Wie am 1. Advent die Messias-Verheißung des Propheten Jeremia uns Hoffnung machen kann und düstere Endzeitgedanken vertreibt.

Predigt zum 1. Advent

ab Sonntag 28. November

Liebe Gemeinde,

zum 1. Advent bin ich normalerweise mit schönen zu zuversichtlichen Gedanken erfüllt, doch diesmal ist das anders. Schon wieder Lockdown, unnötig und vermeidbar und hausgemacht – aus meiner Sicht. Portugal und Spanien, zwei südliche Länder, auf die wir Österreicher ja vielleicht sogar ein wenig überheblich herabsehen, die haben uns gezeigt, wie es gehen könnte.

Und dann noch das Versagen des Weltklimagipfels, der von einigen sogar noch als vorsichtiger Erfolg verkauft wird. Die Wälder in Amazoniens brennen weiter, aus Gier, und die Tundra in Sibirien beginnt aufzutauen, Die Gletscher an den Polen schmelzen ungebremst dahin.

Das 1-2-3 Ticket wird die Schöpfung nicht retten, und auch nicht, dass die S37 nun doch nicht gebaut wird.

Und so ist sie da, die Frage, ehrlich und ernstgemeint: „Geht es eigentlich gut aus mit uns Menschen?“ Oder haben wir uns, so wie wir miteinander und mit der Umwelt umgehen, nicht schon längst ins Out manövriert, in eine Sackgasse, aus der es keinen Ausweg mehr gibt?

Ist die Menschheit am Ende? Sollte es dem Ökosystem gelingen, uns durch Covid-19 und vergleichbare Pandemien loszuwerden, so wäre es das für uns Menschen. Und wenn wir der Sieger bleiben und das Ökosystem zerstören, dann wäre es das ebenfalls für uns Menschen, den eine Menschheit ohne Ökosystem, das funktioniert nicht.

Endzeitgedanken am Beginn eines neuen Kirchenjahres. Nicht wirklich passend. Gott sei Dank schlägt der Predigttext für den 1. Adventsonntag ganz andere Töne an:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR ist unsere Gerechtigkeit«.“

So lesen wir es im Buch des Propheten Jeremias im 23. Kapitel die Verse 5 bis 6.

„Siehe, es kommt die Zeit…“ Das klingt nach Zukunftsmusik – und ja, das ist es auch. Es ist eine Verheißung, eine der vielen Verheißungen, dass der Messias kommen wird. Ein Herrscher bzw. König nach Gottes Vorstellungen und ganz besonders von Gott bevollmächtigt.

Die Verheißung des Messias, die nimmt eine ganz tief sitzende Sehnsucht des Volkes Israels auf. Und es ist auch unsere Sehnsucht: Das da jemand regiert, der das Wohl des Volkes im Blick hat und für Gerechtigkeit sorgt.

„Für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen ist nach dem im gesamten Alten Orient verbreiteten Herrschaftsverständnis die erste und vornehmste Aufgabe des Königs, die er im Auftrag Gottes auszuführen hat.“ So schreibt Sven Petry in seinem Kommentar zu unserem Predigttext.

Nun, wir haben keinen König oder keine Königin mehr in Österreich, sondern Politiker. Und ich glaube nicht, dass die das Gefühl haben, im Auftrag Gottes zu handeln, eher im Auftrag des Eigeninteressens oder im Interesse der eigenen Lobby.

„Geht es gut aus mit uns?“ So meine Frage am Beginn.

Der Prophet Jeremia gibt eine klare Antwort: Ja, es geht gut aus mit uns. Aber nicht, weil wir Menschen so großartig sind, sondern weil Gott großartig ist. Und weil er, Gott, uns nicht im Stich lässt, sondern das Gute in der Welt herbeiführen möchte. Es geht gut aus mit uns, so sagt es uns die Prophezeiung Jeremias. Es geht gut aus, keine Angst. Die Dinge kommen wieder auf den Weg. Sicher wohnen sollen alle am Ende, so seine Zukunftsvision.

„Es kommt die Zeit…“ Das ist Zukunftsmusik, die nicht ein letztes Urteil spricht, sondern eine neue Wirklichkeit in den Blick nimmt. Es ist das Prinzip Hoffnung, und ja, wir können hoffen und noch mehr: Als Christ*innen sollen und dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren.

Denn mit Jesus von Nazareth wurde damals in Betlehem der geboren, der in diese Welt kam „im Namen des HERRN“. Auf ihn hoffen wir, ihm wollen wir uns anvertrauen.

Darin allein liegt unsere Hoffnung auf Zukunft. „Siehe, es kommt die Zeit…“ Im Advent ist die Zeit gegeben, sich wieder ganz neu auf diese Hoffnung auszurichten und ihr Platz einzuräumen inmitten des Durcheinanders unserer Zeiten: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich“.

Mögen wir unsere Herzenstür aufmachen für da Kommen des Heilands, damit auch wir sein Anliegen mittragen und es mit auf den Weg bringen und uns selbst einbringen: Denn am Ende unseres Predigttextes heißt es: „Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Der Herr UNSERE Gerechtigkeit“.

Unsere Gerechtigkeit, das schließt uns mit ein. Es liegt auch an uns, dass sich die alte Prophezeiung des Jeremias erfüllen mag.

In diesem Sinne eine erfüllte und gesegnete Adventszeit uns allen!

GL Christian Kohl