die
politische Entwicklung dazu, daß die Kirche etwa ab dem
spätem 5. Jahrhundert ein Bildungsmonopol hatte - alle zukünftigen
Kleriker konnten (zumindest in den ersten Jahrhunderten) ihre Ausbildung
nur innerhalb der Kirche bekommen,
Laien waren nur sehr selten umfassend allgemein gebildet.
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Entscheidende
Impulse kommen von der politischen Situation her |
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Durch die Verlegung
der Hauptstadt des römischen Reiches von Rom nach
Konstantinopel und insbesondere durch den Fall
des weströmischen Reichs kam es zu sehr unterschiedlichen
politischen Konstellationen: Im Osten gab es den Kaiser
als politisches Machtzentrum, und in der Kirche
mehrere Patriarchen in gleichem Rang,
von denen keiner Autorität über die anderen hatte.
Im Westen
gab es jahrhundertelang keine zentrale politische Macht
mehr, sondern streitende lokale Fürsten und
einen kirchlichen Patriarchen (den römischen
Bischof),
der als Einziger Stabilität und Kontinuität gewährleisten konnte
und dadurch zu einer zentralen Autorität wurde - und der sich aus
dieser Sachlage heraus auch gegenüber den Lokalfürsten
politisch engagieren musste.
Das politische
Element im Amtsverständnis verstärkte sich noch, als der
Papst durch Pippin zum weltlichen Grundherrn
des Kirchenstaates gemacht wurde und sich dadurch mehr und mehr
auch in der Rolle eines weltlichen Monarchen sah.
Als Pippins
Sohn Karl der Große
im Jahre 800 im Westen von Leo III. zum Kaiser
gekrönt wurde, weil beide während der Regentschaft von
Irene von Athen
den byzantinischen Kaiserthron als vakant ansahen, war das ein
weiterer Bruch mit dem Osten. Die Griechen - die Politiker und
Kleriker ebenso wie die Normalbürger - waren entsetzt und
aufgebracht, daß
der römische Bischof eigenmächtig einen "Barbarenfürsten"
zum römischen Kaiser krönte, als gäbe es den
römischen Kaiser in Konstantinopel nicht mehr. Das war ihrer
Ansicht nach Verrat an Staat und Kirche. |
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Theologische Fragen
definieren unterschiedliche Positionen |
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Die Theologie hatte
auf beiden Seiten schon bald unterschiedliche Schwerpunkte
entwickelt, die sich zuerst gegenseitig befruchteten, dann aber
durch den geringeren Austausch zu einer Auseinanderentwicklung
führten.
Bei der
Dreifaltigkeitslehre betonte der Osten mehr die drei
gleichwertigen Personen einschließlich des Heiligen Geistes. Das
sieht man besonders deutlich auf östlichen Ikonen, wo die
Dreifaltigkeit durch 3 völlig gleich aussehende Gestalten (meist
als Engel dargestellt) versinnbildlicht wird. Diese Form der
Darstellung wurde im Westen sofort verboten. Hier wurde verstärkt
die Einheit der drei Wesenheiten betont und der
Heilige Geist eher in den "zweiten Rang"
eingeordnet.
Im Westen
entwickelte Augustinus das Dogma der Erbsünde,
wonach jeder Mensch von der Zeugung an durch die Schuld
Adams angesteckt und juristisch schuldig ist (was in der
Folge die "unbefleckte Empfängnis Mariens" nötig
machte...) Der Osten sieht die Erbsünde in den Konsequenzen
der Schuld Adams: Tod, Begierde und die menschlichen
Neigung zur Sünde.
Daraus folgt
natürlich auch
eine unterschiedliche Sicht der Erlösung:
Im Westen geht es
primär um den juristischen Freispruch, den Jesus
bewirkt hat, indem er die Strafe für die menschliche Sünde auf
sich nahm, im Osten bewirken Tod und Auferstehung
Jesu Christi die Freiheit von Tod und
Sünde, durch die der Mensch wieder gottähnlich werden und
in Ewigkeit mit Gott leben kann. Die westliche Kirche sah Christus
als das Opfer, die östliche Kirche sah Christus als den Sieger.
Das
nicäinsche Glaubensbekenntnis bekam in der westlichen
Kirche den
Filioque-Zusatz*),
in der östlichen Kirche blieb es in der Originalform. Das war ein
konkreter Konflikt, der sich nicht als gegenseitige Ergänzung
interpretieren ließ und in der heutigen ökumenischen Diskussion
zwischen den beiden Kirchen noch als Hindernis zur
Wiedervereinigung dasteht.
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Apostolisches (griechisches) Glaubensbekenntnis
in der ökumenischen Fassung:
Ich
glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche (katholische) Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
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Nizänisches (westliches)
Glaubensbekenntnis
Wir
glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes
eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott
von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wieder kommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird;
der
gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, allgemeine (katholische)
und
apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen. |
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*) Filioque bedeutet lateinisch
"und dem Sohn".
Konkret handelt es sich um den Zusatz in dem Absatz über den Heiligen Geist:
...Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater
und dem Sohn hervorgeht, ... (lateinisch:
...Et in Spiritum Sanctum, Dominum et vivificantem, qui ex Patre Filioque procedit. ...)
Der Zusatz wurde erstmals in Spanien beim
Konzil von Toledo 589 eingeführt, um sich gegen den
Arianismus abzugrenzen, der die Ansicht vertrat, daß Jesus Christus weniger ist als Gott der Vater
(eine Behauptung, die auch durch die Lehren der
"Zeugen Jehovas" spukt, die in vielen theologischen
Fragen Elemente des Arianismus übernommen hat).
Der Zusatz sollte deutlich machen, daß
Jesus Christus mit Gott dem Vater gleichberechtigt ist.
Karl der Große
ging dann so weit, den Glauben an das Filioque als heilsnotwendig hinzustellen, und klagte die Orthodoxe Kirche (und den Konkurrenz-Kaiser in Konstantinopel) an, den Zusatz
absichtlich entfernt zu haben. Der damalige Papst Leo III. akzeptierte die Änderung durch
diesen Zusatz
nicht und ließ das Glaubensbekenntnis ohne diese Erweiterung in griechisch und
lateinisch in
die Mauern des Petersdomes eingravieren. Die Franken blieben dennoch bei diesem Zusatz.
Das Filioque war
auch ein Thema beim 4. Konzil von Konstantinopel 879-880,
welches das Glaubensbekenntnis von 381 bestätigte und sämtliche Zusätze als ungültig erklärte. Der Entscheid des Konzils wurde bestätigt durch die
Patriarchen von Rom (Johannes VIII.), Konstantinopel (Photios), Antiochia, Jerusalem und Alexandria
(die fünf offiziellen Führer der damaligen christlichen Kirche) und den byzantinischen Kaiser
Basilius I.
Die katholische Kirche
hat den Zusatz erstmals 1215 am 4. Laterankonzil (nach der gegenseitigen Exkommunikation des Papstes und
des Patriarchen von Konstantinopel 1054)
offiziell zum Dogma erhoben. Für die Orthodoxe Kirche war und ist das
Filioque nicht akzeptabel, da es eine einseitige Abänderung des Entscheids eines allgemein anerkannten ökumenischen Konzils ist, und da es ihrer Interpretation der
Dreieinigkeit widerspricht
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Bedeutung des
Bischofsamts |
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Im Osten gab es
viele lokale Kirchen, die sich auf die
Gründung durch einen Apostel berufen konnten
- von daher wurden alle Bischöfe prinzipiell als gleichberechtigt
angesehen.
Allgemein gültige
Entscheide konnten durch ein ökumenisches
Konzil getroffen werden, das zudem allgemeine Zustimmung
im Volk finden musste. Im Westen
dagegen konnte sich etwa die römische Kirche auf
Apostel berufen, und dadurch hatte der Bischof von Rom eine
monarchische Sonderstellung. Die östlichen Kirchen, die
dem Bischof von Rom schon immer traditionell den Ehrenvortritt
gaben, hatten mit dieser monarchischen Haltung kein
Problem, solange sie sich auf den Westen, also auf das römische
Patriarchat, beschränkte.
Der Bischof von Rom kam
dennoch mehr und mehr zur Ansicht, daß seine
absolute Autorität sich nicht nur auf den Westen,
sondern auf die gesamte Kirche erstreckte - und als
die Bischöfe des Ostens sich auf einmal in der Rolle der
Befehlsempfänger von Rom sahen, fragten sie zurück, welches
Konzil das entschieden habe; was wiederum in dem
Westen als irrelevante Frage angesehen wurde. Auch
in diesem Punkt war es zu einer Entwicklung gekommen, wo die Ansichten der
beiden Kirchen sich gegenseitig ausschlossen. |
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Unterschiedliche
Regelungen für das kirchliche Leben |
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Daneben war es auch
bei weniger wesentlichen Dingen zu unterschiedlichen Entwicklungen
gekommen: Im Osten konnten Priester heiraten, der
Westen bestand auf dem Zölibat. Es gab unterschiedliche Regelungen
bezüglich des Fastens; im Westen wurde
ungesäuertes
Brot für die Eucharistie benutzt, im Osten
normales gesäuertes Brot. Die Rolle und der Stellenwert von bildlichen
Darstellungen von Gott, Christus, dem Heiligen Geist, Maria, den
Heiligen und dem Heilsgeschehen wurde unterschiedlich
interpretiert u. v. m. |
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Das so genannte
Photios-Schisma |
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Bis zur Mitte des 9.
Jahrhunderts waren die östliche und die westliche Kirche trotz
aller dieser Unterschiede in voller Kommunion miteinander.
Ein erster ernster
Konflikt kam im Jahre 857. Kaiser Michael III. hatte den
Patriarchen Ignatius wegen dessen Ungehorsams
abgesetzt und an seine Stelle den Theologen Photios
berufen. An einem Konzil 861 in Konstantinopel
wurde Photios anerkannt, auch von den Legaten
des Papstes. Papst Nikolaus I. berief dennoch
nach einer Nachdenkpause ein zweites Konzil 862 in Rom ein, das
Photios wieder absetzte und
unterrichtete Konstantinopel von diesem Beschluss im
Ton eines absoluten Herrschers, wurde aber von
Patriarch und Kaiser in Konstantinopel ignoriert.
Photios
engagierte sich sehr in der Slawenmission - er
sandte Kyrill und seinen Studienfreund (und
möglicherweise Bruder?) Method, die beiden
Slawenapostel, nach Bulgarien. Zu dem
Konflikt zwischen ihm und Rom kam es, als Papst Nikolaus I.
in Bulgarien fränkische Missionare unterstützte, die das
Glaubensbekenntnis mit dem in Spanien eingeführten Filioque
lehrten. Bisher war Rom in der
Filioque-Frage
neutral oder sogar dagegen gewesen. Photios,
ein brillanter Theologe, konterte mit einer scharfen
Enzyklika und berief ein Konzil in Konstantinopel ein, wo
Nikolaus exkommuniziert wurde.
867 starb
Nikolaus, und Photios wurde abgesetzt. Im
vierten Konzil von Konstantinopel wurde die Absetzung bestätigt,
und außerdem entschieden, daß Bulgarien zum
Patriarchat Konstantinopel kommt. Dieses Konzil wurde erst
viel später aus politischen Gründen im Westen zu einem
"Ökumenischen Konzil" erklärt, im Osten ist es nicht als
solches anerkannt.
879, bei einem
weiteren Konzil in Konstantinopel
wurde Photios vollständig rehabilitiert und es kam
zu einer einstimmigen Versöhnung zwischen Rom (Johannes
VIII.) und Konstantinopel (wieder Photios),
wobei der Papst (kein Freund der Franken) in einem privaten
Brief an Photios erklärte, daß das
"Filioque" in Rom nie in Gebrauch gewesen und sowieso
Ketzerei sei.
Auf diesem Konzil wurde (als weiser
Kompromiss?) für den Westen der traditionelle römische
Primat anerkannt, für den Osten aber jede päpstliche
Jurisdiktion abgelehnt. |
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Das Schisma von 1054 |
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Zum nächsten
ernsthaften Konflikt kam es, als die Normannen
das bislang byzantinische und größtenteils
griechischsprachige Süditalien eroberten.
Papst Leo IX. versprach dem byzantinischen Gouverneur der
Provinz Hilfe unter der Bedingung, daß die bislang
östlichen Kirchen dieses Gebiets den westlichen Ritus übernehmen
sollten, um so die Jurisdiktion von Rom de facto
dort durchzusetzen), also ungesäuertes Brot in der
Eucharistie,
lateinische Sprache in der Liturgie und das Glaubensbekenntnis mit
dem Filioque-Zusatz.
Der Gouverneur war
damit einverstanden, der Klerus in keinster Weise. Michael
Kerullarios , der Patriarch von Konstantinopel, ordnete
seinerseits den byzantinischen Ritus für die
lateinischen Kirchen in Konstantinopel an,
die hauptsächlich von den dort ansässigen westlichen Gesandten,
Händlern etc. besucht wurden. Als diese sich ebenso
dagegen wehrten, ließ er die Kirchen einfach schließen.
Der
autokratische Kardinal Humbert von Silva
Candida , der führende Theoretiker einer
absolutistischen Papstherrschaft, wurde als Gesandter nach
Konstantinopel geschickt, um den Konflikt beizulegen.
Humbert brachte einen (in Wahrheit von ihm selbst
verfassten) Brief als Legitimation, in dem "der
Papst" erklärte, die Jurisdiktion über den Patriarchen von
Konstantinopel zu haben. Er bestritt dem ökumenischen Patriarchen
seinen Titel, bezweifelte die Gültigkeit seiner Weihe, beschimpfte
einen Mönch, der die östlichen Bräuche verteidigte, er sei wohl
nicht aus einem Kloster sondern aus einem Bordell entsprungen,
verlangte die Korrektur mehrerer "Irrtümer" in der
östlichen Kirche, die von Rom schon zu lange vernachlässigt worden
seien - und als er verständlicherweise mit den Verhandlungen nicht
vorankam, legte Humbert am 16. 07 1054 in einem Anfall von
"gerechtem Zorn" eine Bulle mit der Exkommunikation von
Kerullarios und weiteren orthodoxen Klerikern auf dem
Altar der Hagia Sophia
nieder.
In dieser Bulle wird
die orthodoxe Kirche als "Quelle aller Häresien"
bezeichnet und Kerullarios ironischerweise
unter anderem angeklagt, das Filioque aus dem
Glaubensbekenntnis gestrichen zu haben. Die östliche Kirche wurde
damit also angeklagt, das Glaubensbekenntnis verändert zu haben,
das aber tatsächlich von der westlichen Kirche verändert
worden
war.
In der Folge
verlangte Humbert noch, daß der Kaiser und
Klerus die aufgeführten "Irrtümer" sofort beseitigten, was dazu
führte, daß er von der Bevölkerung beinahe
gelyncht wurde und vom Kaiser in Schutzhaft
genommen werden musste.
Nach der ziemlich
raschen
Abreise von Humbert wurden er und seine Begleiter
seinerseits - nicht gerade überraschend - von
Kerullarios und einem Konzil exkommuniziert (Humbert und
Begleiter, nicht der Papst). Die übrigen östlichen Patriarchen
stellten sich klar auf die Seite von Konstantinopel und wiesen die
Ansprüche Roms ebenso zurück.
Heute wird dieser
Bruch oft heruntergespielt und gesagt, es hätten sich ja
nicht die Kirchen gegenseitig, sondern
Einzelpersonen exkommuniziert. Damals war es jedoch ein Bruch: der
Name des Papstes wurde von da an in der byzantinischen Liturgie
nicht mehr genannt und die Kirchen in Konstantinopel blieben für
lateinische Riten geschlossen |
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Plünderung von
Konstantinopel |
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Auf dem vierten
Kreuzzug wurde Konstantinopel im Jahre
1204 erobert und während dreier Tage
geplündert - sogar die Kirchen. Die meisten der
zahlreichen Reliquien wurden in den Westen verschleppt. Der
byzantinische Kaiser wurde vertrieben und für
einige Jahrzehnte durch eine Familie von deutschstämmigen
Kleinfürsten als Regenten "von Papstes und Venedigs Gnaden"
ersetzt, die griechische kirchliche Hierarchie durch
eine parallel strukturierte lateinische Hierarchie. Griechische
Geistliche wurden zu einem Gehorsamseid gegenüber
Rom gezwungen. Die byzantinische Kultur formierte sich nach deren
Zerstörung allmählich
in mehreren kleinasiatischen Exilreichen neu.
Ab diesem Zeitpunkt
war die Trennung zwischen Ostkirche und Westkirche nicht mehr nur
eine Frage von Theologen und Kirchenpolitikern, sondern für das
gesamte Volk der östlichen Kirche eine nur allzu greifbare
Realität und de facto eingetreten. |
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Auf dem zweiten
Konzil von Lyon 1274 und dem Konzil von Florenz
1439 wurde versucht, eine neue Einigung der Ost- und Westkirche
herbeizuführen. Diese Einigung wurde von den byzantinischen
Kaisern wegen der Türkengefahr angestrebt, das
Kirchenvolk und der größte Teil der kirchlichen
Hierarchie war jedoch entschieden dagegen und empfand sie als
totale Kapitulation vor Rom - was von Rom durchaus auch so
gedacht war, obwohl es auch im Westen bei einzelnen
Theologen Kompromiss-Bereitschaft gab. Das Schisma
wurde durch diese Einigungsversuche letztlich
sogar verschärft und nicht beseitigt.
Ab dem 16.
Jahrhundert wurde von Rom aus eine Politik der "Unionen"
gepflegt, wobei aus verschiedenen Gründen unzufriedene Gruppen
innerhalb der einzelnen Ostkirchen durch westliche Gesandte
überzeugt wurden, den Papst anzuerkennen und sich von ihrer
jeweiligen Mutterkirche loszusagen; man erlaubte ihnen dabei, ihre
jeweils eigene Liturgie und ihre Bräuche im Großen
und Ganzen beizubehalten (die so genannten "unierten"
Kirchen).
Diese "Teile-und-herrsche"-Strategie
führte naturgemäß zu großem Zorn und Unfrieden bei den
übrigen Mitgliedern und den Leitungen der Ostkirchen, die die
päpstlichen Gesandten nicht als Einiger, sondern als
Spalter wahrnahmen.
Manche
ostkirchliche Führer machten nun ihrerseits den Versuch,
sich mit dem gerade neu entstandenen Protestantismus
zu verbrüdern, was aber von den anderen östlichen Geistlichen
(und von den führenden Protestanten) scharf kritisiert wurde.
Es dauerte
über 500 Jahre, bis es zu einer neuen Verständigung
zwischen der römisch-katholischen und den östlichen Kirchen kam.
Am 7. 12 1965, am Ende des Zweiten vatikanischen Konzils
hoben Papst Paul VI. und Patriarch
Athenagoras
die gegenseitige Exkommunikation auf.
Die theologischen
Differenzen bezüglich Riten und liturgischen Formen, die vom 11.
bis 14. Jahrhundert eine solche Rolle gespielt haben, werden heute
auf beiden Seiten als theologisch größtenteils
überwunden angesehen, ernsthafte Hindernisse für eine weitere
Annäherung sind dennoch heute noch:
- die Frage des
römischen Primats
- die Uneinigkeit
über das Schicksal der Unierten Kirchen sowie
umgekehrt das Problem der im Westen
inzwischen bestehenden Strukturen der Orthodoxen Kirchen)
- die immer noch
starken Ressentiments gegen die jeweils andere Seite bei vielen
einfachen Gläubigen |
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Ambrosius von Mailand

"Hieronymus im Gehäuse"
von Albrecht Dürer

Augustinus von Hippo

Gregor der Große

Photios I. (der Große)

Tertullian

Basilius v. Caesarea

Pippin und Karl der Große

Papst Leo III. krönt
Karl zum kaiser

Die Dreifaltigkeit in der
Ikonografie des Ostens

Kaiser Michael III. auf
einer Solidus-Münze

Ignatius von Antiochia

Kyrill und Method

Papst Leo IX.

Michael Kerullarios

Byzantinische Buch-
malerei 8. Jhdt.

2. Vatikan. Konzil

Gegenseitige Aufhebung
der Exkommunikation
am 7. 12. 1965

"Vierter Kreuzzug"
Zerstörung Byzanz
Holztafelbild
(unbekannter Meister)

"Kreuzritter" Höfische Miniatur
aus einem Stundenbuch (13. Jhdt)

Zeuge byzantinischer
Goldschmiedekunst: die Stephanskrone Ungarns
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