Füreinander da zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig Verlust von Freiheit

Quergedacht

Wenn Martin Luther von der „Freiheit eines Christenmenschen“ spricht, versteht er sie vor allem auch im Blick auf die Verantwortung des Einzelnen für andere und der anderen für den Einzelnen. Verant- wortung und Freiheit sind ein Untrenn- bares Paar.

Durch die Pandemie ist bei vielen die Überzeugung, ein Recht auf Wohlfühlen zu haben, immer deutlicher geworden, Vom Blick der gesteigerten Individualität aus betrachtet, scheint das nicht falsch. Die Pandemie zeigt jedoch die Schwä- chen dieser Einschätzung auf, wenn der andere jetzt, durch verordnete Maßnah- men, vehement in das Bewusstsein tritt. Das ICH mutiert darin plötzlich zum WIR, Das WIR, wird von jenen, die auf ihrer individuellen Freiheit beharren. als Freiheitsentzug erlebt. Doch Freiheit ist ein Prozess, kein Begriff, sie verlangt im- mer den Bezug – wozu, wofür – und muss jeweilig immer wieder neu verhandelt werden. Sie fällt uns nicht einfach zu, es braucht Kraft, um sie zu erlangen, Wir müssen sie aufwenden, um uns dem Na- turlauf – in diesem Fall sind es die Viren – entgegenzustellen. Das zu tun erfordert Mut, Verstand und Wissen und Gemein- samkeit, um die Angst vor dem Unge- wissen, die jeder Entscheidung über de- ren Ergebnis anhaftet, zu überwinden. Vielleicht braucht es die Demaskierung – wie es die Maskenverweigerer deutlich machen, um in den Diskurs einzutreten wie nötig wir einander brauchen.

Denn der Einzelne ist ohne Andere nicht überlebensfähig, von Geburt an sind wir von anderen abhängig, wir nutzen und benutzen die Fähigkeiten anderer… siehe gesamte Infrastruktur, das Gesundheitswesen u.a.m. Füreinander da zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig Verlust von Freiheit, Röm.12:5 „So sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer das andere Glied (einer ist auf den anderen angewiesen).

Für den Evangelischen Frauenkreis Spittal, Martina Morandell, BA MA